Der Kampf um die Demokratie

Der Extremismus, die Gewalt und der Terror
Buchdeckel „978-3-608-94224-8

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Warum wir ­wieder lernen müssen zu empfinden

Syria

Geschichte einer zerstörten Welt
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Auch das neueste Buch Arno Gruens ist »von bestürzender Aktualität«; er stellt der scheinbar unendlichen Kraft zur Zerstörung die Kräfte zum Leben gegenüber. Erst wenn wir unabhängig, autonom, mitfühlend und liebevoll zu uns selbst sind und so auch anderen begegnen können, kann unser Leben gelingen.

Was empfinden Menschen, die sich nur dann lebendig fühlen, wenn sie gewalttätig sind? Wie ist es zu verstehen, daß gerade Menschen anderen gegenüber pathologisch gehorsam sind, obwohl sie von ihnen zutiefst traumatisiert oder verletzt wurden? Täter und Opfer halten die gefährlichste Symbiose aufrecht, ein ganzes Leben lang nacheinander zu suchen.

Der linke und rechte Extremismus, die Gewalt in ihren verstecktesten Formen und der offene Terror gegen andere und sich selbst: das sind die Endpunkte der Zerstörungsspirale, die sich scheinbar naturnotwendig dreht. Kann sie nicht angehalten werden?

Was ist zu tun? Arno Gruen plädiert für Kultur der inneren Autonomie, die sich nicht als Stärke inszeniert oder Überlegenheit vorgibt. Autonomie ist Übereinstimmung mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Wer derart frei ist, braucht keine Posen, spielt keine Rollen und keine öffentliche Selbstinszenierung. Die Verteidigung gegen den Terror, das Führen von Kriegen ist teurer als alle Investitionen in das Leben. Nur so lassen sich demokratische Gesellschaften retten.

»Ich meine nämlich, Gut und Böse entscheiden sich ... ausschließlich im Umgang des Menschen mit sich selbst.«
Jakob Wassermann

Leseprobe


Vorwort

Ich begann mit diesem Buch im Mai 2001. Ich wollte darin meine Erfahrungen mit dem Rechtsradikalismus zusammenfassen. Während des Schreibens wurde mir jedoch klar, daß ich ausführlicher auf die Frage nach der Entstehung von Gewalt eingehen mußte. Die rechte Gewalt ist ja nur ein Aspekt des Problems.

Dann kam der 11. September. Alles Lebende wurde bedroht durch eine überbordende Gewalt. Es war, als ob wir plötzlich eingeholt werden von den Rückwirkungen einer Welt, die Menschen ausbeutet, ihren Leiden und Schmerzen gleichgültig gegenübersteht und die als schwach eingestuften diffamiert.

Gewiß: Gewalt ist nicht neu. Sie ist Bestandteil dessen, was alle "großen Zivilisationen" heranzüchten, weil ihre Basis Herrschaft und Besitz sind. Damit gehen die Verachtung menschlicher Werte wie auch die Verachtung des Weiblichen und der Kindheit unserer Kinder einher. Die technischen Entwicklungen dieser Zivilisationen machen es jedoch auf einmal möglich, daß nur wenige Menschen die Welt im Namen Gottes der Zerstörung preisgeben und den Tod als Sieg zelebrieren können.

Dieses Ausmaß an Gewalt droht den Verlust unserer eigenen Bedeutung hervorzubringen. Die Leere in uns wird damit entweder zur Quelle einer allgemeinen Apathie und Depression oder sie droht in noch mehr Gewalt auszuufern. Denn für viele führt diese innere Leere zu einem Zustand der Bedeutungslosigkeit, von der sie durch eine Identifikation mit halluzinierter Größe erlöst zu werden hoffen. Wir können diesem Nichts und einem dem Tod verschworenen Radikalismus nur entgegentreten, wenn wir die tieferen Wurzeln dieser ungeistigen Entwicklung entlarven.

