Das Ende unserer Tage

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»Well performed, Jungfuchs. At the end of the day machen wir sie alle platt.«

Ein Land im Spannungsfeld von Ökonomie und Dekadenz, Spiritualität und Schuld.
»Das Ende unserer Tage« ist der tiefgründige Roman einer unaufhaltsamen Katastrophe und eine rasante Höllenfahrt quer durch die westliche Gesellschaft.

In der ehemals reichen Kaufmannsmetropole Hamburg werden Kirchen in Eventagenturen umgebaut. Die legendäre Kammfabrik im Süden Hamburgs wird von chinesischen Investoren übernommen und von Bürokraten abgewickelt. Skrupellose Manager des Verfalls frönen ihrer Überspanntheit in elitären Salons, vereinsamte Individualisten suchen nach Sinn und Wert. Christian Schüle erzählt die Geschichte zweier Männer, die in dieser Welt treiben und von ihr getrieben werden: Charlie Spengler, ein gefeuerter Fabrikdirektor, der zur Gallionsfigur einer Arbeiterrebellion wird. Und Jan­Philipp Hertz, ein Jungunternehmer, der auf den Stoßwellen des Umbruchs dem allgemeinen Verhängnis seiner Stadt entgegensurft.

Leseprobe
PROLOG

Ostermontag, 9. April, geschah in dieser Stadt etwas Unerhörtes. Weil es damals auf den ersten Blick kaum der Rede wert war, kommt es erst jetzt zur Sprache. Bei rückwärtiger Betrachtung der ganzen Tragödie vom Fall der Ordnung, von der Flucht der Oberschichten in den Untergrund, vom Aufstieg Spenglers zur Heilsfigur, dem Amoklauf eines ehemaligen Staubsaugervertreters, der Überhitzung, dem unaufhörlichen Regen und dem Verschwinden des Himmels muss man unweigerlich auf das folgende, anfangs von allen Beteiligten unterschätzte Ereignis zurückkommen.

Um Viertel nach zehn Uhr morgens kam eine Chinesin in den Beauty-Tempel 4Dimensions Group, Ferdinandstraße 23, und stellte dem legendären Coiffeur Jörg Borgest einen stählernen Käfig – in dem ein schwarzhaariges Geschöpf mit hellroten Augen kauerte – neben einen Kamm der Marke Lady Star auf den Marmortisch.

»Was bringst du uns denn da Hässliches?«, fragte Borgest. Als der Maestro kicherte, fuhr die Chinesin ihren Zeigefinger aus und stieß ihn gegen seinen Brustkorb.
»Die Schuld!«
»Gottchen«, Borgests Handgelenk knickte ab, »was sagst du denn da für Sachen! Und was soll dieses ekelhafte Tier hier?«
»Vergiss das Tier.«
Die Chinesin zog ihre dunkelgetönte Sonnenbrille auf, drehte sich um und steckte sich Kopfhörerknöpfe in beide Gehörgänge. Ein Klacken ihrer Absätze war das einzige Geräusch, das noch zu vernehmen war. Zurück blieb Stille und der Schatten ihres Lächelns.
Zufällig war an diesem Morgen auch der für seinen Spürsinn bekannte Regisseur Roger Mevissen in Borgests Haarsalon. Sein Kopf war abgelegt im Waschbassin, wo ihm eine ukrainische Praktikantin die Nackenmuskeln massierte. Mevissen, gefeierte Ikone des Neuen Politischen Theaters, würde ein Jahr später, kurz vor der Uraufführung seines Stückes Das Ende unserer Tage, im Beisein des Intendanten auf einer Pressekonferenz bekennen, genau diese Szene habe ihm als Auftakt eines großen Sittengemäldes der Gegenwart gedient: Plötzlich sei die Frage nach der Schuld in der Welt gewesen, plötzlich sei es um Alles und Nichts, um Wildheit, Wahn, Krieg und den Exzess der Existenz gegangen – und das an jenem Tag, an dem der Radiosprecher den Tod zweier weiterer Kuriere verkündete. Niemand wusste ja, wer hinter den Hinrichtungen steckte.

Seit Monaten waren die Kirchenglocken verstummt; in manchen Glockenstühlen hingen neben Turmfalkennestern gigantische Megafone, aus denen mit körniger Stimme Anweisungen des Senats vorgetragen wurden, bestimmte Gegenden der Stadt zu meiden. Im renovierten Kirchenschiff von St. Petri residierte die Eventagentur Emperado GmbH, und der freigestellte Pastor betrieb in Harvestehude eine Praxis für Reinkarnationstherapie mit dem Namen Seelenernte, ehe er sich aus Verzweiflung über die Sittenlosigkeit seiner Mitmenschen das Leben nehmen würde.

Keiner ließ sich mehr krankschreiben, Angestellte kamen mit Schweißausbrüchen in ihre Büros, und vor den Aufzügen der Konzerne warfen Prokuristen ihre Köpfe zurück, um Amphetamine und andere Pillen zu schlucken – gegen Müdigkeit, Erschöpfung, Lähmung, gegen Verstimmungen, Blutstürze, Panikattacken, Ängste, Resignationen, Infektionen.

An besagtem Montag packte Borgest in der Mittagspause den Käfig und trug ihn über den Gang in den dritten Stock des 4Dimensions hinauf ins Massagestudio Lotusblüte. Im Laufe der folgenden Monate wechselte der Käfig dreizehn Mal den Besitzer. In seiner Gegenwart begannen Versicherungsagenten, ihren gewaltbereiten Charakter anzuklagen; Anwälte offenbarten Hassgefühle, Bankvorstände Geltungssucht; Kaufleute gestanden Korruptheit, Unternehmer Menschenverachtung, Journalisten gaben Defätismus zu, Ärzte und Immobilienmakler bekannten sich zu sadistischen Neigungen, Werber kämpften mit grassierender Misanthropie.

Am 2. Mai fand der erstaunlich kompakte Käfig seinen Weg zu Hans-Joachim Hegenbarth, der es als witzig erachtete, ihn samt der ausgestopften rotäugigen, marderartigen Kreatur mit in sein Büro zu bringen. Ob Zufall oder Schicksal – an diesem Tag begann das Verhängnis von Jan-Philipp Hertz seinen Lauf zu nehmen.

TEIL I

1.

Einer der vier Aufzüge surrte in zehn Sekunden vom vierzehnten Stock des Hamburger Bankhauses John & Jacobi auf den Grund der Realität. Während der Fahrt polierte Hertz seine erst kürzlich gelieferten Paciotti mit einem Flanelltuch. Die Schnallen der Schuhe waren aus echtem Silber, die Marmorplatten des Foyers gemasert. Vor dem Drehkreuz in der Lobby steckte Diana Kleinkurth im Update mit dem Personalvorstand und lispelte hanseatisch. Hertz ließ seinen Saab in der Tiefgarage des Bankgebäudes stehen und legte den Sakko über die linke Elle. Für die sechs Stufen zum Brunnen auf dem Vorplatz brauchte er wie üblich einen Ausfallschritt. Während er sich umdrehte, sah er die digitale Anzeige eines benachbarten Juwelenfachgeschäfts: 16. Mai / 12:42:06.

