Neuer Partner - neues Glück

So gelingt Ihre nächste Beziehung
Buchdeckel „978-3-608-94508-9
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Pflichtlektüre für alle, die sich noch einmal auf eine Beziehung einlassen wollen.

Dieses Buch richtet sich an Menschen, die gerade eine neue Partnerschaft oder Ehe eingegangen sind oder sich mit dieser Absicht tragen. An Menschen, die den schmerzlichen Prozess einer Trennung oder Scheidung kennen und es beim nächsten Mal besser machen möchten. An alle beziehungserprobten Partner, die mehr über Paardynamik wissen wollen. Die Autoren sind erfahrene Paartherapeuten und stellen ein in der Praxis erprobtes Konzept vor, das funktioniert.

Übung macht den Meister - ein Grundsatz, der leider nicht für Partnerschaften gilt. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit, dass auch die nächste Beziehung in die Brüche geht, ist ziemlich hoch. Meist holen einen die Probleme aus der ersten Partnerschaft wieder ein. Manchmal sind auch noch eine Exfrau, Exschwiegereltern und gemeinsame Kinder vorhanden - oft gepaart mit einer schlechteren finanziellen Ausgangssituation als zuvor. Die neue Partnerschaft endet dann schnell in einer noch größeren Enttäuschung als der erste Versuch.

Der Leser lernt mit Hilfe dieses Buches:
- wie man eine enge Beziehung führt,
- wie man seine Beziehung mit dem neuen Partner aushandelt,
- wie man sicherstellt, dass der neuer Partner das bekommt, was er braucht, während man gleichzeitig all das erreicht, was man sich selbst wünscht.

Leseprobe
Teil 1 Neues Spiel, neues Glück
1 Die alten Fehler vermeiden
Nach einer oder mehreren gescheiterten Beziehungen oder Ehen suchen die meisten Menschen nach der Antwort auf die grundlegende Frage: »Wie kann ich es vermeiden, dass dieselben Fehler, dieselben Probleme auftreten wie in meiner letzten Beziehung ?« Leider lautet die Antwort meistens: »Diesmal suche ich mir einen ganz anderen Partner !« Doch wir geben uns einer Illusion hin, wenn wir glauben, wir könnten uns nach einer gescheiterten Beziehung sofort in eine neue, besser funktionierende Partnerschaft stürzen, ohne uns zuvor mit einem der Hauptgründe für das Scheitern der letzten Beziehung - nämlich uns selbst - auseinandergesetzt zu haben.
Die Wahrheit ist, dass Beziehungen daran scheitern, dass beide Partner schwierige Persönlichkeitsanteile haben, aber nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen, um die Probleme in Angriff zu nehmen. Da gibt es zum Beispiel den Herrschsüchtigen, der immer Recht haben muss, und es gibt das Opfer, dem es immer gelingt, dem anderen die Schuld zuzuschieben. Kaum hat man sich auf die Beziehung eingelassen, taucht eine ganze Horde von inneren Kindern auf: das egozentrische Kind, das sich nur auf sich selbst konzentrieren möchte; das zusammengebrochene Kind, das zu leicht aufgibt; das trotzige Kind, das zu allem Nein sagt; das verängstigte Kind, das sich schutzsuchend hinter einer Abwehrmauer versteckt; und das Kind, das auf der Suche nach der unbeschwerten, immerwährenden Harmonie mit einem liebevollen Elternteil ist. Wir sehen die Person, die vom anderen nichts annehmen kann; den Verstandesmenschen, der zu sehr auf Kontrolle bedacht ist und Gefühle nicht erkennt, oder den überschäumenden emotionalen Typ, der weder seine Gefühle unter Kontrolle hat noch weiß, wie man Grenzen setzt oder respektiert.
