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Der Hobbit

Lederausgabe mit Originalillustrationen der Erstausgabe von 1937

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Buchkunst in Vollendung, mit den Originalillustrationen der Erstausgabe von 1937 - limitiert auf 9.999 Exemplare

Passend zur >> roten Lederausgabe von »Der Herr der Ringe« gibt es »Der Hobbit« in einer exklusiven Prachtausgabe in grünem Leder, die jedes Sammlerherz höher schlagen lässt. Dafür sorgen auch die Originalillustrationen der Erstausgabe von 1937.
Außerdem dabei:
- eine Einführung in die Geschichte des Hobbit von Christopher Tolkien
- die ausfaltbare Karte des engl. Originals von Thror's Map und die Urversion der Karte von Wilderland

Die Ausgabe ist limitiert auf 9.999 Exemplare, deshalb heißt es: schnell zugreifen.

Vor 75 Jahren hat Tolkien die Geschichte von Bilbo und dem
Drachenschatz für seine Kinder niedergeschrieben. Und seit dieser Zeit ist Bilbos gefährliche Reise ein Klassiker der Kinderliteratur. Sehr zum Verdruß Tolkiens übrigens: Um den Eindruck eines Kinderbuches zu korrigieren, hat er später vielfach Überarbeitungen vorgenommen.

Es war ein schöner Morgen, als ein alter Mann bei Bilbo anklopfte. »Wir wollen hier keine Abenteuer, vielen Dank«, wimmelte er den ungebetenen Besucher ab. »Überhaupt, wie heißen Sie eigentlich?« - »Ich bin Gandalf«, antwortete dieser. Und damit dämmerte es Bilbo: Das Abenteuer hatte schon begonnen.

Tolkien Der Herr der Ringe Der Hobbit in Leder sonderausgabe Luxusausgabe   Passend zu dieser Ausgabe des Hobbits
   die >> rote Lederausgabe von »Der Herr der Ringe«.

Alle Ausgaben von »Der Hobbit« und alle Bücher zum Hobbit-Film finden Sie auf unserer
>> Überblicksseite zu Der Hobbit

Da es immer wieder zu Verwechslungen der verschiedenen Ausgaben des »Hobbit« kommt, hier ein kurzer Überblick zur Editionsgeschichte von »Der Hobbit oder Hin und zurück«
 

Inhaltsverzeichnis
INHALT

KAPITEL I
Ein unerwartetes Fest 13
KAPITEL II
Hammelbraten 47
KAPITEL III
Eine kurze Rast 68
KAPITEL IV
Drüber hin und unten durch 80
KAPITEL V
Rätsel im Dunkeln 96
KAPITEL VI
Aus der Pfanne ins Feuer 124
KAPITEL VII
Ein seltsames Quartier 150
KAPITEL VIII
Fliegen und Spinnen
KAPITEL IX
Fässer unverzollt 221
KAPITEL X
Ein begeisterter Empfang 243
KAPITEL XI
Auf der Türschwelle 259
KAPITEL XII
Aus gutunterrichteter Quelle 271
KAPITEL XIII
Nicht daheim 299
KAPITEL XIV
Feuer und Wasser 314
KAPITEL XV
Die Wolken sammeln sich 327
KAPITEL XVI
Ein Dieb in der Nacht 340
KAPITEL XVII
Die Wolken bersten
KAPITEL XVIII
Der Rückweg 363
KAPITEL XIX
Die letzte Etappe 374

