Der siebente Band der großen Werkausgabe vereinigt die für Amérys politisches Denken zentralen Aufsätze, vom ungedruckten Text bis zur berühmt gewordenen Streit-Schrift. »Rund 5000 Zeitungsartikel«, stellte Améry im Jahr 1972 fest, als er seine publizistische Arbeit resümierte, »eine fast erschreckend umfangreiche Produktion.«
Die von Améry zum Zeitgeschehen verfaßten Kommentare und Analysen sind wegen ihrer gedanklichen Schärfe und stilistischen Brillanz heute noch lesenswert – und die wichtigsten von ihnen hat Stephan Steiner für diesen Band neu gelesen und kommentiert. Sie greifen Fragen der deutschen und internationalen Nachkriegsgeschichte auf: die der Nachwirkungen der NS-Epoche, des Antisemitismus- Problems und der politischen Nachkriegsordnung. Améry hat über Gewalt, über die Anziehungskraft radikaler Bewegungen nachgedacht, über die heimatlose Linke, und früh schon taucht in seinen Analysen die Frage des politischen Terrorismus auf.
Die stupende thematische Vielfalt der Publizistik Amérys macht diesen Band zu einem Kompendium der deutschen Nachkriegsgeschichte – und sie zeigt einen etwas anderen Améry: »Hier erscheint er als aktivistisch, den Puls der Zeit fühlend, nicht selten hoffnungsgeladen. Zwischen dem aus Auschwitz Befreiten und dem Toten von Salzburg liegen immerhin 30 Jahre, in denen gelebt, debattiert und auch gekämpft wurde« (Steiner). Radikaler Humanismus ist der Maßstab dieser aufregend aktuellen Texte.
»Dem streitbaren Humanisten Jean Améry wird 25 Jahre nach seinem Tod endlich eine Werkausgabe zuteil. Seine wieder aufgelegten Texte lesen sich so frisch, als seien sie für unsere heutigen Debatten geschrieben. ... Die auf neun Bände geplante Werkausgabe ist nicht hoch und laut genug zu preisen. Viele der Texte kannte man, einige (ich) nicht, andere waren ins blasse Reich der Erinnerung abgesunken. Hier sind sie nun. Und "Mein Gott, ist das gut", möchte man immer wieder ausrufen. ...« Fritz J. Raddatz (Die Welt, 24.4.2004)
Der Herausgeber des Bandes: Stephan Steiner, geboren 1963 in Wien. Historiker und Philologe. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Deportation in der Frühen Neuzeit, zum nationalsozialistischen Lagersystem und zu österreichischen Autorinnen und Autoren.
Die Gesamtherausgeberin der Ausgabe Irene Heidelberger-Leonard 1944 geboren in der Emigration der Eltern in Frankreich. Professorin an der Université Libre de Bruxelles. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Jean Améry und zur zeitgenössischen Literatur, u. a. zu Günter Grass, Alfred Andersch, Jurek Becker, W. G. Sebald. 2004 erschien ihre Jean Améry-Biographie: Jean Améry: Revolte in der Resignation. Biographie
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