Kap der Finsternis

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Bester Krimi 2009 - KrimiWelt-Jury

Deutscher Krimi Preis 2010

Ein hochtouriger literarischer Thriller, der ein ungeschöntes Panorama des heutigen Südafrika zeichnet.
Ein amerikanischer Glücksspieler, der mit seiner hochschwangeren Frau und seinem Sohn nach Kapstadt geflohen ist, gerät in einen Strudel von Gewaltverbrechen. Sein Gegenpart ist ein bigotter, rassistischer, korrupter und brutaler Polizist, der seinerseits die staatliche Antikorruptionseinheit im Nacken hat. Ein atemloser Showdown führt mitten ins Gangland, in die Cape Flats und die riesigen, labyrinthischen Vorstadtslums.

Ein dummer Zufall, ein brutales Verbrechen, ein korrupter Polizist und eine schonungslose Tour de force, die in immer tiefere Abgründe führt. »Kap der Finsternis« ist ein hochtouriger literarischer Thriller, der ein ungeschöntes Panorama des heutigen Südafrika zeichnet - ein spektakuläres Debüt!

Jack Burn, gestrauchelter amerikanischer Glücksspieler, ist mit seiner hochschwangeren Frau und seinem Sohn in Kapstadt untergetaucht. Dort wird die Familie Opfer eines willkürlichen Gewaltverbrechens, verübt von Mitgliedern einer Gang. Benny Mongrel, gerade aus dem Gefängnis entlassen und als Wachmann tätig, schöpft Verdacht, als er beobachtet, wie die Gangster in Burns luxuriöses Haus einsteigen, Schüsse fallen und beide nicht wieder auftauchen.

Burns Inkognito droht aufzufliegen, und es beginnt ein aufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit Gatsby, einem bigotten, rassistischen Polizisten, der seinerseits die staatliche Antikorruptionseinheit im Nacken hat. Ein atemloser Showdown führt mitten ins Gangland, in die Cape Flats, die riesigen, labyrinthischen Vorstadtslums ...

