MERKUR

Heft 11 / November 2017

Heft 822

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Zitate aus Merkur, Nr. 822, November 2017

Man sah von Petersburg aus manches in Europa schärfer: die „Verbürgerlichung“ der ehemals revolutionären Arbeiterbewegung oder den Gang einer Aufklärung, die "von Kant zu Krupp" geführt hatte – so Nikolaj Ern im ersten Kriegsjahr 1915. Man empfand an diesem vorgeschobenen Posten die begrenzte Reichweite des europäischen Weges auf die Höhen der Zivilisation.
Karl Schlögel, Sankt Petersburg – Petrograd – Leningrad

Seit 2006 baut Palariev das Dorf seines Vaters zu Ehren seiner Ahnen als Ferienresort und Agrarbetrieb wieder auf. Die Hauptattraktion seiner wie ein Ufo in der Steppe gelandeten Anlage ist ein Skulpturenpark mit Helden der Sowjetunion. Überall im Land lässt die prowestliche Regierung diese Skulpturen schleifen. Palariev kauft sie günstig auf und präsentiert sie unter freiem Himmel.
Jörg Scheller, Globalisierung im Mikrokosmos

Denn nicht nur die Orthodoxie hatte den zionistischen Schulterschluss vollzogen, selbst die Ultraorthodoxie arrangierte sich mit dem Staat. Diese schwarzgekleideten, Kaftan tragenden Juden sind zwar keine Zionisten geworden, denn einer politischen „Erlösung“ trauen sie nicht, aber sie haben sich die Sonderbedingungen ausgehandelt, die sie zu festen Partnern des Systems machen.
Jakob Hessing, Weltanschauung in der Krise

Amerikanische Architekten haben, mit zunehmendem urbanistischen Erfolg, einen Trick gefunden, um den Schatten zu beseitigen, den Hochhäuser in den Schluchten dazwischen werfen: einen Betonzwilling gegenüber zu bauen und beide mit einer spiegelnden Front zu versehen und so zu platzieren, dass die Fassade des nördlicher gelegenen Baus mit Hilfe des einfallenden Lichts den Schatten wegspiegelt, den der südlichere wirft
Christiaan Lucas Hart Nibbrig, Das schattenlose Glimmen der Oberfläche

Kompetenzunterschiede zwischen den handelnden Akteuren in der EU gibt es natürlich. Aber selbst wenn Rechtssystem und Juristenausbildung sich in allen Mitgliedstaaten auf demselben Niveau befänden, und selbst wenn kontingente Schwächen im Rechtsetzungsprozess der EU erfolgreich abgebaut würden, bliebe es doch dabei, dass die Bedingungen transnationaler Rechtsetzung der Entstehung gesetzestechnisch zufriedenstellender Rechtstexte vergleichsweise wenig förderlich sind.
Gertrude Lübbe-Wolf, Diplomatisierung des Rechts

Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das gerade wegen seiner vielen dubiosen Aktionen im NSU-Komplex mit größter Skepsis behandelt gehörte, wird in der Rolle eines scheinbar objektiven, allwissenden Erzählers verdächtiger krimineller Bewegungen weiterhin kaum hinter-fragt. Es waltet eine bosbachschlichte Solidarität mit den Behörden. Dabei träfe die Kritik ja nicht die niederen Ausführenden, sondern zielte auf Struktur und Führung.
Matthias Dell, NSU-Berichterstattung

Wäre Eros the Bittersweet nicht eine altphilologische Untersuchung mit Siglen, Bibliografie und Glossar und fast zweihundert Seiten Umfang, könnte man den Text als Programmschrift für eine andere Form des Schreibens lesen. Eines Schreibens, das über die tiefgegrabenen Grenzen zwischen experimentellem und erzählerischem Schreiben, Avantgarde und Bekenntnisliteratur, Tragödie und Slapstick hinwegspringt.
Christina Dongowski, Anne Carsons hybrides Schreiben

Fjodor Dostojewski hat den eigenartigen Sachverhalt in seinen Aufzeichnungen aus dem Abseits (1864) durch die Formel 2 x 2 = 5 veranschaulicht, die für das im Westen dominante, auf die Gewissheit von 2 x 2 = 4 fixierte Denken schlichter Nonsens ist, in Russland jedoch gern gehandhabt wird: Man befreit sich damit von den Zwängen begrifflicher und argumentativer Korrektheit im Interesse einer höheren, ganzheitlichen, transrationalen Wahrheit, die mehr Glaubens- denn Wissenssache ist.
Felix Philipp Ingold, Russlands zwiespältiges Verhältnis zum Westen

2006 erhält mein Vater ein Schreiben von der Nachfolgeorganisation des KGB der Ukrainischen Sowjetrepublik, in dem er auf die Möglichkeit einer Akteneinsicht hingewiesen wird. Dieser Brief auf Ukrainisch, übersetzt mit Google Translate, macht für ihn Odessa zum ersehnten Reiseziel.
Eleonora Hummel, Ein Dorf voller Verschwörer

Mein Vater traf sich offenbar mit anderen Pädophilen, sie nahmen Knaben mit zu diesen Treffen, und es kam vor, dass diese Knaben zu seichten Sexspielchen ausgetauscht wurden. Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Auch ich war an solchen Treffen ab und zu dabei gewesen. Nur habe ich das nie mitbekommen. Ich war nicht informiert und wusste von nichts, ich sah nur eine Welt, dies es so gar nicht gab, nie gegeben hatte.
Dominik Riedo, Die Möwe J.

Die Zeiten sind schließlich vorbei, in denen das Adjektiv "international" so etwas wie ein Codewort war für alles, was sich als antiprovinziell oder modern verstand. International fühlte man sich vor über einem halben Jahrhundert ja schon, wenn einem ein "Hallo" leichter von den Lippen ging als ein "Grüß Gott" oder "Guten Tag".
Harry Walter, International

MERKUR Jahrgang 71, Heft 822, Heft 11, November 2017
104 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Karl Schlögel, Jörg Scheller, Jakob Hessing, Christiaan L. Hart Nibbrig, Gertrude Lübbe-Wolff, Matthias Dell, Christina Dongowski, Felix Philipp Ingold, Eleonora Hummel, Dominik Riedo, Harry Walter,


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