Glückliche Ehe

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Eine ergreifende Geschichte über Anfang, Werden und Abschied einer großen Liebe

»Glückliche Ehe« ist die Geschichte einer fast dreißigjährigen Ehe, von ihren beschwingten Anfängen bis zu ihrem durch Krebs erzwungenen Ende. Die Leichtigkeit und Komik des Kennenlernens in den ersten Wochen wechselt dabei ab mit den bitteren, aber auch erfüllten letzten Monaten von Margarets Leben, als sie sich von Familie und Freunden verabschiedet - und von ihrem Mann Enrique.

»Ich bin froh, dass mir dieses Buch nicht entgangen ist.«
Antje Deistler, WDR2, 23.5.10

Als der 21-jährige Enrique Sabas im wildromantischen Manhattan der Siebzigerjahre auf die drei Jahre ältere Margaret Cohen trifft, weiß er, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Doch die familiären Gegensätze könnten größer nicht sein: Er ist ein literarisches Wunderkind, ein eigenbrötlerischer Schulabbrecher, der sich ganz dem Leben der Boheme hingibt, wohingegen die lebhafte, attraktive Margaret aus einem bürgerlichen Haushalt kommt und die kontrollierte Emotionalität ihrer Mutter geerbt hat.
Die erotischen Abenteuer und Missgeschicke in den ersten Wochen ihres Kennenlernens sind verwoben mit Szenen ihrer Ehe - die Erziehung der Kinder, der Verlust eines Elternteils, die Versuchungen eines allzu leichten Seitensprungs -, bevor Margaret mit Mitte fünfzig ihrer Krebserkrankung erliegt. Eine wahrhaftige Geschichte über ein gemeinsames Leben - und darüber, was eine glückliche Ehe ausmacht.

Leseprobe
Für sie

1 LIEFERSERVICE


Er hatte sie sich bestellt. Während er darauf wartete, dass auf seinem neuen Trinitron (diese Farben, dieses klare Bild, welch Wunder der Technik!) Saturday Night Live anfing, erschien auf seine Bestellung die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr träumte, bis ihn ihre großen blauen Augen, von der Dezemberkälte tränend, erstaunt und amüsiert musterten. Der Lieferant war sein zuweilen nerviger Freund Bernard Weinstein, der, stoffelig wie immer, ihre Namen in Richtung Fußboden murmelte, »Enrique, Margaret - Margaret, Enrique«, und sich prompt vor ihr in das neue Studio-Apartment drängte. Neu für Enrique Sabas und überhaupt. Das fünfstöckige Haus ohne Fahrstuhl in der Eighth Street in Greenwich Village war praktisch entkernt worden und seit zwei Monaten frisch saniert, so dass die erhöhten Preisbindungsmieten jetzt das Marktniveau erreichten. Eine Woche nach dem Verfugen der letzten Badfliese war Enrique eingezogen. Also war in Enriques Leben alles nagelneu, von den Leitungen bis zum Fernseher, als jetzt auch noch diese neue Frau hereinspazierte, zum einzigen Luxus des Apartments, einem echten Kamin, ging. Ein Lavastrom von glänzend schwarzem Haar floss ihr die Schulter herab, als sie ihre rote Baskenmütze abnahm. Dann wandte sie der Komposition aus Bleichziegeln und hellem Marmor den Rücken zu und heftete ihre tränenden Suchscheinwerfer auf Enrique, während sie den Reißverschluss einer schwarzen Daunenjacke öffnete und ein feuerwehrroter Wollpullover zum Vorschein kam, der sich eng an ihren schlanken Oberkörper und ihre kleinen Brüste schmiegte. Beim Anblick dieses bourgeoisen Striptease durchzuckte Enrique ein Stromstoß, der sich so real anfühlte, als hätte er den Warnaufkleber ignoriert, die Rückwand seines neuen Trinitron geöffnet und den Finger irgendwohin gesteckt, wo er nichts zu suchen hatte.

Ihre blauen Augen fixierten ihn immer noch, während sie sich in einen Regiestuhl am Kamin fallen ließ, die dünnen Arme aus den Daunen wand und mit einem zierlichen Heben und Rollen der schmalen Schultern die Jacke schließlich abschüttelte. Sie hatte das körperliche Selbst bewusstsein eines Jungsmädchens, hakte ein Bein über die Armlehne des Stuhls, als hätte sie vor, sich darauf zu setzen. Stattdessen blieb sie, wie sie war, die Beine gespreizt, das geschmeidige Becken in einer ausgebleichten Jeans. Lange konnte Enrique da nicht hinschauen. Er betrachtete dagegen ihren außerordentlich schmalen Fuß, so schmal, dass ihm nur, wie Enrique später erfuhr, Sondergrößen passten. Er wusste weder, dass so kleine Füße für eine Frau, die Schuhe liebte, ein immenses Problem waren, noch, dass der schwarze Wildlederstiefel, der hin und her wippte, ihr des Preises wegen Seelenqualen verursacht hatte. Für ihn, einen ignoranten einundzwanzigjährigen Mann, war dieser Fuß in seinem Stiefel eine Provokation, nicht weil er so klein war, sondern weil er unablässig in Enriques Richtung kickte, als sollte er ihn dazu bringen, irgendetwas zu tun, um sie zu beeindrucken : Zeig was! Zeig was! Zeig was!

Er konnte sich schlecht über diese fordernde Präsenz beschweren, weil er sich die Frau ja selbst ins Haus bestellt hatte, so wie das chinesische Fastfood von Charlie Mom, dessen Reste jetzt in dem roten Mülleimer unter der blitzenden Edelstahlspüle steckten. Geblitzt hätte die Spüle ohnehin, denn er kochte kaum je in seiner neuen Küche, die eine Treppenstufe erhöht war, aber offen zum schmalen Schlaf-Wohn-Arbeitsbereich des Apartments, das er sich eigentlich nicht leisten konnte und das, obgleich schon seine dritte Bleibe, seit er das Reich seiner Eltern verlassen hatte, sein erstes wirklich eigenes Zuhause war, da er die beiden vorherigen Wohnungen mit jemandem geteilt hatte - in der einen auch das Schlafzimmer, in der anderen nicht. Er sah den mürrischen Bernard an, um ihm irgendein hilfreiches Wort abzuringen, denn, okay, er hatte sich das hier aus der Menükarte seines Freunds ausgewählt, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass die Nudeln so scharf sein würden.

Bernard hatte zwar Margarets außergewöhnliche Qualitäten gepriesen, aber nur auf seine typisch nebulöse Weise. Bei seinen ausschweifenden Beschreibungen hatte er weder die unglaublich großen, leuchtend blauen Augen erwähnt, die es von der Wirkung her mit Elizabeth Taylor aufnehmen konnten, noch das eiskremzarte Weiß ihrer sommersprossigen Haut. Dabei war Bernard ein heterosexueller Mann, und er hätte allemal ein Wort darüber verlieren können, dass sie perfekt proportionierte Beine hatte, dass sie schlank war, trotzdem einen Hintern und Brüste hatte und dass - soweit Enrique sich hinzuschauen gestattet hatte - man geneigt war, angesichts dieser reizvoll geöffneten Schenkel, schmal und dennoch wohlgerundet, den Verstand zu verlieren, weshalb doch, Himmelherrgott, eine Warnung angebracht gewesen wäre.

Enrique hatte Bernard damit aufgezogen, er solle Margaret doch mal vorzeigen, als sie wie gewohnt bei ihrem Nachmittagsfrühstück im Homer Coffee Shop saßen und Bernard wieder in einem fort von seiner tollen Freundin von der Cornell University redete, sich aber nicht breitschlagen ließ, ihn mit ihr bekannt zu machen. ( Margaret Cohen, nörgelte Enrique, welche jüdischen Eltern nennen ihre Tochter denn Margaret? Ein Einwand, der vielleicht eher überzeugt hätte, wenn er nicht ausgerechnet von jemandem gekommen wäre, der Enrique Sabas hieß und mit einer aschke nasischen Mutter selbst Jude war.) Bernard erklärte, er wolle nicht Freunde aus verschiedenen Ghettos seines Lebens zusammenbringen.

»Warum?«, wollte Enrique wissen.

Bernard zuckte nur die Achseln. »Ich bin eben neurotisch.«

»Quatsch«, sagte Enrique. »Du willst nur deine ganzen sorgsam gedrechselten Betrachtungen auf verschiedene Dinnerpartys verteilen.«

»Was für Dinnerpartys?«

»Okay, Schüssel Chili. Aber wenn du all deine Freunde nur einzeln siehst, kannst du jeden deiner kostbaren Gedanken siebenmal ausbreiten.«

Bernard lächelte matt. »Nein, ich habe Angst, wenn meine Freunde sich treffen, finden sie sich gegenseitig toller als mich.«

»Du hast Angst, das fünfte Rad am Wagen zu sein?«

»Ich habe Angst, überhaupt kein Rad zu sein.«

Enrique konnte das aus Bernards Sicht gut verstehen, aber in seiner äußerst widerstandsfähigen Eitelkeit glaubte er, Bernards Paranoia beziehe sich nur auf ihn, weil er der Schriftsteller war, für den sich Bernard nur ausgab. Gerade mal einundzwanzig, hatte Enrique schon zwei Romane veröffentlicht, und ein dritter würde bald folgen, während Bernard mit fünfundzwanzig lediglich ein permanent umgeschriebenes Manuskript als Rechtfertigung dafür vorweisen konnte, dass er die gleiche Künstleruniform aus schwarzer Jeans und knittrigem Arbeitshemd trug wie Enrique. Der stolze Enrique glaubte, Bernard enthalte ihm seine Freunde - und insbesondere Freundinnen - deshalb vor, weil sich, wenn die Welt sie beide auf einmal sähe, neben dem wahren Kronprinzen der Literatur der falsche Thronbewerber schnell als solcher entlarven würde.