Leseprobe
KAPITEL I
EIN UNERWARTETES FEST


In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem feuchten, schmutzigen Loch, wo es nach Moder riecht und Wurmzipfel von den Wänden herabhängen, und auch nicht in einer trockenen, kahlen Sandgrube ohne Tische und Stühle, wo man sich zum Essen hinsetzen kann: Nein, das Loch war eine Hobbithöhle, und das heißt, es war sehr komfortabel.Die Tür war kreisrund wie ein Bullauge, grün gestrichen, mit einem blanken gelben Messingknopf genau in der Mitte. Sie führte in eine röhrenförmige Diele, eine Art Tunnel, aber ein sehr komfortabler, luftiger Tunnel mit holzgetäfelten Wänden, gekacheltem und mit Teppichen belegtem Fußboden, lackierten Stühlen und einer Unmenge Haken an der Wand für Hüte und Mäntel – der Hobbit hatte gern Besuch. Die Diele zog sich in Windungen ein ganzes Stück weit hin, aber nicht tief in den Bühl hinein – so wurde die kleine Anhöhe von den Nachbarn auf etliche Meilen im Umkreis genannt –, und viele kleine runde Türen gingen darauf hinaus, abwechselnd zu beiden Seiten. Treppen brauchte der Hobbit nicht zu steigen: Schlafzimmer, Bad, Keller, Speisekammern (deren er mehrere hatte), Garderoben (ganze Kammern voller Kleider), die Küche und die Speisezimmer, alles lag auf gleicher Höhe und grenzte an diesen Gang. Die besten Zimmer waren auf der linken Seite (wenn man hereinkam), denn nur hier gab es Fenster, tief über dem Boden angesetzte runde Fenster, aus denen der Hobbit auf seinen Garten und die zum Fluss abfallenden Wiesen dahinter hinaussah.Dieser Hobbit war ein sehr wohlhabender Hobbit, und er hieß Beutlin. Die Beutlins wohnten schon seit unvordenklichen Zeiten in der Gegend um den Bühl und galten als sehr achtbare Leute, nicht nur, weil die meisten von ihnen reich waren, sondern auch, weil sie sich nie auf irgendwelche Abenteuer einließen oder etwas Unerwartetes taten: Was ein Beutlin auf irgendeine Frage sagen würde, wusste man immer schon, ohne die Frage erst stellen zu müssen. Unsere Geschichte nun handelt von einem Beutlin, der dennoch in ein Abenteuer hineingeriet und der sich dabei ertappen musste, wie er Dinge sagte und tat, die ihm niemand zugetraut hätte. Die Achtung seiner Nachbarn mag er dabei verloren haben, aber er gewann – na, ihr werdet ja sehen, ob er am Ende auch etwas gewann.Die Mutter des Hobbits, von dem wir reden – aber was ist ein Hobbit? Ich glaube, ein paar Angaben sind nötig, denn die Hobbits sind heutzutage selten und gehen dem Großen Volk, wie sie uns nennen, scheu aus dem Weg. Sie sind (oder waren) kleine Leutchen, etwa halb so groß wie wir, kleiner noch als die langbärtigen Zwerge. Hobbits haben keine Bärte. Mit Zauberei haben sie wenig oder nichts zu tun, abgesehen von dem bisschen Alltagsmagie, das ihnen erlaubt, schnell und geräuschlos zu verschwinden, wenn große, täppische Leute wie du und ich dahergestapft kommen, mit einem Lärm wie eine Elefantenherde, den die Hobbits