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Leseprobe
KAPITEL 1
Jack Burn stand auf der Terrasse des Hauses hoch über Kapstadt und schaute zu, wie die Sonne sich im Meer ertränkte. Der Wind, dieser Südostwind, der Burn an die Santa Anas zuhause erinnerte, wehte wieder stärker. Ein Wind, der die Nacht in ein Treibhaus verwandelte, der die Menschen angespannt und gereizt werden ließ, der Cops und Notärzte in falsche Entscheidungen verwickelte.
Burn hörte das Röhren des Autos ohne Schalldämpfer, das langsam ausrollte und schließlich stehen blieb. Das Wummern von Bassboxen, die Gangsta-Rap hinauspulsten. Nicht gerade der übliche Soundtrack in diesem vornehmen weißen Viertel an den Hängen des Signal Hill. Der Wagen setzte in hohem Tempo zurück und hielt ganz in der Nähe wieder an. Der Motor wurde ausgemacht, der Rap verstummte mitten in einem muthafuckah . Burn schaute zur Straße hinunter, konnte aus seiner Position den Wagen aber nicht sehen.
Susan beobachtete ihn aus dem Haus. Die Verandatüren standen offen. »Komm essen .« Sie drehte sich um und verschwand im Halbdunkel.
Burn ging hinein und schaltete das Licht an. Das moderne Haus hatte klare, harte Linien. Ganz ähnlich dem reichen, jungen Deutschen, der es ihnen für sechs Monate vermietet hatte,
während er nach Hause zurückkehrte, um in Stuttgart am Sterbebett seines Vater zu sitzen.
Susan brachte das Filet aus der Küche, bewegte sich in diesem für Hochschwangere typischen, nach hinten gebeugten Watschelgang mit nach außen gestellten Füßen. Sie war wunderschön. Klein, blond, mit einem Gesicht, das sich hartnäckig weigerte zuzugeben, bereits achtundzwanzig zu sein. Abgesehen von dem riesigen Bauch sah sie immer noch exakt so aus wie vor sieben Jahren. Burn erinnerte sich noch genau an diesen Augenblick, als er sie das erste Mal gesehen hatte, an dieses Gefühl, wie ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde, wie ihm ganz schwindlig geworden war bei dem plötzlichen Wissen, dass er diese Frau heiraten würde. Und so kam es dann auch, keine sechs Monate später, und er tat ihren Altersunterschied mit einem Lachen ab.
Susan sah zwar immer noch genauso aus, war aber nicht mehr dieselbe. Ihre Leichtigkeit war verschwunden, ihr unbefangenes Lachen nur noch eine Erinnerung. In letzter Zeit schien sie in ständiger Zwiesprache mit ihrem ungeborenen Kind zu stehen. So sprach sie davon, von ihrem Kind. Ihrer Tochter. Als gehörten Burn und Matt einer anderen Spezies an, als stünden sie außerhalb dieses exklusiven Zweierklubs.
Burn schnitt das Filet mit einem Tranchiermesser auf, Blut sammelte sich auf dem Holzbrett. Perfekt. Englisch, so wie sie es alle am liebsten mochten. Matt lag auf dem Bauch vor dem Plasma-Fernseher und sah eine Sendung im Cartoon Network . Genau wie zuhause.
»Hey, komm rüber und iss mit uns«, sagte Burn.
Matt, nur mit ausgebeulten Shorts bekleidet, wollte schon protestieren, überlegte es sich dann jedoch anders und kam zum Tisch. Er war vier, blond wie seine Mutter, wobei allerdings die Statur seines Vaters bereits zu erahnen war.
Susan hatte sich schon hingesetzt und verteilte Salat auf ihren Tellern. Sie schaute Matt nicht an. »Geh die Hände waschen .«
»Die sind doch gar nicht schmutzig«, meinte er, während er auf einen Stuhl kletterte. Er streckte ihr die Hände zur Kontrolle hin. Sie beachtete ihn nicht. Das war keine bewusste Handlung, es war vielmehr, als sei sie nicht mehr auf seine Frequenz eingestellt. Als erinnerte ihr Sohn sie zu sehr an seinen Vater.
Burn versuchte, Susans Aufmerksamkeit zu gewinnen, sie irgendwie zu ihnen zurückzuholen. Doch sie starrte nur auf ihren Teller.
»Hör auf deine Mutter«, sagte er sanft, und Matt verschwand auf nackten Füßen schlitternd Richtung Bad.
Burn schnitt gerade das Fleisch, als die zwei braunhäutigen Männer von der Terrasse hereinkamen. Beide trugen Waffen, die sie wie in einem Actionfilm im rechten Winkel vor sich hielten. Aus ihrem Lachen schloss er, dass beide bis zum Anschlag voll mit Speed waren.
An dem Abend, als der Ärger begann, beobachtete Benny Mongrel sie, die amerikanische Familie, auf der Terrasse des Hauses nebenan. Der Mann trank Wein, immer wieder mal tauchte kurz die blonde Frau auf, der Junge rannte zwischen Haus und Terrasse hin und her, die Schiebetür stand offen an diesem heißen Sommerabend. Die Momentaufnahme einer Welt, die Benny Mongrel nie kennengelernt hatte.
Seit seinem vierzehnten Lebensjahr hatte er immer mal wieder im Gefängnis gesessen. Sicher war er nicht, schätzte aber, dass er demnächst vierzig wurde. So stand es jedenfalls in seinem Ausweis. Als er im Jahr zuvor nach einer sechzehnjährigen Haftstrafe auf Bewährung aus dem Pollsmoor Prison entlassen worden war, hatte er sich geschworen, nie wieder zurückzugehen. Unter gar keinen Umständen.
Und deshalb schob er jetzt Nachtschicht als Baustellenwächter. Die Bezahlung war ein Witz, aber mit seinem Gesicht und den primitiven in seinen ausgezehrten braunen Körper geschnittenen Knast-Tätowierungen konnte er froh sein, überhaupt einen Job gefunden zu haben. Sie drückten ihm einen Gummiknüppel in die Hand und steckten ihn in eine viel zu große schwarze Uniform. Und sie gaben ihm einen Hund. Bessie. Halb Rottweiler, halb Schäferhund, ein Mischling wie er selbst. Sie war schon alt, sie stank, ihre Hüfte war hinüber und sie schlief die meiste Zeit, aber sie war das Einzige, was Benny Mongrel je geliebt hatte.
Benny Mongrel und Bessie befanden sich auf der obersten Etage des Neubaus, das Dach noch offen zu den Sternen, als er das Auto hörte. Es war auf laut frisiert, so wie es draußen auf den Cape Flats gern gemacht wurde. Mongrel ging an den Rand des Balkons und schaute nach unten. Ein roter 3er BMW kam viel zu schnell die Straße herunter auf ihn zugerast. Der Fahrer trat genau unterhalb der Stelle auf die Bremse, an der Benny Mongrel stand. Die fetten, breiten Reifen gerieten auf Baustellensand, und das Heck des Wagens brach seitlich aus, bevor er zum Stehen kam. Der BMW setzte zurück, bis er sich auf einer Höhe mit der Baustellenzufahrt befand. Der Fahrer machte den Motor aus, und der Hiphop erstarb.
Alles wurde völlig still. Benny Mongrel hörte das keuchende Atmen der schlafenden Bessie. Er hörte das leise Knacken des abkühlenden Motors. Er war angespannt. Er war sich dieses alten Gefühls bewusst, das er nur zu gut kannte.
Unsichtbar stand Benny Mongrel da und schaute zu, wie die beiden Männer aus dem Wagen stiegen. Im Licht der Straßenbeleuchtung sah er genug, Baseballmützen mit nach hinten gedrehtem Schirm, weite, ausgebeulte Klamotten, die Stars and Stripes hinten auf der Jacke des großen Mannes, um sie als Mitglieder der Americans zu identifizieren , der größten Gang auf den Cape Flats .
Seine natürlichen Feinde.
Er war bereit für sie. Er legte den Gummiknüppel zur Seite und zog das wartende Messer aus der Tasche. Behutsam öffnete er die Klinge. Falls sie hier heraufkamen, würden sie ihren Müttern begegnen.
Aber sie gingen zum Haus nebenan. Benny Mongrel beobachtete, wie der Größere seinen Kumpel hochwuchtete und der Kleine sich wie ein Affe auf die Terrasse hinaufzog. Von dort beugte er sich vor und streckte dem anderen Burschen die Hand hin. Von seinem momentanen Standort aus konnte Benny Mongrel die amerikanische Familie nicht sehen, aber er wusste, dass sie jetzt bei geöffneter Schiebetür beim Abendbrot am Tisch saßen.
Er klappte das Messer zu und ließ es zurück in die Tasche gleiten. Willkommen in Kapstadt.
Susan saß mit dem Rücken zu den Männern. Sie sah den Ausdruck auf Burns Gesicht und drehte sich um. Sie hatte nicht die Zeit zu schreien. Der ihr am nächsten war, der Kleinere, legte ihr eine Hand über den Mund und hielt ihr eine Kanone an den Kopf.
»Ach, Scheiße, Schlampe, halt's Maul, oder ich knall dich ab .« Ein harter, kehliger Akzent. Die mageren Arme des Mannes waren mit Gang-Tätowierungen überzogen.