Noch immer nicht bereit, ein Treffen zu arrangieren, erging sich Bernard weiter in unspezifischen Elogen auf Margaret. »Sie ist wirklich total außergewöhnlich. Ich kann es nicht in banale Worte fassen, aber sie ist stark und gleichzeitig feminin, intelligent, ohne prätentiös zu sein. In vielem ist sie wie die Heldinnen der amerikanischen Dreißigerjahrefilme, besonders der Schwarzen Serie, aber auch der Sturges-Komödien«, und so weiter und so fort, eine Lobesflut, die einen kirre machte, weil sie alle erdenklichen Qualitäten beschwor, ohne konkret auf irgendetwas einzugehen. Die unpräzise Beschreibung schien Enrique zu bestätigen, dass Bernard ein schlechter Schriftsteller war. Keine seiner Margaret-Geschichten kam zu einem (sexuellen oder sonstigen) Höhepunkt oder veranschaulichte ihr angeblich so außerge wöhnliches Wesen. Nachdem Enrique den fünften Homer-Kaffee in sich hineingekippt hatte, verlegte er sich auf die Strategie, ihre Existenz zu bezweifeln. Es war der Montag der Thanksgiving-Woche 1975 , und er hatte fast ein Jahr quälenden Zölibats hinter sich. Er erklärte diese Margaret für ein Konstrukt, eine boshafte Phantasie, die Bernard ersonnen hatte, um ihn, den einsamen, sexuell ausgehungerten Enrique, zu foltern.

Bernard erblasste - was bei seinem bleichen, ausdruckslosen Gesicht ein ganz schönes Kunststück war. Bernard maß keine eins siebzig und war eher schmächtig, aber der große Kopf mit der schwarzen Haarkrause verlieh ihm eine stärkere Präsenz, vor allem in einer Coffee-Shop-Sitznische. Dieser Kopf wackelte kurz, ehe Bernard protestierte, dass er nie einen Genossen (gemeint: einen ebenfalls unbeweibten Mann) foltern würde. »Ich erspar's dir nur.«

»Du ersparst mir was ?«

»Sie wird nie mit dir ausgehen.«

Da er das für ein Geständnis hielt, hob Enrique die Hand, um in Richtung eines unsichtbaren Geschworenengerichts zu gestikulieren, machte damit aber ungewollt den Kellner auf sich aufmerksam. Der hob die buschigen griechischen Augenbrauen und fragte: »Zahlen?« Enrique schüttelte den Kopf und wandte sich wieder seinem unmöglichen Freund zu. »Du erzählst mir die ganze Zeit von dieser schönen - «

» Dass sie schön ist, hab ich nicht gesagt«, fiel ihm Bernard ins Wort.

»Dann ist sie also hässlich?«

»Nein!«

»Unscheinbar?«

»Mit Klischees kann man sie nicht beschreiben.«

»Bernard, ich denke nun mal in Klischees, also bitte. Ist sie groß? Was hat sie für Titten? Wenn es sie gibt, könntest du mir das sagen.«

Bernard sah Enrique verächtlich an. »Das ist doch albern. Ich könnte diese Details doch leicht erfinden.«

»Ach ja?«, schoss Enrique sarkastisch zurück. »Da habe ich meine Zweifel. Sich die Größe von Brüsten vorzustellen - ich glaube, dass das deine kreativen Fähigkeiten übersteigt.«

»Arsch«, sagte Bernard und meinte es auch. In Bernards Augen waren seine Breitseiten gegen Enriques Talent nur freundschaftliche Frotzeleien, weil Enrique ja schon veröffentlicht hatte, während für ihn jede negative Bemerkung von Enrique gleich grausam und tödlich war.

»Selber Arsch, weil du sagst, sie würde nie mit mir ausgehen«, gab Enrique zurück und meinte es ebenfalls, denn in seinem tiefsten Inneren fürchtete er, dass keine begehrenswerte Frau je mit ihm ausgehen würde. Verstärkt wurde diese Angst noch, weil er mit Frauen einerseits zwar einigermaßen erfahren war, andererseits auch wieder überhaupt nicht. Er hatte schon mal dreieinhalb Jahre mit einer Frau zusammengelebt, da er im zarten Alter von sechzehn Jahren neben einem ersten Verlagsvertrag auch eine feste Freundin hatte ergattern können. Vor dieser Beziehung mit Sylvie hatte er nur einmal Geschlechtsverkehr gehabt (ein Klassiker : so schnell wie möglich den Zustand der Jungfräulichkeit überwinden, kurz und ernst wie eine spätnächtliche Durchsage im Fernsehen). Seit ihrer Trennung vor achtzehn Monaten war Enrique nur mit einer einzigen Frau zusammen gewesen, und da hatte er nicht gekonnt. Er hatte also schon oft Sex gehabt, aber nur zwei Frauen - dieselbe Anzahl wie die der Bücher, die er veröffentlicht hatte.

Der Grund seiner sexuellen Verunsicherung war, dass Sylvie sich einen anderen zugelegt hatte. Sie hatte ihm zunächst nur erklärt, sie werde für ein paar Wochen ausziehen, damit sie mal »Pause« machten. Enrique hatte sie daraufhin wüst beschimpft, sie »treibe es mit einem anderen«. Zu seinem Entsetzen hatte sie zugegeben, dass er recht hatte, aber gleichzeitig beteuert, sie liebe ihn genauso sehr wie seinen Rivalen; sie brauche Zeit, hatte sie behauptet, um herauszufinden, wen sie mehr liebe. Enrique war zu sehr Latino, um sich auf eine solche Konkurrenzsituation einzulassen, und zu sehr Jude, um Sylvie die Ambivalenz zu glauben. In seinen Augen wollte sie nur nicht diejenige sein, die die Beziehung beendete, sie wollte, dass er diesen schmutzigen Job übernahm, was er auch prompt tat, indem er ihr ein Ultimatum stellte, brüllend (»Er oder ich!«), und aus der Wohnung stapfte, um allein in den Straßen von Little Italy zu heulen.

Enrique kam gar nicht auf die Idee, dass Sylvie sich von ihm missachtet fühlte. Er war wütend, als sie ihn tränenüberströmt fragte, ob er sie liebe - eine Viertelstunde nachdem sie gestanden hatte, ihm Hörner aufgesetzt zu haben. Er wollte nicht hören, dass sie sich zurückgewiesen fühlte, weil ihm nur noch danach war, sich in einer Ecke zusammenzurollen und zu sterben. Er ließ sich nicht mal dazu herbei, auf ihre Frage zu antworten, weil ja wohl angesichts seines Schmerzes offensichtlich war, dass er sie liebte und sie während der ganzen Zeit ihres Zusammenseins geliebt hatte. Er war das Opfer und sie die Mörderin, was Enrique, jung, wie er war, für moralische Kategorien hielt. Sie hatte dreieinhalb Jahre mit ihm zusammengelebt, praktisch sein ganzes Erwachsenenleben, wenn man denn die Zeit zwischen sechzehn und zwanzig als Erwachsensein bezeichnen konnte. Sie hatte ihn in dieser Zeit durch und durch kennengelernt und warf ihn jetzt einfach auf den Müll wie den Schwarzweißfernseher vom letzten Jahr, als wäre er minderwertig, nicht mehr zu gebrauchen. Kurz, er war abserviert worden, und wenn er auch öffentlich ihre Trennung mit unüberbrückbarer geistiger und seelischer Verschiedenheit begründete, glaubte er doch in der dunklen Tiefe seiner Seele, dass ihr der Schwanz des anderen Typen besser gefiel. So wie sein zweiter Roman weniger Beachtung gefunden und sich sehr viel schlechter verkauft hatte als der erste, hatte auch sein Liebesleben einen steilen Absturz erlitten, der der Anfang einer desolaten Zukunft schien.

»Sie existiert nicht, Bernard, deshalb kannst du sie nicht beschreiben«, fauchte Enrique gekränkt aus seiner Ecke der roten Kunstledernische. »Du bist so schlecht im Erfinden von Figuren, dass du nicht mal die ideale Frau hinkriegst.«

Bernards langes, käsiges Gesicht starrte ausdruckslos ins Leere. Das war sein üblicher Ausdruck, abgesehen von einem verächtlichen Kräuseln der Oberlippe, das sich zeigte, wenn er den Bankrott traditioneller Formen im Roman - wie Realismus, chronologischer Aufbau oder Erzählen in der dritten Person - verkündete. »Ideale Frau«, knurrte er abschätzig. »Das ist absurd. Es gibt keine ideale Frau.«

Nervös wegen der fünf Becher Kaffee, schlug Enrique mit der Faust auf den Resopaltisch, dass der sechste Becher wackelte. »Das ist überhaupt nicht absurd!«, rief er. »Ich meine - ideal für mich! Relativ ideal!«

Bernard lachte höhnisch. »Relativ ideal. Das ist wirklich lächerlich.« Enriques gelasseneres, klügeres Selbst wusste, dass er sich von Bernard nicht so leicht auf die Palme bringen lassen sollte, dass Bernard einfach lachhaft war und jeder vernünftige Mensch ihm, Enrique, recht gäbe. Also schien es doch unfair, dass er im Moment wohl eingestehen musste, Bernard an Idiotie noch übertroffen zu haben.

