Die Elenden von Łódź

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Das Buchereignis des Jahres

Pragmatiker oder Monster?
In seinem Roman über das jüdische Getto in Łódź stellt Steve Sem- Sandberg die Frage nach den Mechanismen der Unterdrückung, dem Moment, in dem die Anpassung unerträglich wird. Auch für einen Verräter wie den starken Mann des Gettos, den Judenältesten Mordechai Chaim Rumkowski.

»Die Elenden von Łódź« ist ein einzig artiger Roman mit vielen Stimmen. Er porträtiert neben der zentralen Figur Rumkowskis das Leben zahlreicher Gettobewohner und gibt ihnen so einen Namen und ein Schicksal.

»Wie ein Historiker beschwört Steve Sem-Sandberg die Vergangenheit herauf, wie ein Romancier erhöht er Geschichte ins Allgemeingültige – ein dokumentarischer Roman, der auf grandiose Weise die Stärken dieses Genres aufzeigt.«
Ilija Trojanow

Steve Sem-Sandberg wurde für die »Die Elenden von Łódź« mit dem schwedischen »August-Priset« ausgezeichnet , der dem Deutschen Buchpreis entspricht.

Leseprobe
Prolog

Der Judenälteste allein

(1. – 4. September 1942)

Alles, was dir vor Handen kommt zu tun, das tue frisch; denn bei den Toten, dahin du fährst, ist weder Werk, Kunst, Vernunft noch Weisheit. Prediger 9,10

Es war der Tag, für ewig ist er dem Gettogedächtnis eingegraben, als der Judenälteste der Menge mitteilen ließ, ihm bliebe keine andere Wahl, als die Kinder und Alten des Gettos gehen zu lassen. Noch am Nachmittag vor dieser Bekanntgabe hatte er in seinem Büro am Bałucki Rynek gesessen und auf das Eingreifen höherer Mächte gewartet, gehofft, dass sie ihn retten mögen. Zu jenem Zeitpunkt hatte er sich bereits gezwungen gesehen, die Kranken des Gettos herzugeben. Nun standen nur noch die Alten und Kinder aus. Herr Neftalin, auf dessen Anordnung die Kommission ein paar Stunden zuvor erneut zusammengetreten war, hatte ihm versichert, dass alle Listen bis spätestens Mitternacht aufgestellt und der Gestapo übergeben sein mussten. Wie sollte er ihnen nur erklären, welch ungeheuerlichen Verlust das für ihn persönlich darstellte ? Sechsundsechzig Jahre lebe ich nun schon und bin des Glücks, mich Vater nennen zu können, noch immer nicht teilhaftig gewor­ den, und jetzt verlangen die Behörden von mir, dass ich all meine Kinder opfere.

Hatte auch nur einer daran gedacht, wie es ihm in diesem Augenblick erging ?
(»Was soll ich ihnen sagen?«, hatte er Doktor Miller gefragt, als die Kommission am Nachmittag zusammengetreten war, und Doktor Miller hatte sein zerquältes Gesicht über den Tisch geschoben, und auch der seitlich von ihm sitzende Richter Jakobson hatte ihm tief in die Augen geblickt, und beide hatten übereinstimmend erklärt:
Sag ihnen die Wahrheit. Wenn nichts anderes möglich ist, musst du ihnen die Wahrheit sagen.
Aber wie kann es eine Wahrheit geben, wenn es kein Gesetz gibt, und wie kann es ein Gesetz geben, wenn es die Welt nicht mehr gibt?)
Den Widerhall der Stimmen der sterbenden Kinder im Kopf, griff der Älteste nach dem Jackett, das Fräulein Fuchs für ihn am Haken an der Barackenwand aufgehängt hatte, führte den Schlüssel zittrig ins Schloss und bekam die Tür mit knapper Not auf, bevor ihn die Stimmen erneut überfielen. Doch vor der Tür seines Büros wartete kein Gesetz, auch keine Welt; nur jene, die von seinem persönlichen Stab noch übrig waren, ein halbes Dutzend übernächtigter Büroangestellter mit dem unermüdlichen Fräulein Fuchs an der Spitze, an diesem Tag ebenso proper wie stets gekleidet, in frischgebügelter, blau-weiß gestreifter Bluse, die Haare zum Knoten hochgenommen.
Er sagte:

Wenn der Herr die Absicht gehabt hätte, diese seine letzte Stadt unter­ gehen zu lassen, hätte er es mich wissen lassen. Oder mir zumindest ein Zeichen gegeben.

Sein Stab aber starrte ihn nur verständnislos an:
Herr Präses, sagten sie, wir sind bereits eine Stunde verspätet.
An diesem Nachmittag war das Getto vollständig auf den Beinen. Obwohl die Leibwächter den größten Teil des Mobs auf Abstand halten konnten, war es ein paar grinsenden Flegeln gelungen, den Wagen zu entern. Er hatte sich ans Verdeck zurückgelehnt, nicht fähig,
wie sonst mit dem Stock nach ihnen zu schlagen. Es war, wie böswillige Zungen schon seit längerem hinter seinem Rücken raunten: Mit ihm war es vorbei, seine Zeit als Getto-Präses war zu Ende. Im Nachhinein würden sie von ihm sagen, er sei ein falscher schofet gewesen, der die falschen Beschlüsse gefasst habe, ein eved hagermanim, der keinesfalls für das Beste seines Volkes gesorgt, sondern allein die eigene Macht und den eigenen Vorteil im Auge gehabt habe.
Dennoch war es ihm nie um etwas anderes als das Beste des Gettos gegangen.
Herr, wie kannst du mir das nur antun?, dachte er.
Bei seiner Ankunft am Feuerwehrplatz warteten die Menschen bereits dichtgedrängt unter der glutheißen Sonne. Sie mussten seit Stunden hier gestanden haben. Sobald sie die Leibwächter erblickten, warfen sie sich wie eine Meute wildwütiger Tiere auf ihn. Im Vordergrund bildeten Polizisten eine Kette, hieben und prügelten mit Schlagstöcken auf die Menschenmassen ein, um sie zurückzutreiben. Doch genügte das nur schwerlich. Grinsende Gesichter blickten den Polizisten noch immer über die Schultern.
Es war festgelegt, Warszawski und Jakobson als Erste reden zu lassen, während er selbst noch im Schatten des Podiums warten sollte, um den Schmerz über die harten Worte, die er ihnen würde mitteilen müssen, tunlichst zu lindern. Doch wenn es dann erst Zeit für ihn war, die
provisorische, eigens errichtete Rednertribüne zu besteigen, gab es keinen Schatten mehr und auch kein Podium: nur einen simplen Stuhl auf einem wackeligen Tisch. Auf diesem schwankenden Grund würde er
dann stehen müssen, während die widerwärtige schwarze Masse ihn aus der Schattentiefe des Platzes begaffte und verhöhnte. Er fühlte Entsetzen vor diesem wabernden Dunkelkörper, ein Entsetzen, das nichts von alledem glich, was er je zuvor empfunden hatte. Genauso, das wurde ihm nun klar, mussten es auch die Propheten empfunden haben, als sie vor ihr Volk traten; Hesekiel, der aus dem belagerten Jerusalem, der Blutstadt, über die Notwendigkeit sprach, den Ort von allem Übel und
allem Unrat zu reinigen und jenen ein Zeichen auf die Stirn zu drücken, die sich noch immer zum rechten Glauben bekannten.
Dann sprach Warszawski:

Gestern erhielt der Präses die Order, mehr als zwanzigtausend Men­ schen zu evakuieren … darunter unsere Kinder und unsere Aller­ ältesten.

