MERKUR

Heft 02 / Februar 2017

Heft 813

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Zitate aus Merkur, Nr. 813, Februar 2017

Der Glaube an die Reinigungs- und Heilungskraft der historischen Vergegenwärtigung lässt sich kaum anders denn als Hoffnung auf säkulare Erlösung fassen. Die seither und besonders nach 1989 im Aufarbeitungskontext nachgerade inflationär gewordene Rede von der erlösenden Erinnerung, das Verständnis der Gedenkstätte als »Läuterungsraum« und der Reise dahin als »Pilgerfahrt«, aber auch Begriffe und Sentenzen wie »historische Trauerarbeit« oder »historische Versöhnung« deuten eine Imprägnierung der gegenwärtigen Geschichtskultur in Deutschland und Europa an, die dem Konzept der vernunftgeleiteten Aufklärung immer deutlicher auch sakralisierende Züge aufprägt.

Martin Sabrow, Abschied von der Aufklärung?

Was hat es mit dieser Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen, auf sich, wenn diese Wirklichkeit nicht nur jene ist, gegen die die Revolutionäre rebelliert haben, sondern auch jene, die sie selber hervorgerufen haben? Was hat es mit dieser Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen, auf sich, wenn diese Wirklichkeit eine ist, die auch die Revolutionäre zu ihrer Überraschung an sich selber erfahren?
Dirk Baecker, Von der Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen

Die eigentliche historische Rolle des Geldes und dann moderner Finanzierungsstrukturen liegt mithin nicht in der Reduktion des Handelns auf materielle Vorteile und auch nicht in der vermeintlichen Ökonomisierung von Lebenswelten. Geld ermöglicht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium historisch gesehen vielmehr eine kaum überschätzbare ökonomische Dynamik. Es ermöglicht nicht nur Arbeitsteilung, Spezialisierung und Rekombination ökonomischen Handelns, und damit die Steigerung der Produktivität der menschlichen Arbeit, es lässt diese auch risikoloser beziehungsweise überhaupt erst möglich werden.
Werner Plumpe, Romantische Fiktionen

Seitdem Sokrates (nach Ciceros Beschreibung) die Philosophie vom Himmel der Naturphilosophen heruntergeführt, in die Stadt versetzt und damit als die »Untersuchung über das Leben und die Sitten« neu begründet hat, seitdem ist die Philosophie besorgt über das Theater und seine Wirkungen auf das Zusammenleben in der Stadt. Sie treibt die Furcht um, dass das Theater zum Modell des Lebens werden könne, ja schon geworden sei (und dass Athen, die Stadt des Theaters, eben deshalb Sparta unterlegen ist). Die philosophische Sorge gilt der Herrschaft des Theaters.
Christoph Menke, Philosophiekolumne

Sandra Maischberger hatte dereinst bei Talk im Turm begonnen. Heute steht sie der wohl trostlosesten unter den vier Runden vor (neben Anne Will sind das noch Frank Plasbergs Hart aber fair und Maybrit Illner) – wenn es überhaupt möglich ist, den Krawall, auf den ein Hallodri wie Plasberg aus ist, mit der Schlafwagenhaftigkeit zu vergleichen, mit der Maischberger noch die absurdesten Behauptungen ihrer Gäste passieren lässt.
Matthias Dell, Medienkolumne

Die Gleichsetzung des Lagersystems mit dem Holocaust ist ebenso weit verbreitet, wie sie falsch ist, und das nicht nur, weil mehr als 30 Prozent der KZ-Opfer keine Juden waren, sondern auch, weil die weitaus meisten der schätzungsweise 5,7 Millionen ermordeten Juden nicht in den Konzentrationslagern getötet wurden. Der Massenmord fand vor allem an den unzähligen Erschießungsgruben im besetzten Osten und in Vernichtungsstätten wie Treblinka, Belzec und Sobibor statt.
Ulrike Jureit, Wie ist es eigentlich gewesen?

