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Jorge Volpi


Weitere Informationen:

Interview mit Jorge Volpi über seinen Roman »Zeit der Asche«

Wie sind Sie zum Thema des Buches gekommen?

Der Fall der Mauer und der Zusammenbruch des Sowjetreiches haben meine Jugend stark geprägt.Es kommt ja nicht gerade oft vor, dass man den Niedergang eines Imperiums direkt mitbekommt. Mir ging es mit »Zeit der Asche« nun darum, zu schildern, wie einige ganz normale Menschen, vor allem eben Frauen, diese tiefgreifenden Umwälzungen erlebt haben. Wie lebt man weiter, nachdem alles, woran man geglaubt hat, plötzlich hinfällig ist? Denn es endet nicht nur eine politische Form, sondern auch eine Weise, die Welt zu sehen und zu verstehen. unter anderem davon handelt das Buch.

Warum erzählen Sie die Zeitgeschichte durch das leben dreier Frauen?

Eine der großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts war die Emanzipation der Frau. Davor konnten Frauen in praktisch keinem Land der Welt wählen, rechtlich sind sie sehr eingeschränkt gewesen, und bis heute ist – zumindest in der westlichen Welt und trotz aller bestehenden ungleichheiten und Benachteiligungen – der Zuwachs an Freiheit enorm. Ich wollte, dass dieser Roman über die großen Umwälzungen, die fast alle von Männern vorangetrieben wurden, aus der Sicht einiger sehr unterschiedlicher Frauen erzählt wird. Sowohl Frauen, die diesen Veränderungen zum Opfer fallen, als auch solchen, die sie aktiv gestalten und davon profitieren.

Woher stammt Ihr ausgeprägtes Interesse an der Wissenschaft?

Ich halte die Wissenschaft für eine der großen menschlichen Errungenschaften. Und ich glaube, dass es völlig unmöglich ist, eine bestimmte Epoche zu verstehen, ohne das entsprechende wissenschaftliche Denken zu berücksichtigen. Genau wie die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr von der modernen Physik bestimmt war (das kulminiert dann in Hiroshima und Nagasaki), scheint mir, dass man sich heute in besonderer Weise mit Biologie, hier vor allem der Genetik, und der Ökonomie auseinandersetzen muss. Das »egoistische Gen« (Richard Dawkins) scheint unsere Neigung zum Kapitalismus zu bestimmen. In gewisser Weise hat der Kommunismus versucht, diese Tendenz zu bekämpfen. Der Fall der Mauer markierte dann aber den Triumph des egoistischen Individuums. Deshalb die Parallerzählung von Humangenomprojekt und dem Ende der UDSSR.

Wie sehen Sie, in Anbetracht der derzeitigen Situation, die Zukunft des Kapitalismus?

Mein Buch beginnt im Grunde mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 und erzählt dann, wie es dem Kapitalismus in den folgenden Jahren gelingt, sich neu zu formieren und am Ende sogar das ökonomische und ideologische Konkurrenzmodell hinwegzufegen. Heute gibt es abermals anzeichen dafür, dass der Kapitalismus in Zersetzung begriffen ist. Nachdem man zwanzig Jahre lang die Herrschaft freier Märkte behauptet und die Verschlankung des Staates gepredigt hat, befindet sich die Welt wieder in einer erheblichen Krise, und die, die das ende der Geschichte ausgerufen haben, fordern heute, dass der Staat stärker ins globale Wirtschaftsgeschehen eingreife. Es ist nicht klar, ob sich derzeit das Ende Amerikas ankündigt, aber vielleicht sollten wir versuchen, die beiden zentralen Ideen des Sozialismus, auch wenn sie von den Diktaturen so gründlich diskreditiert worden sind, neu zu beleben: die Solidarität und die Brüderlichkeit. es wird sich jedenfalls bald zeigen, ob der Kapitalismus wieder auf die Beine kommt, oder ob es notwendig ist, ein anderes Modell stark zu machen.

Interview mit Jorge Volpi über seinen Roman »Zeit der Asche«




Bei Klett-Cotta von Jorge Volpi lieferbar

Das Klingsor-Paradox. 
Der literarische Sensationserfolg von Jorge Volpi
»Ich möchte den einzigen Schriftsteller beglückwünschen, der besser ist als ich.«
Gabriel García Márquez

Ein Rätsel, ein Mann im Zwiespalt zwischen der Wissenschaft und dem Bösen, zwischen Liebe und Sex, zwischen Wahrheit und Lüge.
Roman
Aus d. Spanischen v. Susanne Lange (Original: En busca de Klingsor. Editorial Seix Baral, Barcelona, 1999) geb. mit Schutzumschlag 512 Seiten, ISBN: 978-3-608-93066-5

Der Würgeengel. 
»Es existiert eine Bösartigkeit, die man nicht erklären kann, eine giftige, schreckliche Bösartigkeit, die unter allen Lebewesen nur der Mensch besitzt.«
Ingmar Bergman
Roman
Aus d. Span. von Susanne Lange (Original: El temperamento melancólico. Nueva Imagen, México, 1996) geb. mit Schutzumschlag 304 Seiten, ISBN: 978-3-608-93065-8

Zeit der Asche. 
»"Zeit der Asche" ist einfach ein großartiger Roman, der es wagt, mit dem 20. Jahrhundert abzurechnen.« Walter von Rossum (DIE ZEIT, 16.07.09)
Anhand dreier Frauenschicksale erzählt Jorge Volpi von den großen Umbrüchen des ausgehenden 20. Jahrhunderts: von Tschernobyl, dem Fall der Berliner Mauer, dem Niedergang des Sowjetreiches, von bakteriologischer Kriegsführung und dem Humangenomprojekt. »Zeit der Asche« ist ein weltumspannender Roman über Aufstieg und Fall der Sowjetunion. Wissenschaftsroman, Kriminalgeschichte und schillerndes Panorama der Zeitgeschichte in einem.

»Ein Roman, der keine Sekunde an Spannung verliert und den Leser bis spät in die Nacht fesselt.« Lire

»Das ist das klügste Buch, das ich seit langem gelesen habe.«
Elke Heidenreich (litcolony.de, 29.4.2009)

»... Volpi versteht es, so furios zu erzählen wie in einem rasanten Krimi.«
(Rheinischer Merkur, 26.03.09)
Roman
Aus dem Spanischen von Catalina Rojas Hauser und Kirstin Bleiel (Orig.: No será la tierra. Novela en tres actos) 2. Aufl. 2009 gebunden mit Schutzumschlag 512 Seiten, ISBN: 978-3-608-93701-5


aktuelle Meldungen zu Jorge Volpi

30.04. 2009: Elke Heidenreich empfiehlt das neue Buch von Jorge Volpi
»Jorge Volpi "Zeit der Asche". Das ist das klügste Buch, das ich seit langem gelesen habe.«
Elke Heidenreich
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