Wie seltsam sich doch die Schicksalswinde drehen. Wir alle kennen unseren Präses!
Wir wissen, wie viele Jahre seines Lebens, wie viel seiner Kraft, seiner Arbeit und Gesundheit er der Erziehung und dem Gedeihen jüdischer Kinder gewidmet hat.
Und nun verlangt man ausgerechnet das von ihm, von IHM unter allen Menschen …

* Oft hatte er sich vorgestellt, dass es möglich wäre, ein Gespräch mit den Toten zu führen. Nur jene, die bereits dem Eingesperrtsein entkommen waren, konnten sagen, ob er recht gehandelt hatte oder unrecht, als er diejenigen gehen ließ, für die es dennoch kein anderes Leben gegeben hätte.

In der ersten schweren Zeit – als die Behörden soeben mit den Deportationen begonnen hatten – ließ er stets den Wagen vorfahren, um die Begräbnisstätte in Marysin zu besuchen.

Endlose Tage Anfang Januar oder im Februar, als die Ebene um Łódź, die gewaltigen Kartoffel- und Rübenäcker, in feuchtkalte bleiche Nebelschleier gehüllt lag. Nach einer Ewigkeit war dann der Schnee geschmolzen und der Frühling ins Land gezogen, die Sonne stand so tief überm Horizont, dass die Gegend wie in Bronze gegossen schien. Jedes Detail trat im Gegenlicht hervor: die strengen Raster der Bäume vor den ockerbraunen Feldern, hier und da ein scharfer violetter Spritzer, ein Teich oder ein Bachbett, verborgen hinter der Wölbung des Flachlands.

An solchen Tagen saß er zusammengekrümmt, reglos weit hinten im Wagen; vor ihm Kuper, dessen Rücken denselben Bogen beschrieb wie die Pferdepeitsche auf seinem Schoß.

Jenseits der Absperrung stand einer der deutschen Wachtposten in feldgrauer Uniform stocksteif da oder ging rastlos vor seinem Schilderhäuschen auf und ab. An manchen Tagen blies ein kräftiger Wind über die offenen Felder und Wiesen. Der Wind riss Sand und lockeren Ackerboden mit sich, wehte auch Papierfetzen über Zaun und Mauern herein; und der wirbelnden Erde folgte stechender Sulfitgeruch von den Fabriken im Inneren von Litzmannstadt, wie auch das Gegacker des Federviehs und das Brüllen der Rinder von den polnischen Bauernhöfen im Umkreis. Dann ließ sich deutlich erkennen, wie willkürlich die Absperrung verlief. Der Wachtposten stand machtlos, stemmte sich gegen den hartnäckigen Wind, sinnlos klatschte ihm der Uniformmantel um Arme und Beine.

Der Älteste aber saß weiter still und unbeweglich auf seinem Platz, während Sand und Erde um ihn stiebten. Ob ihn all das, was er sah und hörte, kümmerte, zeigte er nicht.
Józef Feldman hieß ein Mann, der als Totengräber zu Baruch Praszkiers Friedhofskolonne gehörte. Sieben Tage die Woche, auch am Sabbat, da die Behörden es so befahlen, grub er Gräber für die Toten. Die Gräber, die er grub, waren nicht groß: sieben Dezimeter in die Tiefe und einen halben Meter breit. Tief genug, um einem Körper Platz zu bieten. Bedenkt man indes, dass es im Jahr zwei-, vielleicht dreitausend Gräber betraf, wird klar, um welch harte Arbeit es ging. Meist peitschten Wind und Sand den Männern ins Gesicht.

Im Winter ließ es sich nicht graben. Die Gräber für den Winter mussten im Sommerhalbjahr ausgehoben werden, und Feldman und die anderen der Friedhofskolonne arbeiteten in diesen Monaten am intensivsten. Im Winterhalbjahr zog er sich in sein »Büro« zurück und ruhte.

Vor dem Krieg hatte Józef Feldman eine kleine Gärtnerei in Marysin besessen. In zwei Gewächshäusern hatte er Tomaten- und Gurkenpflanzen gezogen, auch Gemüse: Chinakohl und Spinat; Zwiebeln hatte er gleichfalls verkauft und Samentütchen für die Frühjahrssaat. Nun standen die Gewächshäuser mit eingeschlagenen Scheiben leer und verlassen da. Józef Feldman selbst überwinterte in einem einfachen Blockhaus, gleich im Anschluss an eins der Gewächshäuser, das früher sein Büro gewesen war. Zuhinterst an der Wand stand eine niedrige Holzpritsche. Hier gab es auch einen Holzfeuerherd mit dem Abzug direkt durchs Fenster und eine kleine Kochplatte, die mit Propangas betrieben wurde.

Offiziell waren alle Grundstücke und alle alten Marysiner Gartenparzellen im Besitz des Judenältesten des Gettos, der sie ganz nach Belieben verpachtete. Das galt auch für ehemals gemeinsamen Landbesitz wie die Hachscharot der Zionisten, einundzwanzig umzäunte Parzellen mit langen Reihen sorgfältig beschnittener Obstbäume, wo die Pioniere des Gettos früher Tag und Nacht gearbeitet hatten; wie Borochovs Kibbuz, den verfallenen Hof des Haschomer-Kollektivs auf der PrÓżna, wo man Gemüse gezüchtet hatte, und die Jugendkooperative Chazit Dor Bnej Midbar. Galt im selben Maße für die großen offenen Flächen hinter den alten verfallenen Geräteschuppen, die unter dem Namen Praszkiers Werkstatt liefen, auf denen die wenigen, dem Getto verbliebenen Milchkühe weideten. All das gehörte dem Judenältesten.
Doch aus irgendeinem Grund hatte Feldman das seine behalten dürfen. Den Ältesten und ihn sah man oft zusammen in Feldmans Büro sitzen. Den Großen und den Kleinen. (Józef Feldman war klein von Wuchs. Es hieß, er reiche kaum über den Rand der Gräber, die er aushob.) Bei diesen Gelegenheiten erzählte ihm der Älteste von seinen Plänen, das Gelände um Feldmans Gärtnerei in ein einziges gigantisches Rübenfeld zu verwandeln und an der Böschung zur Straße Obstbäume zu pflanzen.

Oft hörte man vom Judenältesten sagen, im Grunde zöge er die Gesellschaft einfacher normaler Leute der von Rabbinern und Getto-Ratsmitgliedern vor. Fühle sich mehr zu Hause unter den Chassidim im Lehrhaus an der Lutomierska oder unter den ungeschulten, indes tiefgläubigen orthodoxen Juden, die sich, solange es erlaubt war, zu dem großen, an der Bracka gelegenen Begräbnisplatz begaben. Dort hockten sie stundenlang zwischen den Gräbern, den Gebetsschal über dem Kopf und die abgegriffenen Gebetbücher vor dem Gesicht. Alle hatten, wie er selbst, etwas verloren – eine Ehefrau, ein Kind, einen reichen wohlhabenden Verwandten, der sie nun im Alter hätte mit Essen und Obdach versorgen können. Es war dasselbe ewige schokeln, dasselbe Wehklagen wie zu allen Zeiten:

Warum wurde das Geschenk des Lebens Jenem gegeben, der bitter geplagt;
Jenem, der den Tod erwartet, ohne dass der Tod auch naht; Jenem, dem allein es brächte Freude, fände er sein Grab; Jenem, dessen Weg gehüllt ist in Finsternis:
bedrängt, umstellt von Gott?