Sophie und Hans Scholl verstanden, wie der Betrug am Menschen durch scheinbar geistige Argumente verdeckt wird. Sie erkannten, daß man einer Entwicklung, die durch und durch ungeistig ist, nicht mit geistigen Argumenten beikommen kann und darf. Die Sprache der Radikalen, die von Krieg und Vergeltung, von Idealen und Nationalem spricht, mag sich geistig gesund anhören. In ihrer Ignoranz von Ohnmacht, Elend und Demütigung ist sie jedoch völlig von der Realität menschlicher Gefühle und Bedürfnisse abgetrennt. Sie fördert einzig Macht und Größe, die die Grundlage unserer Zivilisationen bilden und deren Auswirkungen wir uns endlich stellen müssen. Terror und Gewalt ist nur Einhalt zu gebieten, wenn die wirklichen Bedürfnisse der Menschen anerkannt werden; wenn wirkliches Elend, wirkliche Armut sowie die Ausgrenzung und Entwürdigung ganzer Bevölkerungsgruppen unterbunden wird. Nur so kann es uns möglich sein, ein Leben, das demokratisch und lebendig ist, aufrechtzuerhalten. [...]

12 Was tun?

Das Problem im Umgang mit Gewalt ist das innere Opfer, das nicht als solches erkannt werden kann, weil dies der kulturell vorgegebenen Sichtweise, daß Autoritäten als gut geliebt werden müssen, widerspricht. Dieses innere Opfer "schläft", solange das gesellschaftliche Umfeld es solchen Menschen einigermaßen möglich macht, sich zurecht zu finden, so daß ihre Bedürfnisse nach Anerkennung, Wärme und sozialem Kontakt befriedigt werden. Wenn diese Strukturen jedoch durch gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftliche Nöte durch Arbeitsplatzverlust oder ein Auflösen sozialer Strukturen auseinanderbrechen, sind auch solche Menschen vom Auseinanderbrechen bedroht, weil Angst und Spannungen unerträglich werden. Dann erwacht das innere Opfer und bringt solche Menschen dazu, auf Veränderungen in ihrem Leben mit Haß und Aggression zu reagieren. Dies geschieht jedoch nur, wenn sie den Glauben an die politisch Herrschenden verlieren. Die "starke Hand" macht es möglich, daß das innere Opfer sogar in Zeiten erheblichen Drucks ruhig bleibt. Wenn jedoch dieses subjektiv erlebte Sicherheitsgefühl zu zerbersten droht, erhöht sich das Potential zur Gewalttätigkeit. Die Regierenden demokratischer Gesellschaften können dem entgegenwirken, vorausgesetzt, sie sind sich der Bedürfnisse und der Not dieser Bürger bewußt. In der Realität sieht es aber meistens so aus, daß solche Situationen von politischen Führern ausgenutzt werden, die in ihrem Menschsein gestört sind und das innere Opfer eines Großteils der Bevölkerung für ihre eigene Macht gebrauchen. Dies geschieht, indem ein äußerer Feind etabliert wird, auf den sich die ganze Wut, die Aggression und der Selbsthaß entladen können. Wenn dagegen demokratische Führer sich dieser Möglichkeit bedienen, dann ist es um die Demokratie schlecht bestellt, denn sie werden nie so konsequent Feindbilder liefern können wie die Extremen auf der rechten oder linken Seite. Die Terroristen sind in dieser ganzen Misere nur ein Aspekt. Sie tragen dazu bei, daß Feindbilder verfestigt werden, indem sie ihre Opfer zu Tätern stempeln, wodurch diese für den Tod aller verantwortlich gemacht werden.

Unser heutiges Problem, dessen Entwicklung bereits von Marx diagnostiziert wurde, ist die Globalisierung, die über die Bedürfnisse der Menschen hinweggeht und ihnen ihre wirtschaftlichen und persönlichen Grundlagen nimmt. Dadurch wird das innere Opfersein geweckt. Die Dogmen der Globalisierung gründen auf Einheitsdenken, schreibt Ignacio Ramonet, und erklären jede andere Wirtschaftspolitik für unzulässig. Die sozialen Rechte der Bürger werden dem Prinzip des freien Wettbewerbs untergeordnet und alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens der Willkür der Finanzmärkte ausgeliefert. Die freie Zirkulation von Kapital und Waren macht diese Globalisierung aus. Von den Politikern wird nur eine Anpassung der nationalen Gesellschaften an diese Globalisierung gefordert. Dadurch hat sich die Entscheidungskompetenz in Sachen Investitionen, Beschäftigung, Gesundheitswesen, Kultur und Umweltschutz vom öffentlichen auf den privaten Sektor verlagert.

