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Kreativität im Alltag

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Entdecken Sie Ihre eigene Kreativität!

Jeder Mensch ist kreativ! Kann aber jeder kreativ sein? Entscheidend ist, wie entschlossen man zu den eigenen schöpferischen Fähigkeiten steht, diese umsetzt und lebt. Der renommierte Psychologe Martin Schuster zeigt an vielen Beispielen aus dem Alltag und dem Leben von Erfindern, wie jeder seine je eigene Kreativität entwickeln, umsetzen und festigen kann.

Kann jeder Mensch kreativ sein? Entscheidend ist, wie entschlossen man zu den eigenen schöpferischen Fähigkeiten steht und diese auch wirklich umsetzt und lebt. Der renommierte Psychologe Martin Schuster zeigt an vielen Beispielen aus Alltag und Leben von Erfindern, wie jede und jeder seine eigene Kreativität entwickeln, umsetzen und festigen kann. Er stellt dabei die wesentlichen Fragen:
- Welche Probleme sind überhaupt lösbar, welche können Sie lösen?
- Welches Vorwissen benötigen Sie?
- Wann und warum waren bestimmte Innovationen und Erfindungen überhaupt möglich?
- Wie lässt sich von Erfindern lernen?

Inhaltsverzeichnis

INHALT

Vorwort: Jeder Mensch ist schöpferisch   8

1. Einleitung: Ihre eigene Kreativität   10
Das kreative Abenteuer – los geht's 11
Kreative Höchstleistungen und das Modell Bergsteigen 13
Wege durch das Buch 17

2. Was ist kreativ?   18
Was bedeutet »kreativ?« 18
Kategorien der Kreativität 21
Kreativität in der Kunst 23
Kreativität und Kunst als Freizeitbeschäftigung 26
Kreativität wahrnehmen 28
Die täglich verfügbare Kreativkraft, die Alltagskreativität 38

3. Kreativität muss man wollen   47
Für Kreativität kann man sich entscheiden   47
Warum ist Kreativität aber auch schwierig? 49
Was hat man davon, wenn man sich für mehr Kreativität entscheidet? 55

4. Kreativität bemerken und schätzen   65
Lieben Sie den verrückten Einfall? 65
Denkschranken 72

5. Der Schaffensdrang   77
ie Notlage 77 Das körperliche Leiden 78
Der psychische Konflikt 79
Eine Skala für den Schaffensdrang (mit Stufen von 4 bis 1) 81

6. Umstände, die das kreative Werk fördern   83 Alkohol: Kommt der kreative Geist aus der Flasche? 83
Drogen und Kreativität 84
Psychose und Kreativität, Genie und Wahnsinn 86
Die Außenseiter 89
Anregungen suchen 91
Die Gruppe, die Freunde, die Brüder und die Ehegatten 93
Freizeit und Freiheit 96

7. Eigenschaften, die Kreativität begünstigen 98
Wie kann man sich weiterentwickeln? 104

8. Die kreative Idee   119
Träume und die kreative Idee 119
Suchfrage und Zufall 123

Die Erfindung liegt in der Luft: Doppelt-Entdeckungen 123
Für die Nachwelt zählt der Nutzen der Erfindung 126
Die Idee – ein Kindheitstraum? 128

9. Wie erzeugt man Einfälle?   129
Den geeigneten Hinweis suchen 130
Der Zufall kommt mit einer Anregung zu Hilfe 137
Der morphologische Kasten (Möglichkeitenraum) 141
Das Unbewusste beschäftigen 146
In Bildern denken 147
Modelle, Analogien 149
Wissen nutzen, Wissen ausschalten 153
Die Idee beschützen 155
Anspornfragen 157
Janusisches Denken 157
Ideenfinder für spezielle Gebiete 160

10. Erfinderzeiten, Erfinderdomänen   164
Bedingungen der Innovation 164
Erfinder heute 171
Das Selbstbild und die Bereitschaft zur Erfindung 173

11. Kreativität im Lebenslauf. Ist Kreativität weiblich? 176
Kreativität bei Kindern fördern 176
Kreativität in Jugend und Erwachsenenalter 181
Kreativität im hohen Lebensalter 182
Ist Kreativität weiblich? 185