Als Hertz bei Rot ging, hupte keiner, aber fast wäre er mit einem Mops zusammengestoßen, der den Bürgersteig entlangstolzierte, gefolgt von »William! Wil-liam-Schatz!«Rufen. Ohne erhöhten Pulsschlag erreichte Hertz die Poststraße, weil sein Körper auf den effizienten Schritt abgerichtet war. In Hertz’ Augen machte es keinen Sinn, sich von Zweifeln aufhalten zu lassen. Die Biologie, davon war er überzeugt, kannte nur Verfahren und Vorgänge zur Optimierung. Weil Hertz beruflich – und immer stärker auch privat – in solch evolutionären Kategorien dachte, hatte Hegenbarth ihn vor kurzem als »Selektionisten par excellence« gelobt.

Hegenbarth und er. Ein besonderes Verhältnis. Eine schwierige Geschichte. Eine seltene Vertrautheit. Beide gingen zum Epilieren ins Waxing-Studio am Jungfernstieg, aber nur Hegenbarth war regelmäßig Gast beim Visagisten, der lange Zeit erfolgreich zu neutralisieren versuchte, dass sich in das Gesicht seines Stammkunden das fortgeschrittene Leben eingenistet hatte. Irgendwann erzählte Hegenbarth Hertz, dass er jeden Abend Rejuven auftrug, eine Power Night Renewing Cream, dazu einen Antifaltenbalm mit Oxygen Booster gegen Augenringe. Hertz dankte Hegenbarth für dessen Offenheit, indem er dieses Wissen für sich behielt. Hegenbarth hatte die Eigenschaft, Hertz’ Leben zu führen, und Hertz hatte sich Hegenbarths Protektion unbemerkt zugezogen. Darauf angelegt hatte er es nie, aber irgendwann hatte der Leiter der Abteilung Human Resources bei John & Jacobi dem jungen Kollegen freundschaftlich die Hand auf die Schulter gelegt und in seinem so berühmten wie polyglotten Hegenbarthisch gesagt: »Well performed, Jungfuchs, at the end of the day machen wir sie alle platt!«

Das vorerst Letzte, was Hertz von Hegenbarth gelernt hatte, war die tägliche Morgenmeditation um sechs, eine Stunde mühevolle Inwendigkeit. Da seine Wohnung für spirituelle Operationen keinen geeigneten Raum mehr bot, wollte Hertz an jenem Montag den Immobilienmakler von John & Jacobi treffen, der ihm in Sichtweite des achtstöckigen Bankgebäudes eine Vierzimmerwohnung anbieten würde, angeblich mit Dachterrasse; Courtage und Kaution liefen auf Kostenstelle 7013 Human Resources.

Um 12.48 Uhr sah Hertz vor dem Antiquitätengeschäft Schimmel & Hochhuth, neben einer Pyramide getrockneten Hundekots, einen Mann mit gelocktem Blondhaar und üppigem Backenbart – die Wange an den Bauch einer Geige geschmiegt – auf einem wackeligen Schemel sitzen. Aus für ihn selbst unerklärlichen Gründen blieb Hertz stehen, während rechterhand eine ältere Dame heitere Tonfolgen summte. »Rachmaninov. Violinsonate«, flüsterte sie.
Hertz nickte der Dame und irgendwie auch dem Musiker zu und bog, um den Weg abzukürzen, in die Alte-PostPassage ein. Dort stand in grüner Schrift auf eine Wand gesprüht: Alle Macht den Revitalisten! Als er am Ende der Passage wieder ins Sonnenlicht sah, stand ein Greis vor ihm, das Gesicht besprießt mit weißen Stoppeln um Kinn und Jochbein. Die Augen waren verwaschen, aus den Brauen ragten Einzelhaare, der Alte trug einen schwarzen Mantel, schwarze Schuhe und einen für seinen Kopf zu großen Hut. Er roch nach Milchsäure, schlechtem Cognac und verbrauchten Schuppen. Mit dem rechten Arm umklammert hielt er einen Käfig, durch dessen Streben Hertz jenes marderartige Tier anstarrte, dem er kürzlich in Hegenbarths Büro begegnet war. Am linken Handgelenk des Mannes hing eine Tragetasche mit der Aufschrift EmperadoEntertainment.

Der Alte hechelte ein paar Mal, schluchzte und sackte in sich zusammen, wobei sein rechter Ellbogenknochen ans Schaufenster der Krawatterie Hüttner schlug. Sein kleiner Kopf fiel auf die Metallschnalle von Hertz’ rechtem Paciotti – Hertz zog den Fuß zurück und hörte, wie der Schädel auf die Steinplatte ploppte. Der Alte stöhnte, sein Hut lag einen Meter entfernt, ein türkischer Schneider kam aus seinem Laden in der Passage geeilt und rief Allah um Hilfe. Mit einem Taschentuch wischte Hertz über den handgenähten Schuh, warf das Tuch weg und kam zur vereinbarten Wohnungsbesichtigung sieben Minuten zu spät, was ihn derart verärgerte, dass er nicht mehr in der Lage war, sich für seine Verspätung zu entschuldigen. War die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt, konnte Hertz keine Zugeständnisse machen. Und wenn der Tod, wie in der Alte-Post-Passage, zweiundzwanzig Minuten lang das Leben aufhält, fragte er sich ganz grundsätzlich, warum die so entstandene Verzögerung die Schuld der Lebenden sein sollte.

Als die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens Claas Schimmel & Söhne den Greis in den Sarg hievten, hingen beide Uhrzeiger neben dem U-Bahn-Schild Rathaus schlaff auf sechs und zitterten auf derselben Stelle. Der Käfig war auf dem spiegelnden Boden der Passage stehengeblieben, und in den roten Glasaugen des leblosen Tieres reflektierte das nervöse Licht einer wahnsinnig gewordenen Schaufensterröhre.

Diese technischen Defekte ereigneten sich eine Woche, bevor Jan-Philipp Hertz’ Leben in die Brüche ging. 2.

Hegenbarth stieß die Tür von sich, »hat Richter angerufen?«, war an keiner Antwort interessiert, nahm die Vertragsmappe, seinen BlackBerry, seine Anzugjacke, steppte auf den von Milchglastüren gesäumten Flur des zwölften Stocks, rief via Handy bei Eggers an, ehe er in den Strategieraum Vorstand ging und Sekunden später fluchend herauskam, an Richters Büro hämmerte, auf dem Gang nach Winter schrie (der kein bisschen mehr über die Verhandlungen wusste als alle anderen – Winter, Walter, dreiundfünfzig, Ziegenbärtchen, stehenden Fußes in zerknittertem Sakko, mit dem Ausdruck eines triefenden Labradors), »na! na! Winter!«, Hegenbarth spitz, »haben auch Sie mich im Stich gelassen?«, Winter ohne Fassung, »Stich … bitte was?«, auf dem Gesicht die Last der Verlogenheit, »Waswaswas!«, so Hegenbarth, »ist Reimpell im Bilde?« – »Reimpell?« – »Eben der! Rufen Sie Reimpell an, Winter, sagen Sie ihm, wir werden das Ding verlieren« – »Verlieren? Aber bis vorhin war doch …«, Richter von hinten: »Doktor Hegenbarth, ich …«, »ah, Richter, da sind Sie ja, wir kriegen’s nicht durch, sorry, ich muss meinen Arsch retten.«

Während Hans-Joachim »Hajo« Hegenbarth (nach Lage der Dinge: gefasst) ins Vorzimmer des Vorstandssprechers trat, trippelte Winter mit seinen verblüffend kleinen Füßen in den nächstgelegenen Konferenzraum, um Jürgen Reimpell auf der internen 3713 keinesfalls zu erreichen, weil der sich nach einem misslungenen Suizidversuch im Universitätsklinikum befand. Zehn Minuten später klingelte Hertz’ Telefon.