Die ökonomische Globalisierung und die Kapitalkonzentrationen zerstören den sozialen Zusammenhalt. Wo sie in Erscheinung treten, verstärken sie die wirtschaftliche Ungleichheit, die in dem Maße zunimmt, wie sich die Vorherrschaft der Märkte ungehindert ausbreitet. Diese aus der Globalisierung resultierende Zerstörung der sozialen Zusammenhänge wirkt deshalb so tödlich, weil die Akteure dieses Prozesses, die Wirtschaftsführer, wie C.W. Mills es beschreibt, ihren eigenen Zusammenhalt verloren haben.101 Sie sind nicht in der Lage, ihr zerstörerisches Handeln auf ihre eigenen Bedürfnisse, beziehungsweise auf die ihrer Mitmenschen zu erkennen. Zu sehr sind sie von ihrer eigenen Größe und Macht geblendet, zu sehr sind sie durch die Vorstellung von Größe und Macht als Ersatz für wahre menschliche Beziehungen geformt. Kaum ein Politiker ist heute noch bereit, für die Bedürfnisse der Menschen zu kämpfen, denn das hieße, sich gegen diese wirtschaftlichen Mächte zu stellen, deren Entwicklung eine Eigendynamik hat, da Wachstum das einzige Ziel ist. In diesem Prozeß sind die meisten Politiker zu Handlangern der Globalisierung geworden. Auf diese Weise spielen sie den Terroristen in die Hände. Es geht um wirkliches Elend und wirkliche Armut, und es geht darum, daß durch die Praktiken der Globalisierung zunehmend ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt werden von Wohlstand und dem Gefühl, einen Platz in der menschlichen Gesellschaft zu haben. Diesen Problemen und den Bedürfnissen der Menschen müssen wir uns zuwenden.

Gleichzeitig gilt es zu erkennen, daß es bei dem Terror und der Gewalt um das Mörderische der Identitätslosen geht, egal ob diese ihre Ziele als religiös, nationalistisch oder ideologisch heilig sprechen. Auch wenn es nicht offensichtlich ist: Alle Terroristen haben sich einem "Gott" verschworen. Dieser kann religiöser, aber auch politischer oder intellektueller Natur sein. Entscheidend dabei ist, daß Menschen ohne Inneres ständig auf der Suche nach einer überhöhten Macht sind, der sie sich unterwerfen können, eben weil sie kein Eigenes haben. Dabei kann es sich durchaus um gebildete Menschen handeln, wie es ja auch bei den Terroristen des 11. September der Fall war. Die Selbstmordattentäter sind der extremste Ausdruck für das Problem, daß sich Menschen einem göttlichen Führer verschreiben, um ihrer eigenen inneren Leere zu entfliehen. Man kann diesem Phänomen jedoch auch in vielen alltäglichen Bereichen begegnen: in der Psychotherapie oder der Medizin zum Beispiel, wo es immer wieder vorkommt, daß sich auch gebildete Menschen einem Arzt oder Therapeuten ergeben, der ihnen göttlich und allwissend erscheint.

Wir haben es hier wieder mit den Auswirkungen unserer frühesten Kindheit zu tun, als wir uns auf die Posen der Eltern als einzige Wahrheit festlegen mußten. Mindestens ein Drittel bis zu Zweidrittel der Bevölkerung sind für ihr ganzes Leben auf diese Weise zutiefst geprägt. Sie sind dadurch messianischen und demagogischen Führern geradezu willenlos ausgeliefert, und zwar besonders in Zeiten einer allgemeinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verunsicherung.