Bernard, zufrieden mit seinem Sieg, zog ein noch ungeöffnetes Päckchen filterlose Camel aus der Brusttasche seines Arbeitshemds und begann mit einem komplizierten Ritual. Er schlug das Päckchen mindestens ein Dutzend Mal auf den Tisch, nicht etwa ein- oder zweimal, wie es Enrique genügte, um den Tabak seiner filterlosen Camel festzuklopfen. ( Sie bevorzugten beide denselben Schnellzug zum Lungenkrebs.) Dann vollführten Bernards nikotingelbe, spitze Finger ein langsames Ballett, um die Zellophanhülle zu entfernen. Er begnügte sich nicht damit, an dem roten Streifen zu ziehen, durch den es Philip Morris einem erleichterte, die Oberseite des Päckchens freizulegen, nein, er entblößte die ganze Packung, was Enrique so widerwärtig fand, dass er ihn anherrschte: »Warum machst du das ganze Zellophan ab?«

Bernard antwortete übertrieben geduldig und herablassend: »Damit ich weiß, dass es mein Päckchen ist. Wir sind nun mal beide Camel-Raucher.« Er deutete mit dem Kinn auf Enriques zellophanbekleidete Schachtel.

»Jetzt bin ich auch noch ein Schnorrer!«, schrie Enrique und schlug wieder auf den Tisch. »Du hast diese Margaret erfunden! Deshalb habe ich dich letzten Monat nicht mit ihr im Riviera Café gesehen. Nicht, weil du auf der anderen Seite gesessen hast! Du warst gar nicht mit ihr dort, weil sie Scheiße noch mal gar nicht existiert!«

Bernard steckte sich die Zigarette zwischen die vollen, trockenen Lippen und ließ sie dort baumeln. »Du bist kindisch«, murmelte er und zündete sich dabei die hüpfende Camel an.

Von Bernard und sich selbst genervt, kramte Enrique seine Brieftasche aus der Gesäßtasche seiner schwarzen Levi's und entnahm ihr alles, was sie an Geld enthielt: einen Zehndollarschein, gut und gern vier Dollar mehr als sein Anteil am Frühstück plus Trinkgeld. Spanischer Stolz siegte über den Geiz oder vielleicht auch jüdische Selbstgerechtigkeit über sozialistische Ideale oder am ehesten wohl eine dramatische Ader über graue Mathematik, und so stand er abrupt auf, stieß sich schmerzhaft das Knie am Tisch, schleuderte aus Versehen den Ärmel seines Army-Parkas in den vollen Aschenbecher und warf Bernard seine Barschaft hin. Während er sich mit dem rechten Arm über den linken Ärmel wischte, verkündete er : »Frühstück geht auf mich, du mieser Lügner.« Obwohl er mit halbangezogenem Parka (und noch dazu verkehrt herum) hinausrauschte, glaubte Enrique dennoch, einen guten Abgang hingelegt zu haben, und fühlte sich in diesem Urteil bestätigt, als Bernard am nächsten Tag anrief, um zum einen für den Pokerabend zuzusagen, der in derselben Woche bei Enrique stattfinden würde, und um zum anderen schließlich zu fragen : »Bist du Samstag zu Hause?«

»Ja ...«, sagte Enrique, indem er das Wort gelangweilt dehnte.

»Ich gehe mit Margaret essen. Danach bringe ich sie mit zu dir. So um elf? Ist das okay?«

»Ich bin hier«, sagte Enrique und verkniff sich das Lachen, bis er aufgelegt hatte.

Die Behauptung, Margaret sei nur eine Fiktion, war tatsächlich der perfekte Köder gewesen. Und ob sie real war! So beängstigend real sogar, dass er, obwohl der wildlederbekleidete Fuß immer noch wippte, stur Bernard fixierte. Sein bescheuerter Freund hatte sich an den kleinen, runden Massivholztisch rechts vom Kamin gesetzt. Er hatte sein (für dieses Wetter) zu knappes, schwarzes Lederjäckchen angelassen und griff jetzt in die Innentasche, um ein neues Päckchen Zigaretten hervorzuziehen. Er begann wieder mit dem abartigen Zigarettenritual und führte auf dem hellen Holz des Tischs sein Bartók-Konzert für Camel ohne Filter und Zellophan auf.

Nachdem seine Gäste also Platz gefunden hatten, setzte sich Enrique auf seine Bettcouch, die gegenwärtig dank zweier länglicher, mit blauem Kord bezogener Schaumgummikissen Couchgestalt angenommen hatte. Sofort ging ihm auf, dass dies keine günstige Position war, weil er vor der Wahl stand, geradeaus auf Margaret zu schauen, die breitbeinig in seinem Regiestuhl saß, oder aber den Hals nach rechts zu verdrehen, um Bernard, den modernen Nikotinkomponisten, im Blick zu haben, denn sein Gesichtsfeld war nicht weit genug, um beide anzusehen und so sein wahres Interesse zu verbergen.

Also erhob er sich erst einmal wieder. »Aschenbecher?«, fragte er, schob sich hinter Bernard durch und stieg die Stufe zum Küchenbereich hinauf. Er suchte den gläsernen Aschenbecher, den er bei Lamston's, gleich um die Ecke an der Sixth Avenue, gekauft hatte. Er war stolz darauf, dass in seiner Wohnung alles neu war. Er mochte den Massivholzküchentisch, und sein langer Schreibtisch unter den beiden Fenstern zur lauten Eighth Street bot einer achtköpfigen Pokerrunde Platz. Er war begeistert von dem Farbfernseher, der zwischen Schreibtisch und Kamin stand, und genoss den Anblick der neuen, unbenutzten Töpfe und Pfannen, Utensilien, Teller und Schälchen in der Küche.

Als er hinter dem einen Meter tiefen Wandvorsprung verschwand, auf dessen Rückseite sein Herd stand, fiel ihm ein, dass er ja Gastgeber war. »Möchte jemand was? Wein? Cola? Kaffee?« Und während er einen Blick auf seinen Mülleimer warf und abzuschätzen versuchte, was sich von dem chinesischen Fastfood und den dazugehörigen Gratisgaben noch retten ließ, setzte er skeptisch hinzu: »Tee?«

»Bier«, sagte Bernard.

»Bier«, wiederholte Enrique und machte den Kühlschrank auf. Er schaute hinein, obwohl er die Antwort schon wusste. »Sorry. Kein Bier. Wein?«, ergänzte er sein Angebot, da er eine Flasche Mateus besaß, einen billigen Wein, den Leute wie er schätzten, weil sich die unkonventionell geformte Flasche in einen Kerzenhalter umfunktionieren ließ, um dessen hängende Schultern das heruntergelaufene Wachs eine dicke Stola bildete.

»Scotch«, sagte Bernard, als wäre die Sache damit geregelt.

»Kein Scotch da, Bernard. Wie wär's mit einem erstklassigen Mateus?«

»Mateus?«, rief Margaret, und es war nicht klar, ob ihr Ton Verblüffung oder Verachtung ausdrückte.

Enrique sah zu seinen Gästen hinüber und fragte Margaret, ob das heiße, sie wolle welchen. Beunruhigt bemerkte er, dass die blauäugige Schönheit das rechte Bein von der Armlehne genommen und sich um neunzig Grad nach links gedreht hatte, um seine Aktivitäten in der Küche verfolgen zu können, was hieß, dass ihr der Regiestuhl jetzt als eine Art unbequem aussehende Hängematte diente. Ihr Rücken lehnte nicht mehr an dem Segeltuchstreifen, sondern presste sich an die rechte Armstütze, was nicht ganz schmerzfrei sein konnte, obwohl die Fichtenholzkante durch ihre Daunenjacke abgepolstert war. Ihre Beine hingen über der linken Armlehne, so dass die schmalen Hüften genau auf ihn ausgerichtet waren. In seiner fiebrigen Phantasie bot sie sich ihm dar - wenn auch Bernard noch zwischen ihnen saß und Margarets Sitzhaltung durchaus auch als Einladung an ihn hätte verstehen können. Sie hob den rechten Arm, um sich beiläufig eine hübsche Kaskade schwarzer Kringellocken hinter das perfekt geformte Ohr zu stecken. Ihr Haar war überall glatt außer an den Schläfen, bemerkte er, war in weiblichen Dingen allerdings zu wenig beschlagen, um beurteilen zu können, ob das Natur war oder nicht. Als er das Mädchen dort sitzen sah, in dieser dem Design seines Stuhls trotzenden Pose, wusste Enrique plötzlich nicht mehr, was er sie hatte fragen wollen.

Ein breites Lächeln entblößte erstmals Margarets Zähne und damit einen kleinen Schönheitsmakel. Die Zähne waren zu klein für ihren großzügigen Mund und standen auf Abstand wie die eines Kindes. »Du hast wirklich einen Mateus?«, sagte sie, und ein breites Grinsen stand ihr im sommersprossigen Gesicht.

»Ja, irgendwer muss ihn ja kaufen«, gab Enrique beleidigt zurück.

»Keinen Scotch? Keinen Jack Daniel's?«, fragte sie lachend.