meilenweit hören. Sie werden oft ein wenig rund um die Leibesmitte und kleiden sich in helle Farben (vor allem Grün und Gelb). Schuhe tragen sie nicht, weil ihnen an den Füßen natürliche Ledersohlen und ein dichter brauner Pelz wachsen, ähnlich wie das Kraushaar auf ihren Köpfen. Sie haben lange und geschickte braune Finger, gutmütige Gesichter und ein tiefes, saftiges Lachen (besonders nach dem Mittagessen, das sie am liebsten zweimal täglich einnehmen). Damit wisst ihr über Hobbits fürs Erste genug. Wie schon gesagt, die Mutter dieses Hobbits – Bilbo Beutlins nämlich – war die fabelhafte Belladonna Tuk, eine der drei vortrefflichen Töchter des Alten Tuk. Der Alte Tuk war das Familienoberhaupt der Hobbits, die irgendwo jenseits der Wässer wohnten, des Flüsschens, das am Fuße des Bühls vorüberfloss. In den anderen Hobbitfamilien wurde gemunkelt, vor langer Zeit müsse ein Tuk einmal eine Elbin geheiratet haben. Das war natürlich Unsinn, aber immerhin war an dieser Sippe noch etwas nicht ganz Hobbitmäßiges, und dann und wann kam es vor, dass ein Tuk fortging und in Abenteuer verwickelt wurde. Meistens verschwand er dann unauffällig, und die Familie vertuschte die Angelegenheit; aber Tatsache blieb, dass die Tuks, obwohl zweifellos reicher als die Beutlins, doch keine ganz so ehrbaren Leute waren.Nicht dass Belladonna Tuk je wieder ein Abenteuer erlebt hätte, nachdem sie einmal Bungo Beutlins Frau geworden war. Bungo, das war Bilbos Vater, baute für sie (und zum Teil mit ihrem Geld) die luxuriöseste Hobbithöhle, die es auf oder unter dem Bühl oder jenseits der Wässer zu sehen gab, und dort wohnten sie bis ans Ende ihrer Tage. Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass Bilbo, ihr einziges Kind und in Aussehen und Benehmen ganz der behäbige Vater, etwas von einem Tuk mitbekommen hatte, eine absonderliche Ader, die bei passender Gelegenheit hervortreten konnte. Die Gelegenheit kam nie, bis Bilbo Beutlin erwachsen, das heißt, etwa fünfzig Jahre alt war, und noch immer wohnte er in der schönen Hobbithöhle, die sein Vater gebaut hatte und in der er nun so gut wie festgewachsen zu sein schien.Es war ein merkwürdiger Zufall. Eines Morgens in der Frühe der Zeiten, als es noch mehr Grün und weniger Lärm auf der Welt gab, als die Hobbits noch zahlreich waren und es ihnen gutging, stand Bilbo Beutlin nach dem Frühstück vor seiner Tür und rauchte eine gewaltige lange Holzpfeife, die fast bis zu seinen pelzigen (und sauber gebürsteten) Zehen herabreichte, als Gandalf daherkam. Gandalf! Wenn ihr nur den vierten Teil von all dem gehört hättet, was ich über ihn gehört habe – und ich weiß selbst nur wenig von dem, was es da zu wissen gibt –, dann würdet ihr euch auf eine erstaunliche Geschichte gefasst machen. Abenteuer und Gerüchte außergewöhnlichster Art schienen ihm auf dem Fuße zu folgen, wohin er auch ging. Unter dem Bühl war er seit ewigen Zeiten nicht mehr vorbeigekommen, seit