12. Erscheinungsformen von Kreativität: List, Schlag fertigkeit, Zukunftsvorhersage und Intuition 188
Listig sein 188
Witzig, schlagfertig sein 195
Die Zukunft vorhersagen 196
Intuition 198

13. Störungen der Kreativität   207
Kreative Blockaden: Das leere Malpapier 207
Blockaden vor dem leeren Schreibpapier, vor dem leeren Bildschirm 208
Ein Versiegen oder ein Übermaß von Ideen 209
Zu frühes Aufgeben 210

14. Probleme, die auf eine kreative Lösung warten   211
Bereich: Politik/Gesellschaft 211
Bereich: Haushalt/Technik 212
Bereich: Mode 215
Bereich: Büro/Verwaltung 215
Bereich: Kunst/Hobby 215
Bereich: Philosophie 219
Literatur   222



Leseprobe

INHALT

Vorwort: Jeder Mensch ist schöpferisch   8

1. Einleitung: Ihre eigene Kreativität   10
Das kreative Abenteuer – los geht's 11
Kreative Höchstleistungen und das Modell Bergsteigen 13
Wege durch das Buch 17

2. Was ist kreativ?   18
Was bedeutet »kreativ?« 18
Kategorien der Kreativität 21
Kreativität in der Kunst 23
Kreativität und Kunst als Freizeitbeschäftigung 26
Kreativität wahrnehmen 28
Die täglich verfügbare Kreativkraft, die Alltagskreativität 38

3. Kreativität muss man wollen   47
Für Kreativität kann man sich entscheiden   47
Warum ist Kreativität aber auch schwierig? 49
Was hat man davon, wenn man sich für mehr Kreativität entscheidet? 55

4. Kreativität bemerken und schätzen   65
Lieben Sie den verrückten Einfall? 65
Denkschranken 72

5. Der Schaffensdrang   77
ie Notlage 77 Das körperliche Leiden 78
Der psychische Konflikt 79
Eine Skala für den Schaffensdrang (mit Stufen von 4 bis 1) 81

6. Umstände, die das kreative Werk fördern   83 Alkohol: Kommt der kreative Geist aus der Flasche? 83
Drogen und Kreativität 84
Psychose und Kreativität, Genie und Wahnsinn 86
Die Außenseiter 89
Anregungen suchen 91
Die Gruppe, die Freunde, die Brüder und die Ehegatten 93
Freizeit und Freiheit 96

7. Eigenschaften, die Kreativität begünstigen 98
Wie kann man sich weiterentwickeln? 104

8. Die kreative Idee   119
Träume und die kreative Idee 119
Suchfrage und Zufall 123

Die Erfindung liegt in der Luft: Doppelt-Entdeckungen 123
Für die Nachwelt zählt der Nutzen der Erfindung 126
Die Idee – ein Kindheitstraum? 128

9. Wie erzeugt man Einfälle?   129
Den geeigneten Hinweis suchen 130
Der Zufall kommt mit einer Anregung zu Hilfe 137
Der morphologische Kasten (Möglichkeitenraum) 141
Das Unbewusste beschäftigen 146
In Bildern denken 147
Modelle, Analogien 149
Wissen nutzen, Wissen ausschalten 153
Die Idee beschützen 155
Anspornfragen 157
Janusisches Denken 157
Ideenfinder für spezielle Gebiete 160

10. Erfinderzeiten, Erfinderdomänen   164
Bedingungen der Innovation 164
Erfinder heute 171
Das Selbstbild und die Bereitschaft zur Erfindung 173

11. Kreativität im Lebenslauf. Ist Kreativität weiblich? 176
Kreativität bei Kindern fördern 176
Kreativität in Jugend und Erwachsenenalter 181
Kreativität im hohen Lebensalter 182
Ist Kreativität weiblich? 185

12. Erscheinungsformen von Kreativität: List, Schlag fertigkeit, Zukunftsvorhersage und Intuition 188
Listig sein 188
Witzig, schlagfertig sein 195
Die Zukunft vorhersagen 196
Intuition 198

13. Störungen der Kreativität   207
Kreative Blockaden: Das leere Malpapier 207
Blockaden vor dem leeren Schreibpapier, vor dem leeren Bildschirm 208
Ein Versiegen oder ein Übermaß von Ideen 209
Zu frühes Aufgeben 210