Von den Jüngeren waren weniger erhabene Töne zu hören: – Hätte uns Mojsche nicht aus Mizrajim fortgeführt, könnten wir nun alle im Café in Kairo sitzen, statt hier eingesperrt zu sein. – Mojsche wusste, was er tat. Hätten wir Mizrajim nicht verlassen, wären wir nicht mit der Tora gesegnet worden.
– Und was hat uns unsere Tora gebracht?
– Im ejn Torah, ejn kemach, steht geschrieben; ohne Tora, kein Brot. – Ich bin vollkommen überzeugt, auch wenn wir die Tora hier gehabt hätten, hätten wir kein Brot.

Der Älteste bezahlte Feldman, damit er ihm den Winter über die Sommerresidenz in der Karola Miarki instand hielt. Von den leitenden Mitgliedern des Ältestenrates verfügte beinahe jeder neben einer Stadtwohnung im Getto auch über einen »Sommersitz« in Marysin, und es hieß, manche würden sich nie von dort wegbegeben, wie die Schwägerin des Ältesten, Prinzessin Helena, von der man sagte, sie würde ihre Sommerresidenz lediglich verlassen, wenn im Kulturhaus ein Konzert gegeben wurde oder einer der reichen Unternehmer für die schpizn des Gettos ein Diner veranstaltete; bei diesen Gelegenheiten fand sie sich hingegen jedes Mal ein, auf dem Kopf einen ihrer zahlreichen eleganten Hüte mit ausladender, aufwärtsgebogener Krempe und ein Vogelbauer aus Hanfseil bei sich, in dem ein paar ihrer Lieblingsfinken zwitscherten. Prinzessin Helena sammelte Vögel. Im Garten vor ihrem Marysiner Haus hatte sie ihren persönlichen Sekretär, den in vielen Dingen bewanderten Herrn Tausendgeld, eine große Voliere errichten lassen, die nicht weniger als fünfhundert verschiedene Arten beherbergte, viele von ihnen so rar, dass sie in diesen Breiten nie zuvor gesichtet worden waren, und schon gar nicht im Getto, wo man selten andere Vögel als Krähen erblickte.

Der Älteste selbst vermied alle Exzesse. Auch seine Feinde konnten bezeugen, dass sein Lebensstil maßvoll war. Zigaretten konsumierte er indes in großen Mengen, und wenn er spätabends bei der Arbeit in seinem Barackenbüro am Bałucki Rynek saß, kam es nicht selten vor, dass er sich mit einem oder ein paar Gläschen Wodka stärkte.

Dann konnte es geschehen, auch mitten im Winter, dass Fräulein Dora Fuchs vom Sekretariat anrief und mitteilte, dass der Präses auf dem Weg war, und Feldman musste nach seinen Kohleneimern greifen und den ganzen Weg zur Karola Miarki hinaufmarschieren, um den Ofen anzuheizen, und wenn der Älteste dann eintraf, war er unsicher auf den Beinen und fluchte, weil es im Haus noch immer feuchtkalt war, und Feldman fiel es zu, den Alten zum Bett zu führen. Wie nur wenige andere war Feldman vertraut mit den Stimmungsschwankungen des Ältesten, kannte die Ozeane von Hass und Missgunst, die unter seinem stummen Blick und seinem sarkastischen tabakbraunen Lächeln ruhten.

Feldman kümmerte sich auch um die Wartung des Grünen Hauses an der Ecke Zagajnikowa, Okopowa. Das Grüne Haus war das kleinste und entferntest gelegene der insgesamt sechs Heime für elternlose Kinder, die der Älteste in Marysin hatte einrichten lassen, und es kam häufig vor, dass Feldman ihn hier fand, gegenüber der Einfriedung, die den Spielplatz auf dem Hof umgab, zusammengesunken in Kupers Wagen sitzend.

Es war offenkundig, dass der Alte beim Anblick der spielenden Kinder Ruhe fand.
Kinder und Tote. Ihr Gesichtsfeld war begrenzt. Sie nahmen nur Stellung zu Dingen, die sie unmittelbar vor Augen hatten. Ließen sich nicht von all den Ränkespielen der Lebenden täuschen.
Er und Feldman sprachen vom Krieg. Über das mächtige deutsche Heer, das seine Expansion an allen Fronten weiterzuführen schien, und über die verfolgten Juden Europas, die sich dareinfinden mussten, zu Füßen dieses gewaltigen Amalek zu leben. Und der Älteste bekannte, dass er einen Traum hatte. Oder richtiger gesagt: Er hatte zwei Träume. Über den ersten sprach er mit vielen, es war der Traum vom Protektorat. Den anderen offenbarte er nur einigen wenigen.
Er träume davon, so sagte er, den Behörden zu zeigen, was für tüchtige Arbeiter die Juden seien, damit sie sich ein für alle Mal überreden ließen, das Getto zu erweitern. Dann würden auch andere Teile von Łódź ins Getto eingemeindet, und wenn der Krieg schließlich vorbei wäre, müssten die Behörden anerkennen, dass das Getto ein ganz be­ sonderer Ort sei. Hier werde das Licht des Fleißes hochgehalten, hier werde produziert wie nie zuvor. Und für alle sei es von Vorteil, dass die eingesperrte Bevölkerung Litzmannstadts arbeite. Wenn die Deutschen das erst eingesehen hätten, würden sie das Getto zu einem Protektorat im Rahmen jener Teile Polens erklären, die dem deutschen Reich einverleibt waren: ein jüdischer Freistaat unter deutscher Oberhoheit, in dem man die Freiheit zum Preis harter Arbeit ehrlich erworben hatte.
Das war der Traum vom Protektorat.
In dem anderen, dem geheimen Traum stand er am Bug eines großen Passagierdampfers unterwegs nach Palästina. Das Schiff hatte nach dem von ihm persönlich geleiteten Auszug aus dem Getto den Hamburger Hafen verlassen. Wer genau außer ihm zu der Elite gehörte, der die Auswanderung gestattet worden war, machte der Traum nicht deutlich. Feldman verstand die Sache so, dass die meisten Kinder waren. Kinder aus den Berufsschulen und den Waisenhäusern des Gettos, Kinder, denen der Herr Präses selbst das Leben gerettet hatte. Im Hintergrund, auf der anderen Seite des Meeres, lag eine Küste: fahl in der Sonnenhitze, mit einem Saum weißer Gebäude nahe am Wasser und auf weichen Hügeln, die unmerklich in den weißen Himmel übergingen. Er wusste, es war Erez Israel, was er da sah, genauer gesagt Haifa, es ließ sich nur nicht klarer erkennen, weil alles miteinander verschmolz: das weiße Schiffsdeck, der weiße Himmel, die weißen, sich brechenden Wellen. Feldman gestand, dass es ihm schwerfiel, diese beiden Träume in Einklang zu bringen. Ging es um den Traum vom Getto als erweitertes Protektorat oder den Traum vom Auszug nach Palästina? Der Älteste erwiderte, was er stets zur Antwort gab, dass die Ziele von den Mitteln abhingen, dass man Realist sein müsse, sehen müsse, welche Möglichkeiten sich boten. Nach all den Jahren sei er vertraut damit, wie die Deutschen sind und denken. Obendrein habe auch er viele Vertraute in ihren Reihen gewonnen. Eins wisse er indes mit Sicherheit. Jedes Mal, wenn er aufwache und ihm klar werde, dass er diesen Traum erneut geträumt habe, fülle sich seine Brust mit Stolz. Was auch immer geschehe, mit ihm und mit dem Getto: Sein Volk würde er nie im Stich lassen.
Dennoch war es genau das, was er tun würde.
Von sich selbst oder davon, woher er kam, sprach der Älteste selten. Das ist ein abgeschlossenes Kapitel, pflegte er zu sagen, wenn bestimmte Ereignisse aus seiner Vergangenheit zur Sprache kamen. Dennoch griff er zuweilen, wenn er die Kinder um sich scharte, bestimmte Vorkommnisse auf, die sich dem Vernehmen nach in seiner Jugend ereignet hatten und an die er offenbar noch immer denken musste. Eine dieser Geschichten handelte von dem einäugigen Stromka, der bei ihm daheim in Iliono Lehrer an der Talmudschule war. Wie der blinde Doktor Miller hatte auch Stromka einen Stock besessen, und dieser Stock war derart lang, dass er in dem engen Klassenzimmer jeden beliebigen Schüler wann auch immer erreichen konnte. Der Älteste zeigte den Kindern, wie Stromka mit dem Stock verfuhr, watschelte, genau wie Stromka es getan hatte, mit seinem schweren Körper zwischen den Schulbänken auf und ab, in denen die Schüler über ihren Büchern hockten, und dann und wann fuhr der Stock wütend aus und klatschte einem unaufmerksamen Kind auf Hände oder Nacken. Genau so !, sagte der Älteste. Den Stock hatten die Kinder das »verlängerte Auge« getauft. Es war, als könnte Stromka mit der Stockspitze sehen. Mit seinem blinden, echten Auge blickte er in eine andere Welt, eine Welt jenseits unserer eigenen, in der alles vollkommen war, ohne jeden Fehler und Makel, eine Welt, in der die Schüler die hebräischen Schriftzeichen mit äußerster Perfektion niederschrieben und ihre Talmudverse herunterratterten, ohne ins Stocken zu geraten oder auch nur im Geringsten zu zögern. Stromka schien es in vollen Zügen zu genießen, in diese vollendete Welt hineinzublicken, doch was er an deren Außenseite sah, hasste er.

