Phasen der Leidenschaft

Emotionale Entwicklungen in Paarbeziehungen (alter Preis: 24,95 EUR)
Dieses Buch erwerben
gebunden mit Schutzumschlag
leider vergriffen
versandkostenfrei nach D, CH, A; in D, A inkl. Mwst., in CH evtl. zzgl. in CH anfallender Mwst.

Das Kompendium ganzheitlicher Paarberatung

Das Buch geht der Liebes- und Krisendynamik von Beziehungen auf den Grund. Es entwickelt ein Modell der individuellen und gemeinsamen Entwicklung in langjährigen Paarbeziehungen. Damit verschafft es der Paar- und Eheberatung neue Optionen für selbstverantwortliche Konfliktlösungen.

Ehe und Familie haben viel von ihrer Kraft eingebüßt: Wir leben in einer Ära der Leidenschaften; intensiv geteilte Erregungszustände erscheinen vielen als einziger Sinn ihres Zusammenseins. Diese emotionale Dominanz macht heutige Liebesbeziehungen ungewiss und störanfällig. Der Autor beschreibt fünf Phasen in langfristigen Partnerschaften mit den Veränderungen, denen Paare zwangsläufig unterliegen. Wir erfahren, welcher Stärken es bedarf, die dabei entstehenden Konflikte, Stagnationen und Krisen in anstehende Lösungsschritte umzuwandeln.

Die fünf Phasen der Leidenschaft:
1. Phase Verzauberung
Verliebtheit, die Lebenswelt schränkt sich ein auf die Beziehung.
2. Phase Ozeanien
Größtmögliche Intensität, das Alltägliche tritt in den Hintergrund.
3. Phase Einschlüsse und Ausschlüsse
Liebe und Erotik bleiben wichtig, aber der Alltag dominiert. Die Partner leben in zwei Welten, jetzt sind Seitensprünge und Trennungen am häufigsten.
4. Phase Intime Dialoge
Beziehung in Gewohnheit erstarrt (»Loriot-Paare«), das Miteinander-Sprechen wird wichtiger.
5. Phase Fürsorgliches Finale
Gegenseitige Unterstützung der Partner; ihre Leidenschaft ist weniger erotischer als existenzieller Natur.

Inhaltsverzeichnis
Aus Sicht ...
I. Attribute der Leidenschaft
1. Leidenschaft und Bewegung
1.1 Einflüsse
2. Leidenschaft und Empathie
2.1 Der selbstverantwortliche Einzelne
2.2 Leidenschaft zwischen Einsamkeit und Zweisamkeit
3. Leidenschaft und Radikalität
3.1 Eine Landkarte des Paares
3.2 Aufgestöberte Leidenschaften: Ein Fallbeispiel
4. Leidenschaft und Übergänge
4.1 Zur Logik des Übergangsprozesses
4.2 Übergänge können missraten
4.3 Ein Paar übersteht das Chaos
II. Phasen der Leidenschaft
5. Phase I: Verzauberung - Singulare Verliebtheit
5.1 Fallvignetten zur Phase I
5.2 Vorübergehend oder entschieden Single?
5.3 Ambivalenzen (1): Entweder - Oder
5.4 Verliebtheit als mentaler Ausnahmezustand
6. Phase II: Ozeanien - Dyadische Verliebtheit
6.1 Fallvignetten zur Phase II
6.2 Kleines Brevier der leidenschaftlichen Anarchie
6.3 Kanalisierte Anarchie
6.4 Hermetische Sprachen
6.5 Intime Identifikationen
7. Phase III: Einschlüsse und Ausschlüsse - Das Paradox der Liebespartnerschaft
7.1 Fallvignetten zur Phase III
7.2 Balanceakte
7.3 Leidenschaftliche Berechnungen
7.4 Vertrauen und Misstrauen
7.5 Sexualität, Sittsamkeit und Treue
8. Phase IV: Intime Dialoge - Gewohnheiten und Umbrüche, Freundschaft
8.1 Weitere Fallvignetten zur Phase IV
8.2 Gewohnheit und Treue
8.3 Ambivalenzen (2)
9. Phase V: Fürsorgliches Finale - Komplementäre Vertrautheit und dyadische Dämmerung
9.1 Fallvignetten zur Phase V
Aussicht
Literatur
***

