MERKUR

Heft 09 / September 2017

Heft 820

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Zitate aus Merkur, Nr. 820, September 2017


Erneut ist die Wirklichkeit genau das, was sich entzieht. Prägnant ist die Frage nach ihr, während jede Antwort weitere Fragen aufwirft. Als Wissenschaftler muss ich die Frage entscheiden, welche Abhängigkeit ich untersuchen will. Philosophisch heißt das jedoch, dass ich die Frage auch entscheiden kann. Und das wiederum bedeutet, dass sie umstritten sein darf, vielleicht sogar muss.
Dirk Baecker, Was ist nochmal Wirklichkeit?

Nur ein einziger Aspekt sorgt noch für Irritation: Bildung ist als seltsam retardierendes Moment in diesen Umstrukturierungsprozessen und Diskussionen trotzdem immer noch präsent. Sie geistert noch herum, Bildung ist sozusagen das schlechte Gewissen der Dauerreform. Man sieht das ganz einfach daran, dass man das Wort nicht verabschiedet, obwohl man das mit der Sache längst getan hat.
Heiko Christians, Bildung und Umgebung (II)

Die Doppelstrategie des IS im Umgang mit dem antiken Erbe reflektiert den doppelten Charakter dieser Objekte, die als Kulturgüter symbolische Bedeutungsträger sind, zum anderen aber als Kunstwerke und antike Artefakte zugleich Kulturgüter im ökonomisch-kommerziellen Sinn. Damit unterliegen sie Angebot und Nachfrage, sie werden auf Märkten gehandelt, und sie haben einen Preis.
Steffen W. Groß, The Monuments Men Are Back

Früher war ich das Kind, heute ist Papa das Kind. Und mein Kind, daran muss ich nun denken, ist eigentlich kein Kind mehr. Papa hingegen ist es wieder geworden. Und wie ein Kind fragt er jetzt wieder, schon wieder, wohin wir denn gehen.
David Wagner, Hausbesuche III – Bonn

Daraus folgt, dass es keine vorpolitischen Voraussetzungen gibt, auf die der liberale Staat sich "am Tag der Krise" stützen könnte. Indem der liberale Staat dies glaubt, verwandelt er diese Voraussetzungen, gleich ob Kultur oder Religion, in etwas Vorliegendes oder Gegebenes, das er bloß aufzunehmen braucht, weil es von selbst existiert. Für den liberalen Staat ist daher gerade die freiheitliche Kultur bloß wie Natur: das, was von selbst entsteht und besteht. Die politische Inanspruchnahme naturalisiert die Kultur.
Christoph Menke, Philosophiekolumne

Am Tag der Amtseinführung (Trumps) wurde Richard Spencer an einer Straßenecke in Hörweite zum großen Ereignis interviewt, als eine Figur im schwarzen Kapuzenpulli auf ihn zu stürzte und ihm einen Hieb ins Gesicht versetzte. Die Aufzeichnung dieses Vorfalls wurde umgehend verbreitet, aufbereitet, vertont. Der Klangwiderstand trat damit in eine neue Phase. Der Spencer-Hieb wurde zum audiovisuellen Zeichen des Widerstands, zum Emblem, vielfach variiert.
Holger Schulze, Klangkolumne

Ohne im Ästhetizismus zu erstarren hat das House ungewohnte oder zumindest multiple Formen gefunden, seine Objekte zu präsentieren. Mal hochgradig zum Bild gemacht, mal serialisiert oder exemplarisch aufbereitet wie die Klassenfotos aus europäischen Ländern, anhand derer die verschiedenen Bildungssysteme beleuchtet werden. Möchte ich darüber nichts wissen, kann ich mich am Bild einer Grundschulklasse freuen, mit Schülern, die Brezeln auf dem Schoss haben, die beinahe größer sind als die einzelnen Kinder.
Stefan Krankenhagen, Gegründet 2017 als House of European History

Müsste eine »Leitkultur für Deutschland« im de Maizière’schen Sinn nicht vor allem aus dem bestehen, was den Alltag der Menschen bestimmt, aus ihrer »Lebenswelt«? Es ist die Wirklichkeit, an der der Mensch immer wieder teilhat und die er durch eigenes Handeln verändern kann. Eine Wirklichkeit, die er oft gar nicht mehr wahrnimmt, weil er zu eng mit ihr verwoben ist, um sie noch aus analytischer Distanz betrachten zu können. So eine Wirklichkeit ist nicht festzuschreiben.
Thomas Thiemeyer, Leitkultur – Von den Tücken eines Begriffs

Die oft verwendete Formel „Zukunft braucht Herkunft“ wird aus dieser Sicht erst in der Negation richtig: Zukunft wird dann gestaltbar, wenn man sich aus der Pfadabhängigkeit der Herkunft nach Kräften zu lösen versucht. Insofern gilt gerade: Zukunft braucht Überwindung von Herkunft.
Felix Heidenreich, Die EU braucht keine Identität

Medea polarisierte. Viele meiner Intelligentsia-Bekannten waren über unsere Freundschaft regelrecht schockiert. Dass eine junge Frau sich so unbekümmert öffentlich darstellte, war in Georgien nicht vorgesehen. Wobei ihr flamboyantes Verhalten, wie ich stückweise zu ahnen begann, eigentlich eine Flucht nach vorn war, eine Flucht vor dem sozialen und ethnischen Stigma.
Stephan Wackwitz, Medeas Geschichte

Der Berg ist ein ganzes Paket von Zeitzonen: Viele hundert Jahre alte Laubwälder, die dann abrupt aufhören an wüsten schwarzroten Lavafeldern, erzeugt von Ausbrüchen vor dreißig oder fünfzig Jahren. Wenn der Vulkan „Jetzt!“ sagt, ist das reine, heiße Negativität: Der Flughafen von Catania ist häufiger gesperrt, wenn „il vecchio“ Asche spuckt.
Valentin Groebner, Südfrüchte vom Ätna

Die indogermanische Wurzel des Wortes Stern ("ster") verweist über die Bedeutung von "streuen, ausstreuen" auf: "am Himmel Ausgestreutes", speichert also gleichzeitig die Erfahrung von Kontingenz und von Verschwendung in sich. Als hätte ein Gott aus einer Laune heraus mit einer einzigen Handbewegung seinen mit Edelsteinen gefüllten Beutel am Himmel ausgeleert. An ihrem Anblick gibt es, so gesehen, nichts zu verstehen.
Harry Walter, Ein Sternenset

MERKUR Jahrgang 71, Heft 820, Heft 09, September 2017
104 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Dirk Baecker, Heiko Christians, Steffen W. Groß, David Wagner, Christoph Menke, Holger Schulze, Stefan Krankenhagen, Thomas Thiemeyer, Felix Heidenreich, Stephan Wackwitz, Valentin Groebner, Harry Walter,


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