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Wie ruiniere ich meine Beziehung - aber endgültig

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»Haben Sie noch etwas mit Ihrem Mann gemeinsam?« - »Ja, wir haben am selben Tag geheiratet.«

Falls Sie in einer festen Beziehung leben, dann sollten Sie dringend darüber nachdenken, wie Sie diesen undynamischen Zustand abstellen können. Und sollte Ihre Beziehung bereits kriseln, dann benötigen Sie dringend Strategien, wie Sie aus der Krise ein handfestes Desaster machen können. Sie brauchen dieses Buch also auf alle Fälle, denn es sagt Ihnen, wie Sie mit einfachen Mitteln Ihre Beziehung innerhalb kürzester Zeit ruinieren können.

Zur Not läßt sich das Buch auch anders lesen: als Anregung dazu, bestimmte, häufig vorkommende und gravierende Fehler zu vermeiden, um somit eine Beziehungskrise zu verhindern oder sogar zu beenden. Man kann die Ratschläge auch so nutzen, daß man die Schwierigkeiten in der Beziehung analysiert, versteht und sein eigenes Handeln ändert. Aber das wäre ja langweilig und würde zu einer stinknormalen Beziehung führen, ohne Dynamik, ohne Mißverständnisse, ohne Teufelskreise und selbsterfüllende Prophezeiungen: kurzum öde, unattraktiv und ohne Herausforderung.

Claudia und Rainer Sachse haben es bislang noch nicht geschafft, ihre Beziehung zu ruinieren, und leben seit 21 Jahren glücklich zusammen.

Inhaltsverzeichnis
Beziehungen führen - die ultimative Herausforderung!
Ratschläge für Anfänger
Sechs Grundschritte, die eine Beziehung ruinieren
Einstellungen mit Crashgarantie -
oder: Je absurder Ihre Vorstellungen, desto stärker der Effekt

Ratschläge für Fortgeschrittene:
Raffinierte Spielchen, die jede Partnerschaft kleinkriegen

»Ich bin ja so arm dran!« -
das Spiel »Armes Schwein«

»Ich kann doch nichts dafür!« -
das Spiel »Opfer der Umstände«

»Immer auf die kleinen Dicken« -
das »Immer-ich-Spiel«

»Mein Name ist Hase« -
das Spiel »Opfer anderer Personen«

»Ich bin dumm, und Du bist schlau« -
das »Blöd-Spiel«

»Wunschlos zu Deinen Diensten« -
das Spiel »Unterwerfung«

»Ich bin hier der Bestimmer!« -
das Spiel »Regel-Setzer«

»Ich bin der Tollste im Universum« -
das Spiel »Mords-Molly«

Zum Schluß

Leseprobe
Los geht´s! Das erste Spiel:
»Ich bin ja so arm dran!« -
oder: das Spiel »Armes Schwein«


Grundregeln

Das Spiel »Armes Schwein« ist sehr beliebt. Der Begriff »Armes Schwein« deutet schon darauf hin, daß die Spieler meist ein »Leiden zur Schau stellen«, daß sie ihre Probleme und ihre Hilflosigkeit übertreiben und man als Spielpartner gut daran täte, alles nicht ganz so ernst zu nehmen und sich innerlich ein wenig davon zu distanzieren!

Der Kern des Spiels ist: »Ich bin so arm dran und hilflos! Ich kann mir selber nicht helfen! Übernimm Du Verantwortung für mich!

Tröste mich, rette mich, tu´ etwas für mich!« Mit etwas Übung kann jeder dieses Spiel spielen. Das Spiel dient vor allem dazu, vom Partner Aufmerksamkeit, Zuwendung und Trost zu bekommen und auch dazu, dem Partner in hohem Maße Verantwortung für bestimmte Bereiche zu übertragen.

Es besteht wie alle Spiele aus Images und Appellen. Eine Person versucht, bei einem Interaktionspartner ein bestimmtes Bild, ein Image zu erzeugen, hier: Das Image, arm dran und hilflos zu sein. Das Image umfaßt z. B.:

- Ich bin besonders arm dran.

- Ich leide sehr stark (unter Problemen, Symptomen, anderen Personen, den Umständen usw.).

- Das Leiden äußert sich in sehr vielen Bereichen, z. B. in Niedergeschlagenheit, Gereiztheit, Schlafstörungen, Ängsten, körperlichen Problemen usw.

- Ich kann nichts für diese Probleme.

- Ich werde benachteiligt, »gebeutelt«, ausgenutzt, usw.

- Ich kann mich nicht wehren.

- Ich kann gar nichts tun, ich bin völlig hilflos.

- Wenn ich etwas tue, dann wird alles nur noch schlimmer.

Das Spiel tritt in ganz unterschiedlichen Varianten auf, z. B.:

Sie: »Mein Chef hat mich heute wieder mal völlig zur Schnecke gemacht, und ich stand da und wußte überhaupt nicht, was ich sagen sollte. Ich konnte die Tränen gerade noch zurückhalten, aber als er weg war, bin ich zusammengebrochen!« (Tatsächlich hat der Chef nur eine kurze kritische Bemerkung gemacht und sie war ein wenig sauer.)