Moseleys Gesetz der Anziehung
Aus unserer eigenen Erfahrung und von den Menschen, die in den letzten zehn Jahren an unseren Workshops und Seminaren teilnahmen, haben wir etwas gelernt, das wir als eines der grundlegenden Gesetze einer Paarbeziehung betrachten. Wir nennen es Moseleys Gesetz der Anziehung. Wir fühlen uns von Partnern angezogen, die uns in puncto emotionaler Reife in etwa ebenbürtig sind. Das bedeutet, dass ein Partner, der unter nicht geheilten emotionalen Verletzungen leidet, einen Partner mit ähnlichen Verletzungen anziehen wird (auch wenn es vielleicht anfangs nicht erkennbar ist). Ein Partner, der in einem bestimmten Bereich blockiert ist, wirkt reizvoll auf eine Person mit entsprechender Blockade. Ein Partner mit unausgereiften Persönlichkeitsanteilen entdeckt schließlich, dass er sich zu jemandem hingezogen fühlt, der in etwa den gleichen Entwicklungsbedarf hat. Natürlich ist das am Anfang keinem der beiden bewusst!
Das Gesetz der Anziehung führt zweifellos zu ärgerlichen Situationen, ist aber gleichzeitig eine ideale Voraussetzung für die persönliche Reifung. Das Gesetz erlaubt eine wichtige Schlussfolgerung: Wenn wir den aufrichtigen Wunsch haben, nicht noch einmal dieselben Fehler in der Liebe zu machen, können - und müssen - wir uns selbst ändern. Wenn wir uns einen Partner mit mehr Selbstbewusstheit wünschen, müssen wir uns an die Aufgabe machen, uns selbst besser kennenzulernen . Wenn wir einen reiferen Menschen als Partner anziehen wollen, müssen wir selbst reifen. Wenn wir uns mehr Lebendigkeit beim anderen ersehnen, müssen wir bereit sein, mehr Verantwortung für unsere eigene Lebendigkeit, für das, was wir sind und was wir bewirken, zu übernehmen.
Weichen Sie sich selbst nicht aus
Hier die logische Konsequenz aus dem Gesetz der Anziehung:
Wer Fehler in der Partnerschaft vermeiden will, darf sich selbst nicht ausweichen. Folgebeziehungen, die mit größerer Leichtigkeit beginnen und besser funktionieren, scheinen sich durch vier gemeinsame Merkmale auszuzeichnen:
- Die Partner sind entschlossen, mehr darüber zu lernen, wie sie ihre Wünsche und Bedürfnisse entdecken und ausdrücken können.
- Sie bringen eine größere Bereitschaft mit, persönliche Wertvorstellungen von Anfang an ehrlich zu vertreten . y Sie bemühen sich, mehr darüber zu erfahren, was der Partner braucht (um diese Bedürfnisse erfüllen können).
- Sie unternehmen den engagierten Versuch, eigene Verletzungen zu heilen, bevor sie sich in eine neue Beziehung stürzen .
Schauen wir uns einmal genauer an, was das bedeutet.
Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse entdecken und zum Ausdruck bringen
Versuchen Sie, die folgenden Fragen zu beantworten: Was sind Ihre wichtigsten Bedürfnisse in einer Beziehung? Welche zwei oder drei Dinge brauchen Sie unbedingt von Ihrem Partner, um in Ihrer Partnerschaft glücklich und zufrieden zu sein? Was brauchen Sie, um Kraft zu tanken und sich so lebendig wie möglich zu fühlen? Welche konkreten Schritte kann Ihr Partner unternehmen, um diese Bedürfnisse zu erfüllen?
Die Fragen mögen einfach klingen, doch (wie Sie wahrscheinlich schon herausgefunden haben) fällt es den meisten Menschen sehr schwer, sie vollständig, verständlich und ehrlich zu beantworten. Wenn Sie Ihre eigenen Bedürfnisse nicht formulieren können, wie soll dann Ihr Partner in der Lage sein, sie zu erkennen? Wenn Ihr Partner Ihre Bedürfnisse nicht kennt, wie soll er sie dann erfüllen?