Leseprobe
Aus Sicht ...
Never just theorize, but allow the object »to speak back.«
(Mieke Bals)
Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Leidenschaft und damit auch eine Verteidigung der Paarbeziehung. Wie die Liebe ohne die Anwesenheit der Leidenschaft nicht vorstellbar erscheint, so ist das in Liebe verbundene Paar eine moderne Erfolgsformel, das soziale Glücksversprechen, zu dem es vorerst noch keine wirkliche Alternative gibt. Ferdinand Fellmann spricht deshalb vom Paar als der erotischen Rechtfertigung des Menschen (Fellmann 2005), Arnold Retzer von der Sinnstiftung der Liebe (Retzer 2004).
Leidenschaften stehen im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, in Verbindung mit Lebensgemeinschaften, die vom Paar ausgehen, bilden sie aber keine selbstverständliche Kombination. Die Betonung der Leidenschaft ist ein relativ junger Zusatz der Sozialgeschichte. Was in uns heute Sehnsucht und Verlangen auslöst, wird woanders missverstanden, eventuell gar nicht begriffen. Wir verlangen nach Erregung und erregenden Beziehungen, wie es frühere Generationen nicht beansprucht haben und in vielen Gesellschaften auch heute noch wenig Gewicht besitzt (Türcke 2002). Deswegen passiert die leidenschaftliche Liebe nicht mit jeder und mit jedem überall gleich, es gibt Bedingungen, die sie gedeihen und solche, die sie verderben lassen. Leidenschaftliche Erfahrungen hängen von Lebensumständen ab.
Die Etymologie gibt uns Hinweise, dass die ursprüngliche Bedeutung von Leidenschaft begrifflich weiter gefasst war als die heute geläufige. Das mittelhochdeutsche liden hat seine Konnotation von weggehen, erfahren, vergehen und sterben zu verlangen und erleiden gewandelt. Die alte Verwendung zieht äußere Bewegung und innere Bewegtheit als einen ganzheitlichen Prozess der Selbstveränderung zusammen. Das Verb liden war Ausdruck eines Weltverständnisses, welches dem Menschen einst einen bescheidenen Platz inmitten diesseitig und jenseitig wirkender Kräfte zugewiesen hat. Es war ein schmaler Korridor, zwischen kosmischen Mächten eingeklemmt das Leben zu balancieren, ein endloser Passionsweg, der häufig nur um den Einsatz der eigenen Seele gemeistert werden konnte. Ich gebrauche die Metapher Leidenschaft durchgängig sowohl nach dem alten als auch dem modernen Verständnis, meine sowohl den Übergangsprozess als auch die (be)drängende Emotionalität.
Dieses Buch widmet sich vor allem der Leidenschaft aus der Sicht der Paarbeziehung. Im Mittelpunkt steht daher die leidenschaftliche Liebe zwischen zwei gegengeschlechtlichen oder gleichgeschlechtlichen Partnern in einer exklusiven Form. Ein Paar verändert im Laufe der Jahre seine Ästhetik, das heißt seine Kommunikationsformen und seine Erlebensweisen. Aufgrund der gegenwärtigen sozialen Freiheiten sind wir aber kaum in der Lage, zu prognostizieren, wie weit ein Paar gemeinsam gehen wird. Es mangelt an machtvollen Konventionen, wie es noch bis vor kurzem die Ehe und die Familie waren, um sichere Voraussagen machen zu können. Der Geltungsbereich einer Beziehungsform ist momentan begrenzt und ihre Halt gebende Sicherheit gering.