sein Freund, der Alte Tuk, gestorben war, und die Hobbits hatten fast vergessen, wie er aussah. Das letzte Mal war er da gewesen, als sie alle noch kleine Hobbitjungen und Hobbitmädchen waren, und seither hatte er anderswo zu tun gehabt, irgendwo in den Gegenden hinter dem Bühl und jenseits der Wässer.Alles, was der ahnungslose Bilbo an diesem Morgen sehen konnte, war ein alter Mann mit einem Stab. Er trug einen spitzen blauen Hut, einen langen grauen Mantel, ein silberweißes Halstuch, über dem ein weißer Bart bis zum Gürtel herabhing, und große schwarze Stiefel.»Einen schönen guten Morgen!«, sagte Bilbo, und genau so meinte er es auch. Die Sonne schien, und das Gras war grün. Aber Gandalf sah ihn, unter seinen buschigen Brauen, die weiter hervorstachen als die Krempe seines Hutes, scharf an.»Wie meinen Sie das?«, sagte er. »Wünschen Sie mir einen guten Morgen, oder meinen Sie, dass es ein schöner Morgen ist, egal was wir wünschen; oder dass Sie an diesem Morgen alles schön und gut finden, oder dass man an diesem Morgen gut oder schön sein muss?«»Alles zugleich«, sagte Bilbo. »Und außerdem genau die richtige Zeit, um vor der Tür eine Pfeife zu rauchen. Wenn Sie eine Pfeife dabeihaben, setzen Sie sich doch her und stopfen Sie sich eine mit meinem Tabak! Wir haben keine Eile, der ganze Tag liegt noch vor uns!« Dann setzte Bilbo sich auf die Bank vor seiner Tür, schlug die Beine übereinander und blies einen schönen grauen Rauchring, der in die Luft aufstieg, ohne zu zerreißen, und über den Bühl davonschwebte.»Sehr nett!«, sagte Gandalf. »Aber heute Morgen habe ich keine Zeit, Rauchringe zu blasen. Ich stecke in den Vorbereitungen für ein Abenteuer und suche jemanden, der noch mitmacht. Es ist sehr schwer, jemanden zu finden.«»Kann ich mir denken – hier in der Gegend. Wir sind alles einfache, ruhige Leute und haben für Abenteuer nichts übrig. Dabei hat man nur Ärger und Scherereien! Man kommt nicht mal mehr rechtzeitig zum Essen! Ich versteh nicht, was man daran finden kann«, sagte unser guter Bilbo Beutlin, klemmte einen Daumen hinter seinen Hosenträger und blies einen noch größeren Ring aus. Dann nahm er sich die Post vor, die am Morgen gekommen war, und fing an zu lesen, als ob der alte Mann nicht mehr da wäre. Er fand, das war kein Umgang für ihn; hoffentlich ginge der Kerl nun weiter. Aber der rührte sich nicht. Er stand da, auf seinen Stock gestützt, und schaute den Hobbit an, ohne etwas zu sagen, bis Bilbo ganz nervös und ein bisschen ungehalten wurde.»Guten Morgen!«, sagte er schließlich. »Für Abenteuer haben wir hier keine Verwendung, nein danke! Versuchen Sie’s doch mal hinter dem Bühl oder drüben jenseits der Wässer.« Damit wollte er sagen, dass er das Gespräch für beendet hielt.»Was Sie mit einem Guten Morgen alles sagen können!«, sagte Gandalf. »Jetzt bedeutet es, dass Sie mich loswerden wollen und dass der Morgen erst gut werden kann, wenn ich fort bin.«