Der große Mann war um den Tisch getreten und wedelte mit seiner Kanone vor Burns Nase.
Burn legte das Tranchiermesser hin und hob deutlich sichtbar die Hände vom Tisch. Er versuchte, eine ruhige Stimme zu behalten. »Okay, wir wollen keinen Ärger. Wir geben euch, was ihr wollt .«
»Genau, Mann. Wo kommt ihr her ? «, fragte der Typ, der auf Burn zukam. Er war schlaksig wie ein Basketballspieler.
»Wir sind Amerikaner«, antwortete Burn .
Der Kleinere lachte. »Hey, wir auch.«
» Jepp , wir sind hier alle Amerikaner. Americans , Mann. Wie eine große verdammt glückliche Familie, hey .« Der große Mann stupste Burn mit der Mündung seiner Kanone, postierte sich rechts von Burn hinter seinem Stuhl.
Der Kleinere zog Susan auf die Füße. »Oh, wir haben hier eine Mama .«
Burn sah, wie der Mann seine Hand unter Susans Rock schob, ihr zwischen die Beine packte und zudrückte. Er sah, wie sie die Augen schloss.
Es war reiner Zufall.
Irgendwer hatte Faried Adams erzählt, dass seine Freundin Bonita in Sea Point ihren Arsch verkaufte, wo sie doch angeblich ihre Mama im Krankenhaus besuchen sollte. Faried hatte kein Pro blem damit, dass sie wieder anschaffen ging, aber es machte ihn sauer, dass sie ihm nichts von der Kohle ablieferte. Er wollte die Schlampe bei der Arbeit erwischen.
Also zog der schlaksige Faried los und hämmerte an die Tür von seinem zu klein geratenen Kumpel Ricardo Fortune. Rikki wohnte in einem dieser Ghettoblocks in Paradise Park, wo die Wäsche an über die Fußwege gespannten Leinen hing und die Treppenhäuser nach Pisse stanken. Rikki hatte ein Auto. Aber er hatte auch eine Frau, Carmen, die permanent wegen allem meckerte und maulte. Weswegen Rikki ihr ständig was aufs Maul gab. Was Faried im Übrigen ganz genauso machen würde; Bonita , das Dreckstück, würde heute Abend ebenfalls ein blaues Auge bekommen. Wenn sie Glück hatte.
Faried und Rikki fuhren mit dem BMW raus nach Sea Point, nachdem Faried Rikki ein paar Scheine in die Hand gedrückt hatte. Sie cruisten den Straßenstrich rauf und runter und zogen sich dabei Tupac rein. Auf der Straße arbeiteten ein paar braune Mädchen, alle mit fett aufgetragenem Make-up und Röcken, die gerade mal ihre Pussys bedeckten, aber weit und breit keine Spur von Bonita .
» Ey , ich hab jetzt keinen scheiß Bock mehr, Mann«, meinte Rikki . »Verpissen wir uns .«
»Okay, ich sag dir was. Wir fahren rüber nach Bo-Kaap . Mein Cousin Achmat ist da. Wir können ja später noch mal herkommen, und vielleicht erwisch ich Bonnie dann, wie sie einem Weißbrot den Schwanz lutscht .«
Rikki schüttelte den Kopf. »Ich hab aber keinen Bock auf Bo-Kaap , Mann. Ich will lieber nach Hause .« »Wir können uns ' nen Globe reinziehen. Und dann kommen wir später noch mal zurück .«
»Wie ? Achmat hat 'n Globe für uns ?«
»Nee, den hab ich dabei .«
» Ey , und war um erzählst du Arsch das erst jetzt ?« Rikki riss das Steuer her um, wendete und ignorierte dabei das Minibus-Taxi, dessen Fahrer voll in die Eisen gehen musste.
Rikki raste die Glengariff Road hin auf, wollte links nach High Level abbiegen, den schnellsten Weg nach Bo-Kaap . Aber dann plärrten aus seinem Mobiltelefon, einem winzigen Nokia, das er kürzlich einem Touristen an der Waterfront abgenommen hatte, die ersten Takte von Tupacs » Me against the World«. Rikki fischte das Ding aus seiner Cargo-Hose, sah, wer ihn sprechen wollte, und drückte den Anruf weg. Der scheiß Gatsby . Der fette Bulle wollte Kohle. Kohle, die Rikki nicht mehr hatte.
So abgelenkt verpasste er die Abzweigung und landete stattdessen am Signal Hill.
»Du hast die High Level verpasst«, sagte Faried .
»Weiß ich selbst. Ich fahr 'ne Abkürzung.«
Rikki jagte den Wagen eine schma le Straße hinunter. Schicke Häuser schmiegten sich an den Bergrücken. Dann trat er voll auf die Bremse, und das Auto kam schlingernd zum Stehen. »Hey, du Arsch, was soll der Scheiß ? «, schimpfte der lange Faried , der sich den Kopf am Dach gestoßen hatte. Inzwischen hatte Rikki den Rückwärtsgang eingelegt und fuhr zurück die Straße hin auf. »Hast du deine Kanone dabei ?« »Hat deine Mami 'n Schlüpfer an ?« Faried tätschelte den Colt, der unter seinem Hosenbund her ausragte. »War um ?«
Rikki hielt an und schaltete die Musik aus. »Wir steigen in das Haus da vorne ein .« Er deutete auf ein Haus, dessen Terrasse über die Garage hin ausragte.
Faried starrte ihn an. »Bist du jetzt scheiß durchgeknallt, Bruder, oder was ?«
»Schnell rein und raus. Diese Hütten sind voll mit Krempel und Zeugs. Vielleicht geht was .« Rikki grinste breit und zeigte dabei seine faulen Zähne. »Komm, wir ziehen jetzt den Globe rein und dann los .«
Faried dachte kurz nach, dann zuckte er die Achseln. »Hey, scheiß drauf, war um nicht ?«
Er kramte die Tüte mit Tik Meth und eine von der Elektrik befreite Glühlampe aus seiner Jackentasche. Mit geübtem Geschick füllte er das Tik in die Glasbirne, den Globe , und streckte dann die Hand aus. Rikki hielt sein Feuerzeug dar unter, und Sekunden später saugte Faried gierig eine große Lunge voll Meth ein. Aus der Glaskugel war ein tick-tickendes Geräusch zu hören, der Klang, der der Droge auf den Cape Flats zu ihrem Spitznamen verholfen hatte: Tik . Er hielt den Rauch des Tik in seiner Lunge und reichte die Glaskugel an Rikki weiter, der sofort dar an saugte. Rikki stieß eine dicke Rauchwolke aus.
Es gibt nichts Besseres als Hitlers Lieblingsdroge, wenn man in Partylaune kommen will. Der kleine Mann, der mit der Hand unter Susans Rock, schlängelte sich obszön, rieb seine Hüften an ihr. Seine Lippen öffneten sich leicht, und Burn sah die schwarzen Vorderzähne. Susan öffnete die Augen und sah Burn direkt an.
Der Kerl hinter Burn lachte. »Hey, wir kriegen noch mächtig Spaß heute Abend .«
Und genau in diesem Moment kam Matt zurück ins Zimmer gelaufen. Die Blicke der beiden Männer wurden wie ma gnetisch von dem Jungen angezogen, der schlitternd stehen blieb und sie mit großen Augen anstarrte.
Das gab Burn den Sekundenbruchteil, den er brauchte. Während er sich blitzschnell auf seinem Stuhl umdrehte, schnappte er sich das Tranchiermesser vom Tisch und vergrub es bis zum Heft in der Brust des größeren Mannes. In einer Fontäne schoss das Blut aus dessen perforiertem Herzen. Burn sprang auf, packte ihn, bevor er zu Boden ging, und benutzte den Körper als Schild. Er spürte, wie der schlaksige Mann die Kugel abbekam, die der kleinere Typ jetzt abfeuerte. Dann stieß Burn ihn beiseite, machte einen Satz nach vorn und packte den Schussarm des kleinen Kerls. Durch die Wucht des Aufpralls holte er ihn von den Füßen. Gemeinsam stürzten sie zu Boden. Burn riss den Arm des Mannes nach hinten und hörte den Knochen brechen. Die Kanone fl og scheppernd über die Fliesen.
Susan wich zurück. Burn rammte dem kleinen Burschen ein Knie in die Eier, der sich dar aufhin wie ein Wurm krümmte. Er warf einen kurzen Blick über seine Schulter. Der große Kerl war tot. Das sich schnell auf dem Boden ausbreitende Blut hatte bereits fast Matts nackte Zehen erreicht. Mit weit aufgerissenen Augen stand sein Sohn da.
Burn griff hinter sich nach einem Steakmesser auf dem Tisch.
»Bring Matt hier raus«, befahl er Susan.
»Jack ...«
»Schaff ihn raus !«
Susan lief über den gefliesten Boden, schnappte sich den Jungen und verschwand den Flur hinunter zu den Schlafzimmern.
Mit dem Steakmesser in der Hand kniete Burn über dem kleinen Mann, der ihn jetzt anstarrte. »Mister, wir wollten doch gar nichts tun ...«
Burn zögerte nur einen winzigen Moment, dann senkte er die Hand und schnitt dem kleinen Mann die Kehle durch.
KAPITEL 2
Carmen Fortune fütterte ihren vierjährigen Sohn Sheldon. Er lag in einem kleinen Kinderbettchen, seine verkümmerten Gliedmaßen zuckten und seine blicklosen Augen bewegten sich in ihren Höhlen. Das Essen tropfte ihm aus dem Mund.
