MERKUR

Heft 01 / Januar 2018

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Widersprüche waren schon immer für Trumps Stil charakteristisch. Seine Kritiker erkennen darin sein Markenzeichen, den entscheidenden Unterschied zwischen ihm und seinen rechten Vorgängern im Amt. Dabei war die fröhliche Feier des Widerspruchs schon immer ein Merkmal des amerikanischen Konservatismus. Ursprünglich in eleganterem Gewand, als Antwort auf den schlichten Rationalismus gedacht, der der politischen Linken zugeschrieben wurde. Die Behauptung und ihre Negation gleichzeitig zu besetzen, ohne sie miteinander versöhnen oder sie überwinden zu wollen, wurde als angemessene Wahrnehmung, Würdigung und Wahrung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse aufgefasst.
Corey Robin, Triumph des Unseriösen

Wie aber fasst man die anhaltende Signifikanz der Antike, ohne zum diskreditierten Begriff des Klassischen zurückzukehren? Als Formel hat sich das "nächste Fremde" etabliert, als das Uvo Hölscher die Antike in seinem "Selbstgespräch über den Humanismus" bezeichnete: Die antike Welt sei uns hinreichend fremd, um unsere Denkgewohnheiten infrage zu stellen, und zugleich nahe genug, um relevant zu sein. Wird die gegenwärtige Bedeutung der antiken Welt erörtert, dauert es nicht lange, bis diese Formel fällt und die Diskussion – gewöhnlich unter gefälligem Murmeln und konsensuellem Nicken – beendet.
Jonas Grethlein, Die Antike – das "nächste Fremde"?

Wer Europa mit seinem komplexen Wechselspiel von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, seine Opernhäuser zu bereisen. Neben den achtzig deutschen Standorten zählt der Rest des Kontinents rund einhundertvierzig ganzjährig bespielte Musiktheater, die Länder der ehemaligen Sowjetunion bis auf das Baltikum nicht mitgerechnet. Ganz genau lässt sich das wegen der kulturellen Unterschiede gar nicht sagen. Das deutsche System der festen Ensembles, die stets mehrere Stücke zugleich im Repertoire führen, ist nur in Mittel- und Osteuropa verbreitet. Im Westen und Süden engagieren die Häuser ihre Sänger von Fall zu Fall und spielen die Produktionen en suite, also eine nach der anderen.
Ralph Bollmann, Carmen in Kattowitz

Die Besonderheit der Band, der Ansicht sind auch männliche Musik- und Kritikheroen, bestand von Anfang darin, dass sie das männlich geprägte Formvokabular des Rock 'n' Roll weder erfüllte noch ihm einfach die Markierung ihrer eigenen Weiblichkeit als Ausnahme von der Regel entgegenstellte. Greil Marcus spricht in diesem Zusammenhang von "Ebenen prosaischer Realität", die Männern in den späten siebziger Jahren selbstverständlich zur Verfügung gestanden hätten.
Heide Volkening, Popkolumne. Punk féminine

In denselben Jahren, in denen Steueroasen blühten, grenzüberschreitende Geldströme anschwollen und Privatbanken ohne staatliche Regulierungen agierten, nahmen Banker und Manager andere Aspekte globalen Handelns ebenfalls ernst und versuchten bei den Vereinten Nationen ihren Einfluss geltend zu machen. Mit anderen Worten, wenn wir in den 1970er Jahren dem Geld folgen, finden wir Banker und Unternehmer in Schlüsselpositionen bei der Entwicklung und Propagierung der Kerngedanken einer globalen Ordnungspolitik zum Umweltschutz.
Glenda Sluga, Geschichtskolumne. Kapitalisten und das Klima

Obwohl Hamann bedeutende Frauen biografierte, deren Individualität und Leistung hervorhob und in ihrem Kinderbuch über Maria Theresia die Gleichwertigkeit der Geschlechter postulierte, war sie nicht Teil der sich damals etablierenden feministischen Wissenschaftsszene. Hierin unterschied sie sich auch von den erfolgreichen britischen Biografinnen Claire Tomalin und Hermione Lee, die nicht nur Biografie an sich, sondern auch ihren feministischen Anspruch reflektierten, über den Umgang mit fehlenden Quellen zur Frauengeschichte nachdachten und damit auch universitäre Anerkennung erfuhren.
Katharina Prager, Von Sisi, Reserl und Bertha

