MERKUR

Heft 06 / Juni 2011

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Invasion der Barbaren

Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus

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Printausgabe vergriffen, Artikel als PDF erhältlich, siehe unten
Jochen Rack

Neue Bilder aus der globalisierten Welt

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Zitate:

Die meisten ausländischen Mitbürger, mit denen ich im Alltag zu tun habe, sind in handwerklichen Berufen tätig. Mein Schneider, der eine Hose für sieben Euro kürzt, floh 2004 aus dem Irak nach Deutschland, der Koch in dem vietnamesischen Imbiss kam 1979 mit der Cap Anamur in die Bundesrepublik, ein Philippine machte bei meinem letzten Umzug die Malerarbeiten, der Fliesenleger war Slowake, Rumänen schleppten die Möbel. Vor allem aber prägen die Türken die Kleinökonomie der Stadt, wie zum Beispiel der Elektrohändler, der gebrauchte Spülmaschinen und Kühlschänke verkauft und sich noch die Mühe macht, defekte Geräte eigenhändig zu reparieren. Mein Friseur hat einst in Kurdistan als Elektriker gearbeitet, bevor ihn die wirtschaftliche Not und die Bedrohung durch das türkische Militär nach Deutschland führten, wo er das Haareschneiden lernte, weil sein Handwerksabschluss nicht anerkannt wird. Von seinem Einkommen ernährt er seine Familie in Kurdistan, aber seine Frau kann er nur alle zwei Jahre sehen, woran seine Ehe inzwischen gescheitert ist. Wenn mein Computer streikt, suche ich den kleinen Laden im Westend auf, geführt von einem Palästinenser, der Ende der neunziger Jahre mit seinem Bruder aus dem Gazastreifen nach Deutschland kam. Bei Herrn Ahmed herrscht eine freundlich-entspannte Atmosphäre, auch laienhafte Fragen werden nicht von oben herab, sondern geduldig und ausführlich beantwortet, und die moderaten Preise entsprechen dem Einkommensniveau von Migranten, die einen Großteil der Kunden ausmachen: Menschen aus Afrika oder Indien, die im Internet- Callshop nebenan mit ihren Verwandten zu Hause telefonieren. Einer der Computertechniker ist ein muslimischer Somalier, der 1994 nach der missglückten amerikanischen Intervention in den Bürgerkrieg auswanderte und eine Deutsche heiratete, mit der ein Kind hat. Nach der Scheidung überlegte er, nach London umzuziehen, wo man, wie er sagte, als gelernter Programmierer mehr verdienen kann. Da er durch seine Heirat deutscher Staatsbürger ist und somit in den Genuss der europaweiten Freizügigkeit kommt, hätte er für den Ortswechsel nicht einmal ein Visum gebraucht. Allerdings zögerte er mit seinem Entschluss so lange, bis die Finanzkrise Großbritannien traf mit allen Folgen von Arbeitslosigkeit und sozialer Unsicherheit. So blieb er doch lieber in München, wo es zwar keine nennenswerte afrikanische Community gibt, der er sich kulturell noch immer zugehörig fühlt, aber auch so gut wie keine Arbeitslosigkeit.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 745, Heft 06, Juni 2011
95 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Bernhard Schlink, Heinz Theisen, Uwe Simson, Nidra Poller, Wolfgang Kemp, Karen Horn, Thomas Speckmann, David Goodhart, Harald Seubert, Thomas Frahm, Joaquín García-Huidobro, Jochen Rack,


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