Er war drei Monate zu früh auf die Welt gekommen, blind und missgestaltet, mit einem schweren Gehirnschaden. Kein Mensch wusste, wie oder war um er überlebt hatte. Bis auf Carmen. Sie wusste, dass Gott sie gestraft hatte. Dafür sorgte, dass, wann immer sie ihren Sohn anschaute, sie an all das Tik erinnert wurde, das sie geraucht hatte, als sie mit ihm schwanger gewesen war. Er war eine ständige Mahnung an die Hölle, die sie eines Tages erwartete.
Wäre da nicht die Unterstützung, die der Staat jeden Monat für Sheldon zahlte, würde sie ihm ein Kissen aufs Gesicht drücken, und kein Mensch könnte ihr einen Vorwurf machen. Aber Rikki , ihr nichtsnutziger Bastard von einem Ehemann, verqualmte alles Geld, das er zusammenschwindelte oder stahl.
Scheiß drauf, sie war ohnehin schon in der Hölle. Konnte es, mal ganz ehrlich, überhaupt noch schlimmer kommen ?
Carmen war zwanzig, sah aber aus wie dreißig. Von der letzten Tracht Prügel war ihr Gesicht noch völlig verquollen und blau. Rikki schlug sie, weil sie ihm kein normales Kind schenkte, eines,
das er seinen Kumpeln vorführen konnte als Beweis, dass er nicht nur Mutanten zeugen konnte. So nannte er Sheldon nämlich: einen scheiß Mutanten.
Die Ärzte hatten ihr gesagt, dass ihre Gebärmutter hinüber war, sie konnte keine Babys mehr kriegen. Was sie Rikki allerdings nicht mitteilte. Er hätte sie umgebracht. Lieber die Prügel über sich ergehen lassen.
Als sie hörte, wie jemand an die Wohnungstür hämmerte, wusste sie, dass es nur einen einzigen fetten weißen Bastard gab, der das sein konnte.
»Onkel Fatty !« Sie brüllte zu der Stelle hinüber, wo ein uralter, spindeldürrer Mann, der lediglich eine schmutzige Unterhose trug, zusammengesunken vor dem Fernseher hockte. Er trank Wein aus einem Beutel, sein zahnloser Mund nuckelte daran wie an einer Titte. »Onkel Fatty , mach endlich die scheiß Tür auf !« Er nuschelte irgendwas, blieb aber sitzen.
Das Gehämmer ging weiter. Carmen zog ihr Nachthemd zurecht , ging zur Tür und machte auf. Der fette, stinkende Gatsby füllte den Türrahmen komplett aus.
»Er ist nicht hier«, murrte Carmen.
Der weiße Zivilbulle schob sie einfach aus dem Weg und kam herein. Wortlos durchquerte er das kleine Wohnzimmer, steckte den Kopf in die Küche und ging dann weiter in das einzige Schlafzimmer. Sie hörte, wie Schranktüren zugeschlagen wurden, Glas zersplitterte. Keuchend wie eine billige Ziehharmonika kam er wieder raus.
Carmen hatte die Hände in die Hüften gestemmt. »Ich hab's doch gesagt .«
»Wo ist er ?« Gatsby baute sich nur wenige Zentimeter vor ihr auf, und sie spürte seinen widerlichen Atem auf ihrem Gesicht. In seinem Schnurrbart klebten Essensreste.
»Scheiße, woher soll ich das wissen ? Er ist mit Faried unterwegs. Mit dem Auto.«
»Wo sind sie hin ?«
»Keine Ahnung.«
Gatsby hatte sie gegen eine Wand zurückgedrängt. Herr im Himmel, was stank dieser Kerl. »Mach's Maul auf .« »Sie haben irgendwas davon gesagt, dass Farieds Mädchen unten in Sea Point anschaffen geht .«
»Ist das alles ?«
»Ja, das ist alles. Und was soll das hier sein ? Das scheiß schwächste Glied in der Kette ?«
Gatsby funkelte sie von oben her ab an. »Kein Wunder, dass er dich dauernd verdrischt. Dein Maul ist so dreckig wie das letzte Scheißhaus .«
»Und du stinkst wie eines .« Gatsbys Faust schnellte hoch. Sie zuckte mit keiner Wimper. »Schlag mich doch, Bastard. Ich bin's gewohnt .«
Er keuchte und ließ die Hand sinken. »Sag Rikki , diesem verfluchten Bastard, dass ich mein Geld sehen will. Noch heute Abend .«
Sie schüttelte den Kopf. »Viel Glück.«
Gatsby schlug die Tür hinter sich zu, und sie sperrte ab. Onkel Fatty war in einer schnell größer werdenden Urinpfütze ohnmächtig geworden. Carmen ging ins Schlafzimmer und sah sofort, dass der fette Bure ihren Spiegel zerbrochen hatte.
»Männer«, schimpfte sie leise vor sich hin und setzte sich auf ihr Bett. »Die sollen doch alle einfach abkratzen .«
Burn wusch sich in der Küchenspüle das Blut von den Händen. Während er die Hände abtrocknete, lauschte er konzentriert in die Nacht. Nichts. Kein Gebrüll, keine Sirenen, kein besorgter Nachbar, der Sturm klingelte. Er ging an den Leichen vorbei, schloss hinter sich die Tür zum Flur. Burn fand Susan und Matt im Elternschlafzimmer, wo sie auf dem Bett kauerten. Susan hatte ihren Sohn auf dem Arm.
Matt sah ihn über Susans Schulter hinweg an. »Daddy ...«
»Daddy ist da, Matty .« Burn setzte sich zu ihnen aufs Bett. »Alles ist gut .« Er streckte eine Hand aus und streichelte Matt über den Kopf. Er wusste, dass er es nicht länger vermeiden konnte, seiner Frau direkt in die Augen zu sehen. »Alles okay mit dir ?«
Susan starrte ihn an. »Rate mal !« Burn hob eine Hand, wollte ihr Gesicht berühren. Sie wich zurück. »Lass das .« Er ließ die Hand sinken. Sie sah gequält aus. »Und was passiert jetzt ?«
»Ich mache sauber. Beseitige ... die .«
»Einfach so ? Und was dann ? Vergessen wir einfach so, dass das alles passiert ist ? Fahren wir morgen früh schön zum Schwimmen runter an den Strand ?« Ihr Blick nagelte ihn fest.
»Ich habe getan, was ich tun musste«, sagte er.
»Das ist dein Mantra , stimmt's , Jack ? Und du hältst dich dran, komme, was wolle.« Sie starrte ihn immer noch an, feindselig.
Er stand auf. »Tut mir leid .«
»Was tut dir leid ? Dass wir nicht zuhause sind ? Dass du uns an einen Ort gebracht hast, an dem Tiere wie die ...« Sie unterbrach sich, schüttelte den Kopf, bohrte ihre Augen in ihn. »Oder tut es dir leid, dass du einer von denen geworden bist ?«
Er zwang sich, den Blick abzuwenden, wusste nicht, was er dar auf antworten sollte. Er musste aufräumen. Als er die Tür erreichte, sprach sie wieder.
»Jack.« Ihre Stimme hatte etwas sehr Eindringliches. Es war eine andere Art der Angst.
Er drehte sich zu ihr um. Sie zeigte auf eine Blutlache, die zwischen ihren Beinen begann und sich auf der weißen Steppdecke ausbreitete. »Mein Gott, Jack, ich verliere sie ...«
Benny Mongrel kauerte in Hockstellung, zog Rizla-Blättchen und einen Beutel Dinglers Cherry-Tabak aus der Uniformtasche und drehte sich eine Zigarette.
Seit die beiden Männer die Terrasse überquert hatten und im Haus der Amerikaner verschwunden waren, hatte er nicht mehr aus den Augen gelassen. Gesehen hatte er allerdings nichts mehr. Und alles, was er gehört hatte, war dieser eine Schuss.
Bessie hatte sich bei dem Schuss aufgerichtet und angefangen, leise zu winseln. Benny Mongrel hatte ihr beruhigend eine Hand auf den Kopf gelegt. »Pst, Bessie. Ruhig.«
Der alte Hund hatte noch einmal kurz gewinselt und war dann mit einem Seufzer wieder auf den Betonboden gesunken, wo er nun mit einem geöffneten Auge lag.
Benny Mongrel hatte dort gesessen, beobachtet und gewartet. Dar auf gewartet, die Gangster wieder aus dem Haus kommen und mit dem roten BMW in die Nacht davonfahren zu sehen. Doch von den Männern nicht die geringste Spur. Ebenso wenig von dem Amerikaner und seiner Familie.
Der Bursche, der ihn mit Sir angesprochen hatte.
Benny Mongrel war schon vieles genannt worden. Bastard, Buschmann, Abschaum und viele Jahre lang Häftling 1989657. Weiße Männer in Anzügen hatten ihn eine Gefahr für die Allgemeinheit genannt. Braune Männer, die durch sein Messer bluteten, hatten ihn Bruder genannt, während sie um Gnade fl ehten . Er konnte kein Erbarmen für sie aufbringen. Sämtliche Schimpf
worte aus der Gosse der Cape Flats waren ihm schon an den Kopf geworfen worden, seit er aus dem Schoß einer Frau gerissen worden war, die er nie kennengelernt hatte. Aber noch niemals war er von jemandem Sir genannt worden.
Bis auf diesen Amerikaner.
