»... Die Zukunft wird Jean Améry zu den Gründungsvätern der Bundesrepublik zählen. ...«
Michael Rutschky, Frankfurter Rundschau, 28./29.6.2008
»... Es ist die Art des Denkens, die diesen Autor so überaus lesenswert macht: Sein dialogisches Schreiben, das andere Positionen einbezieht und Widersprüche sichtbar macht; seine unablässige Sebstbefragung; die Klarheit des Gedankens und dessen genaue Formulierung; die Rationalität und ideologische Unbestechlichkeit; der Gestus des skeptischen Aufklärers und radikalen Humanisten, der zuweilen mit moralischer Verve daherkommt - und dabei doch auf Schwärmerei und Idealismus verzichtet; schließlich die Ernsthaftigkeit eines belesenen Autors, der ohne jedes Bildungsgehabe auskommt. ...
"Er fehlt uns, er ist da". Ja das kann man sagen, er ist da - nun auch in Gestalt einer Werkausgabe, die einen europäischen Intellektuellen, einen modernen Klassiker zur Geltung bringt.«
Horst Meier (Frankfurter Rundschau, 4.4.2006)
»Seit seinem Selbstmord vor einem Vierteljahrhundert ist es still geworden um Jean Améry. Dabei zählt der 1912 Geborene zu den radikalsten, zu den originellsten Schriftstellern der österreichischen, nein, der europäischen Literatur. ...
Die große zehnbändige Werkausgabe, die mit der finanziellen Unterstützung Jan Philipp Reemtsmas im Klett-Cotta-Verlag erscheint, bietet eine wunderbare Möglichkeit, sich mit Jean Améry von Neuem auseinanderzusetzen.«
(3sat, Kulturzeit, 14.9.2004)
»... In den bisher erschienen Bänden der Werkausgabe ... ist fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod ein Autor zu entdecken, der sich in jedem seiner Texte als genau jener Schriftsteller erweist, der er zu sein beanspruchte: als ein Schriftsteller, der den literarischen Grossrichtern seiner Zeit insofern voraus war, als er souverän die Grenzen der Gattungen überschreitet, vom luziden Argumentieren zum dichterischen Evozieren wechselt, von der beissenden Satire zur einfühlenden Deutung ...«
Karl-Markus Gauss (Neue Zürcher Zeitung, 10.7.2004)
»... Die Aktualität dieses radikalen Warn-Œvres in Zeiten des vielgesichtigen, mörderisch expandierenden Terrorismus ist offenkundig.«
Wolfgang Hädecke (Sächsische Zeitung, 4.6.2004)
»Améry wiederlesend, ist man überwältigt von seinem Urvertrauen in die Sprache, von seiner hoch instrumentierten Rhetorik, von seinem graziösen Stil und vermutet, gerade die Differenziertheit und Verästelung seines Denkens, das Aufspüren immer neuer Paradoxien, die suchende Unrast nach Details und Nebenwegen, die immer auch das Systematische durchkreuzen, machten seine wirkliche Authentizität aus. ...«
Wilfried F. Schoeller (Die Zeit, 15.01.2004)
»...Es ist höchste Zeit, Améry gleichermaßen als Schriftsteller, als scharfsinnigem Zeitgenossen und kritischem Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen neue Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Deshalb sind Heidelberger-Leonards wunderbare Biografie und die ebenfalls von ihr als Gesamtherausgeberin besorgte Werkausgabe Amérys so verdienstvoll - nicht zuletzt als Akt geistesgeschichtlicher Gerechtigkeit. ...
Bis zuletzt erinnerte er beharrlich an die Möglichkeit unüberwindlichen subjektiven Leids, während das postmoderne Denken zusehends davon zu abstrahieren begann. Er verlor dabei die konkrete deutsche Geschichte nicht aus dem Blick. Améry präsentierte der philosophischen Hybris die nüchterne Rechnung der Aufklärung. Genau deshalb muss man ihn heute lesen.«
Jan Süselbeck (die tageszeitung, 2.6.2004)
Pressestimmen zu Band 1
»... Dank Irene Heidelbergers Trouvaillen und Erläuterungen ergibt sich jetzt ein ganz neues Bild. ... Jean Améry bekämpfte dieses Delirium der Unvernunft einer ganzen Generation, die den Antihumanismus ein Vierteljahrhundert nach der Barbarei und der Zerstörung der Menschlichkeit zum Thema der Kultur machte. Das Misstrauen gegenüber jeglichem Erzählen "nach Auschwitz" blieb für Améry, auf dessen Handgelenk die Nummer als KZ-Häftling eingraviert war, schlicht nicht nachvollziehbar. ... Mit vielen Belegen und brillanten Überlegungen schließt die Herausgeberin den Kreis zwischen dem Erstling und dem Altersroman sichtbar.
