MERKUR

Heft 02 / Februar 2015

Das könnte Sie interessieren

Der Wiener Kongress

Das große Fest und die Neuordnung Europas

Wiedersehen mit den Siebzigern

Die wilden Jahre des Lesens

Die Wiedergeburt Roms

Päpste, Herrscher und die Welt des Mittelalters

Aristoteles in Oxford

Wie das finstere Mittelalter die moderne Wissenschaft begründete
Diese Ausgabe erwerben
Printausgabe vergriffen, Artikel als PDF erhältlich, siehe unten

Zitate aus demFebruarheft 2015, Nr. 789

Ich möchte michauf die fünf Toten beschränken, die mit Dein Name indirekter Verbindung stehen oder sogar darin auftreten, noch ohneNamen, weil sie lebten, als Freund, als Verwandter, als Kollege: Wiejeder einzelne von ihnen, darum soll es in meiner Dankrede gehen, denRoman erst ermöglicht, auf ihn eingewirkt, ihm eine unerwarteteWendung gegeben hat, und wie jeder von ihnen, obwohl sie sichuntereinander nicht kannten, nicht einmal denselben Erdteilbewohnten, keine gemeinsame Sprache sprachen, in meinem Leben mitjedem anderen zusammenhängt und so das ungeheureBeziehungsgeflecht bildet, das wir Ich nennen. Das ist gemeint,glaube ich, wenn es im Talmud und im Koran beinah wortgleich heißt,dass, wenn man einen Menschen tötet, es sei, als töte mandie ganze Menschheit. Jeder Mensch ist eine Menschheit.

NavidKermani, Dein Name


Für die Musik, dieMuzak unter die Leute brachte, gibt es eine Definition, die sich dieFirma selbst zu eigen machte: »music you hear, but do notlisten to«, also »Musik, die man hört, der man abernicht zuhört«. Ein Element von Kulturkritik ist in dieserFormulierung selbst noch in der Affirmation zu bemerken: DenProdukten der Kunst, gleich welcher, gebührt eigentlichAufmerksamkeit. Alles andere wird unter ästhetisch entwickeltenbürgerlichen Verhältnissen als Funktionalismus, wenn nichtgar als Barbarei betrachtet.

ThomasSteinfeld, Zur Phänomenologie eines kleinen Gedankens


Es fällt leicht,aufzuzählen, was Bündnisgrüne und AfD trennt: Hier dersich weltoffen gebende, progressiv-ökologische Linksliberalismusmoderner Mittelschichten, dort die schnell und einfach als»nationalistisch«, »antieuropäisch«markierten »Wutbürger«, die erfolgreich an diffuseÄngste und niedere Instinkte des Elektorats appellieren. Erstauf den zweiten Blick zeigen sich ungeahnte Ähnlichkeiten inStruktur und Bedeutung dieser Parteien.

AlbanWerner, Die doppelte Häutung des deutschen Bürgertums


Jubiläenvermitteln Nähe, weil sie von Menschen erzählen und ihrerGeschichte. Nähe vermitteln zugleich die Ähnlichkeiten undAnalogien mit ihrer oft nur vermeintlichen Evidenz, die imvergangenen Jahr vielfach die Frage provozierte, ob die Geschichtesich nicht doch wiederhole. Zugleich schaffen Jubiläen Ferne,sie messen zeitlichen Abstand. Noch vor dreißig Jahren lebtenwir ohne E-Mail, Bonn ist nicht Weimar, und 2014 ist eben nicht 1914,wie der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier seit demAusbruch von Krim-Krise und Ukraine-Konflikt nicht müde wird zuversichern.

MartinSabrow, Zeitgeschichte als Jubiläumsreigen


Ichtrank ein Bier und später einen Gin,unddanach fuhr ich schnell woanders hin.

Ror Wolfund Gerhard Henschel, Lange Nacht


Bis zurJahrtausendwende galt die Rechtsprechung desBundesverfassungsgerichts zur Glaubensfreiheit als äußerstkirchenfreundlich. Religiöse Menschen schienen in Deutschlandgut leben zu können. Seit einiger Zeit gilt dies nun jedochnicht (mehr) für alle Gläubigen ..., und zwar pikanterweisegerade für jene nicht, die als Minderheiten des Schutzes durchdie Glaubensfreiheit besonders bedürften: besonders religiöseMenschen, die nicht dem etablierten Mainstream ihrer Religionangehören.

