Dieses Buch erwerben
gebunden mit Schutzumschlag
leider vergriffen
versandkostenfrei nach D, CH, A; in D, A inkl. Mwst., in CH evtl. zzgl. in CH anfallender Mwst.

Partnerschaftliche Erziehung: Verstehen, Respektieren, Ermutigen

Auch Dreikurs spricht der Disziplin ein Lob aus. Sein Ziel erreicht er jedoch nicht mit vorbehaltloser Unterordnung und physisch erfahrbaren Grenzen.
»Disziplin ohne Tränen« - ein Titel, der provoziert und die Oberflächlichkeit aufzeigt, mit der zur Zeit vordergründig und populistisch über Disziplin diskutiert wird. Dreikurs beweist, dass partnerschaftliche Erziehung und Erziehung zur (Selbst-)Disziplin kein Widerspruch sind.

»Das Beste zum Thema Disziplin stammt immer noch von Dreikurs!«
Jan-Uwe Rogge

Heutige Schüler machen weniger durch gute Noten auf sich aufmerksam als vielmehr durch Respektlosigkeit, Aufsässigkeit und sogar Gewalt. Die Disziplin in Schule und Zuhause lässt zu wünschen übrig. Büßen müssen das an vorderster Front die Lehrer und auch die Eltern. Jedenfalls werden beide mit aufsässigen Kindern und Jugendlichen immer weniger fertig - mehr Disziplin ist gefragt.

Auch Dreikurs spricht der Disziplin ein Lob aus. Nicht mit vorbehaltloser Unterordnung und physisch erfahrbaren Grenzen erreicht er sein Ziel, sondern mit seinem Konzept der partnerschaftlichen Erziehung, das auf gegenseitigem Respekt und Zutrauen beruht. Für Erzieher und Eltern, die eine konkrete Handreichung für die Praxis suchen.

Inhaltsverzeichnis

Dank
Vorwort
Einführung: Methoden für ein partnerschaftliches Miteinander in der Schule
Unterricht ohne Überforderung
Welcher Typ Lehrer sind Sie?
Eine lohnende Alternative: Respekt und Verantwortung statt Regellosigkeit
Das Selbstvertrauen des Kindes stärken
Die vier Ziele kindlichen Fehlverhaltens: Wie wir sie erkennen und korrigieren
Die Lehrer-Eltern-Sprechstunde
Konkurrenzdenken in der Klasse: Pro und Contra
Ermutigung im Unterricht
Logische Konsequenzen statt Strafen
Konfliktlösung und der Umgang mit renitenten Kindern
Gemeinschaftsgefühl in der Klasse herstellen
Die Gruppendiskussion im Klassenverband
Häufige Probleme im Klassenzimmer und ihre Lösungen
Verhaltensregeln bei Disziplinfragen
Beispiele aus der Erziehungspraxis
Anmerkungen
Weiterführende Literatur
Nachwort von Jan-Uwe Rogge