Es gab auch eine andere Geschichte – die aber erzählte der Älteste weniger gern: Die Stadt Iliono, in der er aufgewachsen war, lag am Fluss Lovať nahe der Stadt Welikije Luki, um die später im Krieg zahlreiche heftige Kämpfe ausgefochten wurden. Die Stadt bestand zur damaligen Zeit fast ausschließlich aus schmalen, windschiefen Holzhäusern, die dicht an dicht errichtet waren. Auf den flachen Hängen zwischen den Häusern, die im Frühjahr, wenn der Regen kam und der Fluss über die Ufer trat, zu unförmigen Lehmflächen anschwollen, gab es Platz für kleine Anpflanzungen. Die hier wohnenden, hauptsächlich jüdischen Familien handelten mit Stoffen und Kolonialwaren, die mit Fuhrwerken sogar aus Wilna und Witebsk kamen. Die Gegend war arm, die Synagoge aber glich einem orientalischen Palast mit zwei soliden Eingangssäulen; alles aus Holz.

Am Flussufer lag das Badehaus. Dem Badehaus gegenüber lag ein steiniger Strand, den die Kinder häufig nach der Talmudschule aufsuchten. Der Fluss war hier seicht. Den Sommer über erinnerte er an das gelblichbraune Brunnenwasser, das seine Mutter, wenn sie Wäsche wusch, auf die Vortreppe des Hauses stellte und in das er seine Hand mit Vorliebe eintauchte – es war warm wie sein eigener Urin.

Bei Niedrigwasser wurde auch eine kleine Insel freigelegt, eine flache Sandbank in der Mitte des Stroms, auf der Vögel standen und nach Fischen Ausschau hielten. Der Boden aber war tückisch. Jenseits der »Insel« fiel der schlammige Flussgrund wieder ab, und es wurde sofort tief. Dort war ein Kind ertrunken. Es war passiert, lange bevor er selbst auf die Welt gekommen war, im Ort aber sprach man nach wie vor darüber. Vielleicht war das auch der Grund, warum seine Schulkameraden so gern hierhergingen. Jeden Nachmittag wetteiferten ganze Rudel von Kindern, wer sich zur Insel hinauswagte, die frei und bloß in der Mitte der Flussströmung lag. Er erinnerte sich, dass einer der Jungen fast bis zur Taille hinausgewatet war und mit erhobenen Ellenbogen im aufgewühlten, sonnenglitzernden Wasser stand und den anderen zurief, sie sollten ihm rasch nachkommen.

Soweit er noch wusste, war er selbst nicht unter diesen Jungen, die dann lachend durchs Wasser pflügten.
Vielleicht hatte er sich angeboten, bei dem Spiel mitzumachen, war aber abgewiesen worden. Vielleicht hatten sie (wie so oft) gesagt, er sei zu dick; zu tolpatschig; zu hässlich.
Da war ihm eine Idee gekommen:
Er hatte beschlossen, zu Stromka zu gehen und ihm zu erzählen, was die anderen taten. Im Nachhinein war ihm nur dunkel bewusst, wie er sich die Sache vorgestellt hatte. Durch sein Petzen würde er bei Stromka eine gewisse Anerkennung finden, und wenn er die erst hatte, würden die anderen es nicht mehr wagen, ihn von ihren Spielen auszuschließen.
Es folgte ein kurzer Augenblick des Triumphs, als der blinde Stromka, den langen Stock vor sich hin- und herpendelnd, zum Fluss herabgeeilt kam. Dieser Augenblick des Triumphs währte indes nur kurz. Stromkas Gunst jedenfalls schien er nicht gewonnen zu haben. Hingegen starrte ihn das böse Auge von da an mit vielleicht noch größerer Tücke und Verachtung an. Die anderen Kinder gingen ihm aus dem Weg. Tag für Tag, wenn er zur Schule kam, standen sie flüsternd abseits. Eines Nachmittags, als er auf dem Heimweg war, folgten sie ihm auf allen Seiten. Er war umringt von einem Haufen rufender, lachender Kinder. Später würde er sich genau daran erinnern. An dieses plötzliche Glücksgefühl, das ihn durchfuhr, als er glaubte, akzeptiert, in ihren Kreis aufgenommen zu sein. Obgleich er sofort begriffen hatte, dass ihr Lächeln und ihr kameradschaftliches Schulterklopfen irgendwie steif und unnatürlich wirkten. Sie spielten und scherzten, forderten ihn auf, ins Wasser hinauszuwaten, sagten im selben Augenblick jedoch, er würde sich ja doch nicht trauen.
Dann geht alles ungeheuer schnell. Er steht bis zur Taille im Wasser, und hinter ihm am Strand bücken sich die Jungen in seiner Nähe nach Steinen. Und bevor er noch begreift, was geschieht, hat ihn der erste Stein an der Schulter getroffen. Ihm wird schwindlig, im Mund verspürt er Blutgeschmack. Er schafft es nicht einmal kehrtzumachen, um aus dem Wasser zu rennen, bevor der nächste Stein geflogen kommt. Er fuchtelt mit den Armen, versucht wieder auf die Füße zu kommen, fällt jedoch abermals; und um ihn herum klatschen die Steine ins Wasser. Er sieht, die Würfe sind so gerichtet, dass sie ihn zur tiefen Flussrinne treiben. In dem Augenblick, als er begreift – sie wollen, dass er stirbt –, erfasst ihn Panik. Noch heute weiß er nicht genau, wie er es geschafft hat, doch indem er das Wasser mit einem Arm wegschlägt, den anderen zum Schutz über den Kopf hält, gelingt es ihm irgendwie, ans Ufer zu kommen, die Beine in die Hand zu nehmen und sich hastig humpelnd davonzumachen, gefolgt von einem Steinhagel.

