MERKUR

Heft 01 / Januar 2016

Heft 800

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Zitate aus dem Januarheft 2016, Nr. 800

»Heidegger vertritt einen ideologischen Immoralismus. Er ist der Auffassung, dass sich uns moralische Unterscheidungen nur auf der Ebene der Seinsvergessenheit anbiedern. Moral ist etwas für Kulturmenschen, Familienmenschen, Liberale, Juden, Katholiken, für Menschen, die in Ruhe ihre Renten und Pensionen genießen wollen. Die seinsgeschichtliche Aufgabe des Nationalsozialismus lässt sich aber gerade nicht mit Begriffen bewerten, die zu überwinden sind. Hitler ist jenseits von Gut und Böse.«

Heiner F. Klemme, Unmündigkeit als Programm


»Auf einer Reise von flüchtigen vierzehn Tagen hätte ich kaum bemerkt, wie sehr mir die feineren Bewegungen der Sprache, in denen man einander berührt und Ruhe findet, fehlen. Nach einem Monat fällt mir auf, wie der Mangel an gemeinsamem Ausdruck mich unbeholfener macht. Die Rhythmen des gegenseitigen Austauschs sind plump. Begegnungen bahnen sich nicht an, und es gibt keine Abschiede.«

Michael Astroh, Jenseits des Vertrauten


»Öffentliche und private Bürokratien sind anscheinend – aus welchen historischen Gründen auch immer – so organisiert, dass ein nennenswerter Teil ihrer Akteure nicht in der Lage ist, ihren Anforderungen zu entsprechen. In diesem Sinne [sind sie] utopische Formen von Organisation. Utopisten, so sagt man doch, glauben naiv an die menschliche Vollkommenheit und weigern sich, Menschen so zu sehen und zu nehmen, wie sie tatsächlich sind.«

David Graeber, Tote Zonen der Fantasie


»Dass die Lehre des Exodus das Selbstbild der liberalen Gesellschaft in Frage stellt, liegt vor allem darin, dass es ihn geben muss: dass es keine Freiheit ohne Befreiung – die Befreiung nicht als ‚Entwicklung‘, sondern als Konversion, als Bruch mit der eigenen Natur – gibt.«

Christoph Menke, Philosophiekolumne. Die Lehre des Exodus


»Auf die Frage, warum er als ausgewiesener Kraftwerk- und Krautrockexperte Ende der 1970er Jahre denn von Manchester nach Berlin und nicht nach Düsseldorf gegangen sei, antwortete etwa Mark Reeder, er habe sich Düsseldorf damals durchaus angeschaut, habe schnell verstanden, warum Kraftwerks Song Schaufensterpuppen so klingt wie er klingt, sich darüber gefreut und dann entschieden, doch besser nach Berlin zu ziehen.«

Eckhard Schumacher, Popkolumne. Der Sound und die Stadt


»George Lucas und Steven Spielberg waren eigens nach Washington gereist, um für die Berner Konvention zu werben. Ausgerechnet die Produzenten und Regisseure amerikanischer Blockbuster priesen den ´Droit Moral´ in guter alter europäischer Romantiktradition als Garant dafür an, dass Kunst und Künstler nicht wie Würste zu Waren degradiert würden.«

Monika Dommann, Dreihundert Jahre Copyright-Kriege


»Trinken gehen, Sitze im Bus und Comic Sans Relief erschienen im Berliner Frohmann Verlag. Den 26 Bänden der letzten Jahre ist eine Begeisterung am Bucherfinden und In-die-Welt-Setzen von neuen Texten anzulesen, die vermutlich das Verlegen generell vom Büchermachen unterscheidet. Die Länge dieser Bücher, auch die Menge der Seitenzahlen fällt dabei – entgegen der verlegerischen Gewohnheit der letzten Jahrhunderte – nicht mehr ins Gewicht.«

Holger Schulze, Trinken gehen, Bus fahren


»Stephen McLaughlins Puniverse (...) verbindet beide Elemente, indem es alle Reimkombinationen einer gegebenen Redewendung durchspielt und eine Vielzahl von Wortspielen, puns, generiert. Ein Ausdruck wie „a bad egg“ wird so multipliziert zu: „an ad egg / an add egg / a brad egg / a cad egg / a chad egg / a clad egg / a dad egg / a fad egg / a gad egg / a glad egg / a grad egg / a had egg / a lad egg / a mad egg / a nad egg / a pad egg / a plaid egg / a rad egg / a sad egg / a scad egg / a shad egg / a tad egg / a bad beg / a bad keg / a bad leg / a bad meg / a bad peg / a bad segue.«
Hannes Bajohr, Infradünne Plattformen

»Die neuen russischen Meinungsmacher kleiden sich mit Vorliebe in das liberale Gewand der Meinungsfreiheit. Sie geben gar nicht erst vor, überparteilich und objektiv zu sein, sondern nehmen für sich mit scheinbarer Bescheidenheit lediglich in Anspruch, ihre eigene Botschaft und Sicht der Dinge zur Geltung zu bringen. Ihre Haltung lautet: Jedes Faktum hat mehrere Seiten; jedes Faktum sieht ganz anders aus, je nachdem, von wo aus man es ansieht; Objektivität gibt es nicht; alles ist relativ; man kann jedes Ereignis so oder auch anders sehen.«

Helmut König, Die Lüge in den Zeiten Putins


»Fraglich bleibt indes, ob sein Vorschlag einer Wiederentdeckung der ästhetischen Dimension von Religion überzeugen kann. Auffallend ist Kermanis Analyse der ästhetischen Inszenierung von Gewalt durch den IS. In seiner Rede argumentiert er, dass der IS die Eskalationsspirale der Gewalt und ihrer Zurschaustellung immer weiter drehen werde. Aber müsste nicht genau diese Analyse der Ästhetisierung von Gewalt Kermani auf einer anderen Ebene, auf der Ebene der politischen Theologie beunruhigen?«

Felix Heidenreich, Navid Kermanis politische Theologie


»Im Übersetzungsdienst des Parlaments in Luxemburg herrscht eine gewisse Beunruhigung. Es ist klar, dass aus politischen, symbolischen und praktischen Gründen der Dienst niemals überflüssig werden wird. Aber verkleinern könnte er sich. Man kompensiert die Bedrohung durch besonders sorgfältiges Arbeiten; aber die Zeichen der jüngeren Vergangenheit lassen wenig Raum für Hoffnung.«

Remigius Bunia, Brüssel (I). Brüssel babylonisch


»Die zusammengesteckten Köpfe wissen, dass ein Fotoalbum das Leben auf wenige Höhepunkte reduzieren wird – und es noch immer am besten ist, wenn diese aus guter Laune bestehen. Das richtige Leben findet sowieso immer im falschen statt. Darauf anzustoßen, ist erste Bürgerpflicht.«

Harry Walter, Prosit


MERKUR Jahrgang 70, Heft 800, Heft 01, Januar 2016
104 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Heiner F. Klemme, Michael Astroh, David Graeber, Christoph Menke, Eckhard Schumacher, Monika Dommann, Holger Schulze, Hannes Bajohr, Helmut König, Felix Heidenreich, Remigius Bunia, Harry Walter,


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