MERKUR

Heft 08 / August 2011

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Christian Schröder

»Sie sind ein sehr schöner Mann« . Verschwunden hinter seinem Mythos: Giacomo Casanova

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Zitate:

Casanova gehört zu den Gestalten der Weltgeschichte, die vollkommen hinter ihrem eigenen Mythos verschwunden sind. Mit den erotischen Abenteuern, die er in seinen Memoiren ausbreitet, hat er die Phantasie von Autoren und Regisseuren so nachhaltig beflügelt, dass man ihn im Nachhinein für eine fiktive Figur halten könnte. Sein Name ist zum Synonym eines Verführers und Eroberers geworden, bis heute gilt Casanova als Inkarnation des ungezügelten Mannes, der genau weiß, was die Frauen wollen. Dass er auch ein philosophischer Kopf und begnadeter Schriftsteller war, der Autor der "größten Selbstdarstellung des 18. Jahrhunderts", so Hans Blumenberg, ist in Vergessenheit geraten. Dieses Defizit hat mit der unglücklichen Editionsgeschichte seines Hauptwerks zu tun. Casanova hatte die Geschichte meines Lebens, ein literarisches Monument von über viertausend Seiten, ab 1790 im böhmischen Schloss Dux geschrieben, wo er als Bibliothekar für den Grafen von Waldstein arbeitete. Das in französischer Sprache verfasste Manuskript war 1821, dreiundzwanzig Jahre nach Casanovas Tod, von seinem Erben an den Leipziger Verleger Friedrich Arnold Brockhaus verkauft worden. Eine erste deutsche Ausgabe wurde 1828 zum Skandalerfolg. Doch als der Verlag angegriffen wurde, das "unmoralische Werk" überhaupt herausgebracht zu haben, sah Brockhaus sich gezwungen, die Handschrift wegzusperren und jeden Zugang zum Text zu untersagen. In Frankreich kursierten die Memoiren nur in verfälschenden Rückübersetzungen aus dem Deutschen oder in Übersetzungen, die um "allzu wollüstige Passagen" gekürzt worden waren. Eine vollständige Version der Geschichte meines Lebens konnte erst 1964 erscheinen. Ihr Happy End fand diese Editionsgeschichte im Februar 2010, als die Pariser Bibliothèque Nationale das Manuskript zu einem Kaufpreis von gut sieben Millionen Euro von der Familie Brockhaus erwarb. Nun ist Casanova dort angekommen, wo er hingehört, im Allerheiligsten der französischen Literatur.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 747, Heft 08, August 2011
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Karl Heinz Bohrer, Egon Flaig, Konrad Adam, Alfred Gulden, Joachim Sartorius, Jens Bisky, David Wagner, Peter Brown, Christian Schröder, Horst Meier, Christoph Markschies, Wolfgang Marx, Hans Dieter Schäfer,


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