Ein hilfreiches, buntes und lebendiges Buch über den Dialog und seine verändernde Kraft, über die Erfahrungen mit Dialog im Alltag, in der Schule, in Organisationen, in der ökologischen Bewegung und in der Politik.
Warum den Eindruck hinterlassen, daß man sich nichts mehr zu sagen hat und Gespräche nur Sieger und Verlierer kennen?
Dialog ist kein Zaubermittel, aber der erste Schritt zur Besserung. Wie man das macht, was man dabei lernt, wo das eingesetzt wird, wer alles mitmacht, warum das Menschen interessiert - das finden Sie hier, einfach erklärt, mit vielen Beispielen aus Alltag, Schule und Organisation und mit zahlreichen Gesprächen. Der Dialog ist auf dem Vormarsch.
Man muß den Dialog üben, und hier wird verraten, wie. Zehn Kernfähigkeiten werden vorgestellt, ohne die es nicht geht. Wir erfahren etwas über den Dialogprozeß, die Council-Runde, den strategischen und generativen Dialog und über die Rolle des Dialogbegleiters.
Das Buch lädt Sie zu einer Entdeckungsreise ein, und es soll Ihnen helfen, mit sich selbst und mit den anderen in ein besseres Gespräch zu kommen, teilzunehmen an einer Erfahrung, die nicht ganz alltäglich ist.
»Offen lernen und mit dem Herzen sprechen
Wie entsteht Fruchtbares und Neues zwischen den Menschen? Wie ist es möglich, wirklich gehört und verstanden zu werden und zugleich auch anderen offen entgegenzutreten? Wie können Konfliktregelungen verbessert, und wie kann dem wachsenden Bedarf nach Kommunikation zwischen unterschiedlichen Menschen und Gruppierungen optimal Rechnung getragen werden?
Wenn jetzt als Antwort auf diese Fragen der Dialog empfohlen wird, werden nicht wenige auf die Vergeblichkeit von Dialogen verweisen und das Ganze ins Reich der schöngeistigen Ideen verbannen. Doch es gibt einen bislang ungehobenen Schatz des Dialogs, den Erwachsenenbildner Martina und Johannes Hartkemeyer sowie der Unternehmensberater Freeman Dhority möglichst vielen Menschen zugänglich machen wollen. In ihrem Buch Miteinander denken treten sie überzeugend für bewußt gestaltete Dialoge und Dialoggruppen ein. Das hervorragend gestaltete und sprachlich gekonnte Buch ist allerdings mehr als ein Plädoyer. Es ist eine Anleitung, ein Praxis- und Erfahrungsbuch, so daß es von einzelnen und Gruppen in der Bildungs-, Gemeinde- und Beratungsarbeit unmittelbar für eine Initiative zu bewußt gestalteten Dialogen eingesetzt werden kann.
Allerdings ist Miteinander denken kein Rezeptbuch, weil dies dem Geheimnis des Dialogs widersprechen würde. Denn zum Charakter des Dialogs gehört, daß er nicht von einer herrschenden Meinung geprägt, nicht von Initiatoren dominiert, nicht von der Unterscheidung zwischen Lehrenden und Lernenden abgeleitet wird. Dialog meint genau das Gegenteil: einen offenen, immer wieder offen gehaltenen Prozeß des wechselseitigen Verstehens und der gemeinsamen Verständigung. Wozu der Philosoph Martin Buber unter anderem mit seinen Schriften Zwiesprache sowie Ich und Du und der Quantenphysiker David Bohm mit seiner Schrift Der Dialog (vgl. Publik-Forum Nr. 7/98) die Grundlage geliefert haben, wird in Miteinander denken praktisch. Dazu gehören auch Interviews, etwa mit dem ehemaligen Direktor des Martin-Buber-Instituts in Jerusalem, Kalman Yaron, mit dem 1997 verstorbenen Vorkämpfer einer befreienden Pädagogik, dem Brasilianer Paulo Freire, und mit dem Begründer der universitären Friedensforschung, John Galtung.
