Dein Gesicht morgen 2

Tanz und Traum
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Der zweite Band der Trilogie eines der wichtigsten Gegenwartsautoren

»Wollte Gott, daß niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, weder um einen Rat noch um einen Gefallen ...«, so beginnt »Tanz und Traum«, der zweite Band von »Dein Gesicht morgen «, in dem wir die weitere Geschichte von Jaime Deza erfahren, jenes Spaniers, der für den englischen Geheimdienst oder dessen Sondereinheit MI6 arbeitet und dessen Aufgabe darin besteht, vorherzusehen, wie sich jemand in Zukunft verhalten wird oder auch zu erkennen, wie sein Gesicht morgen sein wird.

»Tanz und Traum« läßt uns abermals in die betörende Prosa seines Autors eintauchen und bringt uns zum Nachdenken über viele Dinge, von denen wir glauben, daß wir sie »ungewollt« tun, bis hin zu den gewalttätigsten, und von denen wir am Ende überzeugt sind, daß sie »kaum zählen«, und sogar, daß sie niemals getan wurden.

Leseprobe
Er schnitt ihm das Haarnetz mit einem Hieb ab, dafür hätte eine Rasierklinge, eine Schere, ein Schweizer Messer genügt, eine geringere Schneide als sie ein Stierkämpfer benötigt, um sich bei seinem Rückzug aus der Arena den Nackenschopf abzuschneiden, obwohl es langsamer gewesen wäre und weder den Bedrohten noch den Zeugen beeindruckt und auch nicht geklungen hätte, wie der Hieb geklungen hatte, nicht wie vorher, wie eine Peitsche oder Reitgerte in der Luft, sondern wie ein leichter flacher Schlag ins Gesicht oder ein schwaches, helles Klatschen oder sogar ein auf den Fliesenboden gespuckter Auswurf, jedenfalls war es so deutlich hörbar, daß De la Garza automatisch die Hände an die Ohren hob in einer weiteren Geste imaginären Schutzes, er dachte vermutlich nicht, daß er, wenn er diese Geste machen konnte, am Leben war, bestimmt brauchte er ein wenig länger, um sich zu sagen, daß er auch die dritte Annäherung, Phase oder Runde der schrecklichen Klinge überlebt hatte, daß diese ihm keinen Körperteil abgetrennt noch aufgeschlitzt hatte, oder vielleicht traute er der Sache nicht - und er tat recht daran, wenn es so war - und erwartete noch den nächsten Hieb und einen weiteren und noch einen dieser Waffe, die man behält und nicht wirft; natürlich wartete ich auf den zweiten einige Sekunden, weniger als er, denn ich sah, was er noch nicht sah: die winzige Zeitspanne, die Tupra brauchte, um einige Schritte zurückzutreten, die Hand frei zu haben und wieder vorzutreten, De la Garza rührte sich nicht, noch immer erstarrt, wie eine seltsame flehende, verängstigte oder eher besiegte, opferbereite, von Entsetzen erfüllte Statue mit geschlossenen Augen und verdeckten Ohren, und so erinnerte er mich an Peter Wheeler - aber nur darin -, als dieser sich in der gleichen Weise gegen das Getöse und den aufgewirbelten Wind des Hubschraubers geschützt hatte, der ihm ein Sikorsky H-15 zu sein schien, an jenem Sonntagmorgen in seinem Garten am Fluß, dem Tag, an dem er mir mehr von Tupra erzählt hatte und von dessen namenloser Gruppe, der er angehört hatte und der ich jetzt angehörte, aufgrund dieser stillschweigenden Zugehörigkeit befand ich mich in jener Nacht an jenem Ort, in der hellen, sauberen Toilette, und war Teil des Schreckens eines Menschen.