In einer kürzlich erschienenen Studie über den Stalinismus wird deutlich gemacht, wie die abstrakte Idee des "neuen sowjetischen Menschen" zu einer Pose von Stärke und Macht stilisiert wurde. Diese Pose beruhte auf einer Glorifizierung der Kraft und Macht moderner Maschinen. Wer seiner eigenen Wahrnehmung treu blieb und sich nichts vormachen ließ, also nicht durch die Rollenspiele der Eltern auf die Pose geprägt war, riskierte, als Verräter an der gemeinsamen Sache verdammt und vor ein Erschießungskommando gestellt zu werden. So kommt es, daß Menschen im Namen einer Idee und im Namen der Zukunft alles zerstören, auch ihr eigenes Leben. Man muß mit eigenen Augen sehen können, darauf kommt es an. Intelligenz allein genügt nicht, wenn man durch das Verhängnis einer frühen Prägung auf eine propagandistische Pose geblendet ist, welche die Eltern in ihrer Angst, nicht adäquat zu sein, einnehmen mußten. Hier geht es um einen Teufelskreis, dem wir nicht entkommen können, ohne uns mit den Realitäten und dem damit verbundenen inneren Terror zu konfrontieren, der uns bedroht, wenn wir Autoritäten den Gehorsam verweigern.

Sophie und Hans Scholl sprachen diese Problematik in einem ihrer Flugblätter an, die sie während des Nazi-Terrors an der Universität in München verteilten: "Man kann sich mit dem Nationalsozialismus nicht geistig auseinandersetzen, weil er ungeistig ist. Es ist falsch, von einer nationalsozialistischen Weltanschauung zu sprechen, denn wenn es diese gäbe, müßte man versuchen, sie mit geistigen Mitteln zu beweisen oder zu bekämpfen - die Wirklichkeit aber bietet uns ein völlig anderes Bild: Schon in ihrem ersten Keim war diese Bewegung auf den Betrug des Mitmenschen angewiesen ..." Intellektuelle, die ganz von der Abstraktion, in die sich die Pose kleidet, eingenommen sind, können diese Problematik gar nicht erkennen.

Die abstrakte Pose, die uns heute vorgeführt wird, ist der Glaube an eine globalisierte Welt, in welcher der ökonomische Profit als einzige Wahrheit und weltanschauliche Wirklichkeit gilt. Doch wo ist der Unterschied zu Stalins Fünf-Jahres-Plänen; zu seiner frenetischen Jagd nach Erfolg und seiner Utopie, die dem Volk als unvermeidliche Realität verordnet wurde? Hier wie da wird Passivität angesichts von Autorität gefordert. Wie damals sollen sich die Menschen auch heute anpassen, sie sollen keine eigenen Zielvorstellungen und Werte entwickeln und ihr Verhalten dem unterordnen, was Industrie, Banken und Politik gerade für angemessen halten. Nur außerordentliche Fachkenntnisse werden erwartet, die ein Überleben in der Pose sichern. Die abstrakte Idee der Globalisierung wird uns einer Lösung der weltweiten Probleme nicht näherbringen. Wenn wir die Welt menschlicher, demokratischer und gerechter machen und mehr Respekt für unterschiedliche gesellschaftliche Werte schaffen wollen, dann ist das nur auf der Ebene nationaler Regierungen möglich. Internationale Korporationen folgen nur der abstrakten Idee des Profits und sind viel zu weit entfernt von wirklichen menschlichen Bedürfnissen.

Die wahren Probleme der Menschen bleiben bestehen: Armut und Hunger, Sklaverei, Tyrannei und ständige Kriege, religiöse Intoleranz, Drogen und Habgier. Dabei liegt genau hier die Wurzel allen Übels. Ohne dieses menschliche Elend könnten Menschen wie Hitler, Stalin, Lenin, Mussolini oder Bin Ladin nicht massenweise Anhänger um sich scharen. Es heißt, daß der freie Handel weltweit den Wohlstand fördern soll. Es gibt jedoch genügend Hinweise, daß diese Hoffnung trügt. Während das Wohlstandsverhältnis der reichen zu den armen Ländern vor 100 Jahren noch zehn zu eins betrug, liegt es heute schon bei 100 zu eins. Hinzu kommt, daß der Anteil der Wohlhabenden an der Weltbevölkerung erheblich gesunken ist, weil die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Das hat weitreichende Konsequenzen: Das schlafende innere Opfer der Benachteiligten wird zunehmend erwachen und damit auch ihre Bereitschaft zu destruktiver Gewalt. Es ist so, wie Albert Camus in seinem Roman "Die Pest" beschreibt: "Daß der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet, sondern jahrzehntelang in den Möbeln und der Wäsche schlummern kann, daß er in den Zimmern, den Kellern, den Koffern, den Taschentüchern und den Bündeln alter Papiere geduldig wartet und daß vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung des Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird, damit sie in einer glücklichen Stadt sterben."