Wir wissen noch gut, wie schwer es uns selbst am Anfang unserer Partnerschaft gefallen ist, unsere Bedürfnisse zu formulieren. Doug litt noch immer darunter, dass es in seiner ersten Ehe jahrelang kaum körperliche Berührungen gegeben hatte. Er wusste sehr genau, dass er sich nur auf eine neue Beziehung einlassen wollte, in der tägliche Zärtlichkeiten dazugehörten. Doch zwischen dieser Erkenntnis und der Fähigkeit, sie auszusprechen, lagen Welten. Es schien ihm ein großes Risiko, so früh eine Forderung zu stellen und womöglich die Liebe seines Lebens zu verlieren, doch schließlich wagte er es. Naomi reagierte etwas verblüfft, als er sie gleich zu Beginn ihrer Beziehung damit konfrontierte, erklärte sich aber einverstanden und wollte versuchen, seinen Wunsch zu erfüllen. Dann war sie an der Reihe, ihre Bedürfnisse in Worte zu fassen. Naomi hatte in den vierzehn Jahren ihrer ersten Ehe viele Enttäuschungen und einen Treuebruch erlebt; deshalb standen Ehrlichkeit und Treue ganz oben auf der Liste ihrer Bedürfnisse. Auf Ehrlichkeit hatten wir uns bereits geeinigt, und jetzt erklärte sie, dass die Beziehung für sie zu Ende wäre, falls Doug sie betrügen würde.
Doug wünschte sich außerdem feste Zeiten für seine Selbsterforschung, mit der er nach dem Ende seiner ersten Ehe begonnen hatte. Naomi hatte das Bedürfnis, Zeit mit Doug zu verbringen und seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu erhalten. Es war ihr wichtig, dass sie regelmäßig intensive Gespräche führten und dass er ihr zuhörte.
Obwohl es uns beide große Überwindung kostete, brachten wir diese Bedürfnisse klar und deutlich zum Ausdruck und legten damit die Grundlage, die unsere Ehe bis heute trägt.
In unseren ersten Ehen hatten wir beide nicht genügend Mut oder Erfahrung aufgebracht, um unsere Bedürfnisse offen und direkt zu äußern. Diesen Fehler wollten wir keinesfalls noch einmal machen. Bei unserer Arbeit ist uns aufgefallen, dass diese Haltung auch bei anderen Paaren, denen ein guter zweiter Start ins Glück gelingt, zu finden ist. Je früher beide Partner ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen, desto besser . Wer eine gescheiterte Beziehung hinter sich hat, kann es sich einfach nicht leisten, das, was ihm wichtig ist, zu ignorieren oder so zu tun, als wäre es ihm gleichgültig.
Ehrlich zu den eigenen Wertvorstellungen stehen
Wenn Partner ihre Wertvorstellungen nicht von Anfang an offen und ehrlich darlegen, ist Ärger vorprogrammiert. Was persönliche Überzeugungen betrifft, neigen wir zu der Annahme, es werde schon alles gut werden, denn »schließlich lieben wir uns ja«. Leider ist es in Wahrheit nicht so gut um unser Wohlwollen bestellt. Die wichtigsten Wertvorstellungen betreffen die vier großen Bereiche Sex, Geld, Kinder und spirituelle Überzeugungen. Danach kommt noch eine ganze Reihe von - großen und kleinen - beruflichen und persönlichen Überzeugungen, über die ebenfalls gesprochen werden muss.
Sex: Wenn zwei Menschen sich auf eine neue Beziehung einlassen und in sexueller Hinsicht nicht harmonieren, dann ist das ein ernstzunehmendes Alarmsignal. Sex bildet einen Großteil des Kitts, der zwei Menschen zusammenhält. Wenn der Sex von Anfang an nicht befriedigend ist, so kann das ein Zeichen dafür sein, dass wichtige Fragen oder Schwierigkeiten im Raum stehen, die möglicherweise gar nichts mit dem Sexualleben zu tun haben.
