MERKUR

Heft 05 / Mai 2010

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Horst Dreier

Rechtskolumne . Staatsbildung als Vorgang der Konfessionalisierung

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Zitate:

Es gehöre zu den "Metanarrativen des deutschen Staatskirchenrechts, dass der konfessionelle Bürgerkrieg die Geburtsstunde des modernen Staates bildet, weil er den neutralen Staat als eine Art Wächter über die Religionskonflikte auf den Plan rief", schrieb kürzlich Hans Michael Heinig in der Juristenzeitung (November 2009). Und in der Tat stammt aus der prominenten Feder von Ernst- Wolfgang Böckenförde die oft repetierte Wendung, wonach die Entstehung des Staates ein "Vorgang der Säkularisation" sei. Noch prononcierter hatte ein anderer Schüler Carl Schmitts formuliert, der souveräne, weltanschaulich neutrale Staat sei "eine Hervorbringung des Zeitalters der konfessionellen Bürgerkriege" und werde letztlich "Instrument zu ihrer Überwindung". Diese These hat enorme Verbreitung gefunden, und es lässt sich kaum ermessen, wie oft sie in Vorlesungen und Seminaren, in öffentlichen Debatten, in Feuilletons und Diskussionszirkeln nachgesprochen oder in Publikationen als praktisch unangefochtene Gewissheit behandelt worden ist. Der Erfolg hat seine Gründe. Zur eindrucksvollen Prägnanz der knappen und sachlich gehaltvollen Formulierung − Staat als Produkt konfessioneller Bürgerkriege − tritt die Plausibilität des Gedankens. Es scheint ja absolut schlüssig, dass im unerbittlichen, blutigen Kampf der konfessionellen Parteien um die wahre christliche Lehre der Staat letztlich darauf verzichtet, sich mit einer Seite zu identifizieren. Er suspendiert die das Gemeinwesen zerreißende religiöse Wahrheitsfrage, indem er sie schlussendlich in die Sphäre des privaten Glaubens und Gewissens abdrängt, und etabliert sich als weltanschaulich-religiös neutrale Friedensmacht oberhalb der pluralen Gruppierungen. Kraft dieser rein innerweltlichen, säkularen Legitimation lassen sich Frieden und Sicherheit trotz der Existenz unterschiedlicher Bekenntnisse garantieren. Diese Erzählung hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Sie stimmt nicht mit der historischen Entwicklung überein.

MERKUR Jahrgang 64, Heft 732, Heft 05, Mai 2010
180 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Henning Ritter, Alfred Gulden, Dirk von Petersdorff, Martin Urmann, Thomas Frahm, Horst Dreier, Kathrin Passig, Markus Knell, Karl Heinz Bohrer, Sanford Schwartz, Wolfgang Marx, Helmut Niemeyer,


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