Hinterher musste er mit dem Rücken zur Klasse stehen, während ihn Stromka mit dem Stock verprügelte. Fünfzehn heftige Hiebe auf Hinterteil und Schenkel, die dort, wo die Steine getroffen hatten, bereits blau und geschwollen waren. Nicht, weil er dem Unterricht ferngeblieben war, sondern weil er seine Kameraden verleumdet hatte.

Doch woran er sich im Nachhinein erinnern sollte, war nicht die Denunziation und die Strafe, sondern der Augenblick, als die lächelnden Kindergesichter am Fluss urplötzlich zur hasserfüllten Mauer wurden und er begriffen hatte, dass er wie in einem Käfig feststeckte. Ja, immer wieder würde er (auch vor »seinen eigenen« Kindern) auf diesen offenen Käfig zu sprechen kommen, durch dessen Gitterstäbe unablässig Steine geworfen oder Stöcke nach ihm gestoßen wurden, und darauf, dass er gefangen war, nirgendwo hinkonnte und nichts zu tun vermochte, um sich zu schützen.
Wann beginnt die Lüge?

Die Lüge, so sagte Rabbi Fajner stets, hat keinen Anfang. Die Lüge verläuft wie ein Wurzelgeflecht in endlosen Verzweigungen nach unten. Doch folgt man den Wurzelfasern in die Tiefe, findet man nirgendwo einen Augenblick der Eingebung oder Einsicht, nur übermächtige Verzweiflung und Panik.

Die Lüge beginnt stets mit dem Leugnen. Etwas ist geschehen – dennoch will man sich nicht eingestehen, dass es geschehen ist.
So beginnt die Lüge.

* Am selben Abend, als die Behörden ohne sein Wissen beschlossen, die Alten und Kranken des Gettos zu deportieren, hatte er zusammen mit seinem Bruder Józef und seiner Schwägerin Helena das Kulturhaus besucht, um die vor einem Jahr erfolgte Gründung der Gettofeuerwache zu feiern. Am Tag darauf war es genau drei Jahre her, dass Deutschland in Polen eingefallen war und der Krieg und die Okkupation begonnen hatten. Das aber feierte man selbstverständlich nicht.

Die Soiree wurde mit einigen musikalischen Impromptus eingeleitet; danach folgten ein paar Stücke aus Mojsze Pulavers »Gettorevue«, die just an diesem Tag bereits ihre hundertste Aufführung hatte.

Der Älteste fand Musikvorstellungen insgesamt äußerst anstrengend. Das totenbleiche Fräulein Bronisława Rotsztad krümmte sich um ihre Violine, als würden sie ein ums andere Mal elektrische Stöße durchfahren. Fräulein Rotsztads musikalische Gefühlsausbrüche wurden indes von den Frauen hoch geschätzt. Anschließend waren die Zwillingsschwestern Schum an der Reihe. Ihr Auftritt hatte stets ein und denselben Ablauf. Zunächst schauten sie fromm in die Runde und knicksten. Dann stürzten sie hinter die Kulissen und erschienen als die jeweils andere wieder. Da sie einander bis aufs I-Tüpfelchen glichen, war das natürlich kein Problem. Sie tauschten nur ihre Kleider. Dann verschwand eine von ihnen – und die andere suchte nach ihrer Schwester. In Koffern und Kisten suchte sie. Dann tauchte die Verschwundene auf und begann nach derjenigen zu suchen, die zuvor auf der Suche gewesen (und jetzt ihrerseits verschwunden) war, vielleicht aber hatte auch dieselbe Schwester die ganze Zeit gesucht.

Alles war sehr verwirrend.
Dann trat Herr Pulaver selbst auf die Bühne und erzählte plotki. Einer der Witze handelte von zwei Juden, die sich auf der Straße

begegneten. Der eine kam aus Insterberg. Der andere fragte: Was Neues aus Insterberg? Der erste erwiderte: Nichts. Der andere: Überhaupt nichts? Der erste: A hintel hot gebilt. Ein Hund hat gebellt.

Das Publikum lachte. Der zweite: Hat ein Hund in Insterberg gebellt? Ist das alles, was passiert ist ?
Der erste: Was weiß ich. Anscheinend sind eine Menge Leute zusammengekommen.
Der zweite: Sind eine Menge Leute zusammengekommen? Und ein Hund hat gebellt? Ist das alles, was in Insterberg passiert ist?
Der erste: Man hat deinen Bruder festgenommen.
Der zweite: Hat man meinen Bruder festgenommen. Weshalb denn?
Der erste: Man hat deinen Bruder festgenommen, weil er Wechsel gefälscht hat.
Der zweite: Hat mein Bruder Wechsel gefälscht? Das ist ja nichts Neues.
Der erste: Hab ich doch gesagt, nichts Neues aus Insterberg.

Alle im Saal bogen sich vor Lachen außer Józef Rumkowski. Der Bruder des Ältesten war der Einzige im Saal, der nicht begriff, dass der Witz von ihm handelte.

Es wurden auch Späße über Rumkowskis junge Frau Regina und deren unverbesserlichen Bruder Benji gemacht, von dem es hieß, der Älteste habe ihn in der Klapsmühle an der Wesoła einschließen lassen, weil er »zu viel Theater gemacht hatte«; mit anderen Worten, weil er dem Präses Sachen ins Gesicht gesagt hatte, die der nicht hören wollte.

Die beliebtesten Geschichten handelten indes von Helena, der Schwägerin des Ältesten. Die erzählte Mojsze Pulaver persönlich, als er dort am Bühnenrand stand, die Hände frech in den Hosentaschen vergraben. Allein schon, dass er sie die Prinzessin von Kent nannte. Wer hot si gekent un wer wil si kenen?, fragte er, und plötzlich war die Bühne voller Schauspieler, die, eine Hand über den Augen, nach der verschwundenen Prinzessin Ausschau hielten: Prinzessin von Kent? Prinzes­ sin von Kent? Das Publikum jubelte und zeigte auf die erste Reihe, in der Prinzessin Helena puterrot unter ihrer kessen Hutkrempe saß.

