Kinderanalyse

Heft 04 / Oktober 2017

Scham und Beschämung

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Bettina Ziegler

Beziehungswunsch, Narzissmus und Schamlosigkeit in der Analyse eines sechsjährigen Mädchens

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Zusammenfassung:

Die hochfrequente Analyse eines sechsjährigen schwer traumatisierten Mädchens wird unter dem Aspekt der Schamlosigkeit betrachtet. Die fantasierte Omnipotenz des Kindes und die erlebte Kontrolle über die Analytikerin ermöglichen zunächst, eigene Gefühle der Bedeutungslosigkeit und Kleinheit zu überspielen. Todesangst und Verzweiflung werden projektiv identifikatorisch in die Analytikerin ausgelagert. Eine aus der Stunde mitgenommene kleine Spielzeugmaus (unter Verleugnung der Tatsache, dass sie der Analytikerin gehört) wandelt sich zu einem Übergangsobjekt, das Trennung tröstlicher erscheinen lässt. Auf diesem Weg gelingt es der Patientin zunehmend, zwischen sich und anderen zu differenzieren, sich schließlich mit der eigenen Schamlosigkeit und der dazugehörigen Scham zu beschäftigen. Die Schamlosigkeit ist ihr dabei hilfreich, integrative Prozesse zu fördern.

Summary:

Relational Desire, Narcissism and Shamelessness in the Analysis of a Six-Year-Old Girl
The high-frequency analysis of a severely traumatised six-year-old girl is regarded here from the perspective of shamelessness. Initially, the child’s omnipotence fantasies and her subjective control over the analyst enabled her to play down her feelings of insignificance and smallness. Mortal fear and despair were transferred to the analyst via projective identification. A small toy mouse she took with her from one session (denying that it belonged to the analyst) developed into a transitional object that made separation appear less traumatic. In this way the patient became increasingly better at distinguishing between herself and others, ultimately facing up to her own shamelessness and the shame attendant upon it. Shamelessness helped her to engage in integrative processes.

Résumé:

Désir de relation, narcissisme et effronterie dans l’analyse d’une fillette de six ans
L’analyse extrêmement fréquente d’une fillette de six ans sévèrement traumatisée est examinée ici sur le plan de l’effronterie. L’illusion d’omnipotence de l’enfant et sa domination consciente de sa psychanalyste lui permettent, dans un premier temps, de masquer ses sentiments d’insignifiance et d’infériorité par la taille. Par un processus d’identification projective, l’angoisse de mort et le désespoir sont reportés sur la psychanalyste. Une petite souris emportée à l’issue d’une séance – (avec déni du fait que le jouet appartient à la thérapeute) devient un objet transitionnel qui la console de la séparation. Par ce moyen, la patiente réussit de plus en plus à se différencier par rapport aux autres et, finalement, à prendre conscience de son effronterie et de la honte qu’elle cause. Son effronterie l’aide à activer des processus d’intégration.

Kinderanalyse Jahrgang 25, Heft 04, Oktober 2017
broschiert
ISSN: 0942-6051

Autoren in dieser Ausgabe

Michael Günter, Margaret Rustin, Thomas Ziegler, Bettina Ziegler, Daniel Barth, Boro Döring,


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