Leseprobe

Nachwort von Jan-Uwe Rogge
Disziplin ist mal wieder in aller Munde - Thesen, die Bernhard Bueb in seinem Bestseller »Lob der Disziplin« formulierte, bleiben oberflächlich und vereinfachend. Damit kann man sich kurzfristig die Lufthoheit über bildungsbürgerliche Stammtische erobern, sich einen vorübergehenden Stammplatz in Talkshows sichern. Mehr nicht! Buebs Thesen bleiben nebulös und einem kontrastprofilierten Schwarz-Weiß-Denken verhaftet, weil er die philosophische wie pädagogische Tiefe, in der man in der Vergangenheit über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinweg ebenso ernsthaft wie kontrovers über Disziplin stritt, kaum zur Kenntnis genommen hat.
Dies gilt insbesondere für die angelsächsische Literatur - und hier besonders das vorliegende Buch von Rudolf Dreikurs. Während Dreikurs' »Kinder fordern uns heraus« einem breiten Leserkreis vertraut ist, blieben seine ebenso hintergründigen wie fundierten Einlassungen über Disziplin weithin unbekannt. Umso verdienstvoller ist es, wenn »Disziplin ohne Tränen« nun in völlig überarbeiteter und aktualisierter Übersetzung erscheint. Es sind drei zentrale Gedanken, die Dreikurs' Methode so fruchtbar für die Beziehung von Erwachsenen, seien sie nun Eltern oder Lehrer, zu ihren Kindern werden lassen:
Erziehung hat nichts mit der bloßen Anwendung von Techniken zu tun. Erziehung ist Beziehung, braucht ein emotionales Fundament. Nur so lassen sich Zumutungen, die Erziehungsprozesse für Erwachsene und Kinder mit sich bringen, aushalten.
Partnerschaftliche Erziehung und die Wahrnehmung einer Erziehungsverantwortung durch den Lehrer, durch Vater oder Mutter stellen keinen Widerspruch dar. Die Vermittlung von Normen und Werten sind Voraussetzungen für ein humanes, von gegenseitiger Achtung getragenes Miteinander. Und bei aller Einfühlung in ein Kind, z.B. die Ziele seines grenzüberschreitenden Handelns zu erkennen und zu bewerten, so dürfen doch Verständnis für kindliches Handeln nicht mit seiner Akzeptanz verwechselt werden. Wenn Kinder sich die Freiheit nehmen, Regeln zu missachten, dann müssen sie auch die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Freiheit und Verantwortung gehören unabdingbar zusammen.
Erziehung ist dann ein energieraubender, nervenaufreibender Job, wenn man die Kinder als Objekte von Belehrung versteht, sich der Erwachsene als Besserwisser erlebt. Kinder sind - darauf hat Dreikurs hingewiesen - nicht nur Lehrlinge, sie sind auch Lehrmeister. Kinder haben häufig einfache Mittel zur Hand, um komplizierte Situationen zu lösen. Deren Gebrauch muss man sich von Kindern abschauen, dann hat man mit einem Mal Techniken zur Hand, mit denen man verfahrene Situationen pragmatisch und unkompliziert lösen kann.
Erziehungsprozesse - und darauf hat Rudolf Dreikurs in seinen Arbeiten immer wieder hingewiesen - verlaufen nach bestimmten Regeln, die aber jederzeit auch in unüberschaubare Situationen umschlagen können. Wer Kinder erzieht, sollte sich von der Idee verabschieden, alles sei sofort pädagogisch mach- und umsetzbar. Die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern sind von Regeln und Chaos gleichermaßen geprägt. Relativierende Faktoren sind sowohl kulturelle, soziale oder politische Rahmenbedingungen als auch genetisch bedingte Persönlichkeitsmerkmale des Kindes. Für Erwachsene heißt das, das Chaos anzunehmen, es ansatzweise zu beherrschen und manchmal damit leben zu lernen.
Das Leben mit Kindern - egal ob im Klassenzimmer oder zu Hause - ist voll von Spontaneität, die Intuition erfordert. Da jedes Kind, jedes Familienleben einmalig ist, bringt jeder Tag etwas Neues, Überraschendes. Manchmal wirken pädagogische Rezepte, ohne dass man weiß, warum. Ein anderes Mal und beim selben Rezept, kochen die Wogen hoch, obwohl alle Zutaten stimmten. Nochmals: Erziehung ist eine gestaltende Kraft, der eine Ordnung innewohnt. Aber nicht immer weiß man, wie diese Ordnung funktioniert, warum pädagogisches Handeln bei dem einen Kind Früchte trägt, beim anderen nicht! Diese Art Ordnung ist mithin nur das halbe Leben, die andere Hälfte ist das Chaos. Und so, wie man lernt, Ordnung zu akzeptieren, so kann man lernen, sich mit dem Chaos zu arrangieren. Das macht möglicherweise Angst, aber wer solche Unsicherheiten aushält, wer akzeptiert, dass Unvollkommenheit zum Leben und zur Erziehung gehört, der hat den Kopf frei, sich auf Neues einzulassen. In diesem Sinne macht Rudolf Dreikurs Mut, verweist aber zusätzlich auf ein grundsätzliches Dilemma: Einerseits soll der Erwachsene Vorbild sein, Werte und Normen vermitteln, das Kind ins Leben begleiten, andererseits fehlt aber der Kompass, der den rechten Weg immer und alle Zeit weist. Aber diesen Weg gibt es nicht.
Es ist eine fixe Idee, dass eine perfekte Erziehung das perfekte Kind mit Gütesiegel produziert, aus einer verfehlten Erziehung automatisch das problematische, auffällige und gestörte Kind resultiert. Erzieherisch verantwortliches Handeln stellt sich nicht als letztlich bis ins Detail planbare Aktivität dar. Aus ihm kann anderes hervorgehen, als man wollte oder sich in kühnsten Träumen vorstellte. Erzieherisch verantwortliches Handeln hat mit Aushalten dieser Unsicherheit zu tun. Dies bedeutet - und auch darauf hat Rudolf Dreikurs hingewiesen - nicht ein resignatives Eingeständnis, es ist die Einsicht, dass die Wirkung von Erziehung - so der Pädagoge Rolf Arnold - ungesichert bleiben muss. Wer sich Hoffnung über die Wirksamkeit seiner erzieherischen Absichten macht, der wird häufig enttäuscht.