»Aber nicht doch, keineswegs, mein werter Herr – ach, ich weiß gar nicht, wie war doch Ihr Name?«
»Ja, ja, mein werter Herr! – aber Ihren Namen weiß ich, Herr Bilbo Beutlin. Und Sie kennen meinen Namen auch, Sie wissen nur nicht, dass er zu mir gehört. Ich bin Gandalf, Gandalf bin ich! Dass ich das noch erleben muss: Belladonna Tuks Sohn will mich mit einem Guten Morgen abwimmeln wie einen Hausierer, der Knöpfe verkauft!«
»Gandalf, Gandalf! Du liebe Güte, doch nicht der Wanderzauberer, von dem der Alte Tuk die magischen Manschettenknöpfe aus Diamant bekommen hat, die sich von selbst einhakten und nur auf Befehl wieder aufgingen? Doch nicht der alte Knabe, der an den Festtagen immer so wundervolle Geschichten erzählt hat, von Drachen, Orks, Riesen, von geretteten Prinzessinnen und vom unverhofften Glück armer Witwensöhne? Und der immer so ein unglaubliches Feuerwerk gemacht hat! Das weiß ich noch! Der Alte Tuk ließ immer zur Sommersonnenwende eines abbrennen. Herrlich! Das stieg auf wie große Lilien von Feuer, wie Löwenmaul und Goldregen, und hing den ganzen Abend am Himmel.« Ihr werdet schon bemerkt haben, dass Herr Beutlin nicht ganz so prosaisch war, wie er selbst gern glaubte, und dass er ein Blumenfreund war. »Du lieber Himmel!«, fuhr er fort. »Doch nicht der Gandalf, der schuld war, dass so viele ganz vernünftige Jungen und Mädchen ins Blaue hinein auf verrückte Abenteuer auszogen, angefangen beim Herumklettern auf Bäumen bis hin zu Besuchen bei den Elben oder Seereisen zu fremden Küsten! Mein lieber Mann, das war schon ein ganz inter… ich meine, Sie haben dann und wann hier in der Gegend allerhand Staub aufgewirbelt. Ich bitte um Verzeihung, aber ich hatte keine Ahnung, dass Sie immer noch im Geschäft sind.«
»Wo sollte ich sonst sein?«, sagte der Zauberer. »Trotzdem, es freut mich, dass Sie mich noch nicht ganz vergessen haben. Meine Feuerwerke wenigstens scheinen Ihnen in guter Erinnerung geblieben zu sein, und das lässt ein wenig hoffen. Und um Ihres seligen Großvaters Tuk und der armen Belladonna willen gewähre ich Ihnen, was Sie erbeten haben.«
»Verzeihen Sie, ich habe doch nichts erbeten!«
»Doch, eben schon zum zweiten Mal! Meine Verzeihung. Die haben Sie. Ich will sogar noch weiter gehn und Sie auf dieses Abenteuer mitnehmen. Wird sehr lustig für mich und sehr gut für Sie – und einträglich auch, sehr wahrscheinlich, wenn Sie’s überleben.«
»Tut mir leid! Ich wünsche keine Abenteuer, nein danke! Heute nicht. Guten Morgen! Aber bitte kommen Sie doch mal zum Tee – jederzeit, wenn es Ihnen passt! Warum nicht morgen? Kommen Sie doch morgen! Wiedersehn.« Und damit drehte der Hobbit sich um, huschte hinter seine runde grüne Tür und machte sie so schnell zu, wie er es glaubte riskieren zu können, ohne unhöflich zu erscheinen. Bei Zauberern konnte man nie wissen.
»Warum in aller Welt habe ich ihn bloß zum Tee eingeladen?«, sagte er zu sich selbst, als er in die Speisekammer ging. Er hatte zwar eben erst gefrühstückt, fand aber, dass ein paar Kekse und etwas zu trinken ihm nach dem Schreck guttun würden.
Unterdessen stand Gandalf immer noch draußen vor der Tür und lachte lange still in sich hinein. Nach einer Weile trat er näher an die schöne grüne Tür des Hobbits heran und kratzte mit der Spitze seines Stabes ein sonderbares Zeichen hinein. Dann ging er fort, als Bilbo eben seinen zweiten Keks verzehrt hatte und sich allmählich bei dem Gedanken beruhigte, dass die Abenteuer noch mal an ihm vorübergegangen waren.
Am nächsten Tag hatte er Gandalf fast vergessen. Er behielt solche Dinge meistens nur, wenn er sie in seinen Terminkalender eintrug, etwa so: Gandalf Tee Mittwoch. Daran hatte er gestern in seiner Aufregung nicht gedacht.