Außer Hegenbarth war der von sardinischem Rotwein besessene »Reimpelli« der Einzige, der Hertz wirklich mochte. Und Hertz selbst war der Einzige, der wusste, dass Reimpell krank war. Der hatte seine Burn-outs verschwiegen und die depressiven Phasen mit Tavor sozialverträglich im Griff gehabt, der ständigen Rede von der Fusion mit der Crédit France und dem unausweichlichen Personalabbau war Reimpellis Psyche aber nicht mehr gewachsen. Zuletzt nahm er Ritalinkapseln und Modafinilpillen, doch die Angst vor Verlust und Verschuldung hatte sich so weit gesteigert, dass sie ihr eigener Inhalt wurde. Angst vor der Angst hatte nach Reimpells Auffassung mit Menschenwürde nichts mehr gemein, da zog er die Reißleine und hängte sich auf.

Als Eggers offiziell erklärt hatte, der Betriebsrat werde dem Plan der Geschäftsführung nicht zustimmen, soll es bei den Personalern zu Tumulten gekommen sein, weil der Fortbestand seiner Abteilung bis dahin angeblich gesetzte Sache war. Nach Monaten der Selbstzerfleischung schien das Department Human Resources in seiner ganzen Stärke nur zu retten, wenn der Betriebsrat akzeptieren würde, dass fünfundzwanzig Prozent auf eine Viertagewoche gingen und dabei auf zehn Prozent Lohn verzichteten. Doch irgendwo im System musste es einen Riss gegeben haben. Niemand konnte sich die Spaltung des früher so hermetischen Gebildes erklären, die eine unberechenbare Dynamik in Gang gesetzt hatte (nichts anderes wollte Richter seit je vorausgesagt haben). Auf Unberechenbares (Richters Prophezeiungen also) war Hegenbarths Verstand am wenigsten geeicht, und die eigene Machtlosigkeit einsehen zu müssen, war in seinem Fall fürchterlich für alle anderen. Natürlich hätte das gescheiterte 25/4-Modell keine größeren Konsequenzen nach sich gezogen, wären nicht fünfzig Angestellte samt Familien von Hegenbarths Einfluss abhängig gewesen. Damals hatte Hertz das noch nicht erkannt.
»Danke, Janne.«

Hertz legte auf, stieg in den Aufzug und ging auf Hegenbarths Zimmer zu. Richter streckte ihm seine Hand mit dem dicken Ehering entgegen, während Hertz den Eindruck gewann, Richters Genossenleben feiere einen billigen Triumph über die Zukunft. Der düstere Richter hasste die Jungen. Er hasste ihre engtaillierten Anzüge, die freche Krawattenlosigkeit, das einen Knopf zu weit geöffnete Hemd an den Casual Fridays, er hasste sie für ihre Kraft und Schnelligkeit, und sich hasste er dafür, die Jungen hassen zu müssen, um das Leben auszuhalten. Es blieb Hertz bis zuletzt unerklärlich, wie im Rahmen eines so dünnen Mannes so viel Hass Raum zur Ausdehnung finden konnte.

Hegenbarths treue Janne (mit einem reizvollen Leberfleck neben dem Mundwinkel) bot ihm, Hegenbarths »Kronprinzen«, ein Glas Evian und das Privileg an, allein im Zimmer des Chefs zu warten. Ohne anklopfen zu wollen, drängte sich Winter ins Vorzimmer und äußerte die Hoffnung, ob Herr Doktor Hegenbarth zu sprechen –, ob Herr Doktor Hegenbarth sich dann vielleicht schon gemeldet –, ob Herr Doktor Hegenbarth die Mitteilung des Vorstands –

»Wir«, Janne Jäger lächelte Hertz zu, »wissen davon nichts.« Da stieß Hegenbarth die Tür auf, zog die Oberlippe an den Schneidezähnen herunter und drückte die Planungsakte an Winters wehrlose Brust.

»Finito, Scheißerchen, das war’s.« Er hatte sein Hemd bis zum Warzenhof geöffnet, Hertz sah die haarlose Haut mit dem Archipel der Leberflecke. Eine Schweißperle mühte sich das rechte Jochbein herab, unter den Achseln war das hellblaue Hemd aquamarin genässt. Den Sakko hatte Hegenbarth auf die Ledercouch geworfen, die Krawatte neben den schwarzen Rahmen mit dem Bild seiner Frau gelegt. Breitbeinig hing er in seinem Sessel. Die beiden Männer atmeten geräuschlos, tief und langsam. Sie schwiegen sich minutenlang an, irgendwann unterbrochen von einem einsamen Tja, das Hegenbarth in die Stille ausschied. Was hätte Hertz fragen sollen? ›Was ist denn das für ein krankes System, in dem Highpotentials mir nix, dir nix weggekürzt werden?‹ Und was hätte Hegenbarth antworten sollen? ›Sie wissen doch, Jungfuchs, die Evolution des Systems vollzieht sich hierzulande über Sozialkriterien.‹?

Hegenbarth sah das Leben als ein Ergebnis ökonomischer Evolution an. Evolution verlangte bekanntlich Anpassung an die Umstände. Und die Umstände hatten sich verändert. Kurz gesagt: Die Evolution dieser Tage war der Umstand, dass das Bankhaus John & Jacobi kurz vor dem Ruin am seidenen Faden hing, während Universalbanken aus London und Mailand wie Hyänen mit aufgesperrten Mäulern seine Paralyse erwarteten. Doch der John-&-Jacobi-Vorstand spielte einen überraschend hohen Trumpf, tat einen potentiellen Käufer in Frankreich auf, und nach monatelangem Ringen um die Leitung einer neugeschaffenen (genau gesagt: zwei mittlere Leitungsfunktionen zu einer höheren verschmelzenden) Position war Hans-Joachim Hegenbarth, nachdem lange Zeit alles auf ihn zuzulaufen schien, schließlich einem politisch genehmen Günstling der Franzosen unterlegen und musste seine Abteilung zur Hälfte auflösen. Hertz hatte kaum Sozialpunkte, keine Frau, keine Kinder und keine Krankmeldungen vorzuweisen und arbeitete erst seit fünf Jahren bei John & Jacobi. Für jede Art von Solidarität seitens der Kollegen Richter und Winter war er zu schnell zu hoch aufgestiegen. Richter hatte drei Töchter, war vierundfünfzig und seit Jahrzehnten ein funktionierendes Rädchen im Triebwerk. Winter hatte im Haus gelernt und saß zudem unkündbar im Betriebsrat. An Richter und Winter war nach Hertz’ nicht übertrieben geheimer Ansicht das ganze Elend der alten Republik abzulesen: dass man die Talente entlassen und die Holzköpfe und Spießer mästen und mitziehen musste, bis sie irgendwann bräsig in den Vorruhestand gingen, um den ganzen Tag lang über das System herzuziehen, das sie so lange am Leben erhalten hatte.

