MERKUR

Heft 08 / August 2011

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Egon Flaig

Warum gibt es kein historisches Trauma? . Einen Nonsense-Begriff verabschieden

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Zitate:

Es gibt kollektive Selbstbilder, die zu Beschimpfungen berechtigen, zu Anklagen, zu Hassausbrüchen und zu Mordaufrufen. Die Kampagne gegen den französischen Historiker Olivier Pétré-Grenouilleau 2005/2006 markiert einen vorläufigen Höhepunkt. Pétré-Grenouilleau hatte darauf hingewiesen, dass der transatlantische Sklavenhandel nicht auf einer Stufe mit der Schoah steht, dass es die Afrikaner waren, die sich gegenseitig versklavten, um ihre Sklaven an die Araber und an die Europäer zu verkaufen. Historiker stehen betreten vor diesem Phänomen: Die physischen Zuckungen des eingebildeten Leidens ganzer Kollektive verheeren den medialen Raum. Solche Kollektive sehen ihre Vorfahren als Opfer von Erniedrigungen und leiten aus dem Status, Nachfahren zu sein, Ansprüche aller Art ab, memorialpolitische, symbolische, moralische, finanzielle. Sie erfinden sich ein kollektives Gedächtnis, das desto abstruser wird, je fanatischer sie es vor sich hertragen. Wer das tut, muss sich freilich darauf gefasst machen, dass die historische Wahrheit anders aussieht als dieses politisierte Gedächtnis und dass er sich plötzlich als Nachfahre auch von Tätern wiederfindet. Gegen das Zurkenntnisnehmen solcher Wahrheit helfen dann nur noch Verleumdung, Hass und − letztlich − Gewalt. Pierre Nora hat sich deshalb auf dem letzten Historikertag im September 2010 in Amsterdam dafür ausgesprochen, die Gesetze zur Gedächtnispolitik zu suspendieren. Es geht hierbei weniger um Gedächtnispolitik; es geht um Kategorien und Verfahren in der Forschungspraxis.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 747, Heft 08, August 2011
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Karl Heinz Bohrer, Egon Flaig, Konrad Adam, Alfred Gulden, Joachim Sartorius, Jens Bisky, David Wagner, Peter Brown, Christian Schröder, Horst Meier, Christoph Markschies, Wolfgang Marx, Hans Dieter Schäfer,


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