Eines Abends patrouillierten Benny Mongrel und Bessie an der Vorderseite des Baugrundstücks, der alte Hund hatte Mühe mit seinen Hinterläufen, und da war der kleine weiße Junge zu ihnen gelaufen gekommen. Er hatte nur Augen für Bessie gehabt und eine Hand ausgestreckt, um sie zu streicheln. Benny Mongrel war sich nicht sicher, wie Bessie darauf reagieren würde, deshalb zog er sie an der Kette zurück, doch sie wedelte mit dem Schwanz und stand friedlich da, während der Junge ihr verfilztes Fell streichelte.
Dann kam der weiße Mann herüber. Er hatte die Tür zur Straße des Nachbarhauses aufgesperrt, einer Festung mit hohen Mauern wie alle anderen in dieser Straße, als der Junge herübergeflitzt kam.
»Hey, Matt. Immer locker bleiben .«
Der Kerl redete wie die Typen in einer dieser Fernsehsendungen, die sich die anderen Häftlinge im Pollsmoor Prison immer angeschaut hatten. Amerikanisch. Er sah auch ein bisschen so aus wie jemand aus diesen Sendungen, war ziemlich groß, hatte ein sauberes Gesicht und etwas Grau in den dunklen Haaren.
Obwohl es bereits fast sieben Uhr abends war, stand die Sonne noch hoch am Himmel, weswegen er sein Gesicht klar und deutlich sehen konnte, als der Junge zu Benny Mongrel aufschaute. Und genau in diesem Moment ließ der Kleine Bessie los und machte einen Satz rückwärts, als hätte er so ziemlich das Schlimmste gesehen, was man sich überhaupt vorstellen konnte. Er stand da und starrte zu Benny Mongrel hinauf und konnte den Blick nicht abwenden. Er öffnete den Mund zu einem Schrei, brachte aber nur ein klägliches Wimmern her aus.
Der kräftige Kerl nahm den Kleinen auf den Arm und drückte ihm das Gesicht an die Schulter. Dann sah er Benny Mongrel direkt in das gesunde Auge. »Tut mir leid, Sir. Ich entschuldige mich für meinen Sohn.«
Benny Mongrel antwortete nichts. Stand einfach nur da und sah diesen weißen Kerl an, der keinerlei Reaktion zeigte, nicht mal mit der Wimper zuckte, als er das Grauen seiner linken Gesichtshälfte betrachtete. Benny Mongrel lebte bereits über zwanzig Jahre mit diesem Schlamassel aus deformierten Knochen und Narbengewebe. Es machte ihm nichts aus. Dieses Gesicht hatte ihm gute Dienste geleistet. In dem Leben, das er geführt hatte, war es ein Aktivposten gewesen.
Die meisten Menschen reagierten wie der kleine Junge, wenn sie sein Gesicht sahen. Dieser amerikanische Kerl jedoch hatte ihm die Hand hingehalten. »Ich heiße Jack. Ich wohne nebenan.«
Benny Mongrel hatte noch niemals einem weißen Mann die Hand geschüttelt, und er dachte auch nicht daran, jetzt damit anzufangen. Er zog an Bessies Kette, pfiff einmal scharf, damit sie ihren Hintern in Bewegung setzte, und kehrte zurück auf die Baustelle.
Aber etwas an dem Amerikaner hatte sein Inter esse geweckt. Er würde sie von der obersten Etage des Rohbaus im Auge behalten, den großen Typen und seine kleine blonde Frau und den Jungen. In ihrem Haus oder wenn sie mit ihrem schicken Jeep wegfuhren.
Benny Mongrel hatte sich erneut eine Zigarette gedreht. Er gab sich Feuer, wodurch sein verwüstetes Gesicht kurz im Schein des aufflackernden Streichholzes zu erkennen war. Er sog den warmen Rauch tief in die Lungen, und als er ausatmete, hörte er die Sirene.
Der Krankenwagen raste bis zu dem Haus, zwei Sanitäter stiegen aus. Die Tür in der Gartenmauer wurde aus dem Haus aufgedrückt, und Benny Mongrel beobachtete, wie sie ins Haus liefen. Kurze Zeit später trugen die Sanitäter die weiße Frau auf einer Bahre her aus. Sie wurde ins Heck des Krankenwagens geschoben, dann fuhren sie fort. Das Blaulicht war eingeschaltet, die Sirene jedoch blieb stumm.
Benny Mongrel wartete. Verwirrt. Wo waren die Gangster ? Und wo waren die Cops ?
Dann wurde das Garagentor geöffnet, und der kräftige Kerl setzte den Jeep rückwärts her aus. Das Garagentor schloss sich automatisch wieder. Als der Jeep unter ihm vorbeifuhr, konnte Benny sehen, dass das Kind angeschnallt auf der Rückbank saß.
Benny erhob sich aus der Hockstellung und trat an den Rand des Balkons. Er schaute auf den roten BMW hinunter, dann wanderte sein Blick wieder zu dem Haus nebenan. Bessie tauchte neben ihm auf und leckte seine Hand.
Er tätschelte ihren Kopf und flüsterte: »Ich glaube, die sind vor ihre toten Mütter getreten, Bessie.«
Inspector Rudi Barnard, auf den Flats bekannt unter dem Spitznamen Gatsby, durchquerte mit seinem weißen Toyota die Welthauptstadt von Vergewaltigung und Mord, die dunkle Kehrseite der bunten Ansichtskarte des Touristen-Kapstadt. Die Nacht war erfüllt von der üblichen Musik der Cape Flats: Sirenen, Fetzen von Schreien und Gelächter, Schüsse und wummernder Hiphop. Die Flats waren der Ort, wohin in den Zeiten der Apartheid jeder, der keine weiße Hautfarbe hatte, entsorgt worden war, weit weg von den reichen Vororten, die sich wie Edelsteine an den Tafelberg schmiegten. Die Flats waren ein trostloser, öder Landstrich, heimgesucht von Wind und Staub.
Obwohl es gar nicht mal so heiß war, schwitzte Barnard, und an diesem Januarabend tropfte es von seinen Wangen; das Hemd klebte an seinem Bauch, der einem Sumoringer alle Ehre gemacht hätte. Die Fenster des Toyotas waren offen, während er fuhr, doch die Luft lag drückend und schwer wie eine tote Hure über den Cape Flats.
Rudi Barnard liebte drei Dinge: Jesus Christus, Gatsbys und Leute umzulegen. Und hier draußen auf den Flats spürte er diese Liebe am intensivsten.
Die schlichte Stoßstangenaufkleber-Welt wiedergeborener Christen passte gut zu Barnard. Er stand jeden Morgen auf und betete. Anschließend spreizte er seine airbaggroßen Arschbacken und schmierte Preparation-H auf seine Hämorrhoiden, zog Jeans und ein kariertes Hemd an, das er aus dem Big 'n' Tall hatte, einem Laden für Übergrößen, schnallte seine Z88 9-mm-Dienstpistole um und machte sich auf den Weg, um im Namen des Herrn Jesus Christus im Grenzland dem Recht Geltung zu verschaffen.
Ungebeten kam ihm das Bild von Carmen Fortunes Körper in den Sinn, ihre Brüste und Schenkel kaum bedeckt von dem kurzen Nachthemd. Er schob es beiseite. Barnard konnte sich nicht mehr erinnern, wann er das letzte Mal mit einer Frau Sex gehabt hatte. Irgendwann bevor diese Schlampe von seiner Frau ihn schließlich verlassen hatte. Er vermisste weder sie noch die Vögelei. Er hatte diesen Akt schon immer ekelhaft gefunden. Wenn der Drang zu stark wurde, um durch Gebete gebändigt zu werden, verbrachte er einige von Schuldgefühlen gepeinigte Augenblicke in Zwiesprache mit seiner Hand und einer Ausgabe des Hustler .
Um sich von dem Bild der braunen Schenkel der Mischlings braut abzulenken, schnappte er sich das Mikro seines Funkgeräts und bellte eine Fahndungsanforderung nach Rikki Fortunes rotem BMW in das Gerät. Gab durch, der Wagen könne sich in der Gegend um Sea Point befi nden. Er war nicht direkt auf die fünf Riesen angewiesen, die Rikki ihm schuldete. Sein Netzwerk aus Laster und Korruption stellte eine konstante Einnahmequelle dar, die für seine bescheidenen Bedürfnisse völlig ausreichte. Aber einem kleinen Arsch wie Rikki konnte er nicht alles durchgehen lassen.
Furcht war die Basis seiner direkt von Gott gegebenen Macht. Bei dem geringsten Anzeichen von Schwäche würde man Gatsbys Leiche eher früher als später irgendwo draußen auf einem offenen Stück Veld finden.
Das Gesetz des Dschungels.
Im Wartezimmer einer Privatklinik in einem grünen Vorort von Kapstadt schritt Burn unruhig auf und ab, während sein Sohn auf einem Stuhl schlief, seine junge Frau und ihre gelöste Plazenta sich irgendwo hinter einer Schwingtür befanden und zwei Leichen in seinem Wohnzimmer kalt wurden.
Als sie vor drei Monaten die Vereinigten Staaten fl uchtartig verlassen hatten, war nur wenig Zeit gewesen, sich für ein Ziel zu entscheiden. Asien kam nicht in Frage, denn dort wären sie zu sehr aufgefallen, und außerdem hatte er für seine schwangere Frau eine gute medizinische Versorgung sicherstellen wollen. Nicht Europa, das war zu sehr amerikanische Kolonie. Dort wäre es schwieriger gewesen, einfach unterzutauchen. Also blieben am Ende Sydney oder Kapstadt. Australien hatte, trotz seiner enormen Landmasse, nur eine winzige Bevölkerung, und schon bei dem Gedanken daran hatte Burn Platzangst bekommen. Südafrika klang gut, es gab eine Infrastruktur mit westlichen Stan
