Ohne Netz? Ein Leben ohne Internet und E-Mail? Ein Selbstversuch
Klett-Cotta kehrt zurück ins Mittelalter. Zumindest für das nächste halbe Jahr und zumindest für ein Projekt.
Der Stuttgarter Verlag hat ein Buch von Alex Rühle, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, angenommen.
Thema: Das komplett vernetzte Leben. Der Autor will für sechs Monate vom Netz. Nicht nur für ihn ein Problem, sondern auch für den Verlag.
Ab sofort finden Sie die Erlebnisse der Verlagsmittarbeiter beim Arbeiten mit einem Autor ohne Internet in einem Blog.
Worum es geht - Das Projekt Ohne Netz
Die Beiträge
17.5.10 Zahlt mir der Verlag eigentlich die Therapie? (2)
15.4.10 Zahlt mir der Verlag eigentlich die Therapie?
1.4.2010 Time for a change
16.2.2010 Klett-Cotter
25.01.2010 Offline im Focus
08.01.2010 Kuscheliger Entzug
14.12.2009 Aus dem Netz? Kein Netz? Ohne Netz!
7.12.2009 Das erste Fax
Informationen zu »Ohne Netz« von Alex Rühle
Leseprobe aus dem Buch
»Ich mache all das nicht, weil ich das Internet doof finde. Im Gegenteil, ich finde es großartig, ein riesiges Versprechen, und es geht ja alles gerade erst richtig los. ... Ich habe nur das Gefühl, dass ich mir darin selbst abhanden komme. Dass es mich schluckt. Mein Kopf gleicht abends, wenn ich von der Arbeit heimradel, oft einem neuronalen Flipperautomaten, dessen Drähte nach der Arbeit noch stundenlang im Dunkel nachglühen. Im Nachhinein kommen mir solche Tage vor, als hätte ich in der staubtrockenen Luft eines Kopierladens fortwährend nur leere Blätter in die Luft geworfen, bleiche, zerfaserte Zeit. Als würde da einer hinter meinem Rücken, während ich in den Bildschirm starre, mit dem Tintentod über den Tag drübergehen. Kaum vergangen, ist alles wieder verblasst ... Vladimir Nabokov schreibt, Erinnerung sei „der lange Sonnenuntergangsschatten der Wahrheit“. Was für ein wunderbares Bild. Das aber von sehr ruhigen, natürlichen Zyklen ausgeht, einem Baum in der Sonne, dessen Schatten am Endes eines langen Sommertages unmerklich länger wird, bis die Sonne verschwindet und sich die Nacht des alles nivellierenden Vergessens über die Welt legt. Ich konnte mich nach einem Arbeitstag, wenn ich im Dunkel heimradelte, oftmals an nichts erinnern.«
Lange Leseprobe beim Buch:


