Jorge Volpi

Jorge Volpi

Jorge Volpi wurde 1968 in Mexiko Stadt geboren, studierte dort Jura und Literatur und promovierte im spanischen Salamanca. Seit 1992 Schriftsteller, ist er Gründungsmitglied von »Crack«, einem literarischen Zirkel von Autoren, deren Manifest eine Abkehr vom magischen Realismus fordert. Volpi war...

Jorge Volpi wurde 1968 in Mexiko Stadt geboren, studierte dort Jura und Literatur und promovierte im spanischen Salamanca. Seit 1992 Schriftsteller, ist er Gründungsmitglied von »Crack«, einem literarischen Zirkel von Autoren, deren Manifest eine Abkehr vom magischen Realismus fordert. Volpi war Kulturattaché in Paris und ist jetzt Programmdirektor des mexikanischen Kulturfernsehens.

Interview mit Jorge Volpi über seinen Roman »Zeit der Asche«

Wie sind Sie zum Thema des Buches gekommen?

Der Fall der Mauer und der Zusammenbruch des Sowjetreiches haben meine Jugend stark geprägt.Es kommt ja nicht gerade oft vor, dass man den Niedergang eines Imperiums direkt mitbekommt. Mir ging es mit »Zeit der Asche« nun darum, zu schildern, wie einige ganz normale Menschen, vor allem eben Frauen, diese tiefgreifenden Umwälzungen erlebt haben. Wie lebt man weiter, nachdem alles, woran man geglaubt hat, plötzlich hinfällig ist? Denn es endet nicht nur eine politische Form, sondern auch eine Weise, die Welt zu sehen und zu verstehen. unter anderem davon handelt das Buch.

Warum erzählen Sie die Zeitgeschichte durch das leben dreier Frauen?

Eine der großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts war die Emanzipation der Frau. Davor konnten Frauen in praktisch keinem Land der Welt wählen, rechtlich sind sie sehr eingeschränkt gewesen, und bis heute ist - zumindest in der westlichen Welt und trotz aller bestehenden ungleichheiten und Benachteiligungen - der Zuwachs an Freiheit enorm. Ich wollte, dass dieser Roman über die großen Umwälzungen, die fast alle von Männern vorangetrieben wurden, aus der Sicht einiger sehr unterschiedlicher Frauen erzählt wird. Sowohl Frauen, die diesen Veränderungen zum Opfer fallen, als auch solchen, die sie aktiv gestalten und davon profitieren.

Woher stammt Ihr ausgeprägtes Interesse an der Wissenschaft?

Ich halte die Wissenschaft für eine der großen menschlichen Errungenschaften. Und ich glaube, dass es völlig unmöglich ist, eine bestimmte Epoche zu verstehen, ohne das entsprechende wissenschaftliche Denken zu berücksichtigen. Genau wie die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr von der modernen Physik bestimmt war (das kulminiert dann in Hiroshima und Nagasaki), scheint mir, dass man sich heute in besonderer Weise mit Biologie, hier vor allem der Genetik, und der Ökonomie auseinandersetzen muss. Das »egoistische Gen« (Richard Dawkins) scheint unsere Neigung zum Kapitalismus zu bestimmen. In gewisser Weise hat der Kommunismus versucht, diese Tendenz zu bekämpfen. Der Fall der Mauer markierte dann aber den Triumph des egoistischen Individuums. Deshalb die Parallerzählung von Humangenomprojekt und dem Ende der UDSSR.

Wie sehen Sie, in Anbetracht der derzeitigen Situation, die Zukunft des Kapitalismus?

Mein Buch beginnt im Grunde mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 und erzählt dann, wie es dem Kapitalismus in den folgenden Jahren gelingt, sich neu zu formieren und am Ende sogar das ökonomische und ideologische Konkurrenzmodell hinwegzufegen. Heute gibt es abermals anzeichen dafür, dass der Kapitalismus in Zersetzung begriffen ist. Nachdem man zwanzig Jahre lang die Herrschaft freier Märkte behauptet und die Verschlankung des Staates gepredigt hat, befindet sich die Welt wieder in einer erheblichen Krise, und die, die das ende der Geschichte ausgerufen haben, fordern heute, dass der Staat stärker ins globale Wirtschaftsgeschehen eingreife. Es ist nicht klar, ob sich derzeit das Ende Amerikas ankündigt, aber vielleicht sollten wir versuchen, die beiden zentralen Ideen des Sozialismus, auch wenn sie von den Diktaturen so gründlich diskreditiert worden sind, neu zu beleben: die Solidarität und die Brüderlichkeit. es wird sich jedenfalls bald zeigen, ob der Kapitalismus wieder auf die Beine kommt, oder ob es notwendig ist, ein anderes Modell stark zu machen.

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