Das innere Opfer schläft, doch wenn es erwacht, sucht es nach den falschen Göttern, die es erlösen sollen. Ein älterer Mann in einem kalifornischen Seniorenheim sagte einmal: "Wann immer sich Menschen an jemanden wenden, um erlöst zu werden, geraten sie ins Unglück, egal, ob es sich um Gott oder einen Fremden mit welligem Haar und blauen Augen handelt, es läuft immer auf dasselbe hinaus. Wenn du dich in dem Traum eines anderen verfängst, mußt du mit Konsequenzen rechnen." Die Kriege der letzten Jahre und der 11. September haben gezeigt, daß diese Konsequenzen mit einer immer größeren Gefahr für die Menschheit und ihr Menschsein verknüpft sind.

Es liegt in der Natur der frühesten kindlichen Erfahrungen mit terrorisierenden Autoritäten, daß jene, die den Terror hervorrufen, idealisiert werden. Zu dieser Verdrehung der wirklich erlebten Gefühle kommt es immer dann, wenn ein Zwang zum Gehorsam besteht. Nur deshalb können sich diejenigen, die sich dem Tödlichen als Lebensziel verschrieben haben, als Götter gebärden und von jenen, die solche Götter brauchen, verlangen, daß sie sich ihnen und ihren Zielen in selbstaufopfernder "Liebe" ergeben. Solche "Götter" gehören zu der Kategorie von Menschen, die es sich zum Ziel gemacht haben, alle anderen auszurotten. Ihnen geht es nur um das Töten, doch ihre Maske des Menschseins verhindert, daß ihre Anhänger, die mit Leidenschaft eine freiwillige Knechtschaft suchen, dies wahrnehmen. So vereinen sich Menschen mit denjenigen, die ihren Tod vorprogrammiert haben.

Es gibt deshalb kurzfristig nur zwei Möglichkeiten, mit dem Problem umzugehen: Entweder man widmet sich den Bedürfnissen der Menschen, ihrer existentiellen Not und ihrem Anspruch auf Würde. Dies muß dann allerdings ernsthaft und wahrhaftig geschehen, und nicht nur als eine durch Posen in Szene gesetzte Medienshow. Mit falschen Versprechungen spielt man nur den Faschisten in die Hände, die, da sie dem Tode verschworen sind, ihre der Gewalt gewidmeten Szenarien sehr viel konsequenter betreiben.

Die andere Möglichkeit, des Umgangs mit dem Problem ist die, welche die Populisten, Demagogen und Faschisten (manchmal auch die Linken, die das Linke für faschistische Ziele ausnutzen) ergreifen, indem sie Feindbilder genehmigen, um dem inneren Opfer ein Ventil für seinen Haß, die Minderwertigkeitsgefühle und die Gewalttätigkeit zu bieten.

Langfristig gibt es jedoch nur einen Weg, der aus der Misere führt und eine wirkliche Veränderung bedeutet: Wir müssen dafür sorgen, daß unsere Kinder so aufwachsen, daß ein inneres Opfersein gar nicht erst entsteht.

Nur so können demokratische Gesellschaften Bestand haben: indem sie die wahren Bedürfnisse von Menschen erkennen und ernst nehmen, indem sie Kindern die Möglichkeit zu einer wahren Kindheit bieten, die sich an eigenen empathischen Wahrnehmungen und Bedürfnissen orientiert. Das ist die Rettung für die Menschheit. Die Zeit drängt. All jene, die dem Leben zugewandt sind, müssen zusammenstehen und es sich zur Aufgabe machen, allen Menschen eine würdige Existenz zu sichern, damit das innere Opfer zurückgedrängt wird. Zum andern müssen wir das Wohl unserer Kinder festigen. Es würde so viel weniger kosten, in das Leben zu investieren, anstatt Aufrüstung und Kriege zu finanzieren. Wir haben keinen andern Weg, als den des Lebens.
Klett-Cotta
2. Aufl. 2002, 190 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94224-8
autor_portrait
Juliet Haller

Arno Gruen

Arno Gruen, 1923 in Berlin geboren, emigrierte 1936 in die USA. Nach dem Studium der Psychologie leitete er ab 1954 die psychologische Abteilung der...

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