Shadowmarch. Band 2

Das Spiel
Buchdeckel „978-3-608-93718-3
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Band 2 des neuen Fantasy-Epos von Tad Williams

Der königliche Vater in Gefangenschaft, der Feind vor den Toren und Verräter in den eigenen Reihen - das Schicksal der Südmark liegt in der Händen der Zwillinge Barrick und Briony. Auf dem Hause Eddon scheint ein Fluch zu liegen ...

Eine riesige Elbenarmee überschreitet die Schattengrenze, und nichts scheint sie aufhalten zu können. Als Barrick in die Hände der heimtückischen Feinde fällt, ist Briony gezwungen, aus der Südmarkfeste zu fliehen.

Ist es das Schicksal der Völker Eions, zwischen den Armeen der Elben und des Autarchen zerrieben zu werden? Gelingt es Briony, in der Fremde Unterstützung zu finden, um den Thron zurückzuerobern? Und ist Barrick der Herausforderung gewachsen, die ihn immer weiter in die Schattenlande hineinführt ...?

Ein echter Tad Williams: vielschichtig erzählt und voller Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Seine »Otherland«-Tetralogie ist eines der großen Meisterwerke der modernen Phantastik und wurde zum Weltbestseller. Mit der »Shadowmarch«-Trilogie knüpft er an seinen ersten großen Erfolg, die Saga um den »Drachenbeinthron«, an.