14. Probleme, die auf eine kreative Lösung warten   211
Bereich: Politik/Gesellschaft 211
Bereich: Haushalt/Technik 212
Bereich: Mode 215
Bereich: Büro/Verwaltung 215
Bereich: Kunst/Hobby 215
Bereich: Philosophie 219
Literatur   222

LESEPROBE
Jeder Mensch ist schöpferisch – eine Art Vorwort

Kreativität ist der Motor unserer Kulturentwicklung. Nicht nur geniale Erfinder und Entdecker treiben unsere Kultur voran. Wir alle sind ständig daran beteiligt – manchmal, ohne es zu wissen: nämlich in einem Bereich täglicher, alltäglicher Kreativität. Er fand bisher kaum Beachtung, weder in der Öffentlichkeit noch in der Kreativitätsforschung.
Der Alltagskreativität schenken wir im normalen Leben wenig Aufmerksamkeit; viele Mitmenschen tun sie gelegentlich einfach als ein etwas absonderliches Verhalten ab. Aber gerade diese Kreativität im Alltag kann das Leben verändern. Ob und wie man Alltagskreativität nutzbar machen kann, hängt von zwei Bedingungen ab: 1. Man muss klar sehen, was Kreativität ist. 2. Man muss kreative Lösungen wollen. Mehr nicht. Genau das will ich Ihnen in diesem Buch vermitteln – und Ihnen dabei zur Kreativität psychologische Hilfestellung geben.

In vielen wissenschaftlichen Beiträgen und auch populären Büchern habe ich mich mit Kunst-, Museums- und Fotopsychologie sowie Kunsttherapie beschäftigt und dabei Wissen in den bildenden Künsten erworben. Daher stammen etliche Beispiele aus dieser Domäne. Von Musik verstehe ich zu wenig, so dass dieser Bereich etwas ausgeblendet ist. Insgesamt lassen sich die Beispiele aber von einem Gebiet auf das andere übertragen. Überdies geht es aber um Kreativität in allen Lebensbereichen: Haushalt, soziale Beziehungen, Technik, Mode etc.

Schon immer beschäftigte ich mich in der Kunstpsychologie mit der Frage, was denn Kreativität eigentlich sei; so wurde dieses Problem für mich äußert wichtig, eine Herausforderung, die mich seither beschäftigt. Kreativität im Allgemeinen und Alltagskreativität im Besonderen liegen mir deshalb besonders nahe, weil ich der zwei Jahre jüngere Bruder einer braven älteren Schwester bin, aber zu meiner Betrübnis kein muskulöser Jugendlicher war. Folglich musste ich die Aufmerksamkeit und Bewunderung meiner männlichen und weiblichen Mitmenschen immer wieder durch Originalität erringen. Alltagskreativität hat mir dabei entscheidend und recht häufig geholfen. Daher widme ich dieses Buch der Alltagskreativität – dem Aschenputtel im großen Reich der Kreativität.

1. Einleitung: Ihre eigene Kreativität
Vergessen Sie zunächst einmal vieles von dem, was Sie vermutlich über Kreativität wissen:
Sie hat mit Genialität zu tun;
sie ist eine besondere Begabung einzelner Menschen;
es entstehen dadurch berühmte Werke;
Künstler sind auf jeden Fall kreativ (Kap. 2);
bei der kreativen Leistung geht es um das Lösen kniffliger Probleme.
Viele Bücher über Kreativität sind von der Psychologie des Denkens und Problemlösens beeinflusst und erwecken den falschen Eindruck, dass die kreative Lösung immer schwierig ist. Dort wird nämlich meist ein Problem vorgestellt, für das es nur eine einzige richtige Lösung gibt, die nicht leicht zu finden ist.
Sieben Sterne und drei Geraden – eine Übung zum Aufwärmen

Das kreative Abenteuer – los geht's

Bei den großen kreativen Leistungen treten manchmal knifflige Probleme auf. Es gibt dafür aber meist viele mögliche Lösungen. Beispielsweise ging es darum, die Möglichkeit zum Operieren am offenen Brustkorb zu schaffen.

