MERKUR

Heft 04 / April 2010

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Alan Johnson

Ein bisschen Terror darf dabeisein . Zum Denken von Slavoj Zizek

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Zitate:

Wenn Zizek die revolutionäre Linke dazu anhält, die liberalen Skrupel gegenüber dem Terror zu ignorieren, schlägt er folgendes Verhaltensmuster vor: "Um bis zum Äußersten unmissverständlich und brutal zu sein, lässt sich eine Lektion lernen von Hermann Görings Antwort zu Beginn der vierziger Jahre auf die Frage eines fanatischen Nazis, warum er einen bekannten Juden vor der Deportation schütze: ´Wer bei mir Jude ist, bestimme ich.´ ... Wer bei uns links ist, bestimmen wir, und wir sollten deshalb liberale Vorwürfe der Widersprüchlichkeit einfach ignorieren." (Die schlägerhafte Aggressivität des neuen Stils bei der "Linken" erinnert eher an Tony Soprano als an Karl Marx.) Und was sollen wir von diesem Satz in In Defense of Lost Causes halten? "Die einzige wahre Lösung der ´Judenfrage´ ist die ´Endlösung´ (ihre Vernichtung), denn die Juden ... sind das letzte Hindernis für die ´Endlösung´ der Geschichte selber, für die Überwindung von Trennungen in einer allumfassenden Einheit und Flexibilität." Zizeks Idee der Revolution − "dieser magische Augenblick enthusiastischer Einheit eines kollektiven Willens" − ist in Wirklichkeit mehr Mussolini als Marx. Die Revolution wird vergeistigt als eine Eruption des Lacanschen "Realen", phantasiert als ein "Ereignis" im Sinne Badious, sie ist gegen die Demokratie selber gerichtet und voller Verachtung für den Willen der Mehrheit. Mit anderen Worten: Zizeks Revolutionstheorie ist faschistisch. Er schreibt: "Man sollte also eine doppelte Gleichung aufstellen: göttliche Gewalt = unmenschlicher Terror = Diktatur des Proletariats." Wir sollten von Robespierre lernen, dass "gerechte und strenge Bestrafung der Feinde die höchste Form der Gnade ist" und dass "Strenge und Barmherzigkeit im Terror zusammenfallen". Und da steht nun die neue "Linke", die Arme über der Brust verschränkt oder in die Seiten gestemmt, mit hervorspringendem Kinn auf irgendeinem Balkon und doziert über göttliche Gewalt und eine neue Ordnung. Zizeks "lost cause" meint die Idee des revolutionären Terrors, von oben herab eine utopische Ordnung zu erzwingen. Er zitiert den französischen Revolutionär Saint-Just − "Was das Allgemeinwohl hervorbringt, ist immer schrecklich" − und fügt die Fußnote hinzu: "Diese Worte sollten nicht als eine Warnung gegen die Versuchung, das Allgemeinwohl gewaltsam in einer Gesellschaft durchzusetzen, aufgefasst werden, sondern im Gegenteil als eine bittere Wahrheit, die es rückhaltlos zu unterstützen gilt." Ließe es sich noch klarer formulieren?

MERKUR Jahrgang 64, Heft 731, Heft 04, April 2010
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Chaim Noll, Helmut König, Alan Johnson, Theodore Dalrymple, Hans Stimmann, Richard Klein, Otfried Höffe, Siegfried Kohlhammer, Walter Laqueur, Ralph Bollmann, Stephen T. Asma, Michael Esders, Wolfgang Schömel,


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