dards, sofern man sich die leisten konnte, war aber anderer seits auch wieder chaotisch genug, um unerkannt leben zu können. Dieses Chaos hatte nun eine Hand ausgestreckt und sein Leben an der Kehle gepackt.
»Sir ?« Eine hellhäutige junge Krankenschwester in einer frischen weißen Uniform tauchte vor ihm auf. »Sie können jetzt zu Ihrer Frau.«
Burn stand auf und beugte sich vor, um Matt hochzuheben. Die Schwester schüttelte den Kopf. »Tut mir sehr leid, aber der kleine Junge darf nicht mit hin ein.« Sie lächelte. »Keine Angst, ich setze mich zu ihm.«
Burn brachte ein Lächeln zustande. »Danke.«
Susan lag in einem Privatzimmer, das an ein Hotelzimmer erinnerte. Sie lag im Bett, bleich und wunderschön. Sie schlug die Augen auf, als Burn eintrat.
Er zögerte. Dann nahm er ihre Hand. Sie ließ ihn gewähren. »Wie fühlst du dich ?«
»Alles okay, Jack. Meinem Baby geht's gut.«
Er nickte. »Ich weiß.«
»Ich muss einfach nur ein paar Tage hierbleiben.«
»Gut. Lass dich hier gut versorgen.«
Sie zog ihre Hand zurück. »Geh jetzt.«
»Mit dir alles okay ?«
»Ich will einfach nur schlafen.«
»Wir sehen uns morgen.«
Sie nickte, schloss die Augen und entzog sich ihm bereits, als er ging.
KAPITEL 3
Es war kurz nach zehn Uhr abends, als Burn den Jeep Cherokee vor seinem Haus abbremste. Er war angespannt, rechnete schon mit Polizeifahrzeugen und Streifenwagen des Sicherheitsdienstes. Tatsächlich parkten an beiden Straßenseiten mehr Autos als gewöhnlich. Aber es waren die Luxusautos, die auf diesen Straßen normal waren: Cabrios und SUV s.
Nachdem der Wind sich inzwischen gelegt hatte, war der Abend still und heiß, und der scharfe Geruch von tierischem Fett, das auf Holzfeuern briet, zog ihm in die Nase. Er musste gegen eine plötzliche Übelkeit ankämpfen, als er daran dachte, was in seinem Esszimmer auf ihn wartete.
Er betätigte die Fernbedienung der Garage; während das Tor sich öffnete, hörte er Fetzen einer zu stark orchestrierten Version eines Beatles-Songs, auf den er nicht gleich kam, und das Trällern von geziertem Lachen wehte von der Party in einem benachbarten Haus zu ihm herüber. Langsam fuhr er den Wagen in die Garage, ließ dann das Tor wieder herunter. Er saß noch einen Moment da, lauschte seinem auf dem Rücksitz schlafenden Sohn, bevor er die Wagentür öffnete.
Burn trug Matt ins Wohnzimmer und legte ihn aufs Sofa. Die Schiebetür ins Esszimmer war geschlossen. Er hatte sie zugeschoben, damit die Sanitäter, die wegen Susan gekommen waren, nicht das Blutbad dahinter sahen.
Burn ging in die Küche und holte reissfeste schwarze Müllsäcke aus der Schublade neben der Spüle. Er fand eine Rolle Isolier band und ein Teppichmesser, streifte dann Küchenhandschuhe aus Kunststoff über.
Er vergewisserte sich, dass Matt noch schlief, und zog leise die Schiebetüren auf. Burn hatte im Irak Männer getötet, aber das war nichts verglichen mit dem, was an diesem Abend in seinem Haus passiert war.
Der Kampfeinsatz während der Operation Desert Storm hatte sich so surreal angefühlt wie ein Playstation-Spiel; die Hightechwaffen hatten den Tod auf Distanz gehalten.
Das hier war etwas anderes.
Der große Mann lag auf dem Rücken, das Tranchiermesser steckte immer noch tief in seiner Brust. Die Kugel, die er aus der Waffe des kleinen Mannes abbekommen hatte, war unterhalb der Rippen in seinen Unterleib eingedrungen. Er war völlig ausgeblutet. Burn konnte sich auf gewisse Weise mit dem Wissen trösten, dass es ein Reflex gewesen war, den Mann zu erstechen, ein primitiver Impuls, um seine Familie zu schützen.
Einen vergleichbaren Trost gab es jedoch nicht, was den Tod des kleinen Mannes betraf, der in seinem eigenen Blut lag, die milchig-trüben Augen zur Decke gerichtet, die klaffende Wunde am Hals wie ein anklagender Mund. Ihn Mann zu nennen war eine Übertreibung, er sah aus wie höchstens zwanzig, und seine kleine Statur ließ Burns Tat noch brutaler erscheinen. Burn hatte ihn entwaffnet, hatte ihn gewissermaßen entschärft. In einer normalen Welt hätte Burn die Bullen gerufen und es den Ordnungsbehörden überlassen zu tun, wozu sie da waren.
Doch Jack Burn lebte nicht mehr in einer normalen Welt, und die Polizei zu rufen war keine Option gewesen. Also hatte er den dürren Mann ermordet. Und es wurde auch nicht ein
facher, wenn er sich sagte, dass er gar keine andere Wahl gehabt hatte.
Benny Mongrel beobachtete das Haus nebenan.
Er hörte das Zuschlagen von Autotüren und das Lachen eines Mannes. Die Party ein Stück weiter die Straße hin auf war immer noch in vollem Gang. Bessie war den ganzen Abend über nervös gewesen, nach diesem Schuss und der lauten Musik und den weißen Leuten, die wie Pferde lachten. Hauptsächlich aber wegen des Essens, denn der Geruch des über offenem Feuer bratenden Fleischs hatte sie fast wahnsinnig gemacht. Sie saß neben ihm, rutschte immer wieder auf ihren schmerzenden Hüften, die Schnauze immer noch in der Luft, nach dem Geruch von Lamm am Spieß schnuppernd.
Er streichelte ihr filziges Fell. »Keine Angst, altes Mädchen«, flüsterte er. »Morgen wird's für uns was in den Mülltonnen geben.«
Auch Benny Mongrel war nervös. Wieder und wieder dachte er über die Bedeutung der Tatsache nach, dass die Gangster in diesem Haus verschwunden waren.
Die Americans.
Als Benny Mongrel achtzehn war, hatte ein Mitglied der Americans, ein gewisser Bowtie April, mit einer Axt auf ihn eingeschlagen, wodurch er sein linkes Auge verloren hatte und sein Gesicht von der Stirn bis zum Kinn eingedrückt wurde. Mongrel hatte Bowtie getötet, hatte ihm mit bloßen Händen die Kehle her ausgerissen, bevor er sich von den Bullen ins Krankenhaus abführen ließ. Die Ärzte hatten sich einen Scheißdreck inter essiert für einen kleinen kriminellen Wichser wie ihn. Auf den Cape Flats war plastische Chir urgie nicht im Angebot. Sie hatten ihn auf die Schnelle zusammengenäht und anschließend ins Gefängnis gesteckt.
Er war ein Mitglied der Mongrels. Sein Name und die Tattoos, die seinen Körper überzogen, bezeugten das. Als er zum ersten Mal ins Gefängnis kam, wusste er genau, welcher der Zahlen-Gangs er sich anschließen musste. Die Zahlen-Gangs des Gefängnisses: die 26er, die 27er und die 28er. Die beherrschten den Knast. Wer dumm genug war, sich dem Gesetz der Zahlen zu widersetzen, war früher oder später tot.
Oder Schlimmeres.
Die Americans sind immer die 26er. Die Mongrels sind immer 28er. Kein Mensch fragt, war um. Es ist einfach so. Und sie hassen sich. Daher hatten die Männer, die heute Abend vor ihre toten Mütter getreten waren, auch kein Mitleid von Benny Mongrel zu erwarten.
Er schaute zu, wie das Garagentor sich erneut öffnete. Fast Mitternacht. Der Jeep setzte rückwärts raus, das Tor schloss sich wieder. Wieder kamen der Kerl und sein Sohn unter ihm vorbei, als sie fortfuhren.
»Na ja, die haben ja auch 'ne Schweinerei aufzuräumen, Bessie.«
Barnard, der sich zum letzten Mal in dieser Nacht ums Geschäft kümmern wollte, aß immer noch sein Gatsby, als er durch Paradise Park fuhr. Ein Mischling, ein Tik-User, der an Barnard Schutzgeld zahlte, dealte mit Schulkindern aus den reichen Vororten. Die Schulkinder inter essierten Barnard einen Furz, aber die Sache an sich sorgte für Aufregung. Andere Dealer wurden sauer. Lokalpolitiker stellten Fragen nach den Lieferanten des Tik. Und nach dem Schutz, den sie genossen.
Nach seinem Besuch bei Carmen Fortune hatte er seinen fetten Arsch ins Golden Spoon gewuchtet, Heimat des besten Gatsby in Kapstadt. Was bedeutete, der ganzen scheiß Welt.
Kaum hatte die Muslimin hinter der Theke ihn erspäht, brüllte sie auch schon nach hinten: »Einmal Masala Steak mit allem für den Inspector.« Ohne zu fragen, reichte sie ihm ein Pine Nut Double O aus dem Kühlschrank, hielt sich dabei so weit wie möglich von seinem Gestank fern.