Schon damals hatten Hertz die Ängste der Alten kaum gekümmert, weil schon damals für ihn klar war, dass es so etwas wie Ruhestand nicht mehr geben würde, für ihn nicht, für niemanden mehr, weil sie alle auf der Straße stehen oder liegen würden, ausgeraubt, verbrannt, tot, nutzlos, weil der Karren gegen die Wand gefahren sein und nichts weiter bleiben würde als endlose, unversöhnbare Trauer, mit der umzugehen keiner gelernt hatte, weil niemand den Gefallenen gesagt hatte, wie sie Trauer leben können, wie sie Schuld sühnen sollen, wie sie die Wunde heilen müssen, weil es keine Paragrafen zur Ausübung von Trauer gab, weil sie alle davon ausgingen, dass Trauer keinen Aktienwert besitzt.

Hegenbarth hatte die Beine zur Tür hin gestreckt, Hertz hielt seine verschränkt in Richtung Fenster. Hegenbarth gegenüber hing dessen Lieblingsgemälde red painting, und hinter ihm, Öl auf Leinwand, das Werk Auf Schuld folgt keine Sühne Part 2. In diesem Bild zu sehen war unten rechts ein Opiumbett, auf dem eine in einen blutroten Sarong gehüllte Lady Spitze pafft. Die beiden Bilder aus der Schule der Neuen Figürlichkeit hatten Hegenbarth – als er nach einem Geschäftstermin auf die Vernissage in die Leipziger Akademie der Künste gegangen war – vor zwei Jahren derart beeindruckt, dass er sie und zwei weitere für 4000 Euro aus dem Atelier der unbekannten Künstlerin Mascha Probst vom Fleck weg gekauft hatte, mit dem gewissen Recht des Kenners, der ahnte, dass damit eine wunderbare Beziehung begann. Mascha war damals vierundzwanzig und dem Tod näher als dem Leben.

Außer Hertz wusste keiner, dass Hegenbarths wahre Liebe dem Osten, besser: dem Ostischen galt. Hegenbarth konnte niemandem vernünftig erklären, warum er, ein gebürtiger Rheinländer, Rachmaninov, Glasunov, Skrjabin, die russische Musik, das russische Wesen, überhaupt das Ostische, dessen Drama, Tragik und Pathos unverhältnismäßig liebte und der in Halle geborenen Mascha Probst eine große Zukunft prophezeite. Hertz vermutete seit längerem, dass Hegenbarths Leidenschaft für Kunst und Frauen ihm im Kampf um den Vorstandsposten entscheidende Wettbewerbsnachteile gegenüber seinem skrupellosen Gegenspieler der Crédit France eingebracht hatte. Hegenbarths manchmal hinterrücks einsetzende Feinsinnigkeit vermasselte ihm am Ende des Tages jede Elevator-Speech im Change-Prozess der bankinternen Selection. Hegenbarths gespielte Härte war lächerlich weich. Er nannte Hertz »Jungfuchs«, weil er keine Kinder hatte, weil er eigene Kinder nicht mochte, weil Kinder Liebe fordern. Oder weil er Kinder liebte und sich nach einem wahren Sohn sehnte und seine immerzu lächelnde Frau einen Lukas aus erster Ehe mitgebracht hatte, den Hegenbarth geringschätzte, weil er Komparatist werden wollte, nicht Komponist, dem Staub der Buchstaben und nicht der Musik, dem Tragischen, dem Pathos ergeben, sondern den Fußnoten, dem abgestorbenen Leben, und er, Hegenbarth, in Hertz das Gegenstück entdeckt hatte, den stürmenden Dränger, der etwas wollte, der aus sich herausstrebte, der grandios performte, sich den Schneid von niemandem abkaufen ließ und eine Vitalität verkörperte, die er, Hajo Hegenbarth, sich seit jeher in sein eigenes ostloses Leben hineingeträumt hatte. Er hatte seine Frau geheiratet, um fremdgehen zu können, ohne dass sie ihn am folgenden Tag auf ewig verlassen würde, nein, sie beklagte sich nicht einmal. Grotesk war, dass Hegenbarth sie für diesen Gleichmut bewunderte. Er konnte sich immer auf die Erziehung anderer verlassen, deshalb war er heute da, wo er war. Mit Schicksal hatte das nichts zu tun, mit Instinkt sehr viel.
Ohne Grund begann Hegenbarth mit seinem Belvedere auf ein Papier zu schlagen, bis die grüne Tinte spritzte. Silhouetten verloren Schärfe und gewannen Masse. Hertz merkte auf, sah das violette Licht im Fenster, woraufhin Hegenbarth den Füller aufs Etui legte und die Hände hinterm Kopf verschränkte. Kurz, aber heftig nahm eine Saatkrähe Kontakt mit dem Fensterglas auf. Jedes der drei Telefone auf dem Tisch schwieg sich aus. War nach all den Jahren zwischen Hegenbarth und Hertz nichts weiter geblieben als diese in sich ertrinkende Stille?

Als es für ihn durchlitten war, stand Hertz auf, nahm den Belvedere mit der Gravur HJH, unterschrieb mit großem Schwung das vorbereitete Formular, griff seine Tasche und ging zur Tür. Bevor er die Klinke losließ, drehte Hertz sich kurz um, sah in Hegenbarths Augen und suchte nach Hoffnung. Er fand Leere und verließ das Traditionshaus John & Jacobi als verworfene Zukunft.

3.

Als Hertz an jenem 23. Mai durch das Drehkreuz in die Ungewissheit eines eigensinnigen Lebens ging, schlugen zur selben Zeit acht Kilometer südlich zahllose Blitze an die Backsteinwände der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG. Ein Flackern kam über Harburg, blaue Blasen Licht, die in den Kronen der Kastanien platzten. Während es Goldfasern regnete und violett getönte Blütensträuße rieselte, entleerten sich Lichtdärme in kristalline Kränze. Schirme zerstäubten im Aufgehen, und auf Augenhöhe floss ein Hauch Magenta in einen nervösen Schein von Gold, als lege sich über der Fabrik eine bedeutsame Nachricht zu Boden.