Die übrigen Schauspieler spähten weiter ins Publikum: Wo ist sie? Wo ist sie?
Ein anderer Schauspieler kam auf die Bühne, schamlos imitierte er den watschelnden Gang der Prinzessin. Ins Publikum gewandt teilte er mit, es sei ein Notruf von der Feuerwache in Marysin eingegangen. Ein ungewöhnliches Anliegen: Eine Frau habe sich daheim eingeschlossen und weigere sich, aus dem Haus zu gehen. Von ihrem Mann ließ sie sich das Essen bringen. Sie aß und aß, und als sie endlich zum Abort musste, war sie derart aufgequollen, dass sie nicht durch die Tür kam. Die Feuerwehr musste ausrücken und sie durchs Fenster heben.

DAS WAR ALSO DIE UNBEKANNTE PRINZESSIN VON KENT ! Worauf das gesamte Ensemble auf die Bühne stürmte, sich bei den Händen fasste und ein Lied anstimmte: S’is kaj dankeskajtn,
S’is gite zajtn
Kajner tit sich hajnt nischt schemen Jeder wil do hajnt nor nemen; Abi zi sajn do satt*

Das war das bösartigste und unverschämteste Gesangs- und Tanzstück, das Herr Pulaver bisher in Worte gefasst hatte. Einer Majestätsbeleidigung so nahe, wie man ihr nur kommen konnte, typisch für die in den vergangenen Monaten im Getto herrschende Stimmung voll von Chaos und Verdrossenheit. Obgleich der Präses versuchte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und an den richtigen Stellen zu applaudieren, empfand auch er deutlich Erleichterung, als das Stück zu Ende war und die Musiker wieder auf die Bühne zurückkehrten.

Fräulein Bronisława Rotsztad beendete das Ganze mit einem raumgreifenden Scherzo von Liszt und zog mit ihrem gut geharzten Bogen einen Strich unter die ganze beklemmende Veranstaltung.

* Am Morgen darauf, es war Dienstag, der 1. September 1942, wartete Kuper wie gewöhnlich mit dem Wagen vor der Sommerresidenz in der Karola Miarki, und wie stets stieg der Älteste mit einem kaum hörbaren Grunzen als einzigem Gruß bei ihm ein. WAGEN DES ÄLTESTEN DER JUDEN stand auf den silbrigen Plaketten zu beiden Seiten des Fahrzeugs. Nicht, dass sich da jemand hätte irren können. Es gab nur einen einzigen derartigen Wagen im ganzen Getto.

Der Präses ließ sich oft durchs Getto fahren. Da alles darin ihm gehörte, sah er sich schließlich veranlasst, die Dinge dann und wann in Augenschein zu nehmen, um sicherzugehen, dass alles seine Ordnung hatte. Dass seine Arbeiter am Fuß der hölzernen Brücken ordnungsgemäß anstanden, bevor sie diese von einem Teil des Gettos zum anderen überquerten; dass seine Fabriken allmorgendlich die Tore geöffnet hielten, damit der gewaltige Strom der Arbeiter hineingelangte; dass seine Ordnungskräfte an ihrem Platz waren, damit es zu keinem unnötigen Geplänkel kam, dass seine Arbeiter sich unverzüglich zu ihren Arbeitsgeräten begaben und dort abwarteten, bis seine Fabriksirenen ertönten, möglichst alle zugleich, im selben Augenblick.

Das taten die Fabriksirenen auch an diesem Morgen. Es war ein vollkommen normaler klarer, wenn auch ein wenig kühler Tagesanbruch. Bald würde die Hitze die letzten Reste Feuchtigkeit aus der Luft brennen, und es würde wieder warm werden, so wie es den ganzen Sommer über gewesen war und es auch die restliche Zeit dieses grässlichen Septembers sein würde.

Dass etwas nicht stimmte, merkte er erst, als Kuper von der Dworska in die Łagiewnicka einbog. Vor dem von Schupos bewachten Schlagbaum bei der Einfahrt zum Bałucki Rynek drängten sich Menschen, und keiner von ihnen war auf dem Weg zur Arbeit. Er sah, wie sich Köpfe in seine Richtung drehten und Hände nach dem Verdeck des Wagens ausstreckten. Einer oder mehrere Menschen schrien ihm etwas zu, die Gesichter seltsam vorgereckt. Dann kamen Rozenblats Männer angerannt, Ordnungskräfte umringten das Gefährt, und nachdem die deutschen Gendarmen den Schlagbaum geöffnet hatten, konnten sie in Ruhe auf den Platz fahren.

Herr Abramowicz hielt bereits seinen Arm ausgestreckt, um ihn zu stützen, als er vom Wagen stieg. Fräulein Fuchs kam aus dem Barackengebäude gestürzt, und in ihrem Gefolge alle Bürokräfte, Telefonistinnen und Sekretärinnen. Er schaute von einem entsetzten Gesicht zum anderen und fragte: Was starrt ihr? Der junge Herr Abramowicz war der Erste, der sich ein Herz fasste, aus dem Pulk heraustrat und sich räusperte:

Wissen Sie es nicht, Herr Präses? Der Befehl kam heute Nacht. Sie räumen die Spitäler, nehmen alle Kranken und Alten mit! Es gibt mehrere Zeugnisse darüber, wie der Älteste reagierte, als ihn der Bescheid erst auf diese Weise erreichte. Manche sagten, er habe keine Sekunde gezögert. Gleich darauf hätten sie ihn »wie einen Wirbelwind« zur Wesoła fegen sehen, um seinen nächsten Angehörigen möglichst schnell zu Hilfe zu eilen. Andere meinten, er habe die Neuigkeit mit fast so etwas wie Heiterkeit aufgenommen. Bis zuletzt habe er abgestritten, dass eine Deportation stattgefunden hatte. Wie sollte hier im Getto etwas ohne sein Wissen geschehen?

Doch es gab auch jene, die plötzlich Unsicherheit und Angst hinter der autoritären Maske des Ältesten zu erkennen glaubten. Denn war nicht er es gewesen, der in einer seiner Reden geäußert hatte: Es ist mei­ ne Devise, jeder deutschen Anordnung mindestens zehn Minuten voraus zu sein. Irgendwann im Laufe der Nacht war ein Befehl ergangen, Kommandant Rozenblat musste informiert worden sein, da die Gettopolizei bis zum letzten Mann zur Stelle war. Alle, die es unmittelbar anging, schien man benachrichtigt zu haben, mit Ausnahme des Ältesten, der im Kabarett weilte!