»Keine harten Sachen«, gestand Enrique und ließ in gespielter Scham den Kopf hängen. »Nur billigen Wein.«

»Hab's dir ja gesagt«, sagte Bernard.

Enrique schloss die Kühlschranktür - vielleicht ein bisschen zu vehement. »Was hast du ihr gesagt?«, wollte er wissen.

»Dass du nicht trinkst«, sagte Bernard, wobei eine unangezündete Zigarette zwischen seinen Lippen tanzte wie ein Dirigentenstab. Er legte den Kopf eines Streichholzes an die rauhe Reißfläche und klappte den Deckel des Briefchens darüber. Enrique sah zu, wie Bernard das Streichholz in einem eleganten Schwung wieder herauszog und es sich vorschriftsmäßig in der Luft entzündete. Ein paar Monate zuvor hatte Enrique bei einer ihrer nachmittäglichen Frühstückssitzungen Bernards beneidenswerte Technik nachzuahmen versucht. Er hatte das Streichholz problemlos entzündet, aber gleichzeitig auch das ganze Briefchen, das zu einem Feuerball explodiert, ihm aus der Hand geschnellt und davongezischt war, was zwei in der Nähe sitzende ältere Gäste zu Tode erschreckt, Bernard ein hochmütiges Lächeln entlockt und den Kellner erzürnt hatte, weshalb er ihnen, nachdem er das Brandgeschoss ausgetreten hatte, an diesem Tag nur noch zwei mickrige Becher von dem Gratis-Nachfüllkaffee servierte. Spätere Versuche, Bernards Technik zu meistern, hatten ähnliche Ergebnisse gezeitigt.

»Wie kommt's, dass du nichts trinkst?«, fragte sie und sah ihn mit den leuchtend blauen Augen an.

»Ich trinke wohl«, wehrte sich Enrique, während er seinen Inquisitoren den Aschenbecher brachte.

»Er trinkt nicht, weil er nicht auf dem College war«, sagte Bernard und hielt das abgebrannte Streichholz in die Luft - eine traurige Freiheitsstatue, der es nicht gelungen war, Enrique mit ihrer Fackel den Weg an die Gestade der Bildung zu weisen.

»Ah, ja!«, sagte Margaret und griff hinter sich in eine ihrer Jackentaschen, um ein Päckchen Camel Light herauszuziehen. »Bernard hat mir erzählt, du hast das College geschmissen, um zu schreiben.«

»Ich habe die Highschool geschmissen«, sagte er, das Trumpfass jetzt in der Hand, »um meinen ersten Roman zu schreiben.« Er glitt mit seinen weißen Socken über die lackierten Eichendielen und bot Margaret den Glasaschenbecher dar - ein hagerer, langhaariger Vasall in schwarzer Jeans, der den rastlosen Wildlederstiefel der Prinzessin fragt: Gut genug? Gut genug? Gut genug?

»Du hast die Highschool nicht abgeschlossen?«, fragte sie.

»Ich habe nicht mal die zehnte Klasse abgeschlossen«, sagte er, jetzt schon weniger stolz, weil er sich nicht sicher war, ob diese Negativleistung sie beeindrucken würde.

»Na ja, wenigstens bist du lange genug geblieben, um rauchen zu lernen«, bemerkte Margaret trocken, während sie ihre bestiefelten Füße auf den Boden schwang und sich vorbeugte, um seine gläserne Gabe anzunehmen, und dann - diese bodenlosen blauen Augen waren plötzlich ganz dicht vor seinen, fünfzehn Zentimeter vielleicht oder noch weniger, und in Enrique passierte etwas, als ob eine Gitarrensaite riss. Ein Ruck und ein Vibrieren in seinem Herzen, ein deutlicher Knall in seiner Brust. Er hatte die Highschool geschmissen und nie etwas über Anatomie gelernt, aber er wusste, das Herzkreislaufsystem hatte nicht so zu reagieren, als ob es Quell und Zentrum des Fühlens wäre. Und doch hätte er vor aller Welt schwören können - wobei er nicht davon ausging, dass er es je irgendjemandem gestehen würde -, dass Margaret sich gerade sein sprödes Herz geschnappt hatte.

2 AHNUNG

Enrique studierte ihr schlafendes Profil, die tiefe AtivanBetäubung - ihre Zuflucht vor den Schrecken, denen sie allein ausgeliefert war. Ganz allein, musste er zugeben, obwohl er sein Bestes getan hatte und mit streberhaftem Eifer bei jeder Untersuchung, jeder Computertomographie

und jedem Kernspin, jeder Chemo-Infusion bei Margaret gewesen war, die Finger in ihre geflochten, bis er sie an sich zischend schließenden OP-Türen hatte loslassen müssen. Und selbst während dieser erzwungenen Trennungen war er dageblieben, war gut sichtbar im Wartebereich auf und ab gewandert, ohne auch nur einmal pinkeln zu gehen. Er wollte das erste Gesicht sein, das sie sah, wenn sie benebelt aus der Narkose aufwachte und wenn sie zitternd darauf wartete, dass sich die Morphiumvorhänge herabsenkten, damit sie den Schmerz ihrer jüngsten Wunden ertragen konnte. Aber das ist doch unrealistisch, oder?, fragte er sich. Die Drogen, die den Schmerz nahmen, löschten doch auch die Erinnerung an seine tröstenden Worte und Küsse, obwohl Margaret immer, immer zu wissen schien, dass er da gewe sen war.

So gewissenhaft war Enrique, dass er sich selbst fast schon

der Heuchelei verdächtigt hätte, wäre da nicht die eine Situation gewesen, in der er gefehlt hatte, in der er ihr gefehlt hatte. Vor fast drei Jahren hatte er es Margarets geliebter Freundin Lily überlassen, auf dem Klinikflur auf und ab zu gehen, nachdem der Urologe Margaret schließlich die Blasenkrebsdiagnose eröffnet hatte, die Enrique da schon seit zwei Tagen gekannt hatte. Natürlich hatte Enrique die Ausrede gehabt, dass ihr jüngerer Sohn, der sechzehnjährige Max, allein zu Hause war und noch nicht wusste, warum seine Mutter jetzt schon die dritte Nacht im Krankenhaus bleiben musste, wo sie doch nur für eine Stunde hatte hingehen wollen. Klar, aber er hätte es anders arrangieren können wie später so oft. Seine Halbschwester Rebecca oder Lily oder sonst jemand hätte bei Max übernachten können, während Enrique das getan hätte, was wichtiger gewesen wäre : Margarets Panik ertragen, sie in den Armen halten, ermutigen und trösten, aufheitern und lieben, obwohl er sich selbst fürchtete wie noch nie zuvor.

Aber es war jetzt lange her, dass die Verzweiflung in sein Leben gekommen war : Zwei Jahre und acht Monate, einhundertsiebenundvierzig Tage und Nächte im Krankenhaus, drei große Operationen, ein halbes Dutzend kleinerer Eingriffe, vierzehn Monate Chemo, zwei Remissionen und zwei Rezidive lagen zwischen damals und jetzt. Wenn er durch den Schleier aus Müdigkeit zurückblickte, schien der Ausgang von vorneherein entschieden, dieses zentimeterweise Sterben, der Weg zur Endstation - über die Hoffnung grinste inzwischen ein Totenschädel.

Margaret schien kaum zu atmen oder zu träumen, ihr kleiner Körper noch kleiner in der Embryonalhaltung, und doch glaubte er nicht, dass dies ein friedlicher Schlaf oder überhaupt richtiger Schlaf war. Die Drogen dimmten ihr Bewusstsein, aber sie ließen sie nicht den fortschreitenden Verlust an Lebensqualität vergessen und schon gar nicht das Ende, dem dieser Prozess zustrebte.

Er blickte durchs Fenster auf einen dichten, regenschwangeren Himmel, der über dem East River hing, und trank einen Kaffee von Dean & Deluca. Alles, was Energie - und sei sie noch so kurzlebig - versprach, war willkommen im Kampf gegen die alles durchdringende Müdigkeit. Doch trotz der zwei Becher fühlte er Stirn, Augenlider und Wangen herabsinken, als ob er skalpiert worden wäre und eine Maske aus Fleisch langsam kinnwärts rutschte. Wenn Enrique für einen Moment die brennenden Augen schloss, um ihnen eine kurze Erholungspause von der ausdörrenden Klimaanlagenluft des Sloan-Kettering-Krankenhauses zu gönnen, sackte sofort der Teppichboden des Privatpatientenzim mers unter ihm weg, und er driftete dahin - bis ihn das Abkippen seines Kopfs, eine Stimme, das Vibrieren seines Handys jäh in den Zustand todmüder Hellwachheit zurückrissen. Dauernd drängten ihn derzeit Freunde, mehr zu schlafen, und nahmen dann den Rat sofort wieder zurück, weil er so offensichtlich nicht zu befolgen war. Um seinen bewusst begriffsstutzigen Halbbruder - der, statt Margaret im Krankenhaus zu besuchen, darauf bestand, Enrique zum Essen einzuladen - zum Schweigen zu bringen, hatte er allerdings die seinem Zeitplan zugrunde liegende Logik ausführlich erläutern müssen : »Ich will nachts im Krankenhaus sein, wenn sie besonders allein ist, und ich will Max nicht vernachläs sigen, was bedeutet, im Sloan zu schlafen, im Morgengrauen aufzustehen - das ist im Krankenhaus kein Problem, glaub mir -, um nach Hause zu fahren, Max zu wecken, ihn zu überreden, etwas zu essen, ihn zur U-Bahn zu begleiten, dann zu duschen, mich umzuziehen und ins Sloan zu fahren, um zur Visite da zu sein, die ich allerdings sowieso meistens verpasse, weil sie schon so früh ist, macht aber nichts, weil ich die Ärzte nachmittags noch mal erwischen kann, bevor ich wieder nach Hause fahre, um mit Max zu Abend zu essen.«

