MERKUR

Heft 04 / April 2010

Diese Ausgabe erwerben
Printausgabe vergriffen, Artikel als PDF erhältlich, siehe unten
Helmut König

Aufarbeitung oder Integration? . Zum Umgang mit den Erbschaften von Diktaturen

« zurück zum Inhalt

Zitate:

Der brandenburgische Ministerpräsident Platzeck hat für die neueste Trendwende in der Diskussion über die DDR die Tür weit aufgestoßen, als er die Koalition seiner SPD mit der Partei Die Linke damit begründete, dass die Bevölkerung der DDR nun endlich in der Demokratie der Bundesrepublik ankommen müsse. Wenn schon Kurt Schumacher seinerzeit den Schergen der SS die Hand gereicht habe, so könne es doch im Blick auf den kleinen Unrechtsstaat der DDR nicht anrüchig sein, mit der Linken eine Regierung zu bilden. Die hinter dieser Auffassung stehende Faustregel für das Verhältnis zwischen Aufarbeitung und Integration lautet: Die Aufarbeitung einer vergangenen Diktatur und die Integration ihrer Träger und Mitläufer schließen sich aus. Man kann nicht beides gleichzeitig bekommen. In den fünfziger Jahren herrschte in der Bundesrepublik das "kommunikative Beschweigen" (Hermann Lübbe) der Untaten der Vergangenheit, und die Täter, Parteigänger und Mitläufer des Verbrecherstaates wurden mit offenen Armen in die Demokratie aufgenommen. Adenauer wusste übrigens tatsächlich sehr genau, was er tat. Er hatte ein klares Bewusstsein davon, dass sich ein gutes Gedächtnis und die Gründung der Demokratie nach 1945 nicht miteinander vertrugen. In den Jahren seit 1989 dagegen gab es zwar eine fortlaufende und intensive Aufarbeitung der DDR und ihres Unrechts, aber die Vorbehalte vieler Ostdeutscher gegen Demokratie und Rechtsstaat wurden nicht geringer, und das Schema einer Spaltung in westdeutsche Demokraten hier und ostdeutsche Antidemokraten dort ist immer noch in Gebrauch. So dass jetzt eine gleichsam nachholende Integration der Ostdeutschen nötig ist, die offenbar am besten dadurch gelingen soll, dass die Linke zur Regierungspartei gemacht wird. Doch was ist seit 1989/1990 in Sachen Aufarbeitung der DDR-Diktatur tatsächlich geschehen, und was kann man über ihre Wirkungen sagen? Und wie weit trägt der Vergleich mit der Bundesrepublik der fünfziger Jahre?

MERKUR Jahrgang 64, Heft 731, Heft 04, April 2010
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Chaim Noll, Helmut König, Alan Johnson, Theodore Dalrymple, Hans Stimmann, Richard Klein, Otfried Höffe, Siegfried Kohlhammer, Walter Laqueur, Ralph Bollmann, Stephen T. Asma, Michael Esders, Wolfgang Schömel,


Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de