Geld: Finanzielle Angelegenheiten müssen ebenfalls gründlich besprochen werden. Wer verdient das Geld? Wer soll künftig dafür zuständig sein? Erwartet einer der Partner insgeheim, dass er seine Berufstätigkeit aufgeben kann? Wie soll das gemeinsame Einkommen zusammengelegt und verwaltet werden? Wie geht man mit dem Vermögen um, das einer der Partner in die neue Partnerschaft einbringt? Wie viel muss man für Kinder aus früheren Partnerschaften aufbringen? Wie steht es mit vorhandenen Schulden? Was ist mit Haushaltsplänen? Sparzielen? Die Klärung dieser Fragen erscheint vielleicht als Selbstverständlichkeit , aber oft möchte man in der romantischen Verliebtheitsphase nichts mit solch profanen Dingen zu tun haben.
Kinder: Kaum jemand ist auf die Herausforderungen und mannigfaltigen Probleme vorbereitet, die sich aus der gemeinsamen Elternrolle in einer Patchwork-Familie ergeben. Komplexe Sorgerechtsvereinbarungen, Besuchsregelungen, verletzte und manchmal feindselige Ex-Partner, Zweifel an der Verlässlichkeit des neuen Partners und zerbrechliche neue Bindungen, Restgefühle, übermächtige Egos und vieles mehr können das empfindliche Gleichgewicht der neuen Partnerschaft erheblich stören. Um erfolgreiche Anpassungsstrategien für eine Patchwork-Familie zu entwickeln, müssen beide Partner so gut wie möglich Bescheid wissen. Das ist nichts für Wankelmütige! Je mehr Fragen Sie schon im Vorfeld klären, desto größer ist die Chance für den Bestand ihrer Beziehung.
Wertvorstellungen: In unserer vereinheitlichten Kultur scheinen unterschiedliche Grundhaltungen weniger problematisch zu sein als in früheren Zeiten, doch beide Partner müssen früh in der Beziehung eine klare Vorstellung davon entwickeln, wo der andere steht. Unterschiede, die in der romantischen Phase überwindbar erscheinen, können sich später leicht als große Hindernisse erweisen.
Berufliche und persönliche Überzeugungen: Die meisten frischgebackenen Paare geben sich Mühe, ausführlich über das Thema Beruf versus Familie und über die Ziele ihrer Partnerschaft zu sprechen, doch dabei besteht die Gefahr, banal wirkende Themen zu übersehen, die sich aber häufig im Laufe der Zeit zu schwerwiegenden Problemen entwickeln. Zum Beispiel: Wer ist für das Kochen zuständig? Wie soll die Hausarbeit aufgeteilt werden? Wer putzt die Wohnung? Wie steht es mit Kinderbetreuung, Fahrgemeinschaften, Einkaufen, Rechnungen bezahlen, Verteilung des Wohnraums und ähnlichen Fragen?
Spätestens wenn die Partner unter Stress und Zeitdruck geraten - was unweigerlich geschehen wird -, gewinnen diese Themen enorm an Bedeutung.
Bei der ersten langjährigen Beziehung möchte keiner der Partner den Eindruck erwecken, übertrieben kontrollsüchtig zu sein, vor allem nicht am Anfang. Die Angst vor Ablehnung ist groß, deshalb werden viele Gefühle gar nicht erst geäußert. Romantische Erwartungen bedeuten, dass beide Partner von ungeprüften Annahmen ausgehen - selbstverständlich wird er bei der Hausarbeit helfen; selbstverständlich wird sie nichts dagegen haben, wenn ich Zeit mit meinen Kumpeln verbringe. In späteren Beziehungen muss man sich fragen, ob man diese Themen nicht lieber früher als später klären will. Setzen Sie die rosarote Brille gleich zu Anfang ab, dann wird Ihre Beziehung auf lange Sicht besser laufen.