Als der Älteste am Dienstag kurz vor acht beim Krankenhaus ankam, war die gesamte Gegend um die Wesoła abgesperrt. Jüdische Polizisten hatten am Eingang eine Kette gebildet, unmöglich zu überwinden. Jenseits dieser Mauer aus jüdischen polizajten hatte die Gestapo breite Pritschenwagen mit je zwei oder drei Anhängern vorfahren lassen. Unter der Aufsicht deutscher Polizeikräfte waren Rozenblats Männer dabei, Kranke und Ältere aus dem Spitalgebäude zu schleppen. Einige der Insassen trugen noch immer ihre Patientenkleidung, andere kamen lediglich in Unterhosen oder splitternackt aus dem Haus, die ausgemergelten Arme über Brust und Rippen verschränkt. Einzelnen Patienten gelang es, den Kordon der Polizisten zu durchbrechen. Eine weißgekleidete Gestalt kam mit rasiertem Kopf auf die Absperrung zugestürzt, den blau-weiß gestreiften Gebetsschal wie eine Fahne hinter sich herziehend. Sofort hoben die Uniformierten ihre Gewehre. Der unbegreifliche Triumphschrei des Mannes wurde abrupt abgeschnitten, und in einem Regen aus Stofffetzen und Blut kippte er vornüber. Ein anderer der Flüchtenden versuchte sich auf den Rücksitz einer der beiden schwarzen Limousinen zu retten, die neben den Lastwagen und Anhängern vorgefahren waren, bei denen eine Handvoll deutscher SS-Offiziere seit langem stand und die tumultartigen Szenen gleichgültig betrachtete. Der Flüchtende war gerade im Begriff, durch die Hintertür ins Auto zu kriechen, als der Chauffeur des Wagens SS-Hauptsturmführer Günther Fuchs auf den Eindringling aufmerksam machte. Mit behandschuhter Hand zerrte Fuchs den wild um sich schlagenden Mann aus dem Auto, schoss ihm dann zuerst durch die Brust und danach ein weiteres Mal – als der Mann längst am Boden lag – durch Kopf und Hals. Unverzüglich stürzten zwei Ordnungskräfte herbei, packten die Arme des Mannes und schleuderten die noch immer aus dem Kopf blutende Leiche auf den Anhänger, auf dem sich gut hundert bereits eingefangene Patienten drängten.

Während all dies geschah, war der Älteste ruhig und beherrscht auf den Chef des Einsatzkommandos, einen gewissen SS-Hauptscharführer Konrad Mühlhaus, zugegangen und hatte verlangt, in die Räumlichkeiten des Krankenhauses eingelassen zu werden. Mühlhaus hatte das Ansinnen mit dem Hinweis abgelehnt, hier gehe es um eine Sonder­ aktion unter der Leitung der Gestapo, und Juden dürften die Absperrlinie nicht übertreten. Der Älteste hatte daraufhin gebeten, das Büro aufsuchen zu dürfen, um von dort ein dringendes Telefonat zu führen. Als auch dieses Begehren abgeschlagen wurde, soll der Älteste gesagt haben:

Sie können mich erschießen oder deportieren lassen. Aber als Juden­ ältester habe ich dennoch einen gewissen Einfluss auf die Juden des Gettos. Wenn Sie wollen, dass diese Aktion ruhig und würdig vonstat­ ten geht, tun Sie klug daran, meinem Begehren nachzukommen.

Der Älteste war knapp dreißig Minuten fort. In dieser Zeit ließ die Gestapo noch mehr Anhänger vorfahren, und ein weiteres Grüppchen von Rozenblats Ordnungskräften erhielt den Befehl, im Krankenhausgarten nach Patienten zu suchen, die versucht hatten, durch den Hintereingang der Klinik zu fliehen. Wer sich im Park versteckt hatte, wurde mit Schlagstöcken und Gewehrkolben zu Boden geprügelt; wer sich auf die Straße verirrt hatte, wurde von deutschen Posten kaltblütig erschossen. In regelmäßigen Abständen waren Rufe und erstickte Schreie aus der vor dem Park versammelten Schar Angehöriger zu vernehmen, die nichts tun konnten, um den kraftlosen Patienten zu helfen, die man jetzt einen nach dem anderen aus dem Gebäude brachte. Zugleich richteten sich immer mehr Blicke auf die Fenster im Obergeschoss, an denen die Leute erwarteten, den weißhaarigen Kopf des Präses auftauchen zu sehen, der bekanntgeben würde, dass die Aktion beendet sei, das Ganze nur auf einem Missverständnis beruhe, er inzwischen mit den Behörden gesprochen habe und alle Kranken und Alten nunmehr ungehindert nach Hause gehen könnten.

Doch als der Älteste nach dreißig Minuten am Eingang erschien, warf er nicht einmal einen Blick auf die vollbeladene Anhängerkolonne. Er begab sich raschen Schritts zu seinem Wagen und nahm darin Platz, worauf das Gespann wendete und zum Bałucki Rynek zurückfuhr.

An diesem Tag – dem ersten der Septemberaktion – wurden insgesamt 674 stationär aufgenommene Patienten aus den sechs Gettokrankenhäusern in die überall in den Vierteln verteilten Auffanglager verbracht, von wo aus sie mit dem Zug weitertransportiert wurden. Unter den Ausgesiedelten befanden sich Regina Rumkowskas beide Tanten, Lovisa und Bettina, und möglicherweise auch Reginas geliebter Bruder, Herr Benjamin Wajnberger.

Im Nachhinein zeigten sich viele erstaunt, dass der Älteste nichts unternommen hatte, um wenigstens seinen engsten Angehörigen zu helfen, obgleich man ihn doch vor dem Spital zunächst mit SS-Hauptscharführer Mühlhaus und anschließend mit Kommissar Fuchs hatte sprechen sehen.

Etliche meinten zu wissen, was der Grund für diese Gefügigkeit war. Bei dem kurzen Telefonat, das Rumkowski aus dem Krankenhaus mit dem Leiter der Gettoverwaltung Hans Biebow geführt hatte, soll er ein Versprechen erhalten haben. Als Ausgleich dafür, dass er zustimmte, alle Alten und Kranken des Gettos ziehen zu lassen, soll dem Präses erlaubt worden sein, unter den für die Aussiedlung Vorgesehenen eine persönliche Liste von zweihundert vollwertigen gesunden Männern zusammenzustellen, Männer, die für den weiteren Betrieb und die Verwaltung des Gettos von unersetzlicher Bedeutung waren und die also im Getto verbleiben durften, obgleich sie die Altersgrenze offiziell bereits überschritten hatten. Der Älteste soll sich auf diesen Teufelspakt eingelassen haben, weil er darin die einzige Möglichkeit sah, das Überleben des Gettos auf Dauer zu sichern.

Wieder andere sagten, Rumkowski habe begriffen, dass die Zeit der Versprechungen, was ihn anging, vorbei war, und zwar bereits in dem Augenblick, als man die Deportationen einleitete, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen. Dass alles, was die Behörden bislang versprochen hatten, nur Lügen und leere Worte waren. Was bedeutete dann schon das Leben eines einzelnen Angehörigen, wenn ihm nichts weiter übrigblieb, als verwirrt und machtlos mit anzusehen, wie das gesamte mächtige, von ihm erbaute Imperium langsam in sich zusammenfiel?
»Ein bewegendes Meisterwerk über die Grauzone der menschlichen Existenz.«
SonntagsZeitung, 25.12.2011

»Sem-Sandberg hat einen Roman auf der Grenze zur Geschichtsschreibung verfasst ... Der Schriftsteller kann freier mit diesen Aussagen umgehen, als ein Historiker. Er vervollständigt das Bild, er verhilft der Wahrheit durcht fiktive Ergänzung zu ihrem Recht.«
Gerhard Spörl, Der Spiegel, 23.01.2012

»Es ist ein großer Wurf mit den Zügen eines Epos in der reichen Literatur über den Holocaust.«
Thomas Urban, Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011

»Steve Sem-Sandberg ist ein Dichter, und sein Roman erzählt vom Jammer im Getto … Sem-Sandberg schreibt am Beispiel des Gettos der polnischen Stadt Łódź, die von den Nazis in Litzmannstadt umbenannt wurde, über die Schoa. Wie er es tut, das hat niemanden unter seinen schwedischen Lesern kaltgelassen, und so wird es sich wiederholen, wenn „Die Elenden von Łódź“ nun rund um die Welt erscheint. In Großbritannien und Amerika wird der Roman bereits gefeiert.«
Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeiner Zeitung, 17.09.2011