So überlegte sich Sauerbruch (1875 – 1951) seinerzeit, wie er in der Lunge einen Unterdruck herstellen könnte, um Menschenleben zu retten. Er operierte den Patienten dann in einer großen Unterdruckkammer, aus der nur der Kopf des Patienten herausragte. Später verwendete man zum gleichen Zweck eine dicht sitzende Atemmaske, was natürlich viel weniger aufwendig war.

Das kreative Abenteuer selbst besteht aber nicht in der Lösung von solchen Problemen, es ist vielmehr die neue Fragestellung, das ungewöhnliche Projekt, das dann auf vielen Wegen   gelöst werden könnte. Viele kreative Aufgaben sind ja dann auch leicht zu lösen, wenn man sie sich nur einmal vorgenommen hat.
Beispiel: Sie erwerben einen Hund und suchen einen Namen für ihn. Da bieten sich Struppi, Waldi oder Hasso an. Sie können aber, wenn Sie wollen, auch einen originellen Namen wählen: vielleicht, dem Mythos der »Nibelungen«treue folgend, Siggi oder Hildi (abgeleitet von Siegfried und Brunhilde; ich glaube, dass diese Namen für Hunde recht ungewöhnlich sind).
Oder: Sie suchen eine Wohnung in einem bestimmten Stadtteil. In der Zeitung haben Sie nichts Geeignetes gefunden. Sie überlegen, ob es auch andere Möglichkeiten gibt, zu einer Wohnung zu kommen. Wer könnte wissen, dass eine Wohnung frei ist? Die Idee liegt nahe: Da vieles beim Friseur besprochen wird, könnte man einen Friseursalon im gewünschten Stadtteil aufsuchen und dem Personal eine kleine Provision für die Vermittlung einer Wohnung versprechen.

Manchmal tritt allerdings im Verlauf von kreativen Abenteuern ein kniffliges Problem auf, für das es nur eine richtige Lösung gibt, auf die man nicht so leicht kommt. Vielleicht kann man das Problem auf konventionellem Wege lösen. Vielleicht braucht man Glück oder auch eine überdurchschnittliche Intelligenz für die Lösung dieses Problems.

In diesem Buch geht es hier nicht darum, knifflige Probleme mit nur einer richtigen Antwort zu lösen wie z. B. in mathematischen Rätseln oder Logik-Tests: Hier geht es vor allem um Kreativität, und zwar bei geringfügigen wie bei größeren Problemen, wie sie uns im Alltag und Leben begegnen. Hat man sich aber einmal zu einer kreativen Grundhaltung entschlossen, öffnen sich nach und nach viel mehr Möglichkeiten, tun sich plötzlich neue Wege auf, die man zuvor gar nicht wahrgenommen und geprüft hat. Dadurch gelingt es mit der Zeit viel häufiger, kreative Lösungen leichter und fast sofort zu finden: Es geschieht und gelingt spontan. Allerdings gilt auch für Spontaneität wie für den Sport, dass erst Übung und Vertrautheit den Meister und die Meisterin machen. Und sollte etwas nicht so reibungslos laufen wie erwartet, könnte der nächstliegende Gedanke sein: »Was kann ich anders machen, was verbessern?«
Als alle meine Haushaltsleitern mal wieder lebensgefährlich wackelten, kam mir die Idee, eine dreibeinige Leiter herzustellen. So etwas gibt es bislang nicht, würde aber viele Unfälle verhindern. Wenn Ihnen   hier jetzt sofort der Gedanke kommt: »Das geht ja nicht, weil . . .«, ist vielleicht ein »innerer Kritiker« am Werke, der alle Ihre Ideen im Keim erstickt. In Kapitel 9 (Abschnitt: Die Idee beschützen) behandele ich das zeitweilige »Abschalten« des inneren Kritikers.
In den genannten drei Beispielen ist die Problemlösung nicht schwierig und braucht keinen besonderen Geistesblitz. Es bedarf   lediglich der Bereitschaft zur ungewöhnlichen und neuen Lösung.
Im Folgenden sollen Sie – ganz nach Ihren eigenen Fähigkeiten – lernen, Kreativität für Ihr Leben zu nutzen. Bei vielen Alltagsproblemen weiß man schon alles, was zu einer neuen Lösung gebraucht wird. Wenn Sie in einem bestimmten Bereich besondere Fähigkeiten haben, können Sie dort vielleicht auch schwierige Aufgaben lösen. Es ist möglich, eine neue, zusätzliche Blickrichtung zu öffnen, die dann manchmal »butterweiche« Problemlösehorizonte freilegt.

