Die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre sind die Zeit des Aufbruchs im europäischen Kino. Die Nouvelle Vague hat ihre großen Erfolge, 1962 machen deutsche Jungfilmer mit ihrem »Papas Kino ist tot«-Manifest in Oberhausen Furore. Auch der Merkur befasst sich in diesen Jahren verstärkt mit dem Film.
Der Schriftsteller Alfred Andersch ist der hauptsächliche Filmautor der Zeitschrift in diesen Jahren. Er verfasst mehrere Artikel über einzelne neue Filme und Regisseure, in seinem langen Essay Das Kino der Autoren fasst er seine Thesen zusammen. Seine erklärte Absicht besteht darin, das Kino an seine Nähe zur Literatur zur erinnern. Er meint das weniger simpel und übergriffig, als es zunächst klingt; um Literaturverfilmungen oder um die Forderung nach »literarischen Drehbüchern« nämlich geht es ihm nicht. Skeptisch sieht er die meisten Autorenfilme, in denen der Regisseur auch die Drehbücher schreibt, und zwar, weil sie das Erzählen und seine Techniken – auf Höhe der Gegenwartsmoderne – nicht hinreichend beherrschen.
Merkur , Nr. 158, April 1961
Alfred Andersch
Das Kino der Autoren
Alfred Andersch, 1914-1980. Schriftsteller, Herausgeber literarischer Zeitschriften, Rundfunkredakteur und Gründungsmitglied der Gruppe 47. Er schrieb von 1959 bis 1976 regelmäßig für den Merkur.
>> Zum Artikel bei der Zeitschrift MERKUR