Die Zahl der Bücher und Artikel, die beim Blick auf die Beziehungen beider Staaten vor allem das Bedrohungspotential ausloten, das sich aus Chinas rasantem wirtschaftlichem und militärischem Wachstum ergeben könnte, nimmt seit Jahren stetig zu. Unter den Autoren sind neben Journalisten auch öffentliche Intellektuelle, die zum Teil für Thinktanks arbeiten. Sie sind mit der Fachliteratur vertraut, verlassen sich aber in ihrem Urteil eher auf ihre Erfahrungen als Auslandskorrespondenten und Beobachter des politischen Geschehens.
Peter Uwe Hohendahl, Kriegsgefahr im pazifischen Raum?

Ängste, existentielle zumal, lassen sich nicht einfach wegreden. Wer in ihrem Bann lebt, wartet nicht auf gute Argumente, sondern auf große Worte und starke Männer, die ihm das Blaue vom Himmel herunter versprechen. Wie gerade der amerikanische Fall demonstriert, werden Maulhelden – anders als Max Weber angenommen hat – nicht schon dadurch entzaubert, dass sie ihren Sprüchen keine Taten folgen lassen: Trump bringt praktisch nichts von dem zustande, was er großspurig versprochen hat ("nobody knows the system better than me, which is why I alone can fix it"), aber dem Gros seiner Gemeinde macht das nichts aus.
Wolfgang Fach, Ab durch die bürgerliche Mitte?

Die lateinische Christenheit betet seit dem 2. Jahrhundert das Vaterunser falsch. Das ist, zugegeben, eine Behauptung, die so unglaublich ist, dass man für sie schon sehr gute Gründe angeben muss. Man muss nicht nur erklären, warum das so ist, sondern auch, warum man auf diejenigen, die das im Verlauf der Jahrhunderte auch schon erkannt hatten, nicht gehört hat. Wenn es sich nur um ein philologisches Fündlein handelte, könnte man mit einem exegetischen Schulterzucken zur Tagesordnung übergehen. Doch es geht um mehr.
Eckhard Nordhofen, Brot. Ein hapax für jeden Tag

Was er damit eigentlich sagen wolle, sagte Lothar, habe natürlich weniger mit Eiscreme oder Nudeln, sondern mit Rassismus zu tun. Ob mir die Pogrome der Achtziger und Neunziger denn überhaupt noch präsent seien, fragte er, ich käme doch aus dem Ruhrgebiet. Dass ich erst dreißig Jahre alt sei, erinnerte ich Lothar, ein wenig älter nur als seine Frau Anastasia, und da nickte er und sagte, er vergesse das mitunter, Ana sei ja zum Beispiel bereits promovierte Soziologin und liebe auf beinahe irrationale Weise die Arbeiten Durkheims, außerdem, fügte er hinzu, entwickle sie gerade ein Faible für die Verbrechen der Manson Family.
Pascal Richmann, Bogenhausener Gespräche

Jemand Fremden in einem Fernzug kennenlernen – Juli 2012, Mai 2017, es könnte sich lohnen, den März 2022 vorzumerken. Vor fünf Jahren also reiste ich allein durch Ungarn, mit dem EuroCity Hungaria, rote Plüschsitze wie im Hogwartsexpress. Mein naiv begonnenes Gespräch mit einem alten, weißen Ungarn zum Thema Minderheitenschutz endete damit, dass mir der böse Opa kurz nach Bratislava vorwarf, ich stecke mit denen sicherlich unter einer Decke, wenn ich nicht gar – er warf einen vielsagenden Blick auf meine verbrannten Arme, die nicht brauner als die seinen waren, aber um ihn war es hier ja ohnehin nie gegangen – wenn ich nicht also gar selbst so eine sei.
Enis Maci, Vom Tode Long Huis

MERKUR Jahrgang 72, Heft 824, Heft 01, Januar 2018
104 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Corey Robin, Jonas Grethlein, Ralph Bollmann, Heide Volkening, Glenda Sluga, Katharina Prager, Peter Uwe Hohendahl, Wolfgang Fach, Eckhard Nordhofen, Pascal Richmann, Enis Maci,


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