Es fehlen verbindliche Schnittmuster, die einwandfrei durch das Liebesleben führen und festlegen, welche Wandlungen für ein Paar vorgesehen sind, was eine gute/richtige, was eine schlechte/falsche Beziehung ist. Permanent fügen sich neue Lesarten der Leidenschaft und des Paares ein, kommen neue Beziehungsästhetiken hinzu. Wer der Paarkultur durch sein Handeln ein endgültiges Gesicht geben möchte, schreibt nur die Geschichte ihrer Spielweisen fort. So gebärt die Praxis der Liebe ständig neue Variationen des Gelingens und Scheiterns. Leidenschaften lassen sich weder völlig ignorieren noch beherrschen. Sie sperren sich erfolgreich einer letzten Umarmung. Darum erfinden wir das scheinbar Ewige durch unser Handeln immer wieder neu. Wer von der Liebe berichtet, spricht also nur über einen schmalen Erfahrungsausschnitt, seine eigene Leidenschaft und seine eigene Geschichte.
Es ist mein vordringliches Anliegen, Wandlungsprozesse der Paarbeziehung darzustellen. Da Entwicklungen aber nicht in einem neutralen Vakuum stattfinden, ist es unumgänglich, das Buch mit einigen zeitdiagnostischen Hinweisen auf die Begleitumstände leidenschaftlicher Beziehungen zu beginnen. Ich schließe mich damit der Mahnung George Balandiers an, der davon spricht, dass eine Ethnologie, welche die gegenwärtige Situation ihres Untersuchungsgegenstands übersieht, auf die Welt pfeift, in der sie existiert (Balandier 1976). Augenblicklich drängen sich extreme psychosoziale Unterschiede auf engem Raum. Dieser Hintergrund lässt sich berücksichtigen, wenn zwei Blickrichtungen zur Anwendung kommen. Ich veranschauliche und diskutiere deshalb einmal aus Sicht der modernen westlichen Lebenspraxis und -philosophie und zum anderen aus der Richtung traditionaler Gesellschaften, repräsentiert durch die Brille der Kulturanthropologie. Die Dehnung und Verschiedenartigkeit des Bezugsrahmens entspricht den gegensätzlichen Beziehungsmustern, die in modernen Gesellschaften heute aufeinander prallen.
So entwickeln die bestehenden Verhältnisse manche erwärmenden und manche grellen Kontraste und der einzelne Mensch ist angehalten, die Farben seines Soziallebens selbst zu mischen. Aber nicht nur das: Wo das demokratische Grundprinzip der Wahlfreiheit Ernst genommen wird, können Leidenschaften im selben Umfeld auf historisch Überholtes, auf aktuelle soziale Moden und auf ungewohnte, zukünftige Optionen treffen. Das macht die Leidenschaft risikoreich und das Nachdenken über sie nicht einfach.
Es kann bei der Behandlung des Themas nur darum gehen, die Variationsbreite zu durchforsten und sich die Arbeit zu machen, verschiedenartige Beziehungsentwürfe und Umsetzungen wieder holt zu erforschen. Richard Rorty nennt das Vorgehen, bereits beschriebenen Sachverhalten einen zusätzlichen Standpunkt abzuringen, imaginative redescreptions (Rorty 2000). Ich veranschauliche und diskutiere daher mit unterschiedlichen Brillen. Das hat dazu geführt, zwischen dem Ganzen und seinen Details, zwischen allgemeinen Hintergründen und konkreten Geschichten hin und her zu wechseln. Die einzelnen Kapitel sind so aufgebaut, dass sich thematische Haupt- und Nebenstränge verfolgen lassen und es dem Leser überlassen bleibt, auf der breiten Hauptader zu reisen oder, je nach Interesse, auch die inhaltlichen Abzweigungen zu nehmen. Auf diese Weise rege ich an, über veränderliche und unveränderliche Eigenschaften der Leidenschaft nachzudenken. Das setzt das Verständnis voraus, Liebesbeziehungen als Subsysteme einer mehrfach gestalteten Umwelt zu reflektieren und die Spielarten der Leidenschaft als Teile eines Kaleidoskops der Lebenskunst (Schmid 1998).
