MERKUR

Heft 06 / Juni 2011

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Invasion der Barbaren

Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus

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Printausgabe vergriffen, Artikel als PDF erhältlich, siehe unten
Harald Seubert

»Christlich-jüdische Wurzeln«? . Woher Europa kommt und woraus es lebt

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Zitate:

Ein Wortgespenst geht um in Europa und hat sogleich die öffentliche Debatte erobert: das Retortenwort von der "christlich-jüdischen Wurzel" Europas und vor allem Deutschlands. Über Parteigrenzen hinweg wird diese Wurzel seit einiger Zeit gehegt und gepflegt. Man darf vermuten, dass damit dem alten Postulat einer "Leitkultur" neues Leben eingehaucht werden soll. Sozusagen als Pendant zur Mitteilung des Bundespräsidenten, auch der Islam "gehöre" heute zu Deutschland. Um diesen viel umstrittenen Satz annehmbar zu machen, musste er mit einer christlich-jüdischen Wurzel versüßt werden. Die neue Genealogie deckt sich indes nicht mit dem überkommenen Selbstverständnis. Es besagte, dass die Identität der modernen westlichen Demokratien in der Aufklärung gründet. Auch hier blieben Fragen. Welche Aufklärung war gemeint? Der Rationalismus der Franzosen, der Empirismus der Briten? Schließt konsequente Aufklärung den Abschied von aller Religion ein und ist gleichbedeutend mit radikaler Religionskritik? Oder hilft sie den "Glutkern" von Religion bewahren? Jede Frage nach Herkunft ist schwierig. Nicht nur im Leben des Einzelnen. Es scheint aber der Herkunftsfragen doch zu bedürfen, nicht nur in Sonntagsreden. Gesucht wird eine Mitte. Eine Mitte jenseits technokratischer Handlungsoptionen und sozialstaatlicher Stellschrauben und zugleich diesseits des großen Rausches, der "starken Gründe zusammenzusein", wie Peter Sloterdijk sagt. Doch leicht verflüchtigt sich die Identitätssuche in Floskeln. Und wenn man es in einer hochspezialisierten Zeit genauer wissen möchte und die Wissenschaften befragt, bleibt von den großen Worten oft nur Marmorstaub zurück. Wie also ist es um die "christlich-jüdische" Wurzel bestellt? Ist es eine Wurzel, oder sind es deren zwei? Hätten wir es mit einer einzigen Wurzel zu tun, so wäre die Kontinuität der Heilsgeschichte die maßgebliche Instanz und nichts trübte die ebenso triviale wie berechtigte Einsicht, des vielfachen christlichen Antijudaismus zum Trotz, dass Jesus gläubiger Jude war und seine Predigt wie sein Leben dem jüdischen Gesetz folgten. Selbst für kurze Identitätsformeln ist die Spannung zwischen Judentum und Christentum, Altem und Neuem Bund zu groß, um ausgeblendet zu werden. Paulus trug den Konflikt in sich aus. Noch Jude (auch römischer Bürger), schon Angehöriger eines Glaubens, mit dem das Gesetz gerade sein Ende finden sollte. Sein Römerbrief ist auch als Psychogramm dieses Widerstreits zu lesen. Eines Widerstreits, der den großen jüdisch- christlichen Bogen problematisch macht.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 745, Heft 06, Juni 2011
95 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Bernhard Schlink, Heinz Theisen, Uwe Simson, Nidra Poller, Wolfgang Kemp, Karen Horn, Thomas Speckmann, David Goodhart, Harald Seubert, Thomas Frahm, Joaquín García-Huidobro, Jochen Rack,


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