Man kann nicht nicht erziehen: Zweifelsohne beeinflussen Erziehungsprozesse Kinder. Aber warum manche Handlungen positive Ergebnisse zeigen, das kann zufällig sein, kann mehr mit dem Kind, seiner Innenwelt, seinem Charakter, seinem Temperament zu tun haben, als mit den pädagogischen Eingriffen.
Kinder kommen nicht als unbeschriebene Blätter auf diese Welt, und die Aufgabe von Erziehung besteht nicht darin, die unbeschriebenen Blätter nach den Vorstellungen von Erwachsenen zu beschreiben. Und immer dann, wenn ein Skript nicht passt, es durch ein neues zu ersetzen - das Buch des Lebens eines Kindes so lange zu verändern, bis es den Vätern, den Müttern oder den Lehrern passt. Kinder kommen als einzigartige, unvergleichliche Persönlichkeiten auf die Welt, die nicht ununterbrochen an anderen Kindern gemessen werden wollen.
Und dies ist Dreikurs' Ansatz für erzieherisches Handeln: Erziehung ist Beziehung, man kann nur erziehen, wenn man in Beziehung tritt - und die stellt sich in jeder Entwicklungsphase des Heranwachsenden unterschiedlich dar. Erziehung ist somit auch Begleitung. Begleitung heißt nicht, einem Kind das Tempo vorzuschreiben. Begleitung meint, sich nach jenem Tempo zu richten, das ein Kind in die Welt bringt.
Es gibt deshalb keine absolut »richtigen« pädagogischen Maßnahmen, es gibt nur solche, die für das einzelne Kind, für seine Persönlichkeit passen. Es sind drei zentrale Aspekte, die eine Beziehung zum Kind ausmachen:
Sich in das Kind hineinfühlen, vom Kind aus denken lernen, seine Wertvorstellungen und Interessen verstehen lernen. Doch dort, wo elterliche Erziehungsverantwortung erforderlich ist, muss sie wahrgenommen und müssen den Kindern Erziehungsziele und -vorstellungen erläutert werden.
An Ressourcen des Kindes anknüpfen, also an jene Fähigkeiten, die ein Kind hat, den Fokus seiner Aufmerksamkeit auf das zu legen, was es kann, und nicht auf seine Schwachen, nicht auf das, was es (noch) nicht weiß.
Sich auf das Kind einlassen, authentisch und zuverlässig sein, meint, für das Kind da zu sein. Jedes Kind - so hat es der amerikanische Sozialpsychologe Uri Bronfenbrenner einmal ausgedrückt - braucht einen Erwachsenen, egal ob Eltern, Großeltern, Tante oder Onkel, an den es »irrationalemotional gebunden« ist, dem es bedingungslos vertraut.
Mühselig sei eine »gute Erziehung« des Kindes, schrieb einst der niederländische Philosoph Erasmus von Rotterdam. Dabei dürften einige erzieherische Maßnahmen für die Entwicklung von Kindern zu einer eigenständigen, autonomen, lebensbejahenden und mitfühlenden Persönlichkeit unverzichtbar sein.
Kinder brauchen in Abhängigkeit vom Lebensalter Aufmerksamkeit, Interesse, Fürsorge, Unterstützung und Achtung. So gibt Geborgenheit dem Säugling das Gefühl von Sicherheit, während es vom Kleinkindalter an darum geht, Autonomie und Eigenständigkeit zu gewähren. Später lösen sich die Kinder allmählich aus den Armen der Eltern, und die Freunde werden wichtiger, ohne dass damit die Bedeutung der Eltern in Frage gestellt wird.
Kinder haben das Recht auf Eigen-Sinn: auf eigene Aktivität, die Neugierde und Durchsetzungsfähigkeit ausbilden; auf eigene Kompetenzen, will jedes Kind doch etwas leisten und sich an den selbsterbrachten Ergebnissen erfreuen; auf eigene Gefühle, um Angst und Aggression auszudrücken und Frustrationen auszuhalten; auf eigenen Willen, um die Unabhängigkeit von den Eltern zu proklamieren; auf eine eigene Intimsphäre, auf Raum und Zeit für Phantasien, um mit sich und der Welt, unbeobachtet von anderen, klarzukommen.
Nicht zu vergessen sind jene Normen und Werte, die für das zwischenmenschliche Zusammenleben so unverzichtbar sind: Achtung und Respekt vor anderen Menschen, Aufrichtigkeit und Mitgefühl, Freundlichkeit und Höflichkeit, Umgangsformen und soziale Kompetenzen, Verantwortungs- und Selbstbewusstsein. Die Vermittlung von Normen und Werten ist freilich ein widersprüchlicher Prozess, der durch Entwicklungs- und Altersbesonderheiten mitbestimmt wird. Doch auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel.
Wenn man über erzieherische Maßnahmen nachdenkt und deren Begrenztheit sieht, dürfen zwei wichtige Aspekte nicht außer Acht gelassen werden:
Kinder erziehen sich auch selbst. Sie schauen, ahmen nach, setzen um - und das immer wieder aufs Neue. Deshalb ist eine anregende Umwelt für das Kind so wichtig, die es ihm ermöglicht, Abläufe zu wiederholen, um so Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Wiederholungen zu verfestigen. Erzieherische Handlungen geben Anstöße, die das Kind umsetzt. Nicht der Erziehende kann das Kind verändern. Dies kann nur das Kind selbst. Bildung ist deshalb zugleich Selbstbildung: Das Subjekt nimmt Angebote auf, entwickelt seine Kräfte und Kompetenzen selbsttätig. Es geht mithin nicht um Belehrung, sondern darum, dem Kind Anregung zu geben. »Jedes Kind nimmt die Wirklichkeit nur über die eigenen Sinne wahr«, so der Pädagoge Otto Speck, »und baut sie in sich über seine eigene Dynamik und Struktur Stück für Stück auf.«
