Jean Améry
Hand an sich legen
Diskurs über den Freitod
Das Verbot, mit dem Religion und Gesellschaft den Freitod belegen, läßt ihn als ein Vergehen erscheinen, als unnatürlichen und absurden Akt. Aber drückt sich in solchem Urteilen und Aburteilen nicht die Scheinobjektivität, das Unbetroffensein der mit dem Weltlauf Einverstandenen, der Überlebenden aus? Und hat nicht auch der "natürliche" Tod sein Unnatürliches und Skandalöses? "Wer abspringt, ist nicht notwendigerweise dem Wahnsinn verfallen, ist nicht einmal unter allen Umständen ´gestört´ oder ´verstört´. Der Hang zum Freitod ist keine Krankheit, von der man geheilt werden muß wie von den Masern. ... Der Freitod ist ein Privileg des Humanen.« Stimmen zum Buch »Über das Verhältnis zwischen dem jahrhundertelang tabuisierten Selbstmord und dem im Vollbesitz der intellektuellen und seelischen Kräfte geplanten und durchgeführten Freitod hat wohl niemand Wesentlicheres gesagt als Jean Améry. "Hand an sich legen" ist einfach geschrieben, ohne narzißtische Eigenliebe und spielerische Koketterie. Hier spricht jemand über sein Thema, das er wie kein anderes kennt. ... Er kommt gleich zur Sache, er spricht den Leser direkt an, er trifft mit dem ersten Satz ins Schwarze - von jeher ein Kennzeichen geborener Essayisten.« Geno Hartlaub »In einer erregend-mutigen, traurig-zielstrebigen,spekulativ-tastenden Steigerung seines Denkens hat sich Jean Améry in "Hand an sich legen" der letzten Konsequenz des Nihilismus zugewandt - dem Freitod.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Bei Klett-Cotta erscheint die Werk-Ausgabe von Jean Améry. Zu den Büchern gelangen Sie über die Autor-Seite.
Bericht über Améry in 3sat-Kulturzeit
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