Dennoch kann man von kreativen Höchstleistungen für diese täglich verfügbare Kreativkraft lernen, und in verschiedenen Kapiteln dieses Buchs werden auch die Entstehungsbedingungen großer Entdeckungen untersucht, um daraus Anregungen zu gewinnen.

Kreative Höchstleistungen und das Modell Bergsteigen

Nehmen wir als Modellbereich das Bergsteigen. Dort gibt es die sportliche Höchstleistung – und daneben das Hobby. Genauso gibt es bei der Kreativität die Freude an spielerischer Kreativität in vielen Lebenssituationen – und daneben die professionelle Kreativität in Universitäten und Entwicklungslabors.
Die täglich verfügbare Kreativität im Alltag und die Kreativität, die zu den großen Entdeckungen der Menschheit geführt hat, stellen nicht zwangsläufig die gleichen Anforderungen an die Menschen. Manche Bücher untersuchen geniale Kreativität und leiten daraus Ratschläge für eine Alltagskreativität ab.Tatsächlich ist es aber nützlich, sich vorab die Unterschiede klarzumachen.

Sportliche Höchstleistungen wie etwa Erstbesteigungen von Achttausendern erfordern andere körperliche und technische Voraussetzungen als die sportliche »Alltagsbesteigung« eines »leichteren« Berges. Es gibt aber auch Überschneidungen im Anforderungsprofil an den Profi- und den Amateur-Bergsteiger.
Gemeinsamkeiten zwischen Profiund Amateur sind:

Beide, der Spitzensportler und der Hobbysportler, müssen Spaß am Bergsteigen haben.
Beide müssen die richtige Ausrüstung haben; manchmal ist es sogar die Ausrüstung des Spitzensportlers, die auch der Alltagssportler nutzt.
Beide müssen vorsorgen und Nahrung und Getränke mitführen.

Und als Unterschiede sind zu nennen:
1. Der Spitzensportler braucht jahrelanges Training und vertiefte Kenntnisse über das Bergsteigen und die spezielle Topografie der begangenen Region.
2. Er muss physisch extrem leistungsfähig sein.
3. Er muss extrem willensstark sein, um Strapazen und Widerstände zu überwinden.
4. Der Hobbysportler wird mehr vom Spaß an der Sache motiviert, der Spitzensportler von der Aussicht auf Ruhm und Anerkennung.

Diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten kann man leicht auf die täglich verfügbare Kreativität übertragen. Dabei steht mehr der Spaß an der Sache im Vordergrund; Ruhm und Anerkennung ergeben sich nur im Ausnahmefall. Man muss sich auch nicht ausschließlich auf sein Ziel konzentrieren, nicht die ganze Zeit Wissen sammeln oder an das Projekt denken. Alltagskreativität ist weniger »zeitraubend« als die Projekte der genialen Kreativität. Dennoch sind es manchmal die gleichen Denk-Werkzeuge und Strategien, die die täglich verfügbare Kreativkraft und die geniale Kreativität beflügeln (vgl. Kap. 9).

In der »Leistungs-Kreativität« gehen Forscher und Erfinder oft erhebliche und sogar lebensgefährliche Risiken ein. Schon manche Hochleistungsbergsteiger sind bei ihren Unternehmungen ums Leben gekommen, genauso wie die Entdecker ferner Erdgebiete (etwa der Pole). Mediziner wagten lebensgefährliche Selbstversuche. In der täglichen Kreativität wie im Hobby-Bergsteigen kann es auch zu Unfällen kommen, aber sie sind beim Hobby-Bergsteigen eben nicht die Regel.