Und so kehrte er zu der Kabine zurück, die Hände in Handschuhen, die er aus dem Mantel, aus den üblichen Taschen geholt hatte - schwarze Lederhandschuhe, normale, gute -, und ging wieder an mir vorbei mit dem Haarnetz oder der Beute in der Hand, die rechte frei, er wirkte noch immer resolut und pragmatisch und leidenschaftslos, so als wäre das, was er jeden Augenblick tat, programmiert und gehörte obendrein zu einem bereits erprobten Programm. Auch jetzt zwinkerte er mir zu, und auch das war nicht beruhigend, es war ein Zwinkern, das kein Lächeln beinhaltete, sondern bloße Ankündigung oder Vorwarnung war, die etwas von Befehl oder Anweisung hatte, dieses Mal verstand ich es als »Machen wir uns ans Werk, es wird nicht lange dauern, und dann haben wir es hinter uns«; und deshalb entfuhr mir:
»Tupra, es reicht, laß es gut sein, was willst du jetzt machen, er ist halbtot vor Angst.« Doch in meinem Ton lag weniger Beunruhigung als in dem Moment, da ich seinen Namen gerufen hatte und nicht viel mehr, denn meine Beunruhigung war ebenfalls ungleich geringer, nachdem die Schneide von der Bildfläche verschwunden war; meine Erleichterung war in der Tat so groß, meine Angst und das Entsetzen und die Schwere hatten plötzlich so sehr nachgelassen, daß fast alles, was jetzt kommen mochte, mir leicht, willkommen, belanglos erschien. Was weiß ich, ein paar Ohrfeigen, einige Fausthiebe, sogar der eine oder andere Fußtritt (selbst auf den Mund): verglichen mit meinen eben noch vorhandenen Gewißheiten kamen sie mir fast wie ein Geschenk des Himmels vor, und um die Wahrheit zu sagen, ich sah bei mir keine große Bereitschaft, sie zu verhindern; oder nur mit der Stimme, nehme ich an. Das war es, genau: ich war dankbar, daß er ihn schlagen würde, wie ich mir vorstellte aufgrund der verhüllten Hände. Ihn nur schlagen würde. Und nicht in zwei Teile spalten oder zerfetzen oder zerstückeln, was für ein Riesenglück, was für eine Freude.
[...]
»Steckt in allen Romanen von Marías Autobiographisches, so nimmt er in "Tanz und Traum" ein Thema auf, das in Spanien seit geraumer Zeit groß in Mode ist, das aber nur wenige - wie Jorge Semprún - mit solch großer Virtuosität wiederzugeben vermögen: den Bürgerkrieg. Seine Folgen bis in unsere Tage verbindet Marías mit seinem alten, weiterentwickelten Leitmotiv: Hören müssen - um dann schwiegen zu können. Nichts erzählen, nichts weitersagen. Denn gefragt, gebeten, angebettelt zu werden, etwas erzählen zu bekommen ist unvermeidlich.
Stefanie Bolzen, Die Welt, 10.6.2006

»Marías hetzt seine Leser nicht, er schenkt ihnen auf altmodische Art Muse, eine literarische Pause vom Alltag. Einmal mehr beweist der Spanier, dass er zu den lesenswertesten zeitgenössischen Autoren gehört. Teil 3 wird demnächst in Spanien erscheinen. Man darf sich schon jetzt darauf freuen.«
Joachim Knapp, Rhein-Zeitung, 5.5.2006

»Dann blickt man durch das Sprachgewebe in eine Welt, in der die organisierte Unvernunft regiert, Gier und Betrug, Grausamkeit, Rachsucht, Selbsttäuschung, verletzte Eitelkeit. ... Dies ist ein Buch, das ohne Gelehrtheiten auskommt. Es gibt eine Kunst jenseits des Virtuosen, die Marías zuletzt verlernt hatte. Nun zeigt er, daß er sie noch beherrscht. ... Wir bitten um einen Schluß der Trilogie, der das Niveau dieses Mittelstücks hält.«
Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.3.2006

»Auch er lässt die Dinge, oder besser: die Sätze einfach laufen, bald hierhin, bald dorthin wehen, auf dass sie die verschiedensten Muster und Figuren bilden. Und so ist auch die Verbindung zum ersten Teil der Trilogie bestenfalls eine lockere. Eine Fortsetzung im klassischen Sinn ist das nicht. Doch sollte den Leser das stören? Die Geschichte, der Plot hat bei Marías ohnehin ausgedient. Dafür nehmen seine wunderbar leichten Sätze noch den bedrückendsten Themen die Schwere. Marías ist ein feinsinniger Chronist der Gegenwart.«
Kersten Knipp, Neue Zürcher Zeitung, 14.3.2006
Klett-Cotta Roman Aus dem Spanischen von Elke Wehr (Orig.: Tu rostro mañana - baile y sueño, Alfaguara, Madrid 2004)
1. Aufl. 2006, 430 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93715-2
autor_portrait

Javier Marías

Javier Marías, 1951 in Madrid geboren, hat bisher zehn Romane, zwei Erzählbände und mehrere Sammelbände mit Essays und Zeitungsartikeln veröffentlicht ...

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