Von der Begleitung der Kinder ins Leben profitieren beide, Erwachsene wie Kinder, nicht im Sinne einer Perfektionierung oder Planbarkeit der Erziehung, vielmehr dahin gehend: Kinder lernen von den Erwachsenen, Erwachsene von den Kindern.
Es gibt in der Pädagogik das Bild von den drei Lehrern: Da ist zunächst der Wissensvermittler, der Kinder als leere Krüge begreift und sie mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten füllen will. Kinder sind in diesem Bild unfertige, unmündige, unwissende Wesen, die es zu (be-)lehren gilt.
Dann gibt es den Töpfer, der Kinder als einen ungestalteten, durch den Erwachsenen zu formenden Klumpen Lehm begreift. Dabei hat der Erwachsene klare Vorstellungen davon, wie die Form aussehen wird. Der Lehrer verlangt in diesem Bild Fügsamkeit, die mit Unterordnung, mit Verzicht und Einschränkung gleichzusetzen ist.
Der dritte Lehrer ist der Gärtner, der das zur Ausbildung bringt, was ein Kind an Anlagen, an Charakter und Temperament mitbringt. Ein Gärtner weiß oder spürt: Die eine Pflanze braucht mehr Wasser, eine andere würde daran ertrinken, eine Blume benötigt viel Sonne, die andere liebt den Schatten, ein Busch wächst ganz langsam, der andere treibt schnell aus; alle müssen in ihrem Wachsen - mal behutsam und sanft, mal fester und einschneidend - begleitet werden.
Zwar brauchen Kinder den Wissensvermittler, aber als Begleiter auf ihrem Weg ins Leben benötigen sie vor allem den Gärtner, der erkennt:
Jedes Kind ist auf seine Art und Weise einzigartig und unvergleichbar.
Bildung erwirbt man nicht allein durch vorgegebenen Lernstoff. Bildung hat mit Selbstbildung zu tun. Sie dient der Ausbildung von Autonomie und Eigenständigkeit, von Neugierde und Kreativität - und erzeugt damit Freude an selbsterbrachter Leistung.
Lernen, den eigenen Lebensweg zu erkunden, hat mit einem steten Suchen zu tun. Selbständiges Lernen ist nicht allein von Erfolgserlebnissen begleitet. Mit Lernen verbindet sich auch Frustration, Enttäuschung, Aufschub von Bedürfnissen.
Kinder müssen lernen, Konflikte auszuhalten, sie alters- und entwicklungsangemessen zu lösen, aus Eigeninitiative selbstverantwortlich zu handeln, den Willen zu haben, aus eigener Kraft »gut« zu werden, die allgemeinverbindlichen Normen und Werte zu verinnerlichen - und nicht, weil sie durch Gehorsam und Disziplin darauf eingeschworen sind. »Kadavergehorsam« hat man das einst genannt. Freiheit und damit die Freiheit zur Verantwortung erwirbt man - so der Pädagoge Rolf Arnold - nicht durch Disziplin, sondern »Selbstdisziplin erwirbt man durch Freiheit«. Und Selbstdisziplin heißt: Kinder nicht »gut« zu machen, sondern dass sie sich wünschen, »gut« zu sein. Dazu bedarf es festgelegter/vereinbarter Regeln, Rituale und Grenzen, die sich am Alter und an den Entwicklungsbesonderheiten des Kindes orientieren, die Erziehung als Begleitung ins Leben verstehen, die Heranwachsende von einer egozentrischen Sichtweise, wie sie für das Säuglings- und Kleinkindalter so kennzeichnend ist, an ein altruistisches Handeln heranführen, das sich durch Helfen, Mitgefühl, Trösten und Teilen auszeichnet.
Doch in der Freiheit liegen auch Gefahren. Freiheit ohne Grenzen bringt für Kinder Angst und Unsicherheit mit sich: Je größer die Freiheit ist, desto eher entsteht das Gefühl, jederzeit und augenblicklich alles haben zu wollen und können. Entgrenzte Lebenswelten ziehen eine Offenheit nach sich, die von Kindern manchmal als Gleichgültigkeit, Beliebigkeit, Vernachlässigung, als Alleingelassensein erlebt wird. Gerade heute, da so vieles möglich und unmöglich ist, sind Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in der Erziehung besonders wichtig. Dabei spielt das Annehmen des Kindes, so wie es ist, eine zentrale Rolle.
Wer sich allerdings ständig überlegen und klüger fühlt, der setzt Autorität mit körperlicher, geistiger, moralischer und intellektueller Höherwertigkeit gleich, der erhebt sich über das Kind. Und dann bekommt die erzieherische Beziehung eine negative Dimension von Macht, dann wird aus dem Einfordern und Vorleben von Disziplin eine Disziplinierung, die auf Gefolgschaften setzt, die Gehorsam als Selbstzweck missversteht. Solch eine Disziplinierung will Konformität, sie setzt Normen und Werte mit Zuckerbrot und Peitsche durch, an deren Ende nicht autonome, selbstbewusste Heranwachsende stehen, sondern graue Mäuse, die durch das Befolgen von Regeln Strafen vermeiden wollen.
Disziplin erwächst aus der Freiheit. Die Verinnerlichung von Normen und Werten gründet auf deren Akzeptanz, setzt Teilhabe am pädagogischen Prozess voraus. Zur Disziplin, genauer: Selbstdisziplin, gehört, die Anforderungen des sozialen Miteinanders zu erfüllen, den anderen in seinem Recht auf Unversehrtheit zu achten und zu respektieren, moralische Standards umzusetzen, eigene Bedürfnisse zu befriedigen und »gut« für sich zu sorgen, aber auch Versagen, Niederlagen und Schuld bei Verfehlungen einzugestehen, Versuchungen zu widerstehen, aber sich klar zu werden, dass sie zum Leben gehören.
»Dieses Buch bietet wertvolle Gedankenstöße, Verhaltensanleitungen und Perspektiven für ein besseres Verstehen und harmonisches Miteinander im schulischen und privaten Bereich.»
www.literatur-report.de, 01.04.2010