Seit Margaret krank war, redete er so, in Wortschwallen, die dringend einer redigierenden Instanz bedurften, die weder ein richtiges Ende noch eine richtige Mitte hatten. Dass er so redete, war ein Müdigkeitssymptom und eine Reaktion darauf, wie die meisten Leute mit der beängstigenden Krankheit seiner Frau umgingen : Sie fragten Enrique geradezu aufdringlich nach der Logistik dieses Kampfes aus, vermieden es aber sorgsam, dessen wahrscheinlichen Ausgang anzusprechen. Enrique war zwar inzwischen alt - seit drei Wochen war er fünfzig -, hatte sich aber sein jugendliches Faible dafür bewahrt, berühmte Zitate abzuwandeln, damit sein Alltag etwas erhabener erschien. Wenn er selbst das Thema »Sieg oder Niederlage« ansprach und Freunde das Gespräch hastig beendeten, pflegte er vor sich hin zu flüstern : »Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Konversation.«

Margarets Augen öffneten sich, als er gerade beschlossen hatte, von dem hohen Stuhl neben ihrem Bett aufzustehen, um auf der Couch des Zimmers ein Vormittagsnickerchen zu machen, obwohl ihn die Erfahrung gelehrt hatte, dass Tagesschlaf kaum mehr bewirkte, als aus knurriger, überwacher Müdigkeit hoffnungslose Benommenheit werden zu lassen. Trotzdem war es schwer, der Versuchung zu widerstehen, sich auf die unbequeme Schlafcouch zu legen, die ein Pfleger, während Enrique zu Hause gewesen war, wieder zusammengeklappt hatte. Enrique hatte darauf bestanden, Unsummen (nach Margarets drittem Krankenhausaufenthalt hatten ihre großzügigen Eltern die Kosten übernommen) für ein Zimmer im neunzehnten Stock des Sloan Kettering auszugeben, weil es dort auch für ihn ein Bett gab und er in den trostlosen, beängstigenden Krankenhausnächten bei Margaret bleiben konnte. In dieser sogenannten VIP-Etage sollten die Zimmer denen in einem Luxushotel möglichst ähnlich sein und enthielten daher einen kleinen Schreibtisch, einen bequemen Sessel, einen Couchtisch und eben ein Klappsofa, auf das er sich gerade legen wollte, als Margaret die großen, traurigen Augen aufschlug.

Sie sagte nichts. Sie fragte nicht nach Max, der heute den Termin für sein Highschoolabschlussfoto hatte. Sie berichtete nicht, ob die Ärzte in Enriques eineinhalbstündiger Abwesenheit noch einmal da gewesen waren. Sie sah ihn an, als ob gerade mitten in einer langen Unterhaltung eine kurze Gesprächspause entstanden wäre und sie gründlich über seine letzte Äußerung nachdächte. Ihre leuchtenden Augen schienen ihn regelrecht aufzusaugen - diese Augen, die so blau waren wie bei ihrer ersten Begegnung und größer denn je in dem abgezehrten Gesicht.

Sie gehörten zur oberen Mittelschicht New Yorks, waren nach normalen Kriterien vermögend, Bürger der wohlhabendsten Metropole der reichsten Nation der Welt, und Margaret litt seit einem halben Jahr Hunger. Seit Januar behielt sie keine feste Nahrung mehr bei sich und konnte keine Flüssigkeit mehr trinken, weil ihr Magen seinen Inhalt nicht mehr in den Darm entleerte. Dieses medizinisch so wohlklingend Gastroparese genannte Problem war zunächst optimistisch als Nebenwirkung der durch die Chemotherapie akkumulierten Toxine diagnostiziert worden - womit es theoretisch reversibel gewesen wäre. Aber dann hatten mit der Zeit mehrere Spezialisten erklärt, die wahrscheinlichere Ursache seien Blasenkrebsmetastasen, die auf der Außenwand ihres Darms wucherten. Auch kanzeröse Läsionen, zu klein, um im CT sichtbar zu sein, hatten die Darmperistaltik behindert und schließlich ganz zum Erliegen gebracht, sodass nichts, was Margaret schluckte, verdaut werden konnte. Feststoffe und Flüssigkeiten blieben in ihrem Magen, bis sie sich erbrach, weil sie buchstäblich überlief.

Im Februar dann hatte einer von Margarets vielen Ärzten, ein kleiner, despotischer jüdischer Exiliraker, einen Plastikschlauch, genannt PEG (die Abkürzung für perkutane endoskopische Gastrostomie ), durch die Bauchwand in ihren Magen eingeführt, um alles, was sie schluckte, in einen Beutel außerhalb des Körpers abzuleiten. Das war auch dann nötig, wenn Margaret gar nichts zu sich nahm. Enrique hatte anschaulich gelernt, dass sich, wenn der Darm nicht mehr arbeitete und der Magen nicht mehr entleert wurde, grünschwarze Galle - von der Leber produzierte und in die Gallenblase abgegebene Verdauungsflüssigkeit - im Magen staute und ihn binnen vier Stunden füllte.

Ein halber Liter dieser ekelerregenden Flüssigkeit befand sich in einem seitlich an ihrem Bett hängenden Beutel, dicht bei Enriques Fuß, der wie ein Metronom schwang - Enrique wollte auf keinen Fall einschlafen. In der Nähe seines anderen Fußes stand ein Tropfständer mit einer Pumpe, die gestern Abend abgehängt und beiseitegeschoben worden war. Ihre Aufgabe war es, Margarets nutzlosen Magen zu umgehen und einen beigefarbenen Brei, einen leichtverdaulichen Nahrungsersatz, gar nicht so anders als die Säuglingsnahrung, die sie ihren Söhnen gegeben hatten, über einen zweiten Schlauch in Margarets Dünndarm zu pressen. Dieser Schlauch, den vor zehn Tagen ein anderer Arzt, ein sich ständig entschuldigender, rotbackiger Chirurg, gelegt hatte, hörte auf eine verwirrend ähnliche Abkürzung, PEJ, wobei das J für Jejunostomie stand. Er diente der Ernährung direkt über den Darm.

Die letzten drei Nächte hatte Margarets Ärzte- und Schwesternteam versucht, sie per PEJ zu ernähren, wobei sie um Mitternacht damit begonnen hatten, um dem Plan nach die Prozedur bis sechs Uhr fortzusetzen. Doch in allen drei Nächten hatte es nicht geklappt. Beim ersten Versuch gaben sie um fünf Uhr morgens auf, beim zweiten um 3 Uhr 30 , und letzte Nacht hatte es so gut wie überhaupt nicht funktioniert. Kurz nach ein Uhr war Enrique davon aufgewacht, dass Margaret kraftlos und panisch seinen Namen gerufen hatte. Er hatte die Schwester rufen müssen, um die Pumpe abzustellen, da der feine Brei Margaret bis in den Rachen emporgestiegen war und sie das schreckliche Gefühl hatte, an einer Mahlzeit zu ersticken, die sie nie geschluckt hatte.

Dass Margaret damals im Januar nicht verhungert war - jetzt war Juni -, verdankte sich einem System namens PE, parenterale Ernährung. Dabei wurden sämtliche Nährstoffe intravenös zugeführt, indem der Verdauungstrakt komplett umgangen wurde. Man verabreichte die nötigen Fette, Eiweißstoffe und Vitamine durch einen Port im oberen Brustbereich, damit sie dann über den Blutkreislauf resorbiert wurden. Das Krankenhauspersonal hatte Enrique beigebracht, den Port zu reinigen, die Flüssigkeit anzumischen und an die Pumpe anzuhängen. Dank dieser Schulung hatte Enrique Margaret zu Hause pflegen können.

Als sie damit begannen, war es kalt und winterlich gewesen, und Margaret hatte ein bisschen mehr als einundfünfzig Kilo gewogen. Die PE hatte sie bis in die Juniwärme am Leben erhalten, aber Leben konnte man das nur bedingt nennen. Sie bekam mit der parenteralen Ernährung kaum Energie, aber selbst wenn, hätte sie damit gar nichts anfangen können. Die säuerlich riechende, milchige Brühe musste zwölf Stunden täglich fließen. Die Prozedur begann abends um zehn, schränkte die Abendgestaltung erheblich ein und nahm auch noch den ganzen Morgen in Anspruch. Und auch die eigentliche Aufgabe erfüllte dieses Ernährungssystem nicht - wie Margarets derzeitiges Gewicht von sechsundvierzig Kilo bezeugte.