Erst kurz vor der Teestunde, als es stürmisch an der Tür klingelte, fiel es ihm wieder ein! Er setzte rasch den Kessel auf, stellte eine zweite Tasse und Untertasse und ein paar Kekse mehr auf den Tisch und rannte zur Tür.
»Tut mir ja so leid, dass ich Sie warten lassen musste!«, wollte er gerade sagen, als er sah, dass es nicht Gandalf war, der vor ihm stand. Es war ein Zwerg mit blauem, unter einem goldenen Gürtel festgesteckten Bart und sehr hell leuchtenden Augen unter einer dunkelgrünen Kapuze. Sobald die Tür auf war, schob er sich herein, als glaubte er, erwartet zu werden.
Er hängte seinen Kapuzenmantel an den nächsten Haken. »Dwalin, zu Diensten!«, sagte er mit einer tiefen Verbeugung.
»Bilbo Beutlin, zu Diensten!«, sagte der Hobbit, zu verblüfft fürs Erste, um irgendwelche Fragen zu stellen. Als das Schweigen, das nun eintrat, drückend wurde, fügte er hinzu: »Ich bin grad beim Tee, bitte kommen Sie doch rein und nehmen Sie etwas zu sich!« Ein bisschen steif vielleicht, aber er meinte es freundlich. Und was würdet ihr tun, wenn ein uneingeladener Zwerg plötzlich vor eurer Tür stünde und ohne ein Wort der Erklärung seine Sachen in eurer Diele aufhängte?
Sie saßen noch nicht lange bei Tisch, waren kaum beim dritten Keks angelangt, als es schon wieder klingelte, lauter als das erste Mal.
»Entschuldigen Sie!«, sagte der Hobbit und ging zur Tür.
»Na, da sind Sie ja endlich!«, wollte er nun zu Gandalf sagen. Aber es war wieder nicht Gandalf. Sondern ein sehr alter Zwerg mit weißem Bart und scharlachroter Kapuze; und auch er kam gleich herein, als wäre er eingeladen.
»Aha, die andern kommen auch schon«, sagte er, als er Dwalins grüne Kapuze sah. Er hängte seine rote daneben. »Balin, zu Diensten!«, sagte er und legte die Hand auf die Brust.
»Danke!«, sagte Bilbo, nach Luft schnappend. Es war nicht die korrekte Antwort, aber das Die-andern-kommenauch-schon hatte ihn sehr verwirrt. Er hatte gern Besuch, aber von Leuten, die er schon kannte, bevor sie kamen, und von solchen, die er eingeladen hatte. Der entsetzliche Gedanke kam ihm, dass die Kekse vielleicht nicht reichen würden, und dann müsste er – als Gastgeber kannte er seine Pflichten und erfüllte sie, so schwer es ihm fallen mochte – dann müsste er leer ausgehen.
»Kommen Sie doch rein auf eine Tasse Tee!«, brachte er schließlich heraus, nachdem er einmal tief durchgeatmet hatte.
»Ein kleines Bier wäre mir lieber, wenn es Ihnen nichts ausmacht, mein Bester«, sagte Balin mit dem weißen Bart. »Aber gegen ein Stück Kuchen hätte ich auch nichts – Kümmelkuchen, wenn Sie welchen haben.«
»Alles da!«, hörte Bilbo sich zu seiner eigenen Überraschung sagen; und schon hastete er los, zuerst in den Keller, um einen Bierkrug zu füllen, dann in die Speisekammer, um die zwei schönen runden Kümmelkuchen zu holen, die er sich erst am Nachmittag gebacken hatte, als Nachtisch zum Abendbrot.
Als er wiederkam, plauderten Balin und Dwalin am Tisch schon wie alte Freunde (tatsächlich waren sie sogar Brüder). Er stellte das Bier und den Kuchen vor sie hin, als es schon wieder laut an der Tür klingelte, einmal und dann noch einmal.
»Diesmal ist es aber sicher Gandalf«, dachte er, als er den Flur entlangkeuchte. Aber nein! Noch zwei Zwerge, beide mit blauen Kapuzen, silbernen Gürteln und gelben Bärten; und jeder von beiden trug einen Sack mit Werkzeugen und einen Spaten. Als die Tür aufging, drängten sie sich auch schon herein – was Bilbo nun kaum mehr überraschte.
»Was kann ich für Sie tun, meine Herren Zwerge?«, sagte er.
»Kili, zu Diensten!«, sagte der eine. »Und Fili!«, ergänzte der andere, und sie streiften beide ihre blauen Kapuzen ab und verbeugten sich.