Tatsächlich pisste ein Rottweiler an die unterste Backsteinreihe der New-York Hamburger und ließ, während er vor Erleichterung hechelte, die Zunge schlaff zur Seite hängen. Ein Rumpeln war zu hören, Stahl rammte Stahl, und dann wurde eine Schiebetür für immer verschlossen, ehe aus einem entfernten Gebäude Schreie gellten, die ihr Ziel nicht erreichten. Ein schwerer Motor kuppelte ein, der Fahrer gab zweimal Leergas. An der Straße, die am Empfang vorbeiführte, standen die Arbeiter Spalier. Einer von ihnen, Pit Sosset, weinte, und sein Kollege, der »Lange«, schien wieder einmal den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben. Wegen seiner herrlichen Einfalt hatte es so weit kommen können, dass er sein gesamtes Leben »in der Kamm«, wie die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie bei ihren Arbeitern hieß, verbracht hatte, als Laufbursche beginnend, der, auf dem Gelände der Pubertät entwachsen, während der Protestmärsche 68 folgende zu den Fahrern gewechselt und dann, kurz vorm Deutschen Herbst 77, über den Hof in die Poliererei im ersten Stock gezogen war, anschließend eine Station von kurzer Dauer im Walzwerk absolviert hatte und seit dem Mauerfall 89 in der Verpackung unterm Dach arbeitete. Und jetzt, zufällig zum farbenprächtigsten Feuerwerk, das Harburg je gesehen hatte, sollte all das zu Ende gehen?

Der Schlagbaum vorm Pförtnerkabuff hob und senkte sich täglich hundertfach, doch an diesem Tag senkte er sich nicht wieder. Die Lkws passten gerade eben unter die Aluröhren, die zur Luftab- und -zufuhr in vier Metern Höhe über dem gesamten Gelände hingen und wirkten, als seien sie Teil eines anaeroben Kreislaufs. Unerhört, wie wenig Raum die Nartenstraße zum Rangieren ließ! Mit erneutem Zwischengas schlugen die Schwertransporter auf den letzten Metern im Werksgelände scharf links ein, um sich und ihr Führerhaus noch vor der drohenden Straßenmauer zu positionieren, während oben, im zweiten Stock der »Kamm«, zwei schweigsame Russen in Ganzkörper-Stoffpapieranzügen mithilfe eines Kettenzugs die Eisenverdecke der Bimsmaschinen abhoben, mit Spachteln das Maschinenfett abkratzten und mithilfe dickhaariger Pinsel Staubschichten fortwischten, ehe sie die Schrauben lösten und die Teile des legendären, weltweit einzigartigen »Kammcenters« Stück für Stück auf den Vorhof abseilten, wo ein Ladewagen der Firma Otto Dörner all das aufnahm, was in Shanghai wiederaufbereitet werden konnte.

An jenem Freitagabend ging über Harburg das letzte Feuerwerk nieder, das Sosset und der Lange als Angestellte der Kamm miterlebten. Der Bezirksamtsleiter des Stadtteils hatte zur Einweihung der sogenannten »Neuen Mitte« geladen. Die Umgestaltung des öffentlichen Raums hatten zwei holländische Architekten der Firma Youtopia zu verantworten, die, den Master of City Planning von der University of Seattle in der Tasche, mit Sonnenbrille in einer dunklen Nische stehend Minzgummi kauten. Im Stile eines wahlkämpfenden Visionärs donnerte der Bezirksamtsleiter, Harburg sei bereit, über sich hinauszugehen und dem Rivalen nördlich der Elbe das Wasser abzugraben, es sei die Stunde der Wahrheit gekommen und die Stunde des Triumphs der neuen Architektur über die Geschichte, und dergleichen mehr. »r« statt »m« hieß das Motto; das Duell Harburg gegen Hamburg, festgemacht an einem einzigen Buchstaben, war in den Medien zu einem beherrschenden Thema geworden, dem sich dies- und jenseits des Flusses kein aufmerksamer Zeitgenosse mehr entziehen konnte.

In jenem Moment, da die letzten Salven in den Harburger Himmel geschossen wurden, zogen die Lkws vor Aufgang A der Kammfabrik an. Vis-à-vis, auf dem Trottoir der Nartenstraße, die an der äußeren Fabrikmauer entlang verlief, führten zwei Frauen gleichen Alters neues und zerfallendes Leben aneinander vorbei – Rollstuhl und Kinderwagen stammten vom selben Hersteller, aber Kind und Greis nahmen vom jeweils anderen keine Notiz. Und wieder war der Mann mit dem langen, zum Zopf gebundenen Grauhaar zu sehen. Er stand wie immer günstig und sah die Transporter abfahren und hörte das Finale des Feuerwerks, dessen Schallwellen näher und näher rückten, und machte sich Notizen in ein schwarzes Moleskine-Buch mit der Aufschrift Das Ende unserer Tage.

4.

Das Wimmern der Waggons verwehte, und als Hertz die Augen öffnete, war er sich sicher, dass es der asthmatische Atem eines Generators sein musste. Die Nacht war noch warm, um die Lichtkugeln der Laternen tanzten Motten. Dann die ersten Stimmen seit Stunden: slawisches Idiom und das Röhren eines dieselbetriebenen Lkws, nachdem schwere Kisten auf dem Asphalt abgestellt worden waren. Gebremstes Metall sprühte, dann verharrten die Loks auf den Gleisen wie ausrangiertes Elend. Nichts war zu hören außer sonorem Summen. Hertz sah Kontinente auf dem Morgenmond. Er konnte nicht fassen, dass er die Nacht auf einer Bank am Hauptbahnhof verbracht hatte. »Hey, Diggä«, grüßte sein Nachbar aus dem Schlafsack und bot Hertz einen Schluck Korn an.

Um sieben ging Hertz auf die Kennedybrücke und warf seine Krawatte auf die Alster. Der rotweißgestreifte Stoff kreiselte stadtauswärts und war zu stolz zu versinken. Hertz roch die Alster. Nie zuvor hatte er die Ruhe von Wasser wahrgenommen. Nie zuvor hatte er etwas wahrgenommen, das nicht mit Recruiting, Synergien und Hegenbarths Obsessionen für die Beherrschung des asiatischen Marktes zusammenhing. Er lehnte über dem Geländer und entdeckte das ungelenk eingeritzte Jesus Emperado, I loves you. Mehrfach hatte Hertz von Emperado gehört, weil Hegenbarth mehrfach von diesem »Gott der Motivation« erzählt hatte. Ohne Hegenbarth, das wusste Hertz, ging in dieser Stadt nichts. Hegenbarth kannte Jesus Emperado, und jeder kannte Hegenbarth.

Diese Stadt hatte Hertz in ihre Kolonnaden und Arkaden getrieben, in ihre Nischen, Kehlen und Beugen. In manchen Eingängen lagen Penner im Wellpappenbett, in Scherben, Splittern, geleerten Flaschen Schnaps und Tetrapaks Wein. Anstelle der Möbel und Anzüge, Bücher, Flakons und verzierten Teeservices in der Mellin-Passage mit ihren Jugendstilfresken sah Hertz in den Schaufenstern sein Spiegelbild. Das Hemd hing aus der Hose, er hatte keinerlei Spannung mehr. Jan-Philipp Hertz war sechsunddreißig und am Ende.

Die ersten S-Bahn-Körper schoben sich über gerade gestellte Weichen in den Kreislauf des neuen Tages, die Reibung zwischen den Stahlkörpern erzeugte Realität. Ab jetzt würde sich das Leben wieder aufraffen, und wenn abends die Laternen ausgingen, würden Tausende glücklich entfesselter Fliegen ihr auf einen Tag befristetes Leben beenden, um im Licht in den Tod zu tanzen. Hertz’ Füße brannten, das war das Zweite, was ihm an diesem Morgen auffiel, die Haut war wund. Seine Fersen waren verwöhnt von Dienstwagen, Tiefgaragenstellplatz, Aufzug, Massage; die Schuhe in Mailand maßgefertigt, die Hornhaut fortpedikürt, alle vier Wochen.