Collagen sind bekanntlich zusammengesetzt und brüchig. Je nach angespieltem Thema laufen Aussagen gegeneinander, kommt es zu Wiederholungen und manche Passagen widersprechen sich sogar. Trotz der Redundanzen und des fragmentarischen Charakters der einzelnen Kapitel hoffe ich, sinnvolle Betonungen zu setzen, die zum Verständnis der Leidenschaft beitragen. Ich möchte betonen, dass mein Blick auf menschliche Tiefen und Untiefen nicht, wie es von einem Psychotherapeuten vielleicht erwartet wird, auf Pathologien gerichtet ist. Mein Interesse gilt nicht den beschädigten Opfern und hässlichen Tätern, sondern wendet sich Abenteuern zu, die von Zweien kreiert werden. Die Exkurse bevölkern daher Menschen wie Du und Ich, die auf ihre Art am Leben arbeiten, von Sehnsüchten erfüllt, lebenskundig und phantasievoll, in einigem dumm, faul und unverlässlich. Vielen ist ein Happy End vergönnt, viele erleben Glückliches und Schlimmes, viele gehen schlampig mit ihren Möglichkeiten um und viele wissen es nicht besser. Das Meiste, was Menschen an Erlebnissen im Kontext der Paarberatung kommunizieren, auch mancher furiose Vergriff, erscheint mir tolerabel. Meine Akzeptanzversuche geraten regelmäßig da ins Schlingern, wo selbstgerechte Teilnahmslosigkeit herrscht.
Der Text präsentiert viele Sachverhalte nebeneinander und verschlungen und ist deshalb assoziativ und nur passagenweise geordnet. Ich bin auf eine sprunghafte Form ausgewichen, weil dem Thema Trennschärfe nicht bekommt, habe anschauliche Bilder und Geschichten eingerückt, wo es notwendig erschien und hoffe, dass dies über inhaltliche Unzulänglichkeiten hinweghilft. Auf diese Weise konnte ich mit und gegen den Strom sachlicher Strenge schwimmen. Deshalb noch ein kurzer Hinweis zu Sprache und Aufbau des Textes. Marcel Proust hat einmal darauf hingewiesen, dass Literatur nicht Erleben ersetzen kann, aber aus Erfahrungen in kondensierter Form gespeist wird. Literatur pointiert, wenn sie lebendig bleiben will, und konstruiert dadurch, welche Bilder sie für die Dinge des Lebens findet, einen Mangel des Ungesagten und Unerfahrenen. Dieses Paradox der Konzentration versuche ich nicht zu überwinden. Zwischen den Zeilen soll aber immer vorrangig bleiben: Auch die schwerfällige Schildkröte wird von der Gewalt der Liebe hingerafft, wie Remy de Gourmont in seiner Physik der Liebe schreibt (de Gourmont 1990).
[...]
»Klöckners "Phasen der Leidenschaft" bereitet durch die sprachliche Pointiertheit und Originalität der Gedankengänge und durch die Fülle des zusammengetragenen kultur- und sozialwissenschaftlichen Materials ein exzellentes Lesevergnügen, eine inspirierte und inspirierende Auseinandersetzung mit der Leidenschaft, ein Schwelgen im Reichtum von Sprache, Professionalität und Lebensweisheit.«
Lilli Lehner (Psychotherapie Forum, 1/2008)

