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Imaginäres Museum

Eine literarische Kunstsammlung

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Ein schön ausgestattetes Lesebuch mit literarischen Kunstwerken, die in der Realität nicht existieren könnten.

Diese einmalige Kunstsammlung enthält Geschichten von so unterschiedlichen Meisterwerken wie etwa Martial Canterels groteskem Mosaik aus menschlichen Zähnen, den gewaltigen Luftmonumenten Antártido A. Garays oder Percival Bartlebooths wahnwitzigem, sich selbst zerstörendem Aquarell-Puzzle. Sie kennen diese Künstler nicht, haben ihre Werke noch nie zu Gesicht bekommen? Kein Wunder, denn die Exponate im Imaginären Museum verbindet eines: sie sind in keinem anderen Museum dieser Welt zu finden. Es sind allesamt literarische Fiktionen, geniale Kopfkunst, entstanden in den Ateliers großer Autoren.

»Die Exponate der literarischen Kunstsammlung prägen sich tiefer in das ›Bewusstsein‹ ihrer Betrachter ein, als es manche real existierenden Objekte vermögen. Das Imaginäre Museum zeigt eine ungeahnte ästhetische Vielfalt; selten war ein Ausstellungsbesuch so spannend.« Syker Zeitung
»Zum Schmökern, Stöbern und Nachdenken.« Münchner Merkur
Leseprobe
Die beiden Maler drehten sich spontan zu Frenhofer um, allmählich ahnend, wenn auch nur dunkel, in welchem Wahn er sich befand.
»Er glaubt tatsächlich ...«, sagte Porbus.
»Ja, mein Freund«, antwortete der Alte wieder erwachend, »man muss glauben, an die Kunst glauben, und lange Zeit mit seinem Werk leben, um eine solche Schöpfung hervorzubringen. Einige dieser Schattierungen haben mich ganz schön Arbeit gekostet. Seht, hier auf der Wange, unter den Augen, liegt ein leichter Halbschatten, sähet Ihr ihn in der Natur, würdet Ihr ihn als unnachahmlich erachten. Ach, was glaubt Ihr, welch unerhörte Mühe es mir bereitet hat, diesen Effekt zu erzielen! Ja, mein lieber Porbus, schaut Euch meine Arbeit nur aufmerksam an, dann werdet Ihr besser begreifen, was ich Euch über das Modellieren und Konturieren gelehrt habe. Geht näher heran, dann könnt Ihr die Arbeit besser betrachten. Von weitem verschwindet sie. Seht Ihr? An dieser Stelle ist sie, denke ich, besonders bemerkenswert .«
Und mit der Spitze seines Pinsels zeigte er den beiden Malern einen Klecks heller Farbe.
Porbus klopfte dem Alten auf die Schulter und drehte sich zu Poussin um: »Wissen Sie, dass wir in ihm einen großen Maler vor uns sehen ?«
»Er ist noch viel mehr Dichter als Maler«, antwortete Poussin ernst.
(Auszug aus Honoré de Balzac, Das unbekannte Meisterwerk )
Tropen Vorwort von Daniel Kehlmann und Bildserie von Thomas Demand
256 Seiten, 16 farbige Abbildungen
ISBN: 978-3-608-50080-6

Johann Christoph Maass

Michael Zöllner

Michael Zöllner, geboren 1969 in San Sebastian. Studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Köln, daneben an der Düsseldorfer ...

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