Mehr über die Bedürfnisse des Partners in Erfahrung bringen
Die Einsicht, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus sind, ist ein guter Anfang, aber wie geht man auf Dauer mit diesen Unterschieden um? Die Partner müssen sich regelmäßig die Zeit nehmen, den anderen nach seinen Bedürfnissen zu fragen und sich auf dem Laufenden darüber halten, ob diese Bedürfnisse tatsächlich erfüllt werden. Dabei ist die Fähigkeit zum aufmerksamen Zuhören besonders wichtig: Nachdem jeder Partner seine Bedürfnisse geäußert hat, sollte man versuchen, das Gehörte mit eigenen Worten wiederzugeben, bis der andere das Gefühl hat, dass seine Botschaft wirklich verstanden wurde. Manchmal kann oder will ein Partner bestimmte Bedürfnisse des anderen nicht erfüllen, und es ist besser, darüber zu reden, als es unter den Teppich zu kehren.
Erst eigene Verletzungen heilen
Allzu viele Menschen stürzen sich sofort in eine neue Liebe, noch bevor sich die Wogen der letzten gescheiterten Beziehung geglättet haben. Obwohl sie sich selbst in der letzten Partnerschaft verloren haben, machen sie sich weis, dass es nicht noch einmal passieren wird. Alle möglichen Angelegenheiten mit dem Expartner und den Kindern bleiben unerledigt. Für ihr Scheitern in der Liebe machen sie immer noch die Vergangenheit und ihren Expartner verantwortlich. Solche Leute können nur auf das Wirken himmlischer Mächte hoffen, da von ihrem eigenen Wirken mit Sicherheit nichts zu erwarten ist.
Wenn wir uns nach einer gescheiterten Beziehung praktisch ohne Luft zu holen in die nächste stürzen, besteht die große Gefahr, dass ein Teil von uns verzweifelt nach einer »Mama« oder einem »Papa« sucht, um die gerade verlorene Elternfigur zu ersetzen. Und zwar je schneller, desto besser, denn dann kann die neue Elternfigur dabei helfen, sich vor der Trauer und dem Schmerz des Verlustes zu verstecken. Der rettende Partner, der sich mit dieser Art von »Beziehungsjunkie« einlässt, ist häufig ungeheuer bedürftig. In klareren Momenten wissen diese Retter, dass der andere mehr Zeit für sich allein braucht, um sich im Leben neu zu orientieren. Doch Retter fürchten so sehr, den anderen zu verlieren, dass sie wider besseres Wissen handeln und sich zu schnell in eine Beziehung verstricken.
Am Anfang passen die beiden großartig zusammen: Hungrig trifft Hungrig. Während der romantischen Verliebtheitsphase ist das kein Problem, doch spätere Probleme sind vorprogrammiert. Wenn man sich zu schnell in eine neue Beziehung stürzt, hat man keine Möglichkeit, die Bindung zum früheren Partner zu verarbeiten und aufzulösen. Wenn alte Bindungen bestehen bleiben, ist einfach nicht genug Raum für den neuen Partner. Mit der Zeit wird der neue Partner es übel nehmen, dass er die Ersatzmutter oder den Ersatzvater spielen soll. Oft benutzt der »Beziehungsjunkie« den neuen Partner - bewusst oder unbewusst -, um den Schmerz einer schwierigen Trennung zu betäuben. Wenn er sich dann wieder erholt hat, kann er häufig auf den Retter verzichten. Die Situation führt zu unzähligen Problemen, die letztendlich schwieriger zu lösen sind als die Probleme, denen man durch den schnellen Wechsel auszuweichen versucht hat.
Wir wissen alle, dass es auf lange Sicht vorteilhafter ist, sich Zeit zu lassen, um sich selbst wieder aufzubauen, bevor man eine neue Beziehung eingeht. Leider sind dabei viele mit Blindheit geschlagen.