»... das Werk regt an, neue Fragen und Antworten zu entwickeln und somit den gedanklichen und emotionalen Austausch zu fördern - mehr kann ein Buch nicht leisten.«
Hans-Georg Pflüger (systhema 1/2008)

»Eine sehr erhellende, dank der umfassenden Bildung des Autors auch fast schon philosophisch-literarische Gesamtschau der "leidenschaftlich"-emotionalen Entwicklungen in Partnerschaften. ... Für bewusste Paare und Profis.«
Obsen (ekz-Informationsdienst, 06/2007)

»In diesem Buch wird das Wagnis unternommen, über Leidenschaft in der Paarbeziehung zu schreiben. Das Ansinnen erscheint mutig, und lässt einem Begriff Gerechtigkeit widerfahren, der- zumindest in Bezug auf Liebesbeziehungen- als süßlich-schwüle Schablone des Kitschromans zu verstauben drohte. Die sprachgeschichtliche dokumentierte semantische Wandlung von "liden" in der Bedeutung von weggehen, erfahren, vergehen, sterben zu verlangen, erleiden im Mittelhochdeutschen wird hier zum Ausgangspunkt der Fassung des Begriffs: "Die alte Verwendung zieht äußere Bewegung und innere Bewegtheit als einen ganzheitlichen Prozess der Selbstveränderung zusammen. (...) Ich gebrauche die Metapher Leidenschaft durchgängig sowohl nach dem alten als auch dem modernen Verständnis, meine sowohl den Übergangsprozess als auch die (be-)drängende Emotionalität." Gleich zu Beginn zeigt sich hier, was für das gesamte Buch charakteristisch ist: sorg- und vielfältige Recherche und wo möglich eine präzise Bestimmung des Gegenstands; klare Definitionen stehen manchmal auch neben einem offenen Bekenntnis zur Unmöglichkeit genauerer Bestimmung. Ausgewogenheit und die Anerkennung einer Gleichzeitigkeit von scheinbar Gegensätzlichem kennzeichnen die inhaltlichen Ausführungen; der Hybris, alles wissen und vermessen zu können, wird konsequent widersprochen. Insofern empfiehlt sich die Lektüre auch für BeraterInnen und TherapeutInnen als Mittel gegen die déformation professionelle...
Wie mit einem grobmaschigen Netz überzieht der Autor Wandlungsprozesse in Paarbeziehungen mit einem Phasenmodell, das wie eine Art Kompass wirkt, vieles lässt sich darin orten, wenig allerdings werten. Die fünf Phasen der Leidenschaft in langfristigen Beziehungen, die hier als wesentlich unterschieden werden, sind jeweils mit Fallvignetten hinterlegt und illustriert, die auf reichhaltige Beratungspraxis des Autors hinweisen; literarische, poetische und filmische Belege bereichern die Lektüre zusätzlich und regen eigene Gedanken an. Betritt die Leserin den Gedankenraum der einzelnen Kapitel, so begegnet ihr atmosphärisch sehr verschiedenes, wie es im wirklichen Beziehungsleben eben auch ist:
Ein Unterkapitel zu Phase II, Ozeanien - dyadische Verliebtheit verlockt schon allein vom Titel: Kleines Brevier der leidenschaftlichen Anarchie. man stellt sich fast vor, wie man ein kostbares Bändchen auf einem Dachboden gefunden haben könnte und sich ebendort mit gerötetem Kopf, heimlich hoffend (vergeblich!) auf Leidenschaftliches der schwülen Sorte, fest liest... In Phase III: Einschlüsse und Ausschlüsse - das Paradox der Liebespartnerschaft wird es nüchterner, vom Ton und von der Sache her: die Thesen des Autors zu "leidenschaftlichen Berechnungen" bezeugen eine Ökonomisierung der Beziehung; Partner vermessen sich gegenseitig nach Tauschwert und Gebrauchswert, werden zur Aktie in der "Sparkasse des Lebens".
Der letzte Teil rührt an, die Phase V: "Fürsorgliches Finale" geht einher mit dem Verlust aller Gewissheiten. Es ist der kürzeste Teil, diese Zeit scheint am wenigsten dem forschenden, analysierenden Blick freigegeben. Die Beschreibung tastet sich dezent an das Ende heran, das Finale des Paares und zugleich auch des Lebens.