Das allmähliche Versiegen ihrer Lebenskraft machte Max seinem Vater auf schmerzliche Weise bewusst - Max, der seit September wusste, dass seine Mutter als unheilbar krank galt und nur dann eine Chance hatte, noch länger als neun Monate zu leben, wenn sie auf in der Erprobung befindliche Medi kamente anspräche, deren Wirksamkeit nicht erwiesen war. Genau wie sein älterer Bruder Gregory teilte Max die Faktenliebe seiner Mutter. Im April stellte er das mal wieder unter Beweis. Margaret war wegen einer Infektion im Krankenhaus. Max besuchte sie nach der Schule und lag eine Stunde still neben ihr in einem Sloan-Kettering-Bett. Als Enrique ihn zum Aufzug brachte, fragte Max: »Machen sie irgendwas wegen Moms Gewicht?«

In dem milden, beruhigenden Ton, den er beizubehalten suchte, auch wenn das, was er zu sagen hatte, oft weder milde noch beruhigend war, erklärte Enrique, dass sie ihre PE-Kalorien ab jetzt heraufsetzen würden. Max unterbrach ihn und sah ihn mit großen blauen Augen an. »Gut«, erklärte er. »Weil ihre Fettpolster nämlich weg sind.«

Enrique hatte keine Ahnung, was Max meinte. Margarets Krebs hatte ihn gelehrt, dass Vermutungen und Interpretationen leicht in die Irre führen konnten und es immer ratsam war nachzufragen, also fragte er seinen Jüngsten, was er genau meine. »Fettpolster, Dad, so wie hier.« Max packte eine Speckrolle im unteren Rückenbereich seines Vaters, von deren Existenz Enrique gar nichts gewusst hatte. »Ihre sind weg«, sagte sein Sohn stirnrunzelnd.

»Na ja, sie war immer schon schlank - «, setzte Enrique an.

Max schüttelte den Kopf. »Nein, Dad. Du bist dünn, und du hast Fettpolster.« Max kniff wieder zu, schmerzhaft, und Enrique wand sich los. »Sorry«, sagte Max schnell. »Fettpolster sind Nahrungsspeicher, Dad. Man greift drauf zurück, wenn man am Verhungern ist. Mom hat keine mehr.«

Nach diesem Dialog wunderte sich Enrique nicht mehr darüber, dass Margarets aufregendste Unternehmungen nur noch darin bestanden, einen langsamen Spaziergang um den Block zu machen. Für eine Frau, die es genossen hatte, zügige Wanderungen zu unternehmen, stundenlang Tennis zu spielen oder in ihrem Atelier zu malen, Vormittage inspi rations halber im Metropolitan Museum und Nachmittage auf der Jagd nach Klopapier und Thunfischdosen bei Costco zu zubringen, ganze Tage in ehemaligen oder gegenwärtigen Schulen ihrer Söhne ehrenamtliche Arbeit zu leisten und mit anderen Müttern zu tratschen - für eine energiegela dene Frau wie Margaret, die schon vor Freude hüpfte, wenn man nur eine Unternehmung vorschlug, schienen die paar atemlos-wackligen Schritte kaum eine echte Aktivität.

Für Enrique war die PE wie ein Vollzeitjob. Zweimal die Woche wurden ihnen die nötigen Geräte und das Mate rial nach Hause geliefert, immer pünktlich und vollständig, auch wenn Enrique jedes Mal nervös wartete und sofort hektisch die Kartons aufriss, um sich zu vergewissern, dass alles da war. In ihrem Schlafzimmer nahm das alles ein Wandstück von zwei Metern Länge und einem Meter Höhe ein, nachdem Enrique bei der Bürobedarfshandlung am Union Square ein halbes Dutzend stapelbarer Plastik-Aktenboxen gekauft hatte. Er warf die darin befindlichen Aktenordner weg, um in den Kästen die Beutel mit physiologischer Kochsalzlösung sowie die sterilen Schläuche, sterilen Handschuhe, sterilen Einmalspritzen, sterilen Verschlusskappen für die Plastikteile an Margarets Brustkorbport, Sterilisierungsstäbchen zur Reinigung des durchsichtigen Port-Klebepflasters und zahlreiche weitere Zubehörteile zu lagern und zu sortieren. Täglich zwei Müllsäcke füllten sich mit dem Abfall, die er zum Müllschlucker im Hausflur trug. Drei Kästen waren für die PE-Schläuche und die diversen Flaschen mit Antazida und Vitaminen, die Enrique in große, durchsichtige Tropfbeutel injizieren musste. Diese Kästen lagerte er in einem kleinen Kühlschrank von P. C. Richard in der Fourteenth Street, wo er dem Verkäufer freundlich zugenickt hatte, als der davon ausgegangen war, dass Enrique den Kühlschrank für das Studentenheimzimmer seines Sohns an der NYU kaufte. Mit dem Tropf und all den sterilen Packungen hatte ihr Schlafzimmer so wenig von einem Schlafzimmer wie die Luxuskrankenzimmer im Sloan von einem Hotelzimmer.

Die Arbeit als PE-Pfleger war für Enrique stumpfsinnig und beängstigend zugleich: das ständige penible Händewaschen, das komische Gefühl der Handschuhe an den Händen, heiß und glitschig, das vorsichtige Hantieren, um nicht aus Versehen in den Beutel oder sich in den Finger zu stechen, wenn er die Zusatzstoffe injizierte oder die Schläuche befestigte, die ständige Gefahr, irgendetwas zu verunreinigen. Zahlreiche Schritte mussten absolut steril ablaufen, da Margaret sonst leicht vierzig Grad Fieber bekommen konnte. Er passte auf, obwohl er inzwischen nicht mehr fürchtete, dass eine weitere Infektion ihr Tod sein könnte - so wie am Anfang, als ihre Heilung noch eine realistische Möglichkeit gewesen war. Jetzt war das Ende unausweichlich und sehr nah. An irgendetwas musste sie sterben, weil Krebs nicht im Alleingang tötete. Er hatte Komplizen, warum also keine Sepsis? Wenn er trotzdem gerade eine Infektion als Todesursache fürchtete, dann deshalb, weil er nicht noch einmal mit ansehen konnte, wie Margaret fror und briet, wie ihre Augen stumpf wurden und sie leise um Hilfe flehte, während ihr Schweiß auf der Stirn stand und ihr Geist ins Delirium hinüberwankte.

Diesen Tod galt es zu vermeiden, dachte er, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, auf welchen Tod zu hoffen wäre. Das war ein Tabu, so streng einzuhalten wie nur irgendeins in Enriques Leben. Er dachte nicht an ihren Tod, stellte sich keine Zukunft ohne Margaret vor. Ihm war klar, dass sie sterben würde, und zwar bald, aber ihm war auch klar, dass er es nicht wirklich glauben konnte. Er hatte ein Jahr lang gewusst, dass sein Vater einem unheilbaren Krebsleiden erlegen würde, und mit dem Schock, der sein Tod dann dennoch für ihn gewesen war, hatte er gelernt, dass das Wis sen um das unglaubliche Faktum der Sterblichkeit sein primi tives Gehirn, das ihm die Natur gegeben hatte, nicht darauf vorbereiten konnte, die Endgültigkeit des Todes zu begreifen.

Im fünften Monat PE-Routine verbrachte sie ihre Tage damit, auf dem Wohnzimmersofa zu liegen, Wiederholungsfolgen von Law & Order zu gucken und nur gelegentlich eine Exkursion ins Bad zu unternehmen, wobei sie den Aluminiumtropfständer mit dem Einliterbeutel Hydratationslösung so neben sich herschob, als stützte er sie; nachts war sie an die Pumpe mit der milchigen Flüssigkeit angeschlossen, die in ihre Blutbahn lief. Am 10 . Mai, als Enrique vom Supermarkt zurückkam, empfing ihn Margaret mit tränenüberströmtem Gesicht. Er hatte Fruchteislutscher gekauft, damit sie etwas Süßes schmecken konnte, das nicht den engen Durchlass ihres Magenschlauchs verstopfen würde. Er hatte die Packung schon geöffnet, um ihr wahlweise Orange oder Erdbeere anzubieten, aber als er ihre Verzweiflung sah, hielt er inne. Obwohl ihr weiter die Tränen hinunterrannen, war ihre Stimme resolut. »Ich kann das nicht. Ich kann so nicht leben. Ich kann nicht den halben Tag an einen Beutel gefesselt sein. Ich halte es nicht aus, ich will mit dir und den Jungen und unseren Freunden essen können. Ich weiß, es klingt so dumm und banal, so läppisch, aber ich kann so nicht leben.«

Er fühlte, wie es aus der Packung auf seine Jeans tropfte. Er wollte das Eis in den Kühlschrank legen, weil er nicht wusste, ob er, wenn es schmelzen sollte, die Energie aufbringen würde, noch mal zum Supermarkt zu gehen. Aber nachdem sie so gesprochen hatte, konnte er sich nicht einfach abwenden. Seit über einem Jahr, seit ihr Krebs im März zurückgekehrt war, wusste er, dass sie davon ausging, sterben zu müssen. Im September, nach dem zweiten Rezidiv, als sie erfahren hatte, dass es keine erfolgversprechende Therapie gab, hatte Margaret beschlossen, sich keiner experimentellen Behandlung mehr zu unterziehen, sondern die Zeit, die ihr noch blieb, möglichst zu genießen. Er hatte ihre Entscheidung unterstützt und sich mit einer Mischung aus Schuldgefühl und Erleichterung gesagt, dass ihr dann wenigstens die schrecklichen Klinikaufenthalte erspart blieben. Sie würden Zeit haben, ein paar Monate vielleicht, um mit ihren Söhnen zusammen zu sein, noch einmal in ihrem Sommerhaus an der Küste von Maine zu schlafen, sich mit Freunden woanders als in Wartebereichen von Krankenhäusern zu treffen. Sie hatten zu planen versucht, was sie noch machen wollten, aber am sechsten Tag hatte sie es sich anders überlegt. Sie könne nicht aufgeben : Ohne Hoffnung zu leben sei kein Leben. »Ich will keine Abschiedstournee machen«, hatte sie gesagt.