Wir alle hungern nach Liebe. Wie viel besser wäre alles, wenn wir uns daran erinnern würden, dass eine erfülltere und reichere Intimität möglich ist, wenn »Satt« auf »Satt« trifft. Wie füllt man die eigene Leere? Wie wird man satter und voller? Indem man sich dem Schmerz und der Trauer vergangener Niederlagen stellt. Indem man weiß, wer man ohne Partner ist. Indem man den eigenen Hunger zulässt und erkennt, ohne ihn überhastet zu stillen. Indem man sich Zeit lässt. Indem man sich selbst realistisch einschätzt. Indem man Verantwortung für sich selbst und sein Leben übernimmt. Indem man bewusst alte Liebesbande auflöst und hinter sich lässt.
Die Wahrheit ist, dass niemand wirklich Lust zu dieser harten Arbeit hat. Die romantische Liebe macht einfach mehr Spaß. Doch wer sich vor dieser Arbeit drückt, wird die zerstörerischen Dramen früherer Beziehungen zumindest teilweise wiederholen. Wer darauf beharrt, seine Expartner für gescheiterte Beziehungen verantwortlich zu machen, wird sehr wahrscheinlich ein böses Erwachen erleben, sobald er sich in einer neuen Partnerschaft eingerichtet hat. Tatsächlich müssen einige Menschen diesen Prozess mehrere Male durchlaufen, bevor ihnen bewusst wird, dass es nur einen einzigen konstanten Faktor in ihren gescheiterten Beziehungen gibt - sie selbst.
Zu einem Streit gehören immer zwei
Viele Partner werden oft schnell fündig, wenn es darum geht, die Fehler des anderen zu entdecken, brauchen aber für gewöhnlich länger dazu, einen kritischen Blick in ihr eigenes Inneres zu wer fen und den persönlichen negativen Beitrag aufzudecken. Zu jedem unbefriedigenden Gespräch, das wir je bezeugt haben, gehörten immer zwei Teilnehmer, und wenn wir genau hinsahen,
stellten wir fest, dass beide in etwa den gleichen schädlichen Beitrag leisteten. In festgefahrenen Beziehungen weigern die Partner sich hartnäckig, ihren eigenen Beitrag zu erforschen und ziehen es vor, mit dem Finger auf den anderen zu zeigen.
Kein Mensch ist von Natur aus ausschließlich »gut« oder »schlecht« oder »stabil« oder »gestört«. Wir alle können liebevoll und fürsorglich und schwierig sein. Und in der Beziehung zueinander werden wir all diese Seiten an den Tag legen. In der Lebensmitte haben die meisten von uns eine ziemlich genaue Bestandsaufnahme der Persönlichkeitsanteile gemacht, die dem Selbstbild, das wir aufrechterhalten möchten, förderlich sind. Und warum auch nicht? Mit diesen Aspekten kommt man vergleichsweise gut zurecht. Etwas anderes ist es mit den Anteilen, die unserem Selbstbild weniger zuträglich sind - den Seiten an uns, die emotional unausgereift, defensiv, kontrollierend, aufgeblasen, ablehnend oder stark mit sich selbst beschäftigt sind. Unser Ego möchte gern glauben, dass wir der ganzen Welt (und vielleicht auch uns selbst) weismachen können, wir hätten diese Seiten nicht, doch so funktioniert das Leben nicht. Wir können die Anteile unseres Wesens, die einer Partnerschaft in die Quere kommen, nicht chirurgisch entfernen oder völlig verleugnen. In einer Beziehung kommen alle Seiten unserer Persönlichkeit ans Licht. Eine Paarbeziehung ist der einzige Ort, an dem wir uns nicht verstecken können.
Wenn wir blind für unsere eigenen schwierigen Anteile sind, sind wir blind für unseren Beitrag zu den Problemen, die in zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten. Die meisten Menschen haben ihr Leben lang versucht, ihren unangenehmen und wenig schmeichelhaften Selbstanteilen auszuweichen und sich davon zu distanzieren. Unsere gesamte Kultur ermuntert uns dazu, stets woanders nach einem Schuldigen zu suchen, wenn etwas schiefläuft . Einige sind so nach außen fokussiert, dass sie ernsthafte Schwierigkeiten damit haben, ihr eigenes Inneres zu erforschen oder überhaupt wahrzunehmen, was sie fühlen. Während wir relativ blind für unsere eigenen wunden Punkte sind, sind wir gleichzeitig sehr geschickt darin, die Aufmerksamkeit auf die Schwächen unseres Partners zu lenken. Wir hoffen, dass Sie nach der Lektüre dieses Buches besser verstehen, wie wichtig es für eine Partnerschaft ist, sich selbst zu erkennen und eigene Verantwortung zu übernehmen.