Jürgen Altwegg (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.11.2007)
»... eine ebenso aufregende wie lohnende Lektüre ...«
Hans-Peter Kunisch (Literaturen, 06/2007)
»... Amérys lebenslanges Ressentiment, das sich in seiner Unversöhnlichkeit gegenüber Deutschland äußerte, bekommt durch die Lektüre dieses ganz erstaunlichen Erstlings einen noch viel bittereren Beigeschmack. Seine literarischen Versprechungen liegen auf der Hand und konnten nicht eingelöst werden. Tatsächlich, man müsste diesen Roman auch lesen, wenn er nicht von Jean Améry geschrieben worden wäre.«
Jürgen Altwegg (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.3.2007)
»"Die Schiffbrüchigen sind mehr als nur ein (auto-)biographisches Mosaikstück und mehr als ein Zeitdokument. Der Roman zielt auf eine philosophisch verdichtete Gesamtschau intellektueller Lagen, die auch heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat.«
Ulrike Baureithel (Der Tagesspiegel, 11.3.07)
»... Alles hätte anders kommen können. Diese tragischen Ahnung vermittelt die Lektüre dieses ergreifenden Romans.«
Volker Weidermann (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2007)
»... Wer mit Jean Amérys bisherigem Werk nicht vertraut war und "Die Schiffbrüchigen" vielleicht eher ratlos zur Seite legt, wird dennoch nicht umhin können, die unerhörte Kraftanstrengung zu bewundern, mit der hier Beobachtungen artikuliert und Sätze gemeißelt werden. Doch auch wer meinte, Améry einigermaßen zu kennen, wird vermutlich wie unter Magnetwirkung noch einmal zu den vermeintlich ausgelesenen Essays zurückkehren. Was ist das nur für ein Autor, bei dem bereits als junger Mann alles "da" war - vor dem Exil, vor der Gestapo, vor der Folter? ...«
Marko Martin (Kommune, 06/2007)
»Vor 70 Jahren geschrieben, nun endlich zu lesen: Jean Amérys faszinierender, beklemmender Erstling: "Die Schiffbrüchigen". ...
Der Roman, mit dem der als Essayist berühmt Gewordene literarisch begonnen hatte und von dem er niemals loskam, erscheint endlich als Buch. ... ein erstaunlicher, ein passagenweise mitreißender Roman, verblüffend schon dadurch, dass in ihm der ganze Améry enthalten ist; dass sich in ihm sogar jene Themen, die er später aus der Erfahrung von Haft und Folter fasste, auf geradezu rätselhafte Weise bereits im Voraus gestaltet finden; dass er den Grundkonflikten, die Améry 30 Jahre später essayistisch durchdringen wird, schon mit analytischer Schärfe wie gestalterischem Geschick auf den Grund geht. ...«
Karl-Markus Gauß (Die Presse, 17.3.2007)
»Die Schiffbrüchigen ist der ganz erstaunliche Roman eines erst 23jährigen Autors, unveröffentlicht bisher, von einer großen Lebendigkeit, vor allem Genauigkeit und einer überraschenden politischen Hellsicht. Ein Roman, der uns den späteren Schriftsteller Jean Améry neu verstehen läßt. ... spontan, lebendig und wagemutig, und wie radikal Améry von sich und von dem Leid an seiner Zeit schreibt.«
Uwe Timm
Pressestimmen zu Band 2
»... die drei grundlegenden autobiografischen Schriften ...«
Karl-Markus Gauss (Neue Zürcher Zeitung, 10.7.2004)
»... Dieser von Gerhard Scheit herausgegebene Band enthält auch eine Menge unbekannter Vorläufertexte, deren erste Notizen wohl noch im Lager entstanden sind. Übersichtlich wird die Arbeit an frühen Fassungen, der Prozess der Überarbeitung von 20 Jahren, der dem deutschen Essayisten Jean Améry vorausging. ...«