»Sem-Sandberg hat mit "Die Elenden von Łódź" ein Stück Weltliteratur geschrieben. Und er hat den namenlosen Ermordeten ein Denkmal errichtet, wahrhaftiger als vieles, das in den letzten Jahrzehnten in Stein gehauen worden ist.«
Klaus Hillenbrand, TAZ, 12.10.2011

»Der schwedische Autor und Journalist Steve Sem-Sandberg legt mit dem Roman „Die Elenden von Łódź“ ein in allen Farben schillerndes Werk über das berüchtigte Ghetto von Litzmannstadt vor. Dabei mischt er Fakten und Fiktion. Darf man das? Ja, wenn man´s kann. … Rumkowski bildet den dunklen Kern des Romans. Um diesen Abgrund von einem Menschen herum baut Sem-Sandberg nun seine Geschichte auf. Und er tut das unmittelbar, mit Verve und einer Fülle einprägsamer Figuren, die den geborenen Erzähler zeigen.«
Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 18.09.2011

»Die große Leistung dieses außergewöhnlichen Dokumentarromans besteht darin, uns die Welt des Gettos unter Zuhilfenahme aller verfügbaren Fakten nahezu unerträglich plastisch vor Augen zu führen. …  So gerät „Die Elenden von Łódź“ zu einem einzigartigen Kaleidoskop der Inhumanität.«
Knut Cordsen, Deutschlandradio Kultur, 26.09.2011

»Der schwedische Autor, geboren 1958, gehört mit den "Elenden von Lodz" zu den Pionieren eines neuen Erzählens über die Vernichtung der europäischen Juden.«
Brigitte van Kann, Deutschlandradio Büchermarkt, 24.11.2011

»Die großen Romane über den Holocaust, etwa von Primo Levi und Imre Kertész, waren stets Romane von Überlebenden, die das Schicksal und die besondere Last der Davongekommenen in den Blick genommen haben. Die Aussicht auf Entkommen dürfte auch eine Triebfeder der Autoren der Gettochronik gewesen sein. Sem-Sandbergs Roman verheißt diese Aussicht nicht. Sein Kunststück besteht gerade darin, die zerrinnende Zeit als schmerzhaft gegenwärtig zu erzählen. Es handelt von Gewalt, Macht, Siechtum und Tod - aber auch von einer unverfügbaren Würde der Menschen.«
Harry Nutt, Frankfurter Rundschau, 14.10.2011

»Ein Buch, das man lesen sollte, gerade weil es einen bis in die Träume hinein verfolgt.«
Richard Mayr, Augsburger Allgemeine, 27.01.2012

»Ein großes und darum unbedingt lesenswertes Stück literarischer Zeitgeschichte.«
Peter Mohr, Rheinische Post, 16.01.2012

»Sem-Sandbergs so düstere wie gelungene Stimmen-Montage, die Rumkowskis Widersprüchlichkeit nicht aufhebt, ist ein wichtiger Baustein in der Auseinandersetzung mit der schillernden Figur.«
Reinhard Helling, Abendzeitung München, 25.10.2011

»Einen ergreifenden, kaum erträglichen Holocaust-Roman hat Steve Sem-Sandberg geschrieben ... Auf geradezu Schwindel erregende Weise mischt er Tatsachen und Fiktion, lässt authentische Figuren mit erfundenen zusammentreffen, zitiert aus Protokollen und Tagebüchern und beschreibt den Alltag der "Elenden von Lodz" so, als wäre er selbst dabei gewesen.«
Gabriele Weingarter, Die Rheinpfalz, 12.11.2011

»Mit der Genauigkeit eines Historikers und der erzählerischen Kraft eines großen Schriftstellers montiert Sem-Sandberg einen riesigen, vielstimmigen Chor und ein Mosaik aus Tausenden Bildern und Szenen. Daraus entsteht ein riesiges Porträt des Alltagslebens im Ghetto, dessen Wesen der Ausnahmezustand war. Für alles findet Sem-Sandberg die richtige Sprache, fürs Dokumentarische und Faktische ebenso wie fürs halluzinatorische Hungertaumeln, für Wahnvorstellungen oder Verlustschmerz, fürs Abstumpfen oder auch für den prophetischen Größenwahn Rumkowskis.«
Julia Kospach, FALTER, 14.10.2011

Buchhändler-Stimmen


»Historisch präzise, sprachlich ausgefeilt – nie wurde die Atmosphäre des Gettos von Lódz eindringlicher dargestellt. Mit "Die Elenden von Lódz" ist Steve Sem-Sandberg ein Meisterwerk gelungen – ein Highlight des Bücherherbstes 2011!«
Rolf Keussen, Mayersche Droste, Düsseldorf

»Als Leser ist man hin- und hergerissen zwischen Verständnis und Entsetzen über die ungeheuerlichen Ereignisse. Absolut fesselnd zu lesen. Man kann sich den existenziellen Fragen, die das Buch stellt, nicht entziehen. Ich bin sicher, dass das Buch ein großer Erfolg wird.«
Sabine Kuckuck, Buchhandlung Weiland, Lübeck

»Ich war sofort vom Text gebannt, und die erzwungene Widersprüchlichkeit des Chaim Rumkowski ließ mich nicht los.«
Evelyn Röwekamp, Thalia Universitätsbuchhandlung, Rostock

»Ein faszinierendes Buch ... Ein eindringlicher Weckruf gegen das Vergessen.«
Claudia Hüllmann, Thalia Buchhandlung, Magdeburg

»Steve Sem-Sandberg hat mit den "Elenden von Lódz" einen sprachlich und inhaltlich äußerst beeindruckenden Roman über das Getto in Lódz geschrieben. Sprachlich dicht und stilistisch facettenreich schildert Sem-Sandberg die erschütternden Umstände und die schrecklichen Schicksale Einzelner. Die zentrale Figur des Rumkowski wird einem nie eindeutig, als Leser schwankt man fortwährend zwischen Mitleid und Grauen.«
Ute Bauer, Dussmann, Berlin

»Der Autor ist ein großartiger Erzähler, denn er zeichnet das Gettoleben mit all seinen verschiedenen Charakteren so hautnah nach, als wäre er selbst dabei gewesen. Ich denke: ein sehr wichtiges Buch!«
Susanne Strehl, Buchhandlung am Markt, Lüneburg

»Sprachlich wie inhaltlich sind "Die Elenden von Lódz" große Literatur. Faszinierend ist das Porträt der zentralen Figur Mordechai Rumkowski, den Sem-Sandberg in seiner Ambivalenz schillern lässt und dem Leser die endgültige moralische Beurteilung seines Tuns freistellt.«
Tobias Wrany, Buchhandlung Hanns-Georg Jost, Bonn
Klett-Cotta Aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Orig.: De fattiga i Łódź)
1. Aufl. 2011, 651 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93897-5
autor_portrait
Marijan Murat

Steve Sem-Sandberg

Steve Sem-Sandberg, geboren 1958, ist einer der renommiertesten schwedischen Autoren. Für den Roman »Die Elenden von Lódz« hat er den schwedischen ...

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