Die Aufgaben, die wir in diesem Kapitel skizziert haben, mögen im ersten Moment beängstigend klingen, aber sie sind durchaus zu bewältigen, wenn die Partner so früh wie möglich beginnen und die Probleme im Blick behalten . In der ersten festen Partnerschaft oder Ehe fällt es schwer, problematische Muster zu erkennen, weil man noch keine Erfahrung damit hat. In späteren Beziehungen haben wir den großen Vorteil der Erfahrung und der damit einhergehenden Reife. Wenn wir merken, dass alte Muster sich wiederholen, Gleichgültigkeit einsetzt oder innere Vorstellungsbilder auftauchen, die das Glück der Partnerschaft stören, sollten wir diese Zeichen als Ansporn nutzen, um die neue Beziehung mit wachem Bewusstsein zu führen.
2 Der bewusste Entschluss zur Bindung
Der Worte sind genug gewechselt, Lasst mich auch endlich Taten sehn! Indes ihr Komplimente drechselt, Kann etwas Nützliches geschehn . Was hilft es, viel von Stimmung reden? Dem Zaudernden erscheint sie nie. Gebt ihr euch einmal für Poeten, So kommandiert die Poesie. Euch ist bekannt, was wir bedürfen, Wir wollen stark Getränke schlürfen; Nun braut mir unverzüglich dran! Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan, Und keinen Tag soll man verpassen, Das Mögliche soll der Entschluss Beherzt sogleich beim Schopfe fassen, Er will es dann nicht fahren lassen Und wirket weiter, weil er muss.
Goethe
Hier eine Situation, die wir häufig in unserer paartherapeutischen Praxis erleben: Beide Partner sagen, dass sie das Potenzial ihrer Partnerschaft voll ausschöpfen wollen. Doch wenn wir uns durch die erste Schicht des aktuellen Beziehungsgeschehens gearbeitet haben, wird deutlich, dass einer oder beide Partner sich eine Hintertür offenhalten , um die Beziehung zu verlassen, und bereits mit einem Fuß (oder zumindest einem Zeh) auf dem Weg nach draußen sind. In einigen Fällen haben sich die Partner trotz langjähriger Ehe noch nicht wirklich für den anderen entschieden. Wenn so ein Paar sagt, es wolle die Schwierigkeiten, die seinen Alltag belasten, aus der Welt schaffen, ist das im Grunde gleichbedeutend mit dem Bestreben, eine lebensbedrohliche Blutung mit einem Heftpflaster zu stillen.
Diese Art von oberflächlichem Heilungsversuch für eine Beziehung ist Zeitverschwendung. Es sieht vielleicht eine Weile ganz gut aus, aber die Blutung wird immer wieder aufbrechen. Die Partner müssen persönlich reifen, sich in ihrer ganzen Verletzlichkeit preisgeben und Fortschritte in ihrer Beziehungsfähigkeit machen. Diese Art von Arbeit ist nur möglich, wenn zwei Menschen eine feste Grundlage geschaffen haben und entschlossen sind, auch schwierige Zeiten gemeinsam durchzustehen. Um dauerhafte Veränderungen zu bewirken, muss ein angeschlagenes Paar eisern (und » hintertürlos «) entschlossen sein, für mindestens sechs Monate (besser ein Jahr) zusammenzubleiben, und die feste Absicht haben, in dieser Zeit engagiert an sich selbst und der gemeinsamen Beziehung zu arbeiten.