Er grunzte, setzte die Flasche an und gluckerte den größten Teil des künstlichen Ananasgebräus in einem Schluck weg. Dann steckte er sich unter dem Rauchen-verboten -Schild eine Zigarette an. Sollte das Miststück doch was sagen.
Ohne ein Wort stellte die Frau sein Gatsby auf die Theke.
Der Gatsby ist für Kapstadt, was der Hotdog für New York ist, und der Gatsby mit allem war Barnards bevorzugter Festschmaus: ein Baguette so groß wie ein Football, gefüllt mit Steakfl eisch, Ei, geschmolzenem Käse und Fritten, das Ganze mit einer dicken Schicht Mayonnaise und scharfer Chilisoße übergossen.
Barnard schob sich den halben Gatsby in den Mund, Soße tropfte von seinen Wangen. Er sprach beim Kauen. »Gib mir noch ein Pine Nut für unterwegs.«
Die Frau hatte ihm eine weitere Flasche gegeben, und er war gegangen, ohne ein weiteres Wort zu verlieren oder zu bezahlen.
Barnard kaute immer noch, als er sich der Wohnung des Tik-Users näherte. Er sah, dass ein Streifenwagen davorstand. Blaulicht flackerte über die Fassade des gedrungenen Gebäudes.
Scheiße, was jetzt ?
Als Barnard seine massige Gestalt aus dem Toyota hievte, gab die Federung des Wagens ein Ächzen von sich, fast als wäre sie erleichtert, ihn los zu sein. Zwei Uniformierte standen in der Nähe eines Knäuels von Leuten, die sich um eine dunkle Gestalt drängten, die auf der Straße lag. Die Bullen erstarrten, als er näher kam. Sie hatten Angst vor ihm. Das gefi el ihm.
»Was ist hier los?«, fragte er mit vollem Mund, den letzten Bissen kauend.
»Ein Drive-by, Inspector.«
Ein Mischlingsmädchen, nicht älter als zehn, lag sterbend auf der Straße. Eine Frau kniete heulend neben dem Kind, Leute versuchten, sie fortzuziehen. Barnard starrte teilnahmslos hin. »Auf wen hatten sie es abgesehen ?«
Der andere Bulle zeigte auf das Haus. »Da drinnen ist ein Gangster. Die haben ihn erwischt, als er reingelaufen ist. Das Mädchen überquerte gerade die Straße.«
»Der Typ, ist er tot?«
»Nein. Verwundet.«
Schade. Barnard ging ins Haus. Im vorderen Zimmer lag zusammengesunken ein etwa zwanzigjähriger dürrer Mischling auf dem Boden, blutete auf den abgewetzten Teppichboden und zitterte vor Angst. Er trug kein Hemd, sein Körper war voller Gang-Tattoos. Er hatte eine Kugel ins Bein abbekommen. Barnard wusste, dass es nicht lebensbedrohlich war. Er würde diese Sache klären müssen, bevor der Wichser ins Krankenhaus abtransportiert wurde und zu reden begann.
Der Junge schaute zu Barnard auf. Wenn er bislang Angst gehabt hatte, dann bekam er es jetzt mit der Panik zu tun.
Eine heulende, etwa fünfzigjährige Frau wischte dem Jungen den Schweiß von der Stirn. Sie sagte immer wieder und wieder: »Bleib wach! Du musst wach bleiben!«
»Geh raus«, befahl Barnard und schickte sie mit einer herrischen Bewegung seiner rosa Pranke hinaus. Sie zögerte, bemerkte den Ausdruck auf seinem Gesicht und beschloss, dass es besser war, ihm zu gehorchen. »Mach die Tür zu.«
Barnard packte den Jungen am Kinn und riss sein Gesicht hoch. »Sieh mich an, Bastard.« Der Junge sah ihn an. »Jerome, verdammt, war um hörst du eigentlich nicht auf mich ? Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht an dieser Schule dealen.«
»Hab ich nicht. Die lügen.« Barnard hob eine Hand. »Schnauze, okay ? Was meinst du, war um die auf dich schießen ? Weil du alle stinksauer machst.« »Inspector, ich werd aufhören. Ich schwör's beim Leben meiner Mama.«
Gatsby schüttelte seinen riesigen Kopf. »Zu spät, Jerome.«
Er zog seine Z88 aus dem Holster und schoss dem Jungen aus kürzester Entfernung ins rechte Auge. Er hatte noch genug Zeit, die Kanone, eine stupsnasige .32er, aus seinem Hosenbund zu ziehen und die Finger des Jungen dar umzuwickeln, bevor die Tür aufflog und die Uniformierten hereinkamen.
»Er hat die Waffe auf mich gerichtet«, sagte Barnard und steckte seine Z88 wieder ins Holster.
Die Uniformierten sahen ihn an, unausgesprochene Fragen überdeutlich in ihren Blicken. Die Mutter des Mischlings drängte sich an ihnen vorbei und nahm den blutenden Kopf ihres Sohns in die Hände. Sie weinte.
Etwas Feuchtes aus dem Gesicht des Jungen war auf Barnards Schusshand gelandet. Er wischte sie an der Rückseite eines Sofas ab, das durchhing wie ein Hund mit Hohlkreuz.
Auf dem Weg nach draußen zu seinem Wagen zündete er eine Zigarette an, mühte sich ab, ein winziges Mobiltelefon aus seiner Jeanstasche zu ziehen, und tippte mit dem Daumen eine Nummer ein. Kein Netz verfügbar. Er würde noch warten müssen, um diesen kleinen Bastard Rikki anzurufen und ihm noch ein bisschen mehr Druck zu machen.
Barnard hörte die Sirene des Krankenwagens irgendwo in der Ferne. Sie verschwendeten nur ihre Zeit.
Das Mischlingsmädchen auf der Straße war ebenfalls tot, wie er erkannte.
Burn fuhr auf der High Level Road, und sein Blick wanderte immer wieder in den Rückspiegel. Die beiden toten Männer lagen in Müllsäcke verpackt unter einer Plane hinten im Jeep. Es war kein Pro blem gewesen, den kleinen Burschen in den Sack zu bekommen und zum Wagen hinunterzuschaffen, der große Mann hatte Burn jedoch eine Menge Schweiß und Mühe gekostet. Zum guten Schluss hatte er ihn noch auf Bauchhöhe abknicken müssen, um ihn überhaupt in den Jeep zu kriegen. Der letzte Körper, den er nach unten getragen hatte, war der seines schlafenden Sohnes gewesen. Burn betete zu Gott, dass Matt nicht aufwachte; der Junge hatte in dieser Nacht ohnehin schon viel zu viel gesehen.
Am liebsten wäre Burn wieder weggelaufen. Hätte seine Sachen zusammengepackt und wäre verschwunden, so wie sie es bereits vor drei Monaten getan hatten. Aber das ging nicht. Noch nicht. Erst wenn sich Susans Zustand wieder stabilisiert hatte.
Auf dem Weg zur Autobahn bog er auf die Sea Point Main Road ein. Ehe er seine Route ändern konnte, fand er sich in einer Straßensperre wieder, orangefarbene Kegel verengten die Straße auf eine Spur, uniformierte Bullen mit Taschenlampen hielten Fahrzeuge an. Eine Straßensperre, um gestohlene Autos, Fahrer ohne Führerschein und Betrunkene her auszufischen.
Hinter ihm bremste ein Auto. Keine Chance zum Zurücksetzen. Er saß in der Falle.
Vor ihm befanden sich zwei Wagen. Die Bullen redeten mit den Fahrern, leuchteten mit ihren Taschenlampen in die Wagen. Einen Mann hatten sie rechts rausgewinkt und überprüften nun das Innere seines Autos sowie den Kofferraum.
Burn begann zu schwitzen.
Schließlich winkte ihn eine Taschenlampe weiter. Ein schwarzer Bulle leuchtete ihm ins Gesicht, als Burn die Scheibe auf der Fahrerseite runterließ. »Guten Abend, Sir. Bitte stellen Sie den Motor ab.«
»Guten Abend.« Burn stellte den Motor ab.
Der Akzent erregte sofort die Aufmerksamkeit des Polizisten. »Sind Sie auf Urlaub hier, Sir ?« »Ich bin eine Weile hier zu Besuch, ja.« Der Bulle richtete den Strahl der Taschenlampe auf den Rück
sitz, wo er den schlafenden Matt bemerkte. »Ihren Ausweis und Führerschein, bitte.«
Burn reichte beides hin aus. Der Polizist verglich das Foto im Ausweis mit Burns Gesicht. Wie immer in solchen Momenten während der letzten paar Monate betete Burn, dass alles der genaueren Prüfung standhielt. Dann warf der Cop einen Blick auf den internationalen Führerschein, gab ihm schließlich beide Dokumente zurück.
»Vielen Dank, Mr. Hill.«
Er schien Burn schon weiterwinken zu wollen, als ein Mobiltelefon zu klingeln begann, ganz hinten im Wagen. Scheiße, dachte Burn, es muss in der Hose des kleinen Kerls stecken. Der Cargo-Hose mit den vielen Taschen. Der Klingelton waren die lauten, durchdringenden ersten Takte eines Hiphop-Songs. Völlig unpassend in diesem Jeep.
Der Bulle hörte das, sah Burn fragend an und ging dann mit hoch über dem Kopf gehaltener Taschenlampe zum Heck des Wagens.
Burn wartete.
Bester Krimi 2009 - KrimiWelt-Jury