Wilfried F. Schoeller (Die Zeit, 15.01.2004)
»... Der Verlag Klett-Cotta würdigt Améry mit einer von Irene Hedelberger-Leonhard überaus gewissenhaft betreuten neunbändigen Gesamtausgabe, die sein Schaffen als Kulturkritiker und Romancier gleichrangig nebeneinander stellt. ... Alle drei Texte (von Band 2) machen deutlich, daß Amérys wegweisende Untersuchungen zur NS-Diktatur vom Gewicht der Arbeiten Hannah Arendts, Peter Weiss´oder Theodor W. Adornos sind. Anders als diese sperren sie sich jedoch gegen jeden Vesuch einer Rationalisierung durch eine vorgegebene Theorie oder wissenschaftliche Methode, sei es Marxismus oder Totalitarismustheorie, Psychologie oder Geschichtswissenschaften. ...«
Jonathan Scheiner (Jüdische Allgemeine, 21.11.2002)
»... Deshalb sei hier lediglich festgehalten, dass diese verdienstvolle Edition, die bis 2006 abgeschlossen sein soll, für wesentliche Kapitel der neueren politischen Geschichte, der Literaturgeschichte und Rezeptionsästhetik und sozusagen der intellektuellen Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts sich als ungewöhnliche Fundgrube erweist. ...«
Heinz Robert Schlette (Die Furche, Wien, 10.04.2003)
Pressestimmen zu Band 3
»... Améry verlangt viel von den Lesern, wenn sie ihm auf die existenzphänomenologischen Pfade der Folter, der Erniedrigung, des Suizids folgen sollen. Vielleicht haben ihm viele die Gefolgschaft gekündigt, weil sie fälschlicherweise denken, er schreibe nur über seine privaten Nöte. Dabei geht er radikal von sich aus, um den Menschen am Rande des Abgrunds zu begreifen. ...«
Oliver Müller (Berliner Zeitung, 18.7.2005)
»... Man muß dieses ernste Buch aber zweimal lesen, und dann zeigt sich, daß es auf viele seiner komplizierten Fragen verblüffend einfache Antworten gibt. Wer nicht altern will, soll jung sterben, heißt eine, und die andere heißt: Er soll jung bleiben. ...«
Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5.6.2005)
Pressestimmen zu Band 4
»Das schmale Werk enthält einen der furiosesten Windmühlenkämpfe der jüngeren Literaturgeschichte: Améry rannte darin - als Erzähler - gegen den Roman "Madame Bovary" an, und er forderte zugleich - als Kritiker und Essayist - den großen Gustave Flaubert in die Schranken eines Pozesses. Améry war in diesem Prozess Ankläger, Revisionsanwalt und Kronzeuge in Personalunion. ... Kesting hat nicht nur ein Umfangreiches, informatives Nachwort verfasst, er hat zugleich die Entstehungsgeschicht des Buches umfassend dokumentiert. Vom Exposé "Charles Bovary, Landarzt" (1976) über die Korrespondenz des Autors mit seinen Redakteuren beim NDR und im "Merkur" bis zum imaginären Selbstverriss. Hier wird greifbar, wie früh Améry mit Lesern konfrontiert war, die seinen Windmühlenkampf als solchen erkannten - und wie störrisch er seinem Projekt treu blieb: der Veteidigung des Citoyen noch im unscheinbarsten aller Bürger des 19. Jahrhunderts.«
Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung, 23.11.2006)
Pressestimmen zu Band 5
»... Amérys Aufsätze zum Film sind Huldigungen eines passionierten Kinogehers, der sich wider den elitären Hochmut der jeweils neuesten cineastischen Theorien zu Sehnsucht und Geschmack des Massenkonsumenten, ja zum Film als "naiver Kunstform" bekennt. ...