Menschen, die langjährige Partnerschaften hinter sich haben, denken gern, sie hätten die Feuertaufe bestanden, und wüssten alles darüber, was Bindung und Verpflichtung bedeutet. Eine wichtige Tatsache bleibt dabei allerdings unberücksichtigt: Es ist ihnen in der Vergangenheit nicht gelungen, an ihrem Bindungsentschluss festzuhalten. Aus eigener Erfahrung und durch die Beobachtung anderer wissen wir, dass dieses Unterfangen mit der Zeit nicht leichter, sondern immer schwerer wird. Man ist nicht mehr so blind wie beim ersten Mal. Die Zeit ist kostbarer geworden. Frühere Verletzungen haben Narben hinterlassen. Die Selbstschutzmechanismen sind voll aktiviert. Auch erfahrene Partner können davon profitieren, noch einmal ganz unvoreingenommen zu erforschen, was es tatsächlich bedeutet, sich bewusst für eine tiefe, dauerhafte Bindung zu entscheiden.
Der Entschluss zur Bindung: die Grundlagen
Was bedeutet der Entschluss, sich dauerhaft zu binden? Das diesem Kapitel vorangestellte Goethe-Zitat fasst es ebenso treffend zusammen wie alles, was wir je dazu gehört haben. Wir verstehen unter dem Entschluss zur Bindung das Versprechen, sich selbst voll und ganz mit innerer Wahrhaftigkeit in eine wechselseitig definierte und sexuell monogame Erfahrung mit einem anderen Menschen einzubringen. Diese Definition deckt einen Teil dessen ab, was dieses bewusste Engagement bedeutet, doch der Entschluss zur Bindung umfasst noch weit mehr. In Paarbeziehungen ist dieser Entschluss sowohl ein Ergebnis als auch ein laufender Prozess. Er ist ein einmal abgegebenes Versprechen, muss aber im weiteren Verlauf der Beziehung immer wieder neu verhandelt werden. Der Entschluss, sich dauerhaft zu binden, ist eine der wichtigsten Lebensentscheidungen, die jedoch im Grunde nichts bedeutet, wenn sie nicht jeden Tag neu getroffen und eingehalten wird. Wenn Liebespartner zögern, sich wirklich aufeinander einzulassen, können sie das Potenzial für Heilung, Wachstum und Liebe nicht voll ausschöpfen.
Sture Bindungsverweigerer sind für gewöhnlich in der Lage, eloquent darüber zu philosophieren, warum es völlig unerheblich ist, ob man sich in irgendeiner Form festlegt und zu seinem Partner bekennt oder nicht. Doch trotz ihres ausgefeilten Intellekts werden diese Personen nie begreifen können, welcher Zauber von diesem Versprechen ausgeht. Sobald zwei Menschen beschließen, dass sie zusammengehören, eröffnet sich ein ganzes Reich an neuen, ungeahnten Möglichkeiten. [...]
»"Neuer Partner - neues Glück" ist denn auch ein erfreulich ehrlicher und praktisch orientierter Ratgeber.«
Psychologie Heute, 5/2010

»Das Buch hilft, unrealistische Vorstellungen zugunsten echter Emotion loszulassen. Für wen? Alle, die mehr Nähe erleben möchten.«
emotion, 06/2010

Klett-Cotta Aus dem Amerikanischen von Maren Klostermann (Orig.: Making your second marriage a first-class success), mit einem Vorwort von Ines und Bernhard Mäulen
1. Aufl. 2009, 265 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94508-9
autor_portrait

Doug Moseley

Doug Moseley und seine Frau Naomi Moseley sind Eheberater mit Praxen in Neu-Mexiko und British Columbia, Kanada. Sie halten Vorlesungen, Seminare und...

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Naomi Moseley

Naomi Moseley und ihr Mann Doug Moseley sind Eheberater mit Praxen in Neu-Mexiko und British Columbia, Kanada. Sie halten Vorlesungen, Seminare und...

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