Deutscher Krimi Preis 2010

Auf Platz 1 der KrimiWelt-Bestenliste im Mai 2009

Aus den Begründungen (www.arte.tv):

»Smith schreibt nüchtern, mit Hang zur Grotekse und zu bizarren, realistischen Details. Sein nackter filmischer Stil bannt eine Welt, in der nichts feststeht, am wenigsten die Regeln des Zusammenlebens. Stark.«
Tobias Gohlis, Arte, 27.3.2009


»... ein Buch über Scheußlichkeiten. Begangen von scheußlichen Menschen, in einer scheußlichen, ungerechten und menschenfeindlichen Umgebung, die doch nur Menschenwerk ist. Ekel und Abscheu sind da sehr probate Kategorien. Beeindruckend!«
Thomas Wörtche, Plärrer, 02/2009

»Das rabenschwarze Drama "Kap der Finsternis" ist nichts für zarte Gemüter. Roger Smith, bislang im Filmgeschäft tätig, zeigt in seinem ersten Krimi die dunklen Seiten seiner zweigeteilten Stadt. ... das alles sind beinahe modellhafte Figuren und dennoch kreiert Smith daraus ein beängstigendes Opus, inklusive blutigem Show-Down und überraschender Wendung.«
Ingeborg Sperl, Der Standard, 03/2009

Weitere Pressestimmen

»Roger Smith hat einen tiefschwarzen Roman geschrieben, der bisweilen schwer zu ertragen ist. Und trotzdem ist es ein Buch, das jeder Südafrikareisende lesen sollte, um zu begreifen, dass die Idylle am Tafelberg und den Stränden Kapstadts trügerisch ist. Denn das wahre Leben in Südafrika, das findet anderswo statt.«
NDR Info-Programm, 11.6.2009

»Es geht mithin um einen überaus empfehlenswerten literarischen Albtraum«
Literarische Welt, 30.5.2009

»Ein Buch so doppelgesichtig wie Kapstadt zwischen Zuckerbäckerhäuschen und brutalen Slums.«
David Signer, NZZ am Sonntag, 10.5.2009

»Roger Smith hat einen drastischen, furiosen Krimi geschrieben. ...
Roger Smith' neuer Roman ist wie ein Schlag in die Magengrube. Die Wucht von "Kap der Finsternis" spürte man in der aktuellen Krimiszene schon lange nicht mehr. ... Roger Smith inszeniert ein gnadenloses Jagen und Gejagtwerden rund um den Tafelberg. Die grellen Bilder, ihre Wucht und Härte, suchen in der derzeitigen internationalen Krimiszene zweifellos ihresgleichen. Es sind Bilder, in denen sich die Stimme jener zum Untergang Verurteilten artikuliert, die mit dem Ende der Apartheid auf ein besseres, sinnvolleres Leben gehofft hatten.«
Zeit-online, 11.5.2009

»Roger Smith, der als Regisseur und Drehbuchautor in Kapstadt lebt, hat mit "Kap der Finsternis" einen ebenfalls hochtourigen, harten, nüchtern erzählenden Thriller geschrieben.«
Frankfurter Rundschau, 5.5.2009, www.fr-online.de

»Vor dem realen Hintergrund des Verbrechens und der Korruption in seinem Land entfaltet der Südafrikaner sein Drama in bester Noir-Tradition. Politische Korrektheit ... wären an diesem Kap fehl am Platz gewesen. Und wir hoffen darauf, bald mehr von Roger Smith zu lesen. «
Focus online (focus.de), 7.4.09

»Smith ... zeigt schonungslos, wie wenig von den Visionen einer Nach-Apartheidsgesellschaft übrig geblieben ist.«
Stuttgarter Zeitung, 25.3.2009

»Es ist unmöglich dieses Buch nicht zu Ende zu lesen!«
Starnews, 1.5.2009

»Roger Smith erzählt in hohem Tempo, aus wechselnden Perspektiven und mit harten Dialogen. sein Roman ist nicht nur plausible, sondern auch konsequent: Hier ist kein Platz für ein Happy End, nur für Gewalt.«
Sven Boedecker, Sonntagszeitung, 24.5.2009
Tropen Roman Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg (Orig.: Mixed Blood)
3. Aufl. 2010, 359 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50202-2
autor_portrait

Roger Smith

Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Während der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste...

http://www.youtube.com/v/Mp_olIhFUF0

Weitere Bücher von Roger Smith



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