Enrique stimmte auch dieser Kehrtwende sofort zu, wieder mit Erleichterung. Diesmal, weil dann die Chance bestand, dass doch noch ein Wunder geschah. In Wahrheit war keine Entscheidung vertretbar. Ihn plagten Schuldgefühle und Scham, egal wie er sich verhielt. Sie würde sterben und er nicht; im Kalten Krieg der Ehe war das ein schrecklicher Sieg.

Seit September lebte er mit einer bescheidenen Hoffnung: ihr das klare Bewusstsein, dass sie die Dinge und Menschen, die sie liebte, zurücklassen musste, ein bisschen erträglicher zu machen. Nichts Grandioses, nichts so Absurdes wie die lichtdurchfluteten Schlussszenen kitschiger Filme. Sein ganzer Ehrgeiz seit dem Herbst war es, ihr den tonnenschweren Schmerz der Gewissheit, sich vom Leben verabschieden zu müssen, ein paar Gramm leichter zu machen. Als er ihr jetzt zuhörte, während die roten und orangefarbenen Eislutscher auf seine Jeans schmolzen, wusste er, dass er es nicht schaffen würde.

Sie bat ihn, mit ihren verschiedenen Ärzten zu reden und sie zu bitten, irgendetwas, und sei es noch so gefährlich, zu versuchen, damit sie wieder normal essen könne.

Enrique rief sie alle an. Ihr Urologe, normalerweise sehr entgegenkommend, drückte sich mit dem nachvollzieh baren Argument, dafür sei er nicht zuständig. Der irakische Gastroenterologe weigerte sich, einen Fachkollegen zu empfehlen, es gebe nichts, was man tun könne oder solle. Mit der PE könne sie weiterleben, während man nach einer neu-en Heilungsmethode suche. Ihr Onkologe beriet sich zwar mit dem einschlägigen Spezialisten, aber heraus kam der Bescheid, dass der einzig mögliche Eingriff wahrscheinlich nichts an ihrer Gastroparese ändern würde. Die End-zu-End-Anastomose, um die es ging, klang auch tatsächlich wie ein improvisierter Verzweiflungsakt - der Versuch, ihren blockierten Darmtrakt zu überbrücken, indem man eine tiefer gelegene, von Wucherungen gesäuberte Darmschlinge nahm und direkt an ihren Magen anschloss. Außerdem galt, was jeder der Spezialisten so formulierte: »Es würde sich nicht auf ihre Krankheit auswirken.« Gemeint war : Wozu eine riskante Operation vornehmen, um ihre Verdauung wiederherzustellen, wenn sie doch sterben würde?

Margaret schaffte es, sie mürbezumachen. Für Enrique war es auf eine bittere Art amüsant zu beobachten, wie andere Männer, nicht nur er und seine Söhne, Margarets eisernen Willen zu spüren bekamen, vor allem aber mitzuerleben, wie diese Granden der Medizin, die es gewohnt waren, dass ihre rationalen Argumente von Patienten für unumstößlich genommen wurden, sich am Ende Margaret beugten, weil sie auf dem subjektiven Wert des Eingriffs beharrt hatte. »Und wenn ich nur noch ein einziges Mal mit meinem Mann zusammen essen kann, war es die OP wert«, erklärte sie ein paar Tage später in ihrem Krankenbett im Sloan dem Chefarzt der Onkologie, einem Blutkrebsspezialisten, der einen prominenten Freund von Enrique behandelt hatte. Er hatte seit zwei Jahren eine kleine Schwäche für Margaret, seit sie ihm kurz nach Behandlungsbeginn vorgestellt worden war. Ihre Art, sich zynisch über die Fähigkeiten ihrer verschiedenen Ärzte auszulassen und paradoxerweise gleichzeitig davon auszugehen, dass deren Maßnahmen erfolgreich sein würden, hatte ihm offenbar gefallen. Er war so einflussreich, dass er einen Chirurgen am Sloan Kettering so ziemlich zu allem bringen konnte. Er hörte sich Margarets beschwörende Argumentation an und musterte dann Enrique mit zusammengekniffenen Augen, als versuchte er zu verstehen, was an einem Essen mit diesem kahlköpfigen, ältlichen Schriftsteller verlockend genug war, um dafür eine wahrscheinlich nutzlose Bauchoperation auf sich zu nehmen.

»Ich glaube nicht, dass sie unbedingt mit mir essen möchte«, erklärte Enrique. »Sie wäre froh, mit irgendjemandem essen zu können.«

Margaret lachte, obwohl ihr Tränen übers Gesicht liefen, und sagte: »Das stimmt. Mir ist völlig egal, wen du zu diesem Essen einlädst, ich will einfach nur essen.«

Der Chef der Onkologie erklärte, dass er und der Iraker ihr einen Chirurgen beschaffen würden, aber zuerst müsse sie zu ihrer aller Absicherung zu einem Beratungsgespräch in die psychiatrische Abteilung.

Enrique hörte zu, wie sie einem nachdenklichen Psychiater, der eine Frisur wie Bozo der Clown hatte, aber braungrau meliert, ihre verzweifelte Logik darlegte. Der Psychiater nickte mitfühlend, als sie sagte: »Ich hatte ein Leben. Ich hatte einen Mann und Kinder und Freunde. Jetzt liege ich den ganzen Tag im Bett und kann nicht denken. Ich kann nicht mal einen Krimi lesen. Ich kann gar nichts weiter tun, als stupide Folgen von Law & Order gucken.«

»Sonst läuft ja auch nichts im Fernsehen«, sagte der ernste Bozo. Und nach einer kurzen Pause, in der Margaret sich die Tränen von den Wangen wischte und die Nase schneuzte, setzte er hinzu: »Ich nehme an, die Leute mögen die Serie.«

»Weil es um den Tod geht, aber ohne Emotionen«, murmelte Enrique. Margaret, die die kulturkritischen Bemerkungen ihres Mannes gewohnt war, ging nicht darauf ein, sondern wiederholte nur : »Es ist stupide. So ein stupides Leben. Das ist kein Leben. Ich will mein Leben wiederhaben«, rief sie schluchzend aus. »Es ist mir egal, ob ich dabei sterbe, es ist mir egal, wie lange es etwas nützt. Auch wenn es nur für einen Tag ist. Ich will mein Leben wiederhaben.«

Der Psychiater verschrieb ihr Zoloft und bescheinigte, dass sie in der Lage sei, eine wohlerwogene Entscheidung zu fällen. Der Chef der Onkologie und der Iraker überredeten ihren rotwangigen Kollegen, die Operation vorzunehmen, wenn sie auch im Gegenzug darauf bestanden, dass Margaret der PEJ zustimmte - der Einführung eines Schlauchs durch die Bauchwand in ihren Dünndarm, damit sie anstelle der intravenösen PE direkt über den Darm ernährt werden könnte, falls der neue Darmanschluss an ihren Magen nicht funktionierte. Enrique fragte sich, ob Dick Wolf, der Produzent von Law & Order , wohl jemals erfahren würde, dass ein Team von medizinischen Koryphäen Margaret bestätigt hatte, seine Serie zu sehen, sei kein Leben.

So waren sie Ende Mai wieder im Sloan gelandet. Die End-zu-End-Anastomose war fehlgeschlagen. Die Ernährung über die PEJ war ebenfalls gescheitert. Die PE war jetzt Margarets einzige Option. Die letzten drei Tage - die ersten drei Junitage - hatte sie mit glasigen Avitan-Augen und geweiteten Pupillen dagelegen, und in ihrem starren Blick lag eine abgrundtiefe Traurigkeit, die er vorher nie an ihr gesehen hatte. Nicht, als sie sich vor zwei Jahren und neun Monaten, während der erste Rauchpilz aus dem World Trade Center emporquoll, zu ihm umgedreht und gesagt hatte: »Wir sehen gerade, wie Tausende Menschen sterben.« Nicht, als sie erfahren hatte, dass sie Krebs hatte, nicht, als man ihr gesagt hatte, dass er zurückgekehrt war, nicht, als man ihr erklärt hatte, dass man nichts mehr tun könne. Immer war da ihr Zorn gewesen, hart wie ein Kieselstein, der Wille, den Kampf aufzunehmen. Doch an diesem Tag, diesem düsteren Morgen, an dem ihr klar geworden war, dass ihr Magen nie mehr funktionieren würde, dass ihr nichts blieb, als dazuliegen und auf den Tod zu warten, starrten ihn ihre großen blauen Augen aus dem schmalen Gesicht an, und in ihnen lag nackte Seelenpein. »Das muss aufhören«, flüsterte sie ihm ohne Begrüßung oder Einleitung zu. »Ich kann nicht mehr. Tut mir leid, Puff«, nannte sie ihn bei dem Kosenamen, den sie sich im ersten Jahr ihrer Liebe für ihn ausgedacht hatte. »Ich kann so nicht mehr.«