Zartgliedrige Frauen im Businessanzug eilten an ihm vorbei, und Hertz ging unter Schmerzen in die Wandelhalle am Bahnhof, wo er ein Ciabatta mit Serranoschinken kaufte. Er löste den Fettrand ab, zog das Salatblatt heraus und trank, obwohl er im Laden stehenblieb, einen Cappuccino to go. Als er den Pappbecher in die vorgesehene Öffnung Papier eines öffentlichen Mülleimers warf, traf ein ICE aus Kopenhagen ein. Seine Haare waren in sich zusammengefallen, ja, aber das störte Hertz nicht mehr. Sein Weg ging irgendwohin, er querte eine Kreuzung, ohne es zu wollen. Ampeln mied er und kam so auf die Ernst-Merck-Straße, wo er vor dem Büro der Iran Air stehenblieb. Dann sah er das hellgrüne Licht, das auf den Asphalt fiel.
Direkt gegenüber befand sich eine Bar, deren Tür so weit offenstand, dass Musik zu hören war. Hertz ließ einen Lkw passieren, trat auf die Fahrbahn, handelte sich den Schmähruf eines rasenden Radlers ein, wechselte hinüber und wurde angezogen vom strömenden Aroma eines markanten Dufts. Er sah den Schriftzug Roter Panther, konnte nicht anders und trat ein.

»Hallo?« Neben dem Tresen saß eine Frau auf einem Hocker, das linke Bein aufgestellt, das Kinn auf der Kniescheibe abgelegt. Ihre Lippen saugten am Filter. Während sie ausblies, starrte sie ins Nichts.

»Du willst vögeln, oder?« An die Wand gepinnt waren vergilbte Plakate alter Filme, Fotos beschwingter Gäste in den Armen eines lachenden Schönlings. Über der Theke, notdürftig gerahmt, hing ein Zertifikat des Emperado-Institut für Empowerment und gegenüber ein Gemälde in Umbra- und Ockertönen mit krustenartigen Aufwerfungen über der Leinwand, ein starrender Mund, eine aufgerissene Vulva, kaum voneinander zu scheiden, als gebe es nur noch Schlünde.

Jetzt lag ihr Unterarm auf dem Knie, die abgewinkelte Rechte hing darüber hinaus, und Hertz sah auf dem Handrücken das Relief der Knochen und die Maserung der Haut, als stenografiere sie ein stark belastetes Leben. Die Zigarette steckte oberhalb des Filters zwischen Zeige- und Mittelfinger. Was Frauen betraf, waren Hertz und Hegenbarth unvereinbar.

Bei einem gemeinsamen Trip nach London hatte Hegenbarth Hertz in der Airport-Lobby wissen lassen, dass dünne Frauen so gut wie keinen Reiz auf ihn ausübten, nur im Ausnahmefall, wenn sie verletzlich oder krank wirkten. Er, Hegenbarth, zöge dralle Frauen vor, Vollweiber, wie er leise sagte, um laut zu lachen. Hertz war nicht entgangen, dass Hegenbarth kontinuierlich am Weiblichen gescheitert war. Wer nur tote Schönheit ertragen konnte, weil lebende ihn zur Leidenschaft aufgefordert hätte, der besaß im Geschäft der Erotik keine stechenden Karten. Und wenn Hertz ihn richtig verstanden hatte, sah Hegenbarth in Frauen ideale Kunstwerke, die sich so gut wie nie bewegen konnten, ohne ihre Reize zu zerstören. Für ihn, so Hegenbarth mit Boardingpass in der Hand, sei die Frau an sich eine Unberührbare, die ihre Heiligkeit nicht durch das Leben erniedrigen durfte. Seine erste Frau hatte er an einen Steueranwalt verloren, die zweite an die Depression. Geblieben war ihm die offene Liebe zum Job und die subversive zur zeitgenössischen Malerei der Figürlichkeit.

Hertz spürte die Vibrationen ein- und ausfahrender U-Bahn-Züge unter der Bar Roter Panther, aus deren wandseitig angeschraubten Lautsprechern sich mit virilem Timbre gesungene Lieder wiederholten. Die Frau auf dem Hocker rieb sich eine Narbe. Ihre Schlüsselbeine waren deutlich definiert, über das Dekolleté unter der transparenten Knitterbluse verlief ein frischer Kratzer.

»Du siehst vielleicht fertig aus«, sagte sie.
Hertz sagte nichts, dachte das Gleiche aber von ihr. »Brauchst mal ne vernünftige Erleuchtung.«
Sie stand auf, und Hertz sah unter der Hose den fliederfarbenen Tanga. Ihre Augen waren groß und grün.

»Danke, ich rauche nicht.« Sie steckte die Packung wieder ein, blies aus, stellte die Musik lauter und sagte: »Ich liebe diesen alten Gangster!«
Hertz rieb sich das Auge.
»Vladimir Krug.«
»–«
»Die genialsten Shansons der Welt.«
Hertz rang sich ein Aha ab.
»Das war ein Mann! Immer todbereit. Nur so gehste zum Äußersten.«
Sie roch nach Lavendel und Bier, ihr sächsischer Dialekt entging Hertz nicht. Auch sonst war sie anders als alle Frauen, die er kannte – schmuck- und schminkefrei, in gewisser Weise nackt. Hohen Verführungsaufwand betrieb sie nicht, zumindest nicht, was Hertz betraf. Auf den ersten Blick fehlte ihr alles Feminine, und doch war die Art, wie sie vom Hocker aufstand, wie ihre Hüften arbeiteten, nach Hertz’ Ansicht sehr weiblich und durchaus auch auf Wirkung bedacht.
»Zum Glück belästigst du mich hier nicht mit irgendeiner dämlichen Lust.«
Sie sagte noch irgendetwas über den Kosmos, der Poesie und Wärme von ihr verlange, dann stellte sie Hertz ohne Umschweife die entscheidende Frage: »Wie heißt du eigentlich?«

Sie gingen in den vierten Stock, weil Mascha vernünftige Erleuchtungen parterre für unmöglich hielt. Ihre Dachwohnung bestand aus einem Großraumatelier mit drei Staffeleien, begonnenen Bildern, zerrissenen Leinwänden, zerknüllten Skizzen, halbgeleerten Kaffeetassen, einer respektvoll verfremdeten Ikone, Fruchtbarkeitsgöttinnen aus Holz und dem geschenkten Panorama der Stadt, die um 8.03 Uhr endgültig aus dem Kokon ihrer Unschuld geschlüpft war. Auf dem Boden verstreut waren Julia-Hefte, Groschenromane, manche zerrissen, manche verklebt, die meisten mit dem Rand einer Kaffeetasse auf dem Cover. An den Wänden, ungeordnet, standen mit kohleschwarzer Eindringlichkeit handgeschriebene Sätze: Ich nehme mich nicht als Person wahr. Oder: Jedes Nein staut den Bewusstseinsstrom. Oder: Das Böse sind unterdrückte Perversionen. Oder: Ich bin einzigartig. Neben dem Kunstband Neue deutsche Figürlichkeit lag eine Broschüre Einführung in den Satsang: Das Treffen mit der Wahrheit.