Er: »Ich hab´ ja solche Schmerzen im Arm! Ich kann ihn überhaupt nicht bewegen! Wenn ich versuche, etwas zu greifen, spüre ich einen brennenden Schmerz bis zum Schultergelenk. Das halte ich nicht aus!« (Tatsächlich handelt es sich um ein mittelschweres Ziehen, das man aber durchaus ertragen könnte.)

Sie: »Ich kann nicht mit zu Deinen Eltern gehen; ich kann Deine Mutter nicht ertragen! Wenn ich der nur fünf Minuten zuhöre, bekomme ich unerträgliche Kopfschmerzen und die habe ich dann drei Tage lang!« (Tatsächlich hat sie aber nur keine Lust, mit der Schwiegermutter zu sprechen.)

Sie ziehen: Wir steigern uns weiter von »dramatisch« bis zur rettenden Kavallerie

Wer das Spiel gut spielt, spielt es dramatisch: Er macht dem Partner durch sein Verhalten völlig klar, wie stark er leidet, macht unmißverständlich deutlich, wie hilflos er ist usw. Das tut er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten, Körperhaltung, Stimmlage u.ä.: Man geht gebeugt, die Stimme bebt, man kann die Worte kaum aussprechen, kurz: Das Image ist ein Gesamtkunstwerk! Könnte der Partner objektiv zuhören, dann wäre ihm schnell klar, daß der Anlaß (das, woran die Person angeblich leidet) in gar keinem Verhältnis zum Ausmaß des Leidens steht: Alles ist übertrieben, aufgeblasen, dramatisiert (deshalb auch »armes Schwein«). Aber: Der Partner kann in der Regel nicht objektiv sein; er ist meistens zunächst von der Dramatik beeindruckt!

Es bleibt dann aber nicht beim Image: Die Person erwartet vom Interaktionspartner auch ein bestimmtes Verhalten, d. h. sie sendet Appelle, hier z. B.: »Tröste mich!«, »Hilf mir!«, »Tu´ etwas für mich!«, »Bleib bei mir!«, »Schütze mich!«, »Verlange nichts von mir!« usw. Erwartet wird vom Interaktionspartner z. B.,

- daß er Verantwortung übernimmt;

- daß er konkret sagt, was die Person tun soll (also Ratschläge gibt);

- daß er sich kümmert, der Person Aufmerksamkeit schenkt;

- daß er tröstet, Zuspruch gibt;

- daß er die Person unterstützt, solidarisch ist u. ä.;

- daß er der Person Arbeit abnimmt, sie entlastet.

Wenn Sie das Arme-Schwein-Spiel spielen, müssen Sie sich das Image geben, ganz arm dran, ganz hilflos, ganz allein und auf sich gestellt zu sein. Außerdem müssen Sie deutlich machen, daß Sie leiden, daß es Ihnen (sehr) schlecht geht, daß Sie stark beeinträchtigt sind. Und Sie müssen deutlich machen, daß Sie sich nicht alleine von Ihren Leiden befreien können. Zeigen Sie, daß Sie auf fremde Hilfe angewiesen sind, daß Sie diese unbedingt benötigen. Und denken Sie daran: Sie können das Spiel um so besser und glaubwürdiger spielen, je stärker Sie all das selbst glauben: Also ist es gut, wenn Sie sich selbst in die Inhalte hineinsteigern und sich selbst immer wieder klarmachen, wie gebeutelt und hilflos Sie wirklich sind! Sie müssen diese Hilflosigkeit richtig spüren! Sie muß ein Teil von Ihnen werden! Dann, und nur dann, werden Sie es auch richtig vermitteln können. Dafür benötigen Sie aber wahrscheinlich ein wenig Übung; nutzen Sie also jede Gelegenheit (auch Freunden/ Freundinnen oder Kollegen/Kolleginnen gegenüber), dann beherrschen Sie das Spiel bald auch in seiner Antigone-Variante: Laut jammern und wehklagen, weinen, den Körper verkrampfen, schluchzen (nur in diesem Fall ist das Spiel wirklich ein »Gesamtkunstwerk«: Es wird nicht nur verbal gespielt, sondern unter Einsatz des ganzen Körpers und aller schauspielerischen Fähigkeiten).
[...]
Klett-Cotta
6. Aufl. 2013, 191 Seiten, Breitklappenbroschur, mit ca. 10 Illustrationen
ISBN: 978-3-608-94405-1
autor_portrait

Rainer Sachse

Rainer Sachse, Prof. Dr., Dipl.-Psych., ist Verhaltens- und Gesprächspsychotherapeut, Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie in Bochum...

Claudia Sachse

Claudia Sachse, Dipl-Psych., führt eine eigene Praxis in Bochum und ist Supervisorin am Institut für Psychologische Psychotherapie in Bochum.

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