Leseprobe
Kapitel 1: Auf der Flucht

Wenn, wie viele der Tiefen Stimmen glauben, das Dunkel ebenso etwas ist wie das Licht, was kam dann als erstes nach dem Nichts - das Dunkel oder das Licht ? Die Gesänge der ältesten Stimmen behaupten, dass da ohne einen Hörenden kein erstes Wort sein könne: dass das Dunkel war, ehe das Licht wurde. Die einsame Leere gebar das Licht der Liebe, und danach schufen sie alles, was sein würde - das Gute und das Schlechte, das Lebendige und das Unbelebte, das Gefundene und das Verlorene.
(Einhundert Grundsteine, Buch der Trauer)
Es war ein schrecklicher Traum. Der junge Dichter Matty Kettelsmit trug eine Trauerode für Barrick vor, lauter hochtrabenden Quatsch über die liebenden Arme Kernios’ und den warmen Schoß der Erde, aber Briony sah mit Entsetzen, wie der Sarg ihres Zwillingsbruders wackelte und bebte. Etwas darin wollte heraus, und der alte Hofnarr Puzzle mühte sich, den Sarg zuzuhalten. Er umklammerte ihn mit der ganzen Kraft seiner dürren Arme, während der hölzerne Kasten unter ihm zitterte und der Deckel knackte und ächzte.
Lasst ihn raus, wollte sie schreien, konnte aber nicht - ihr Schleier war so dicht und lag so eng an, dass sie nichts herausbrachte. Sein Arm, sein verkrüppelter Arm ! Was musste er für Schmerzen leiden, ihr armer, toter Barrick, wenn er in dieser Enge so heftig kämpfte.
Andere Anwesende, Höfl inge und königliche Garden, halfen dem Hofnarren, den Deckel niederzudrücken. Dann trugen sie den Sarg hastig aus der Kapelle. Briony eilte hinterher, doch statt in die Sonne des grasbewachsenen Friedhofs führte der Ausgang der Kapelle direkt in ein Labyrinth von dunklen, steinernen Gängen. In ihren sperrigen Trauerkleidern konnte Briony mit dem eiligen Trauerzug nicht Schritt halten und verlor ihn rasch aus den Augen; bald hörte sie nur noch das erstickte Keuchen ihres geliebten Zwillingsbruders, der dort gefangen im Sarg lag, aber auch diese letzten Laute wurden immer schwächer ...
Mit rasendem Herzen fuhr Briony hoch und fand sich in eiskaltem Dunkel, aus dem ferne Sterne glitzerten. Das Boot schaukelte unter ihr, und die Ruder quietschten leise in ihren Halterungen, während Ena, das Skimmermädchen, mit der mühelosen Geschmeidigkeit eines spielenden Otters die Ruderblätter durchs Wasser zog.
Nur ein Traum! Zoria sei Preis und Dank! Dann lebt Barrick also noch - ich wüsste es, wenn nicht. Doch obwohl der Rest des schrecklichen Albtraums dahingeschmolzen war wie Nebel, war das raue, mühsame Atmen immer noch da. Sie drehte sich um und sah Shaso dan-Heza hinter sich im Boot lehnen, die Augen geschlossen, die Zähne zusammengebissen und gebleckt, sodass sie in seinem dunklen Gesicht vom Sternenlicht schimmerten. In seiner Kehle rasselte es; der alte Tuanikrieger schien dem Tod nahe.
»Shaso ? Könnt Ihr sprechen ?« Als er nicht antwortete, packte Briony das Skimmermädchen an der schmalen, festen Schulter. »Er ist krank, verfluchtes Geschöpf ! Hörst du’s denn nicht ?« »Natürlich höre ich ihn, Herrin.« Die Stimme des Mädchens war überraschend hart. »Glaubt Ihr, ich wäre taub ?«
»Tu was ! Er stirbt !«
»Was soll ich denn tun, Prinzessin Briony ? Ich habe seine Wunden gereinigt und verbunden, ehe wir das Haus meines Vaters verlassen haben, und ich habe ihm gutes Seekraut als Arznei gegeben, aber er fiebert immer noch. Er braucht Ruhe und ein warmes Feuer, und vielleicht würde ihm nicht mal das helfen.«
»Dann müssen wir an Land ! Wie weit noch bis zur Küste von Marrinswalk?«
»Noch mal die halbe Nacht, Herrin, mindestens. Deshalb fahre ich ja wieder zurück.«
»Zurück ? Hast du den Verstand verloren ? Wir sind auf der Flucht vor Mördern ! Die Burg ist jetzt in den Händen meiner Feinde !«
»Ja, und die Feinde werden Euch hören, Herrin, wenn Ihr so laut schreit.«
Briony konnte das Gesicht unter der Umhangkapuze kaum erkennen, aber sie merkte auch so, dass das Mädchen sich über sie lustig machte. Dennoch, in einem jedenfalls hatte Ena recht: »Gut, ich werde leiser reden - und du wirst dich klar und deutlich ausdrücken ! Was hast du vor ? Wir können nicht auf die Burg zurück. Dort wäre Shaso der Tod sicher, da könnten wir ihn ebenso gut hier und jetzt ins Wasser werfen. Und mich würden sie auch töten.«
»Ich weiß, Herrin. Ich hab ja nicht gesagt, dass ich Euch wieder zur Burg zurückbringe. Ich hab nur gesagt, ich rudere wieder zurück. Wir brauchen so schnell wie möglich ein Dach überm Kopf und ein Feuer. Ich bringe Euch an eine Stelle in der Bucht, östlich der Burg - Skean Egye-Var heißt sie bei meinem Volk - ›Erivors Schulter‹ in Eurer Sprache.«
»Erivors Schulter ? So einen Ort gibt es nicht ... !«
»Doch, und da steht ein Haus - ein Haus, das Eurer Familie gehört.«
»Es gibt keinen solchen Ort !« Einen Moment lang war Briony so wütend und entsetzt bei der Vorstellung, dass Shaso in ihren Armen sterben würde, dass sie das Mädchen beinahe geschlagen hätte. Dann begriff sie plötzlich. »M’Helansfels ! Du meinst das Jagdhaus auf dem M’Helansfels.«
»Ja. Und da vorn ist es.« Das Skimmermädchen hielt die Ruder still und zeigte auf eine dunkle Erhebung am nahen Horizont. »Preis sei denen in der Tiefe, da scheint niemand zu sein.«
»Da hat auch niemand zu sein - wir waren diesen Sommer nicht dort, jetzt, wo Vater weg ist und überhaupt. Kannst du dort anlegen?«
»Ja, Herrin, wenn Ihr mich drüber nachdenken lasst, was ich tue. Um diese Nachtzeit, kurz vor dem Morgen, ist die Strömung stark.«
In bangem Schweigen saß Briony da, während das Skimmermädchen die Ruder so geschickt bewegte, als wären sie Fortsätze ihrer Arme, und das bockende Boot in einem quälend langsamen Bogen um die Insel steuerte, auf der Suche nach der Einfahrt zwischen den Felsen.

