MERKUR

Heft 08 / August 2011

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Peter Brown

Was wir den Christen verdanken . Zu Alan Camerons Meisterwerk »The Last Pagans of Rome«

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Zitate:

The Last Pagans of Rome ist nicht weniger als ein Lebenswerk, oder genauer, es ist das Werk einer Generation, in der Cameron eine überragende Erscheinung darstellte. Denn wir dürfen den emotionalen Druck nicht vergessen, der an der Entstehung des falschen Bildes von den letzten Heiden beteiligt war. Nicht zufällig wurde das Szenario eines verzweifelten letzten Gefechts des Paganismus mit besonderem Engagement in den unmittelbar auf den Zweiten Weltkrieg folgenden Jahren vertreten, denn darin kamen die Ängste einer Nachkriegswelt zum Ausdruck. Für die Gelehrten in Europa und Amerika, die gerade erst dreißig Jahren voller Gewalt und ideologischer Intoleranz entkommen waren, nur um mit dem neu sich ausbreitenden Schatten des Kalten Krieges konfrontiert zu werden, schien der Kampf zwischen einem liberalen Paganismus und einem intoleranten Christentum wie eine Vorahnung der Albträume ihrer eigenen Zeit. Viele der Gelehrten, die diese Sicht des Endstadiums des Paganismus vertraten, hatten Exil und Schlimmeres erdulden müssen. Die große Traurigkeit einer Generation, die solche Dunkelheit durchmessen hatte, lastet auf ihrem Werk. Nur ein Jahrzehnt später kam der Nachkriegsgeneration das alles etwas übertrieben vor. Ein derart larmoyanter Sinn fürs Melodramatische, der auf so lückenhaftem Beweismaterial beruhte, erregte sogleich bei vielen von uns jenen kreativen Ärger, der leider immer schon ein Kennzeichen der Jugend war − selbst auf einem so respektablen und respektvollen Gebiet wie der alten Geschichte. Camerons großartiges Buch wird deshalb von vielen von uns gelesen werden, als ob es ein besonders gut gelauntes Klassentreffen wäre. Wir können vergnügt in den sechziger Jahren verweilen, als Cameron bereits der Torschützenkönig der vielen Spiele war, die wir, die Heimmannschaft angehender Erforscher der Spätantike, gegen die Mächte des Irrtums, der Überinterpretation und Sentimentalität bestritten. Mittlerweile aber ist fast ein halbes Jahrhundert vergangen. The Last Pagans of Rome ist das Buch einer ganzen Generation. Ein Muster an Gelehrsamkeit und argumentativer Integrität und zugleich ein Buch, das noch zu vielen künftigen Generationen sprechen wird.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 747, Heft 08, August 2011
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Karl Heinz Bohrer, Egon Flaig, Konrad Adam, Alfred Gulden, Joachim Sartorius, Jens Bisky, David Wagner, Peter Brown, Christian Schröder, Horst Meier, Christoph Markschies, Wolfgang Marx, Hans Dieter Schäfer,

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