Die Interviews zeigen für verschiedene Bereiche die tatsächliche Bedeutung des Dialogs so auf, daß seine praktische Verwirklichung und auch sein realer Erfolg nicht einfach wegzudiskutieren sind. Wie der Dialog praktisch gelingen und von Vorteil sein kann, zeigen anschaulich Beispiele aus dem sozialen Alltag, aus der Schule (Grund- und Berufsschule), aus Unternehmen und Organisationen, aus dem Politik- und Ökologiebereich. Neben den Prozeßphasen und Grundformen des Dialogs stellen die Autoren auch zehn Kernfähigkeiten vor, die in dem von ihnen gemeinten Dialog eine Schlüsselstellung haben: die Haltung eines Lernenden, radikalen Respekt voreinander, Offenheit, mit dem Herzen sprechen, zuhören, verlangsamen, Annahmen und Bewertungen relativieren und unterlaufen, produktiv plädieren, eine erkundende Haltung einüben, den Beobachter beobachten. Jede dieser Kernfähigkeiten wird eingehend erläutert und dabei selbst auch wieder für die Dialogfähigkeit kritisch hinterfragt.
Es ist klar, daß ein Dialog zugleich Anwendungsfeld, aber auch Übungsfeld dieser Kernfähigkeiten ist, denn es vergeht kein Dialog, in dem die Kernfähigkeiten nicht nach Überzeugung der Autoren vertieft, erweitert und selbst kontrolliert würden. Im Anhang des Buches findet sich das Konzept für eine Dialog-Werkstatt, die über zwei Tage geht und als Einführung und erste Einübung der Kernfähigkeiten und des Dialogs gilt. Da wir alle mittlerweile aus Diskussionen, Verhandlungen, Sitzungen, Beratungen und Smalltalks leicht bis schwer verbogene dialogische Kompetenzen mitbringen, ist eine solche Dialog-Werkstatt eine gute Möglichkeit, seine Dialogfähigkeit zu regenerieren. Das schwerste im Dialog ist die Selbsterkenntnis, wie vorläufig, wie vorgeprägt, wie eng eigene Ansichten und Meinungen sein können oder tatsächlich sind. Statt eigene Positionen zu verteidigen, gilt es, gemeinsam zu denken und Neues entstehen zu lassen.«
Norbert Copray (Publik-Forum, 01.11.1998)
Leseprobe
Vertiefung der Dialog-Fähigkeiten
Nach unserer Erfahrung ist es wichtig, in solchen offenen Gruppen ein gemeinsames Verständnis der grundlegenden Dialog-Fähigkeiten zu entwickeln. Auch wenn es im Dialog nur wenige "Regeln" gibt, existieren einige wichtige Prinzipien, und wenn sich die Teilnehmer nicht darüber verständigen, welche das sind, und kein gemeinsames Bild davon entwickeln, sind Krisen unvermeidlich. Nur wenn ein solches gemeinsames Verständnis existiert, können die Dialog-Begleiter in schwierigen Situationen eingreifen und auf diese Kernelemente und -fähigkeiten hinweisen.
Es fällt den meisten Gruppen nicht schwer, sich mit den zehn Kernfähigkeiten, die wir in Kapitel 3 vorgestellt haben, anzufreunden. Schwierig wird es erst, wenn es darum geht, unsere Reaktivität zu erkennen und damit zu arbeiten. Wir führen deshalb einige elementare definitorische Unterscheidungen und praktische Übungen ein, die sich sehr bewährt haben, um Aufmerksamkeit und Kompetenz zu schulen. An dieser Stelle wollen wir nur kurz darauf eingehen: Zum einen die sogenannte Linke Spalte Übung, die Unterscheidung zwischen Beobachtungen und Bewertungen, das Bild von der "Leiter der Schlußfolgerungen", das Gleichgewicht zwischen Plädieren und Erkunden sowie unsere Variante/Form der sogenannten Projektor-Übung. Zweck dieser Bilder und Übungen ist es, den Teilnehmer zu helfen, ihre inneren mentalen Modelle zu erkennen, die das, was wir denken, hören und sagen, beeinflussen.
Mit wachsender Aufmerksamkeit können wir aufgrund der Erfahrungen dieser Übungen die automatisch ablaufenden Reaktionen unterbrechen und neue Wege des Denkens einschlagen/erproben, eine andere Art zu sehen, zu hören und zu sprechen. Für viele Teilnehmer ist diese wachsende Fähigkeit, sich selbst, andere und die Welt "mit anderen Augen zu sehen" (wie es ein Teilnehmer formulierte), das wichtigste Ergebnis der Arbeit im Dialog. Sie eröffnet uns neue Kommunikationsmöglichkeiten und eine bewußtere Wahrnehmung. Nach unserer Erfahrung entwickeln die meisten Menschen diese Fähigkeiten durch bewußte praktische Übung und Begleitung (coaching). Dafür ist eine anfängliche Phase des Lernens/Praktizierens/ Coachings hilfreich.