Werke, Band 7

Aufsätze zur Politik und Zeitgeschichte
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Der siebente Band der großen Werkausgabe vereinigt die für Amérys politisches Denken zentralen Aufsätze, vom ungedruckten Text bis zur berühmt gewordenen Streit-Schrift.
»Rund 5000 Zeitungsartikel«, stellte Améry im Jahr 1972 fest, als er seine publizistische Arbeit resümierte, »eine fast erschreckend umfangreiche Produktion.«

Die von Améry zum Zeitgeschehen verfaßten Kommentare und Analysen sind wegen ihrer gedanklichen Schärfe und stilistischen Brillanz heute noch lesenswert – und die wichtigsten von ihnen hat Stephan Steiner für diesen Band neu gelesen und kommentiert. Sie greifen Fragen der deutschen und internationalen Nachkriegsgeschichte auf: die der Nachwirkungen der NS-Epoche, des Antisemitismus- Problems und der politischen Nachkriegsordnung. Améry hat über Gewalt, über die Anziehungskraft radikaler Bewegungen nachgedacht, über die heimatlose Linke, und früh schon taucht in seinen Analysen die Frage des politischen Terrorismus auf.
Die stupende thematische Vielfalt der Publizistik Amérys macht diesen Band zu einem Kompendium der deutschen Nachkriegsgeschichte – und sie zeigt einen etwas anderen Améry: »Hier erscheint er als aktivistisch, den Puls der Zeit fühlend, nicht selten hoffnungsgeladen. Zwischen dem aus Auschwitz Befreiten und dem Toten von Salzburg liegen immerhin 30 Jahre, in denen gelebt, debattiert und auch gekämpft wurde« (Steiner). Radikaler Humanismus ist der Maßstab dieser aufregend aktuellen Texte.

Hier gelangen Sie zu den übrigen Bänden der Werkausgabe Jean Amérys.

Der Herausgeber des Bandes:
Stephan Steiner, geboren 1963 in Wien. Historiker und Philologe. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Deportation in der Frühen Neuzeit, zum nationalsozialistischen Lagersystem und zu österreichischen Autorinnen und Autoren.

Die Gesamtherausgeberin der Ausgabe
Irene Heidelberger-Leonard 1944 geboren in der Emigration der Eltern in Frankreich. Professorin an der Université Libre de Bruxelles. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Jean Améry und zur zeitgenössischen Literatur, u. a. zu Günter Grass, Alfred Andersch, Jurek Becker, W. G. Sebald. 2004 erschien ihre Jean Améry-Biographie: Jean Améry: Revolte in der Resignation. Biographie

Inhaltsverzeichnis
Terror der Aktualität. Statt eines Vorworts (1971)

Nazismus und jüdische Unruhe

a. Mein Judentum
    – Mein Judentum (1978)
b. Das Dritte Reich als Erfahrung, Bezugspunkt und Drohung
– Brief an Hans Egon Holthusen (1967)
– Brief an Simon Wiesenthal (1970)
– Gespräch über Leben und Ende des Herbert Törleß. Herbert Törleß aus Robert Musil »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß« (1971)
– Offener Brief an Albert Speer (1975)
– Brief an Erich Fried (1975)
– Wenn die den Krieg gewonnen hätten ... Selbstzeugnisse zur »Jugend im Dritten Reich« (1976)
– Die Zeit der Rehabilitierung. Das Dritte Reich und die geschichtliche Objektivität (1976)
– Über das unbeschreibliche Schreiben (1977)
– Des Teufels Blechtrommler. Über Joseph Goebbels’ »TAGEBÜCHER 1945« (1977)
– [Öffentliche Äußerung zu Albert Speer, in dessen Anwesenheit] (1978)
– Anmerkungen zu Anmerkungen. Sebastian Haffners Hitler-Bild (1978)
– Das Unverjährbare (1978)
c. Antizionismus als neuer Antisemitismus/Israel
– Der ehrbare Antisemitismus (1969)
– Die Linke und der »Zionismus« (1969)
– Juden, Linke – linke Juden. Ein politisches Problem ändert seine Konturen (1973)
– Der neue Antisemitismus (1976)
– Shylock, der Kitsch und die Gefahr (1976)
– Der ehrbare Antisemitismus. Rede zur Woche der Brüderlichkeit (1976)
– Grenzen der Solidarität. Die Diaspora-Juden und Israel (1977)