Hertz sah Hörbücher neben der iPod-Station liegen und wunderte sich, das Coverfoto betrachtend, über Jesus Emperados elefantöses Lachen. Während er sich die Schmerzen vorstellte, die diese Mund- und Wangengrimasse dauerhaft hervorrufen müsste, ging Mascha im Raum umher wie eine entrückte Elfe.

»Übrigens interessierst du mich einen Dreck«, sagte sie, und Hertz wusste nicht, ob er gemeint war oder das Leben. In den Fenstern des Bürogebäudes vis-à-vis sah er die Sonne.

»Ich kann dir jetzt schon sagen, dass du so ein Automatenmensch bist, unkreativ und unwach.«
Sie zog sich die Bluse aus und begann zu tanzen, wobei ihre Haare das Gesicht verhängten, und als sie sich an ihre Brüste fasste, warf sie den Kopf zurück und ging rückwärts zu einer Tür, die in ein tanninrot gestrichenes Zimmer führte: Einundzwanzig rundum aufgehängte Bilder stellten einen drei-mal-sieben-teiligen Zyklus mit dem Titel Auf Schuld folgt keine Sühne dar. Gescheiterte Versuche, mit schwarzem X bestraft, standen ineinandergesteckt im Eck und warteten auf Entsorgung. Die Menschen in diesen Gemälden hatten keine Gesichter.
»Ich habe eine Ahnung, wie ich mein schlechtes K überlisten kann.«
»Dein schlechtes was?«
»K.«
»K?«
»Karma.«
K war das Gegenteil von private equity, diese Rechnung machte Hertz’ Verstand noch auf. Hatte sie kurz zuvor im Roten Panther apathisch gewirkt, wirbelte sie jetzt umher, setzte sich, stand wieder auf, kam auf Hertz zu, drehte kurz vorher ab, drehte sich um ihre Achse, suchte ihre Lucky Strike, fand sie nicht, fand sie dann triumphal, suchte das Feuerzeug, fand es nicht und griff sich Streichhölzer, entdeckte das Feuerzeug und warf es an die Wand, fragte Hertz nach ihm, schnitt ihm das Wort ab, war an Antworten kein bisschen interessiert, sog ein, blies aus.
»Ich bin ein bisschen lebensmüde, weißt du.«
Hertz sah den tätowierten Marder auf ihrem Rücken, über das Handgelenk lief ein Gänseblümchenreihen-Tattoo. Er legte seinen Herrenmantel auf einen Sessel ohne Polster. Es war zu spüren, wie sich der Raum erhitzte, dieses, ja: Atelier, das war Hertz klar, würde über kurz oder lang zu einem Treibhaus.
»Ich warte, auf irgendetwas, mein ganzes Leben warte ich, und was dann kommt, ist meistens ein Mann. Das ist schlimmer als Einsamkeit.«
Mascha atmete ihm ins Gesicht. »Ammoniak«, dachte Hertz, kranker Magen. Das kannte er von Hegenbarth, wenn der unter Druck stand. Plötzlich sprang die Vergangenheit in ihm auf, und Hertz sah seinen Mentor und hörte, wie Hegenbarth ihn vor einer ernsthaften Beziehung warnte: Ein leidenschaftliches Verhältnis hätte jeden aus dem bankinternen Talent Center um die notwendigen Punkte auf der EfficiencySkala gebracht, also hatte Hertz das Werben der Finanzvorstandsassistentin sofort mit dem Verweis beendet, Frauen wollten mehr empfangen, als ein Mann zu geben habe, er könne da leider keine Ausnahme machen, sie möge ihn bitte verstehen, was sie nicht tat und ihn nie wieder ansah. Straight messages waren ganz im Sinne Hegenbarths, der, irgendwelche »Liebeleien« der Menschen betreffend, bei einem bolivianischen Barbecue einmal eine derart zugespitzte Bemerkung gemacht hatte, dass die umstehenden männlichen Kollegen des Employer-Branding-Departments sie nicht gleich verstanden. Auch Hertz war gespannt auf die weitere Ausführung gewesen. Also, so Hegenbarth mit gegrilltem Lama im Mund, was er eigentlich sagen wolle: Frauen wollten das Göttliche und das Archaische zugleich und verzweifelten auf manchmal umständliche Weise daran, dass der Mann nur die erschöpfte Parodie auf diesen Zwiespalt sei.
»Am I right?«

Hertz drehte sich um und sah Mascha über den Tisch gebeugt, in tödlicher Blässe, der rechte Nasenflügel bestäubt mit Pulverresten, die zwei Finger wegzuwischen versagten.

»Der Tod ist das Ehrlichste im Leben«, sagte sie und schnupfte nach, »er ist der Einzige, der einen nicht betrügt. Er kommt ohne Antäuschung. Rums. Null Taktik.«

Hertz nahm das zur Kenntnis.
»Egal«, sagte sie. »Verstehste eh nicht.«
»–«
Sie steckte sich eine neue Zigarette an und legte sich spreizbeinig auf die Couch. Aschenbecher gab es nicht, dafür Dosen mit eingetrocknetem Thunfisch. Von unten wagte sich das erste Hupen herauf, und ein südwärts fliehender Airbus sprühte dem Horizont zwei Streifen auf.

»Liebst du Kino?«, fragte sie.
»Äha … lieben nicht gerade, aber …«
»Es ist der einzige Ort, an dem wahre Hingabe möglich ist.« »Ich weiß nicht genau, was du mit Hin…«
»Hingabe, die sich im Tod vollendet!«
»Im Tod?«
»Ach, vergiss es.«
Sie griff sich ein blutrotes Shirt mit verkrusteter Farbe,

riss einen dunkelbraunen Ledermantel vom Bügel, der auf den Boden fiel. Die Eisentür rammte sich ins Schloss, und Maschas Schritt schien von nun an das Schicksal überlisten zu wollen, so bestimmt trat sie auf.

Das Sexkino Seventh Heaven hatte vierundzwanzig Stunden geöffnet. Sie saßen auf Sesseln aus blauem Kunstsamt, sahen und hörten, wie zwei Männer eine Frau bearbeiteten. »Ich mach das manchmal«, flüsterte sie, »vor allem morgens.«

»Ins Kino gehen?«
»Mmh, ja.«
Draußen rauchte Mascha und kratzte den roten Lack eines schlecht behandelten Nagels ab. Dann ging sie einfach fort, als eine Kolonne schwarzer Limousinen das Schauspielhaus passierte, zwischen den hupenden Karossen in die Lange Reihe, wo sich ein Lieferwagen mit der Aufschrift Vita-NovaKlinik längere Zeit mit einer Parkbucht zu arrangieren suchte. Nach fünfzehn Minuten hörte Hertz auf, sie zu suchen, bog völlig übermüdet in die Spitalerstraße Richtung Rathausmarkt ein und ignorierte die überall angebrachten Plakate mit dem beachtlich grinsenden Jesus Emperado, die den Powerday 2.0 in der China-Shipping-Arena ankündigten.