Die Lektüre des Buches zieht von Anfang an in den Bann: kluge Analysen werden im Plauderton präsentiert, der dem Thema über die elegante Sprachführung und viele Bilder spielerische Leichtigkeit verleiht.
Jeder und Jede kann sich gemeint fühlen, wo immer, an welchem Ufer der Leidenschaft er oder sie sich gerade befindet. Unwillkürlich beginnt man lesend, dargestellte Erfahrungen mit eigenen zu vergleichen, da ist man schon eingetaucht ... Die Lektüre lädt unaufdringlich ein, mit dem Autor gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen, spürt nach, tritt in einen Dialog ein über die vielfältigen Bezüge. Ja, den Doktor Schiwago hat man ja auch gesehen, ebenso wie Don Juan de Marco, ja genau....Literarische Bezüge werden fein versponnen, wesentliche theoretische Bezugspunkte sind Kulturanthropologie und Ethnologie, gestalttherapeutische und systemische Ansätze.
In keiner Weise vereinfachend trägt das Buch der Komplexität heutiger Lebensbezüge Rechnung. Vieles steht nebeneinander, ohne den einzelnen Teilen dieses Konglomerats die Daseinsberechtigung zu entziehen. Wohltuend hebt es sich ab von jeglicher Ratgeberliteratur, Wünsche nach Handlungsempfehlungen werden kaum befriedigt. Allenfalls sind Empfehlungen zwischen den Zeilen interpretierbar, werden nie aufgedrängt und bleiben stets an die Subjektivität des Autors gebunden. Am deutlichsten wird vielleicht noch in den psychosozialen Schlüsselqualifikationen eine Art Handlungssystem vermittelt (S. 175f), wo im übrigen eine enge Parallele zur interkulturellen Kompetenzen sichtbar wird: "eine generelle Bereitschaft zu Unsicherheit und Toleranz" und "die flexible Beherrschung psychischer und kommunikativer Mehrsprachigkeit" etwa wirken sich in der Interaktion von Beziehungspartnern günstig aus, genauso wie im Austausch zwischen den Kulturen. Auch andere Kulturen, das zeigen Geschichte und heutige Realität zur Genüge, lassen sich nicht endgültig domestizieren, genauso wenig Menschen in einer Liebesbeziehung:
"die Ungewissheit macht den Reiz von Liebespartnern aus, die immer sie selbst bleiben, gleichgültig ob sie ihre Eigenheiten bis zur Unkenntlichkeit dem anderen angepasst haben oder sonstige Kannibalismen über sich ergehen lassen"(S.188).
Konzepte der Gestalttherapie, etwa Phasenmodelle oder auch Kontaktfunktionen wie die Konfluenz, werden hier überzeugend einbezogen. Das Kapitel "eine Landkarte des Paares" gibt Anregungen für die Paartherapie, indem es ein am Gestalt-Institut Frankfurt (GIF) entwickeltes Procedere für eine mehrfach untergliederte Befragungsperspektive darstellt.
Die Lektüre des Buches wirkt, obwohl sie es den Lesern nicht immer leicht macht, die verschlungenen Bezüge mit zu gehen, seltsam nährend und die Seele beruhigend, etwa wie ein Stück feinster Schokolade, aus sorgfältig gewählten Zutaten nach den Regeln der Handwerkskunst gefertigt, im Genuss bitter zart. Trotz einer Distanzierung vom Hollywood - Happy End, oder eben gerade deswegen, scheint echte Romantik durch und tröstet.
Die Liebe bleibt rätselhaft und verliert ihre Faszination nicht trotz aller geschilderten Niederungen, Irrungen und Wirrungen, oder lassen wir es den Autor sagen: "Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Leidenschaft und damit auch eine Verteidigung der Paarbeziehung.«
Jutta Müller (Zeitschrift GESTALTTHERAPIE 2/2007)
Klett-Cotta Fachbuch
1. Aufl. 2007, 262 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94432-7
autor_portrait

Detlef Klöckner

Detlef Klöckner, Dipl.-Psych., arbeitet als freier Supervisor und als Psychotherapeut in der Psychotherapeutischen Ambulanz des Gestalt-Instituts ...


Termine alle

  • Mi 15.03
    Mainz | Buchpremiere
    Das Mädchen im Strom
    Sabine Bode
    mehr Infos
  • Fr 17.03
    Leipzig | Tagung
    3. Ostdeutschen Psychotherapeutentag
    mehr Infos
  • Sa 29.04
    Boppard am Rhein | Vortrag
    Psychosomatische Beschwerden, ihre Ursachen und Therapiemöglichkeiten
    Hanne Seemann
    mehr Infos
alle Termine zu Fachbücher

Weitere Fachbücher

Junfermann
zum Junfermann-Verlag

Das könnte sie interessieren

Psychologie der Liebe

Persönliche Entwicklung durch Partnerbeziehungen

Systemische Sexualtherapie

Preiswerte Sonderausgabe in broschierter Ausgabe

Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
 
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, CH, A

in D und A inkl. MwSt.,
evtl. zzgl. in CH anfallende MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de