»Und zu Ihren und Ihrer Familie Diensten!«, antwortete Bilbo, denn dieses Mal besann er sich auf seine guten Manieren.
»Dwalin und Balin sind schon da, wie ich sehe«, sagte Kili. »Na, dann gehn wir mal zu dem Haufen!«
»Haufen!«, dachte Bilbo. »Wie sich das schon anhört! Jetzt muss ich mich erst mal eine Minute hinsetzen und einen Schluck trinken, damit ich zur Besinnung komme.« Und zu mehr als einem Schluck kam er nicht, in einer Ecke, während die vier Zwerge um den Tisch saßen, über Bergwerke, Gold, Probleme mit den Orks und mit räuberischen Drachen redeten und über tausend andere Dinge, von denen er nichts verstand und nichts verstehen wollte, denn sie klangen ihm viel zu abenteuerlich – da, ding-dong-a-ling-dang, klingelte es schon wieder, so laut, als ob irgendein Hobbitlausbub den Griff abzureißen versuchte.
»Da ist wohl jemand an der Tür«, sagte er blinzelnd.
»Mindestens vier, würde ich sagen, so wie es sich anhört«, sagte Fili. »Wir haben sie übrigens auch in einigem Abstand hinter uns herkommen sehn.«
Der arme kleine Hobbit setzte sich in der Diele erst einmal hin, legte den Kopf in die Hände und fragte sich, was denn nur los sei, was noch alles passieren könnte und ob der ganze Klüngel wohl zum Abendessen dableiben würde. Dann klingelte es noch einmal, lauter denn je, und er musste sich beeilen, dass er zur Tür kam. Es waren nicht vier, es waren FÜNF. Einer war noch nachgekommen, während er in der Diele gegrübelt hatte. Kaum hatte er den Türknopf umgedreht, als sie auch schon drinnen waren, sich verbeugten und einer nach dem andern ihr »zu Diensten« aufsagten. Sie hießen Dori, Nori und Ori, Oin und Gloin; und schon hingen zwei purpurrote Kapuzenmäntel, ein grauer, ein brauner und ein weißer an den Kleiderhaken, und die Neuankömmlinge stapften hinein zu den anderen, die breiten Hände
unter ihre goldenen und silbernen Gürtel geklemmt. Nun war es fast schon wirklich ein Haufen. Manche riefen nach Ale, manche nach Porter, einer nach Kaffee, und alle wollten Kuchen. Eine ganze Weile hatte der Hobbit alle Hände voll zu tun.
Gerade hatte er eine große Kanne Kaffee zum Warmhalten in den Kamin gestellt, die Kümmelkuchen waren verschwunden, und die Zwerge machten sich über gebutterte Hefewecken her, als – als es laut an die Tür pochte. Nicht klingelte, sondern pochte: ein hämmerndes Rattatatt an der schönen grünen Tür der Hobbithöhle. Jemand musste mit einem Stock dagegen stoßen!
Er stürmte die Diele entlang, in heller Wut, aufgeregt und verwirrt – dies war der schlimmste Mittwoch, den er je erlebt hatte. Mit einem Ruck riss er die Tür auf, und sie purzelten alle herein, einer über den andern. Wieder Zwerge, noch vier! Und hinter ihnen stand Gandalf, auf seinen Stab gestützt, und lachte. In die schöne Tür hatte er eine ansehnliche Delle geschlagen und dabei zugleich das geheime Zeichen getilgt, das er am Morgen des vorigen Tages hineingekratzt hatte.
»Sachte, sachte!«, sagte er. »Ist das eine Art, Bilbo Beutlin, Freunde auf der Matte warten zu lassen und dann knallbumms die Tür aufzureißen? Darf ich vorstellen: Bifur, Bofur und Bombur und vor allem Thorin.«
»Bestes Papier, Ledereinband, Schuber, zwei Lesebändchen ... , und Tolkiens eigene Illustrationen zum "Hobbit" hat man nie schöner gesehen.«
Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2012
Hobbitpresse Aus dem Englischen von Wolfgang Krege, mit den Originalillustrationen der Erstausgabe von 1937
1. Aufl. 2012, 400 Seiten, Lederband, im Schuber, farbige Originalillustrationen der Erstausgabe von 1937, zwei Karten, zwei Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-93840-1
autor_portrait

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