Geburt der Gegenwart
a. Nach-Krieg
– Die Verbündeten. Unzeitgemäße Betrachtung zur Remilitarisierung Deutschlands (1950)
– Ihr seid wieder wer! Brief an einen Bürger der Bundesrepublik Deutschland (1969)
– Das nicht ganz heimliche Deutschland (1976)
– Protest von links (1976)
– Erwägungen über die deutsch-französischen Beziehungen (1978)
b. Alltagsgeschichte als Zeitgeschichte
– Vom Amüsement in die Depression (1955)
– Ostblock: Menschenrecht auf die 4 Räder. Zur Sozialpsychologie des Privatwagenbesitzes (1966)
– »Hexenjagd« auf harmlose Außenseiter. Proteste gegen die Erfolgs-Religion (1966)
– Revolution des Ennui (1969)

Links, wo keine Heimat ist
a. Alte Linke – Neue Linke
– Diskussion über den Protest der Jugend (1967)
– Reise ans Ende der Revolution. Notizen von einer Frankreichfahrt (1968)
– Kann man noch Linksintellektueller sein? (1968)
– Weiter Weg zu Danton. Der Rebell Daniel Cohn-Bendit (1969)
– Müssen Revolutionäre Flegel sein? (1972)
– Revolution – Fetisch oder Aktualität? (1973)
– Sich nicht erpressen lassen (1973)
– Für eine Volksfront dieser Zeit. Prinzipien einer aktuellen Linken (1974)
– [Chile nach dem Putsch] (1975)
– Regionalismus: Notwendigkeit, Ideologie – oder Ersatzrevolution? Randnotizen zur Publikation »Thema: Regionalismus« (1977)
b. Terrorismus
– Wir Helfershelfer. Zur Frage von Theorie und Praxis (1972)
– Die Ermittlung (1974)
– Zwei Worte – Ein Skandal (1974)
– Bürgerkrieg in Deutschland? Offener Brief an Golo Mann (1977)
– Brief an Günther Anders (1977)

Gewalt und Gegengewalt
– ... wie eine Herde von Schafen? (1966)
– Erlösung in der Revolte (1966)
– Wer Wind sät. Zum Tode von Dr. Martin Luther King (1968)
– Die Geburt des Menschen aus dem Geiste der Violenz. Der Revolutionär Frantz Fanon (1968)
– Im Warteraum des Todes (1969)
– Grenzen politischer Gewaltphilosophie (1970)
– Konter-Violenz als Not-Wehr. Randbemerkungen zur Phänomenologie der Gewalt (1971)
– Über die Anziehungskraft radikaler Bewegungen (1971)

Fragmente einer Biographie des Zeitalters
– Die ewig Unerwünschten. Vorurteile gegenüber Emigranten (1967)
– Vom verlorenen Vertrauen (1971)
– Geschichte einer Arbeit. Suche nach einer Existenz (1972)
– Aspekte des Österreichischen (1976)
– Revision in Permanenz. Selbstanzeige im Zweifel (1977)
– In den Wind gesprochen (1978)