Das Scheitern eines Projekts der Spitzenkreativität kann sehr unangenehme Folgen haben. Die Kreativen haben sich in der Hoffnung auf künftige Einnahmen verschuldet. Nun bleiben die Einnahmen aus. Das Mindeste ist noch, dass sie für ihr Scheitern mit dem Spott der (neidischen) Mitmenschen rechnen müssen. Der sehr erfolgreiche Erfinder Thomas Alva Edison (1847 – 1931) z. B. hatte sich zum Ende seines Lebens verbittert zurückgezogen, weil eines seiner Lieblingsprojekte, die magnetische Loslösung des Erzes aus dem geförderten Gestein, nicht gelungen war. Der Hobby-Bergsteiger und der im Alltagsbereich Kreative haben solche unangenehmen Folgen nicht zu erwarten. Wenn es eben nicht gelingt, einen Gipfel zu erreichen, bricht man die Bergtour ab. Es war dann wahrscheinlich immer noch eine schöne Wanderung. Wenn sich eine Alltagserfindung als nicht tauglich erweist, lässt man sie eben einfach fallen.
Noch ein weiteres Risiko gibt es für den Hobby-Bergsteiger und den Alltagskreativen nicht: dass man ihm die Leistung oder Erfindung abstreitet oder sie nicht anerkennt. Bei großen Erfindungen sind mit den Patenten erhebliche Einnahmen verbunden, und so kommt es gar nicht selten zu Gerichtsverfahren über die Priorität bei einer Erfindung. Nikola Tesla (1856 – 1943) z. B.war der erste Erfinder der Radioübertragung durch in Resonanz gebrachte Schwingkreise. Guglielmo Marconi (1874 – 1937) machte ihm dies streitig (verlor aber schließlich die angestrengten Prozesse).Als Nikola Tesla den technisch überlegenen Wechselstrom erfand und diesen mit der Unterstützung der Firma Westinghouse einführen wollte, war sich Thomas Alva Edison, der eine Firma zur Verteilung von Gleichstrom besaß, nicht zu schade, durchs Land zu reisen und vorzuführen, dass Tiere durch Wechselstrom getötet werden können, um die Gefährlichkeit dieses neuen Stroms zu demonstrieren.
Dem Hobby-Bergsteiger dagegen wird man seine Leistung kaum streitig machen, denn viele haben schon die gleiche Bergwanderung unternommen. Dem Alltagskreativen, das ist ein kleiner Unterschied zum Hobby-Bergsteigen, kann es allerdings leicht passieren, dass andere glauben, es sei ihr Einfall gewesen, und folglich dem eigentlichen Urheber eines kreativen Einfalls das Maß an Anerkennung, das er eigentlich verdient hätte, nicht zukommen lassen.
Haben Sie dies auch einmal beobachtet? In einem Gespräch machen Sie einem Bekannten gegenüber einen kleinen Witz. Ihnen gelingt eine ungewöhnliche Formulierung oder Sie äußern einen witzigen Einfall. Zunächst bekommen Sie darauf keine Reaktion. Dann hören Sie später, wie eine dritte Person die gleiche Redewendung verwendet oder denselben Einfall äußert. Hat dieser Zuhörer Ihres ersten Gesprächs Ihren Gedanken einfach geklaut, um nun die Anerkennung dafür einzuheimsen? So muss es aber gar nicht gewesen sein. Möglicherweise hat derjenige Ihr Gespräch mitbekommen, hatte aber nicht aufmerksam zugehört. Ihre Äußerung, die er vielleicht nur halb bewusst aufnahm, scheint auf einmal in seinem Bewusstsein auf. Der Zuhörer ist dann selbst fest davon überzeugt, die überraschende Äußerung sei sein eigener Einfall gewesen. So leicht können Ideen dem, der sie hatte, en passant »verlorengehen«, und plötzlich tauchen sie in Gesprächen von anderen oder mit anderen wieder auf, ohne dass wir genau wüssten, auf welchen Umwegen die Einfälle zu ihnen gelangt sind.
Auf jeden Fall ist die tägliche kreative Kraft sehr nützlich. Sie ist ein Werkzeug, das viele Menschen leider kaum nutzen. (Warum das so ist und welche Vorteile sie verspricht, behandle ich in Kapitel 3.)

Klett-Cotta
1. Aufl. 2011, 224 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94564-5
autor_portrait

Martin Schuster

Martin Schuster, geboren 1948, Prof. Dr., ist Psychologe und war Akademischer Rat am Institut für Psychologie der Universität zu Köln, seit 1999 ist...


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