Klett-Cotta Mit einem Nachwort von Jan Uwe Rogge, aus dem Amerikanischen von Susanne Stopfel (Orig.: Discipline without tears. How to reduce conflict and establish cooperation in the classroom)
1. Aufl. 2009, 176 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94598-0
autor_portrait

Rudolf Dreikurs

Prof. Dr. Rudolf Dreikurs wurde 1897 in Wien geboren und starb 1972 in Chicago, wo er bis zu seinem Tod praktizierte. Er begann seine Laufbahn in Wien...

Pearl Cassel

Pearl Cassel war 35 Jahre lang Grundschullehrerin, Lektorin an verschiedenen Universitäten in Kanada und ist Gründungsdirektorin des Alfred Adler...

Eva Dreikurs Ferguson

Eva Dreikurs Ferguson, Dr. phil., ist Psychologieprofessorin an der Southern Illinois University in Edwardsville. Sie ist die Tochter von Rudolf...

Weitere Bücher von Rudolf Dreikurs

Wie Eltern besser werden

Die häufigsten Erziehungsfehler und ihre Lösungen

Kinder fordern uns heraus

Wie erziehen wir sie zeitgemäß?

Kinder fordern uns heraus

Wie erziehen wir sie zeitgemäß?

Weitere Bücher von Pearl Cassel

Weitere Bücher von Eva Dreikurs Ferguson



Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
 
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, CH, A

in D und A inkl. MwSt.,
evtl. zzgl. in CH anfallende MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de