* Heute, 2. Oktober, ein halbes Jahr nach Beginn seines Abstiegs, staunt Hertz über das enorme Tempo des allgemeinen Niedergangs. Sie wandelten alle auf einem ungesicherten Grat, ohne zu ahnen, von welchen Tiefen sie flankiert wurden. Sie gingen nicht einmal bedächtig, sondern mit wuchtigen Schritten. Doch dann begannen die Wochen, die alles veränderten. Mit welcher Beschleunigung dies geschah, ist für Hertz bis heute ein Rätsel. Er hätte sich nie vorstellen können, dass Hegenbarth und Hugo Myers-Pirelli – der eine neureicher Karrierist, der andere Kaufmann alten Schlags – gemeinsame Sache machen würden. Er hätte nie gedacht, einen solch verzweifelten Radikalen wie Volker Abele kennenzulernen, der Demütigungen sammelte, um sich später auf völlig unerwartete Weise an der Gesellschaft zu rächen. Er hätte die Dekadenz nicht für möglich gehalten, die sich erst an manchem, dann an jedem Abend im Salon China White vollzog, und nie hätte er sich ausgemalt, dass der vergleichweise kleingewachsene Charly Spengler den vergleichweise kleingewachsenen Jesus Emperado im Wettstreit um Größe als prägende Figur der Zeit ablösen würde.

Zwischen dem unfassbar heißen Mai und diesem völlig dehydrierten Oktober, in einem Zeitraum, da Hertz’ Leben zweimal eine entscheidende Wendung nahm, liegt nicht nur der Aufstieg Hajo Hegenbarths an die Spitze der EuroFinanceGroup und der Ausverkauf des Südens an chinesische Investoren. Es liegt darin auch die ganze Tragödie seiner Begegnung mit Mascha. Einen zerbrocheneren, widersinnigeren Menschen als sie hatte Hertz nie kennengelernt. Niemand wollte dem Tod näher sein und kam ihm doch ferner als Mascha Probst, die die Welt heute unter Mascha Malumowitsch kennt.

Drei Monate hat er in der Maisonettewohnung Ende der Ferdinandstraße verbracht, in die er wegen Hegenbarth gezogen war, weil Hegenbarth beruflichen Aufstieg von der Repräsentation privater Verhältnisse nicht trennen wollte und nicht trennen konnte. Er hatte Hertz den Makler besorgt, die Bank übernahm alle Umzugskosten, alles schien eingetütet, doch dann kam die Fusion mit der Crédit France, und Hegenbarth, der geniale Taktiker, ließ seinen Protegé fallen, »sorry, Jungfuchs!«

Ein Kollege aus dem Global Shipping Team der Abteilung Corporate & Investment wurde als neues Golden Talent erkoren, man beschaffte ihm Putzfrau und Audi TT Roadster, und während er Hertz’ Vierzimmerwohnung übernahm, zog Hertz in die Zweizimmerwohnung des ihm anfangs freundschaftlich verbundenen Kollegen im fünften Stock in der Hermannstraße, von deren Balkon er jetzt auf den Rathausmarkt hinabsieht.

Die Gerüstbauer kommen gut voran, die Bühne ist zur Hälfte errichtet. Just sieht Hertz, wie der Platz fürs Podium, von dem der Bundespräsident morgen sprechen wird, mehrfach gewechselt wird, weil der Chef der Sicherheitsfirma Securitaselect Bedenken gegen eine allzu exponierte Stellung des Redners hat. Die Situation in der Stadt ist nach wie vor viel zu unübersichtlich und in ihrer Unberechenbarkeit gefährlich, die Feindschaften der Massen untereinander sind nicht kontrollierbar, und noch immer suchen Ermittler nach den Umständen des Todes von mittlerweile vier Kurieren. Das seltsame Sterben der Kuriere begann kurz vor Ostern und wurde zu einem großen Thema, als es zu ersten Zusammenstößen zwischen Fahrradkurieren und Taxifahrern in einem immer kleiner werdenden öffentlichen Raum kam. Verschwörungstheorien über das Werk eines hochbegabten Serientäters, der sich zum Ziel gesetzt habe, mit der Eliminierung der Kuriere auch den Nukleus des Netzwerks einer unverbundenen Gesellschaft außer Kraft zu setzen, machten verblüffend schnell und unwidersprochen die Runde, es gab viele Vermutungen, aber keinen konkreten Anhaltspunkt. Deshalb wird Hertz jenen Moment Mitte Juni niemals vergessen, als er, wie damals täglich, ins Café Paris ging und eine eingangs reizvolle, bisweilen verstörende, in der Rückbetrachtung jedenfalls fatale Bekanntschaft machte.
»Mit „Das Ende unserer Tage“ ist Christian Schüle ein überzeugend-überzeichnetes Gesellschaftsporträt gelungen. Er nähert sich den dekadenten Machenschaften der Wirtschaftsmacher, stellt sie aber nicht als Alleinschuldige dar: Hinter den gefühlskalten Fassaden zeigt Schüle ihre Nöte, ihre Suche nach Orientierung, nach Menschennähe.«
Johan Dehoust, SPIEGEL Online, 27.02.2012

»Indem Schüles Fiktion eng an der Wirklichkeit des Hamburg von heute bleibt, wird der Roman beklemmend, zur Warnung, nicht so weiter zu machen wie eben jetzt.«
Stefan May, Deutschlandradio Kultur, 15.06.2012

»Die zwischen Satire und kulturkritischem Essay oszillierende Erzählhaltung und die generalstabsmäßig ausgeklügelten Parallelaktionen ... erinnern an Musils "Mann ohne Eigenschaften", das Faible für bizarre Namen, exotische Drogen und "esoterische Diarrhö" an Thomas Pynchons postmoderne Abenteuerromane, die expressionistischen Talmi-Kulissen und der Aufstand der Maschinenmenschen derweil an Fritz Langs Film "Metropolis".«
Martin Halter, Stuttgarter Zeitung, 3.8.2012

»Eine beklemmende erzählerische Mischung aus futuristischem Horrorszenario, totaler Dekadenz der Werte und des Erwachens einer sanften Gegenbewegung.«
Peter Mohr, TITEL Magazin, 22.10.2012

»Äußerst spannend und mit großer Liebe fürs Detail inszeniert.«
Peter Mohr, Hessische Allgemeine, 1.8.2012

»"Das Ende unserer Tage" ist ein großangelegtes Zeit- und Sittenpanorama des global entfesselten Kapitalismus ... Schüle, ironisch verspielt und durchaus sprachgewaltig, schlägt erhellende Funken aus der Reibung von Politik, Ökonomie, Religion und Kunst.«
Martin Halter, Saarbrücker Zeitung, 11.05.2012
Klett-Cotta Roman
1. Aufl. 2012, 457 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93962-0
autor_portrait
Marijan Murat

Christian Schüle

Christian Schüle, geboren 1970, Studium der Philosophie und Politischen Wissenschaft, ist freier literarischer Autor, Essayist und Reporter und lebt...

http://www.youtube.com/v/mKrBRjlqIxA


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