.. In den bisher erschienen Bänden der Werkausgabe ... ist fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod ein Autor zu entdecken, der sich in jedem seiner Texte als genau jener Schriftsteller erweist, der er zu sein beanspruchte: als ein Schriftsteller, der den literarischen Grossrichtern seiner Zeit insofern voraus war, als er souverän die Grenzen der Gattungen überschreitet, vom luziden Argumentieren zum dichterischen Evozieren wechselt, von der beissenden Satire zur einfühlenden Deutung ... «
Karl-Markus Gauss (Neue Zürcher Zeitung, 10.7.2004)
»... Die literarturanalytischen Texte ergeben ein Porträt des Lesers, der sich mit Witz und Leidenschaft, nicht ohne linke Romantik, seine Texte erwirbt, der nicht in der hochfahrenden Geste des Bildungsbürgers darüber verfügt. Er schneidet sich die Bücher für seine Existenz zurecht, vor allem Marcel Proust, Heinrich und Thomas Mann, erwirbt sich einen persönlichen Kanon ...«
Wilfried F. Schoeller (Die Zeit, 15.01.2004)
»... Dieses Grauen: dass das Alte noch da ist und nicht loslässt und dass es dennoch niemals einen gesicherten Besitz begründet - und dann die Erlösung, diesen Sachverhalt gültig gestaltet zu finden: es ist das zentrale literarische Erlebnis des Jean Améry.«
Burkhard Müller (Süddeutsche Zeitung, 20.12.2003)
Pressestimmen zu Band 6
»... Es ist für Amérys Denken und Schreiben bezeichnend, dass etliche seiner literarischen Porträts verkappte autobiografische Erzählungen sind und einige der in den "Aufsätzen zur Philosophie" vorgelegten Arbeiten wiederum als veritable literarische Porträts gelesen werden können. ...
... In den bisher erschienen Bänden der Werkausgabe ... ist fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod ein Autor zu entdecken, der sich in jedem seiner Texte als genau jener Schriftsteller erweist, der er zu sein beanspruchte: als ein Schriftsteller, der den literarischen Grossrichtern seiner Zeit insofern voraus war, als er souverän die Grenzen der Gattungen überschreitet, vom luziden Argumentieren zum dichterischen Evozieren wechselt, von der beissenden Satire zur einfühlenden Deutung ... «
Karl-Markus Gauss (Neue Zürcher Zeitung, 10.7.2004)
»... Bis zuletzt erinnerte er beharrlich an die Möglichkeit unüberwindlichen subjektiven Leids, während das postmoderne Denken zusehends davon zu abstrahieren begann. Er verlor dabei die konkrete deutsche Geschichte nicht aus dem Blick. Améry präsentierte der philosophischen Hybris die nüchterne Rechnung der Aufklärung. Genau deshalb muss man ihn heute wieder lesen.«
Jan Süselbeck (literaturkritik.de, Juni 2004)
»...Es ist höchste Zeit, Améry gleichermaßen als Schriftsteller, als scharfsinnigem Zeitgenossen und kritischem Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen neue Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Deshalb sind Heidelberger-Leonards wunderbare Biografie und die ebenfalls von ihr als Gesamtherausgeberin besorgte Werkausgabe Amérys so verdienstvoll - nicht zuletzt als Akt geistesgeschichtlicher Gerechtigkeit. ...
Bis zuletzt erinnerte er beharrlich an die Möglichkeit unüberwindlichen subjektiven Leids, während das postmoderne Denken zusehends davon zu abstrahieren begann. Er verlor dabei die konkrete deutsche Geschichte nicht aus dem Blick. Améry präsentierte der philosophischen Hybris die nüchterne Rechnung der Aufklärung. Genau deshalb muss man ihn heute lesen.«
Jan Süselbeck (die tageszeitung, 2.6.2004)
»Dem streitbaren Humanisten Jean Améry wird 25 Jahre nach seinem Tod endlich eine Werkausgabe zuteil. Seine wieder aufgelegten Texte lesen sich so frisch, als seien sie für unsere heutigen Debatten geschrieben. ...
Die auf neun Bände geplante Werkausgabe ist nicht hoch und laut genug zu preisen. Viele der Texte kannte man, einige (ich) nicht, andere waren ins blasse Reich der Erinnerung abgesunken. Hier sind sie nun. Und "Mein Gott, ist das gut", möchte man immer wieder ausrufen. ...«
Fritz J. Raddatz (Die Welt, 24.4.2004)