Anhang


Leseprobe
Stephan Steiner
Nachwort


»Versuche ich, quantitativ abzuschätzen, was […] von mir schriftlich niedergelegt wurde, so komme ich auf die konsternierende Ziffer von rund 5000 Zeitungsartikeln, die zusammen etwa 15000 Seiten ausmachen würden, eine fast erschreckend umfangreiche Produktion.« (GA S. 540f.)
Auf den ersten Blick mag Amérys Schätzung aus dem Jahre 1972 wie eine derjenigen Übertreibungen anmuten, die in die Welt gesetzt werden, um einer an sich schon staunenswerten Produktivität noch etwas mehr Strahlkraft zu verleihen. Denn auf eine umfangreiche Publikationsliste konnte der Autor zweifelsohne zurückblicken – aber 5000 Beiträge? Das hieße ein Artikel jeden zweiten Tag oder 185 Artikel pro Jahr, keiner davon in der Kürze einer Notiz, manche hingegen im Umfang einer kleinen Broschüre. Stilisierte Améry also sein Arbeitspensum?
Im Angesicht des Améryschen Nachlasses im Deutschen Literaturarchiv in Marbach verstummen derartige Fragen und weichen der Gewißheit, daß man es hier tatsächlich mit einer außergewöhnlich produktiven Schreiber-Existenz zu tun hat. Die Bücher, die Améry publizierte, sind bloß die weithin sichtbare Spitze einer Gesamtproduktion, deren Basis eine kaum überschaubare Zahl von Zeitschriften- und Zeitungsartikeln bilden, die seit dem Kriegsende in ununterbrochener Folge verfaßt wurden. Schon die Fülle der archivierten Typoskripte ist beeindruckend, obwohl sie – bis auf wenige Ausnahmen – bloß für die Zeit nach »Jenseits von Schuld und Sühne« vorhanden sind. Die quantitativ wahrscheinlich umfangreichere Arbeit aus der Zeit zwischen 1945 und 1965 existiert im DLA nur noch in einer Sammlung von Zeitungsausschnitten. Obwohl diese als ausgesprochen unvollständig betrachtet werden muß, umfaßt sie allein mehrere hundert Titel. Diese Ausrisse sind das einzige, was von Améry als »Handwerker der Journalistik« geblieben ist. Unter ihnen finden sich auch die von ihrem Autor gerne verschwiegenen Kolportage-Arbeiten, von denen besonders in den fünfziger Jahren nicht wenige entstanden. Vermehrt man diese archivierten Texte um die bei genaueren Recherchen auftauchenden, die bislang in keiner Bibliographie aufgelistet wurden, so gehört Améry zweifellos zu den produktivsten Schreibern seiner Generation.
Schriften zu Politik und Zeitgeschichte finden sich in Amérys Gesamtproduktion so zahlreich, daß man damit mehrere Bände füllen könnte, allerdings stammen fast alle Texte von Rang aus der Zeit nach »Jenseits von Schuld und Sühne«. Améry interessierte sich zwar schon in den fünfziger und sechziger Jahren für Zeitereignisse und äußerte sich dazu – erinnert sei zumindest an seine Churchill-Biographie –, aber in diesen Arbeiten mußte er allerwegen auf den Publikumsgeschmack Rücksicht nehmen und erhielt kaum Gelegenheit, eine eigene Sicht der Dinge zu entfalten. Eine Ausnahme bildet das (von ihm selbst aus seinem Werkverzeichnis ausgeklammerte) Buch »Geburt der Gegenwart« von 1961, das schon deutlich eine eigene Handschrift aufweist.
Entscheidend für Amérys Zurückhaltung, während der ersten bei den Nachkriegsjahrzehnte Kommentare zum Zeitgeschehen zu verfassen, war keine politische Orientierungslosigkeit, sondern einzig das Fehlen von diesbezüglichen Aufträgen. Er konnte es sich einfach nicht leisten, für die Schublade zu produzieren, und ließ es deshalb bleiben. Erst mit seiner breiteren Wahrnehmung als Essayist verlangten Redaktionen auch nach seinen politischen Kommentaren, und ab diesem Zeitpunkt begann er sich auch auf diesem Feld zu etablieren. Dann allerdings mit einer Vehemenz, die deutlich macht, daß er nur darauf gewartet hatte, nach seinen Stellungnahmen gefragt zu werden. […]
»Dem streitbaren Humanisten Jean Améry wird 25 Jahre nach seinem Tod endlich eine Werkausgabe zuteil. Seine wieder aufgelegten Texte lesen sich so frisch, als seien sie für unsere heutigen Debatten geschrieben. ... Die auf neun Bände geplante Werkausgabe ist nicht hoch und laut genug zu preisen. Viele der Texte kannte man, einige (ich) nicht, andere waren ins blasse Reich der Erinnerung abgesunken. Hier sind sie nun. Und ›Mein Gott, ist das gut‹, möchte man immer wieder ausrufen.«
Fritz J. Raddatz, Die Welt, 24.4.2004
Klett-Cotta Hg. von Stephan Steiner. Die Ausgabe wird unterstützt von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur.
1. Aufl. 2005, 679 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-93567-7

Jean Améry

Jean Améry, im Oktober 1912 als Hans Mayer in Wien geboren, zählt zu den bedeutendsten europäischen Intellektuellen der sechziger und siebziger Jahre....

Stephan Steiner

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