Er wusste, was sie meinte, tat aber, als hätte er es nicht verstanden. »Ja.« Er trat gegen die Pumpe mit dem dünnen Schlauch, in dem noch der aufgestaute Brei der letzten Nacht war. »Damit ist Schluss. Wir machen wieder die PE.«

Sie schüttelte den Kopf. »Du musst mir helfen. Bitte.« Tränen strömten ihr übers Gesicht, so mühelos und stetig wie immer in diesen Tagen, wie Wasser aus einem Hahn. »Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen.«

Er konnte nicht gleich antworten. Und in dieser bestürzten Stille erkannte er, dass er - obwohl er sich so viele Stunden mit Überlebensraten und Metastasierung auseinandergesetzt hatte, obwohl er aus nächster Nähe mit angesehen hatte, wie sein Vater an Prostatakrebs starb - nicht gewusst hatte, dass er etwas Bestimmtes auch verlieren würde: dieses Etwas nämlich in seinem Kopf, dass da war, seit Bernard Weinstein vor neunundzwanzig Jahren an seiner Tür geklingelt hatte. In der Stille ihrer lautlos fließenden Tränen begriff er, dass etwas Essentielles bald nicht mehr da sein würde, und zwar nicht nur die Hoffnung, Margaret könnte überleben. Er hatte kein Wort für dieses essentielle Gefühl. Es war ein Klang, vielleicht sein Name, der gerufen wurde, etwas, das ihm nicht immer gefallen hatte, etwas, nach dem er manchmal wie nach einer Rettungsleine gegriffen hatte, etwas, das er mit Lust besessen hatte, etwas, worüber er sich geärgert hatte. In der Teppichbodenstille dieses Luxuskrankenzimmers fühlte er für einen Moment, wie es verschwand, ein Vorgeschmack auf seine beraubte Zukunft, und er begriff, dass das hier auf eine Art real war, wie nichts je real sein sollte: dass ihre Ehe ein Mysterium war, das er, obwohl er siebenundzwanzig Jahre damit gelebt hatte, verlieren würde, bevor er verstand, wer sie beide waren.
»[...] schildert Yglesias aus distanzierter, gerade darum aber umso ergreifenderer Perspektive. Es ist unnötig, den Schmerz in grosse Worte zu packen. Tränen, zitternde Stimmen, letzte Worte, ob gesagt oder nicht gesagt, lassen mehr als deutlich erkennen, um was es hier geht.«
NZZ, 13.10.2010

»Aber trotz des extrem hohen Taschentuchverbrauchs entlässt diese traurige, schöne Geschichte einen nicht ausgewrungen und erschöpft, sondern am Ende doch bereichert. ... ich bin froh, dass mir dieses Buch nicht entgangen ist.«
Antje Deistler, WDR2, 23.5.10

»Ein genialer Coup, der zeigt, welche Kraft eine bedingungslose Liebe freisetzen kann.«
Brigitte, 5.5.2010

»... er benötigt weder ein umfangreiches Personal noch einen Griff in die erzähltechnische Trickkiste, um das zu schaffen, was wir vor uns haben: einen brillanten, lebensklugen, zutiefst menschlichen Roman, der ohne jede Sentimentalität Leben, Lieben und Sterben seiner Protagonisten inszeniert.«
Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung, 7.4.2010

»Ein Buch gelesen. Geweint. Kommt ja auch nicht so häufig vor. Hat nicht nur mit dem Tod zu tun.«
Elke Schmitter, Der Spiegel, 12.04.2010

»Wo Glück ist, fehlen nicht selten die Worte. Wo sich kein vergebliches Sehnen und Begehren breit macht, fehlt oft die Inspiration. Rafael Yglesias zeigt, dass es nicht das Krisenhafte braucht, um einen spannungsvollen Roman über die Ehe zu schreiben, der tieftraurig ist und lustig und lehrreich. «
Karolin Jacquemain, Hamburger Abendblatt, 05.08.2010

»Ein intimes, ein rührendes Buch.«
Annabelle, 10.03.2010
»Yglesias hat zu einer Wahrhaftigkeit des Schreibens gefunden, die einem beim Lesen manchmal den Atem stocken lässt.«
Ulrike Frenkel, Stuttgarter Zeitung, 16.04.2010

»Rafael Yglesias hat ein bewegendes Buch geschrieben über das Sterben und den Schmerz des Zurückbleibenden. Und ganz nebenbei mit dem Vorurteil aufgeräumt, in einer glücklichen Ehe müsse es immer harmonisch zugehen.«
Marion Lühe, MAZ, 15.05.2010

Eine Love Story ohne Ryan-O'Neal-Kitsch, ein Roman stattdessen, der seine beiden Protagonisten Margaret und Enrique auf jenem Weg begleitet, an dessen Ende schon Philemon und Baucis winkend auf sie warten.«
Marko Martin, Rheinischer Merkur, 19.04.2010

»Am meisten Gewinn hat man von diesem Roman wohl, wenn man ihn als Beschreibung einer großen emotionalen Reise liest.. Sie mündet in einen Schluss, der einen sehr beschäftigen kann. In einer Parallelmontage bringt Rafael Yglesias auf den letzten Seiten den Moment des ersten Sexes mit dem Augenblick von Margarets Sterben zusammen...tieftraurigen wie lustigen, so lehrreichen wie nahe gehenden Romans.«
Dirk, Knipphals, Die Tageszeitung, 10./11.04.2010

»»Glückliche Ehe« ist ein bewegendes Buch.«
Sebastian Fasthuber, Falter, 17.03.2010

»In Zeiten, wo kaum noch jemand willens oder in der Lage zu sein schein, eine über Jahrzehnte dauernde Ehe zu führen, in Zeiten, wo bei jeder kleinen Krise der Scheidungsrichter bemüht wird, ist dieses Buch ein ermutigendes Zeugnis.«
Winfried Stanzick, bookreport.de, 27.04.2010

»In seinem grandiosen Roman gelingt es Yglesias, über die Liebe und deren Bedingungen, über den Tod und das Glück auf eine Weise zu schreiben, die jederzeit eindringlich, aber niemals sentimental ist. Fabelhaft!«
Journal Frankfurt, 25.03.2010

»Dieser wunderbare Roman ist eines der schönsten Bücher über das Zusammenleben von Mann und Frau, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.«
Winfried Stanzick, libri, 27.04.2010

»Das ist wirkliche, tief empfundene Intimität.«
New York Times

»Geschichten über die Ehe sind die ältesten der Welt, aber in Yglesias' zärtlicher, zugleich komischer und reumütiger Schilderung wird eine lebenslange Beziehung zur Geschichte des Lebens an sich.«
Wall Street Journal

»...ein trauriger und heiterer, ein wunderbarer Roman. Dessen Held ein Schriftsteller ist, der mehr kann, als sein Autor von ihm behauptet: Denn all die feinen Beobachtungen, die tiefen Erkenntnisse, mit denen er uns im Verlauf des Buches bedacht hat, rühren von seiner Fähigkeit her, seine Mitmenschen als literarische Figuren zu betrachten (ja, zuweilen sogar sich selbst). Sie also gelten zu lassen, wie sie sind, und nicht nur auf sich zu beziehen. Literatur also als Schule der Menschenfreundlichkeit.«
Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 14.06.2010

Stimmen aus dem Buchhandel

»Ich finde, dass "Glückliche Ehe" ein großartiges Buch ist. Ein reifes, wunderbar erzähltes Buch, voller Leben und Liebe, berührend, herzerwärmend - einfach ganz groß!!!«
Frank Menden (Thalia Buchhandlung, Ballindamm, Hamburg)

»Ich bin restlos begeistert! Dieses Buch ist ein echter Glücksfall. Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll.
Man kann nur mit Superlativen um sich schmeißen. Also gratuliere ich herzlich und freue mich auf das Erscheinen.«
Diana Pietruschka (Mayersche Buchhandlung, Köln)

»Selten habe ich eine so intensive "Innenansicht" einer Ehe gelesen, die durch den Krebstod der geliebten Frau nach 30 Jahren zu Ende geht. Und der Autor schafft es, bei aller deutlichen Krankheitsschilderung dennoch eine zarte Geschichte zu erzählen, deren Essenz heißt: verschiebe nie ein wichtiges Gespräch, der richtige Zeitpunkt ist: JETZT!«
Franziska Bickel (Buchhandlung Vogel, Schweinfurt)
»Eine herzergreifende, bewegende Geschichte, die unter die Haut geht. Große Klasse!«
Regina Gabrich (Buchhandlung Schläfke, Obernburg)
»Je mehr man liest, umso intensiver ist man in diesem packenden Eheportrait gefangen - nicht zuletzt Dank des gelungenen Erzählkonzeptes, die Geschichte vom Anfang, bis zum schonungslos, aber dadurch umso ergreifenderen Ende parallel zu erzählen.«
Tobias Wrany (Buchhandlung Jost, Bonn)
»Ein ergreifend schönes Buch, berührend erzählt, ein Highlight in diesem Frühjahr!« Gisela Meyer (Buchhandlung Lesezeichen, Roetgen)
Klett-Cotta Roman Aus dem amerikanischen Englisch von Cornelia Holfelder-von der Tann (A Happy Marriage)
3. Aufl. 2010, 429 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93707-7
autor_portrait

Rafael Yglesias

Rafael Yglesias, geboren 1954 in New York City, ist der Sohn des Schriftstellerpaars Jose und Helen Yglesias. Mit 17 Jahren brach er die High School...

http://www.youtube.com/v/kecghxBwwik


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