UteSacksofsky, Rechtskolumne


Der ökonomischeErfolg der Zeit gibt solchen Unternehmungen, die den Geist derGala dem Gedöns der Sonntagsreden über heldenhaftePublizistik vorziehen, wie es scheinen muss, Recht. Das Kalküldahinter ist einfach: Wenn ein Star beliebt ist und geschätztwird, dann wird etwas von dieser Popularität und Wertschätzungauch auf den Text abstrahlen, der ihn mit großer Geste gutfindet.

MatthiasDell, Medienkolumne


Die Museumsmacher habendie Exponate derart dicht mit Kulissen, Medien und Sound umgeben,dass man sie kaum mehr einzeln wahrnimmt. In dieser Schau paaren sichMedien und Mobiliar mit Kunst und Krempel in einem totalenvironment, das alles umfängt und in dem jede subtileInszenierungsidee scheitert, weil sie im Getöse dieserMultimediashow untergeht.

ThomasThiemeyer, Das Londoner Imperial WarMuseum


Der dem internationalenPop angeglichene Fado, bis in die 1990er Jahre hinein, wartatsächlich innovativ, nämlich so noch nie dagewesen –und gegenüber dem älteren Original in genau dem Maß,in dem er es verdünnte, musikalisch wie literarisch um seinAroma gebracht; soft drink statt vinho tinto.

AndreasDorschel, Ästhetik des Fado


Gegen Hegel, derAmerika weltgeschichtlich uninteressant fand, stellt Lezama Lima inseinem Essay über »die barocke Neugier« denamerikanischen Herrn, der die Früchte seines Landes genießt.(Latein)Amerika ist ein »Einverleibungszentrum«. Da wirdBildung nicht durch Arbeit (Hegel) hervorgebracht, sondern durchGenuss und Verdauung. So lässt sich der amerikanische Señornach Lezama Lima nicht vom europäischen Barock überfremdenund überwältigen, sondern macht es sich zu eigen alsWiderstand gegen die europäische Eroberung, als contraconquista,Gegeneroberung.

HannesBöhringer, Barocke Gegenwart. Lezama Lima nachgedacht


BritischeSoldatenfriedhöfe haben eine sehr klare, schon von Weitemerkennbare Signatur. Wenn man als Kind in den fünfziger Jahrenin einer großen Garnisonsstadt in Westfalen lebte, also in derbritischen Besatzungszone, erinnert man sich sehr gut an diedunkelgrüne Farbe der Militärfahrzeuge, der Jeeps undhochbeinigen Lastkraftwagen. Dieses militärische Grünfindet man auch auf den Friedhöfen wieder.

JochenThies, Soldatenfriedhöfe auf Kreta


Wunder der Moderne, derTechnik, des Internet: Ich darf der Nobelpreis-Rede beiwohnen, diePatrick Modiano in Stockholm hält. Zwar nur auf Youtube undzeitlich versetzt, aber ich bin dabei. Modiano ist viel größerund schlaksiger, als ich dachte, er überragt die meisten ummindestens einen Kopf. Und viel älter kommt er mir auch vor. Undnoch schüchterner als in einem anderen Youtube-Video von 1990,in dem er in einem Supermarkt in der Rue de Sèvres sitzt undsich daran zu erinnern versucht, wo wohl die Leinwand aufgebaut war,damals, als sich in denselben Räumlichkeiten noch keinSupermarkt, sondern ein Kino befand, das Modiano als Jugendlicherregelmäßig besuchte.

StephanHerczeg, Journal (XXIII)


MERKUR Jahrgang 69, Heft 789, Heft 02, Februar 2015
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Navid Kermani, Thomas Steinfeld, Alban Werner, Martin Sabrow, Gerhard Henschel, Ror Wolf, Ute Sacksofsky, Matthias Dell, Thomas Thiemeyer, Andreas Dorschel, Hannes Böhringer, Jochen Thies, Stephan Herczeg,


Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de