Kapitel 2: Der Sog der Tiefe
Am Anfang waren die Himmel nichts als Dunkel, aber Zo kam und vertrieb das Dunkel. Zurück blieb nur Sva, die Tochter des Dunkels. Zo fand sie hübsch, und gemeinsam machten sie sich daran, zum Guten über alles zu herrschen.
(Der Anbeginn der Dinge, Buch des Trigon)
Trotz des rauschenden Regens, der auf die bemoosten Steine platschte und von den Bäumen troff, die sich über sie beugten wie tadelnde alte Männer, machte der Junge keinen Versuch, sich zu bedecken. Tropfen schlugen ihm gegen die Stirn und rannen ihm übers Gesicht, aber er verzog keine Miene. Bei seinem Anblick fühlte sich Ferras Vansen einsamer denn je.
Was tue ich hier ? Man sollte doch meinen, keine Macht der Götter oder der Erde hätte mich je wieder in diese verrückte Gegend bringen können.
Doch die verheerende Mischung aus Scham und Begehren war offensichtlich stärker gewesen als jeder Gott, denn jetzt war er wieder jenseits der Schattengrenze, in einem weglosen Wald aus sichelblättrigen Bäumen und Schlingpflanzen voller triefender, schwarzer Blüten, getrieben von der Angst, dass er, wenn er den Jungen verlor, noch mehr Leid über die Eddons bringen würde - vor allem aber über Barricks Schwester, Prinzessin Briony.
Über ihnen zuckte das fahle Glimmen verborgener Blitze, Donner grollte, und es schüttete immer heftiger. Vansen hatte genug: Auch wenn es einen weiteren Kampf mit dem erstarrten Prinzen bedeutete - heute konnten sie nicht mehr weiterreiten. Wenn sie nicht vom Blitz erschlagen würden oder sich ein tödliches Fieber holten, würden ihre Pferde blind in einen Abgrund stolpern, und sie würden auf diese Weise umkommen. Selbst Barricks seltsames, dunkles Elbenpferd mit den milchigen Augen zeigte Anzeichen von Ermattung, und Vansens eigenes Tier war kurz davor, gänzlich den Dienst zu verweigern. Kein vernünftiger Mensch würde bei solchem Wetter durch unbekanntes Gelände reiten.
Aber natürlich war Barrick Eddon im Augenblick alles andere als vernünftig: Der Prinz machte keine Anstalten, sein Reittempo auch nur zu verlangsamen, und war schon fast außer Sicht.
»Hoheit !«, rief Vansen über das Rauschen des Regens hinweg. »Wenn wir weiterreiten, bringen wir die Pferde um, und ohne sie überleben auch wir nicht.« Zeit war jenseits der Schattengrenze eine trügerische Angelegenheit, aber sie mussten schon mindestens einen Tag durch dieses endlose Zwielicht geritten sein. Nach einer schrecklichen Schlacht und einer schlaflosen Nacht in den Felsen am Rand des Schlachtfelds war Vansen jetzt schon so erschöpft, dass er Angst hatte, das Gleichgewicht zu verlieren und aus dem Sattel zu kippen. Wie konnte der Prinz weniger müde sein ?
»Bitte, Hoheit ! Ich weiß nicht, wo Ihr hinwollt, aber bei diesem Wetter werden wir niemals heil dorthin gelangen. Lasst uns einen Unterstand errichten und rasten, bis das Gewitter vorbei ist.«
Zu seinem Erstaunen zügelte Barrick plötzlich sein Pferd und wartete im prasselnden Regen. Der Jüngling sträubte sich nicht einmal, als Vansen heranritt und ihn mehr vom Pferd zog, als dass er ihm herunterhalf. Dann saß er still auf einem Stein wie ein folgsames Kind, während der Gardehauptmann sich fluchend und schimpfend bemühte, aus nassen Zweigen eine Art Wetterschutz zu konstruieren. Es war, als wäre der Prinz gar nicht richtig anwesend, als vergrübe er sich irgendwo tief in seinem Körper wie ein kranker Mann in einem riesigen Haus. Barrick Eddon sah nicht einmal auf, als Vansen versehentlich seine Wange mit einem kratzigen Kiefernast streifte, und auch auf die Entschuldigung des Gardehauptmanns reagierte er nur mit einem trägen Blinzeln.
In seiner Zeit auf der Burg hatte Vansen oft gedacht, dass die hohen Herrschaften in einer anderen Welt lebten als er und seinesgleichen, aber noch nie hatte er das so deutlich empfunden wie jetzt. [...]

(Eine ausführlichere Leseprobe finden Sie unter tadwilliams.de)
»Wie im "Herr der Ringe" stehen hier keine mit dem Schwert erprobten Heroen im Zentrum, sondern Figuren, die zunächst wenig geeignet scheinen, sich in der feindlichen Welt, in die sie geworfen werden, zu bewähren. ... Aber anstatt nur bewährten Bahnen zu folgen, bahnt er [Tad Williams] lieber einige frische, die dem Leser überraschende Aussichten auf ein vertrautes Gelände eröffnen.«
Christoph Haas, Süddeutsche Zeitung, 11.4.2008

»Williams versteht es von der Zwiespältigkeit der Macht zu erzählen, von der plötzlichen Kluft zwischen dem, der sie erlangt, und denen, die ihr unterworfen sind. ... Die Intelligenz und der Erfindungsreichtum von Tad Williams sind allerdings beachtlich und lassen auch einen Leser, der nicht zum eingeschworenen Fanzirkel gehört, die nächsten Bände mit Spannung erwarten.«
Christoph Haas, Süddeutsche Zeitung, 7.3.2006
Hobbitpresse Roman, aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann (Orig.: Shadowplay)
2. Aufl. 2014, 814 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen, Karten
ISBN: 978-3-608-93718-3
autor_portrait
Marijan Murat

Tad Williams

Tad Williams ist ein kalifornischer Superstar. Seine genre-erschaffenden und Genregrenzen sprengenden Bücher wurden mehrere zehn Millionen Male...

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