Dass Konsum und nicht unternehmerisches Handeln motivierend war, unterfütterte die liberale Kritik an der Pfandpraxis. Konservative hingegen stießen sich gerade an der Differenz von Gebrauchs- und Geldwert. Dass Persönliches, Alltägliches ohne viel Aufhebens ins Pfandhaus wanderte, um dort gegen Geld getauscht zu werden, zeugte in ihren Augen von einem beklagenswerten Mangel an Erdung in den unteren Schichten, wie ihnen generell Mobilisierung und Verflüssigung von Besitz ein Dorn im Auge war.
Catherine David, Ökonomie des Notbehelfs

Nach dem Krieg versuchte Catel den Mythos zu verbreiten, selbst Betrugsopfer der NS-Euthanasie-Organisation gewesen zu sein; gleichwohl vertrat er unverändert seine Sicht der Dinge, hat sich niemals (selbst)kritisch revidiert. Noch 1964 vertrat er in einem Spiegel-Gespräch, dass es jedes Jahr fast 2000 »vollidiotische« Kinder gebe: »Hier ist die Rede nicht von Menschen, sondern von Wesen, die lediglich von Menschen gezeugt wurden«, die wegen ihrer Fehlbildungen oder Behinderungen getötet werden sollten.
Jörg Ostermeyer, Catel und Heintzen

Mit einem Wort: Der Mann, vorher ein gewalttätiges SS-Mitglied, häutete sich zwischen Paris und Bogotá zum neuen Menschen. Obschon aus allen Schulen geflogen und nie Träger eines akademischen Abschlusses, reüssierte der Autodidakt als Lehrer für ganze Generationen lateinamerikanischer Studenten.
Gerhard Drekonja-Kornat, Das Schweigen der Männer in Bogotá

Dass sich die Leute nicht von mir belehren ließen, war mir ungewohnt. Ich hatte geglaubt, es werde einfach sein, die Menschen des Nordens zum Islam zu bekehren, weil der Glaube der Muslime der einfachste ist. Ihnen aber schien er zu einfach, und mit ihren merkwürdigen Fragen, den ausgesprochenen und den unausgesprochenen, machten sie alles vertrackt. »Es gibt keinen Gott außer Gott. Seht ihr nicht«, fragte ich sie einmal nah der Verzweiflung, »welcher Trost darin liegt, dass es angesichts aller Verwirrung in der Welt einen einzigen Willen gibt, dessen Macht unbedingt und unbegrenzt alles durchdringt?« Sie aber fragten: »Weshalb dann die Verwirrung?«
Andreas Dorschel, Die Verstocktheit der Ungläubigen

Die Abwendung von der zyklischen Auffassung hin zur linearen mutet den Menschen einiges zu. Konnte in der Antike und im Mittelalter noch eine Naturmacht oder ein persönlicher Gott haftbar gemacht werden, gegen die ein Widerstand unmöglich ist und als Frevel vorgemerkt wird, ist die lineare Auffassung tendenziell menschenzentriert: Es ist das Versagen der Menschen selbst, wenn das Dunkel hereinbricht; die Aufklärung des Dunkels ist unsere Aufgabe.
Reinhard Brandt, Trotzdem: Aufklärung

Wiewohl die Fotografie von jeher auf universelle Verwendung hin angelegt war, da ein Foto im Prinzip unendlich oft reproduziert und auf allen möglichen Trägermaterialien sichtbar werden kann, stand sie in ihrer analogen Phase naturgemäß noch unter so etwas wie Dingverdacht. Selbst wenn ein Foto in einer millionenfach verbreiteten Zeitschrift abgebildet war oder als reine Projektion ansichtig wurde, war klar, dass irgendwo ein materielles Etwas existiert, auf das dieses Foto zurückgeht.
Harry Walter, Fotokarton

MERKUR Jahrgang 71, Heft 813, Heft 02, Februar 2017
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Martin Sabrow, Dirk Baecker, Werner Plumpe, Christoph Menke, Matthias Dell, Ulrike Jureit, Catherine Davies, Jörg Ostermeyer, Gerhard Drekonja-Kornat, Andreas Dorschel, Reinhard Brandt, Harry Walter,


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