Der Mann, der sein Blut verkaufte

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Eine kleine Stadt in Zentralchina. Eines Tages erfährt der Seidenfabrik-Arbeiter Xu, daß man sein Blut verkaufen und damit viel Geld verdienen kann. Man muß nur hinterher im Restaurant »Zum Sieg« eine Portion Schweineleber mit heißem Reiswein zu sich nehmen und kommt dann schnell wieder zu Kräften.

Xu probiert es aus - alles geht gut. Von nun an will er immer dann, wenn er Geld benötigt, von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Doch die Krisen in seiner Familie reißen nicht ab. Fast vierzig Jahre hindurch begleiten wir Xu: durch die Wechselfälle einer Ehetragödie, durch Naturkatastrophen und die Jahre des großen Hungers und die Kulturrevolution. Drei Kinder gehen hervor aus Xu´s Ehe, und auch manche ihrer Probleme bewältigt er mit seinem alten Notbehelf. So lange, bis einer seiner Söhne schwerkrank nach Shanghai ins Krankenhaus transportiert wird. Xu muß eine gewaltige Summe aufbringen und macht sich auf eine lange, kräftezehrende Reise, die ihn durch sechs Städte führt...

Der Erzähler Yu Hua will, wie er sagt, »keine Kunst hervorbringen«, sondern er stellt authentisches Leben dar. Seine Meisterschaft liegt in dem, was man die Dramatik des Einfachen nennen könnte. Zugleich mit dem Leben eines einzelnen schildert Yu Hua das Schicksal des chinesischen Landvolkes in bewegenden, ja zum Teil erschütternden Szenen.

Leseprobe
An einem Tag im Sommer jenes Jahres sagte Xu Sanguan zu Xu Yulan:

”Auf dem Heimweg habe ich gesehen, daß kaum jemand sich zu Hause aufhielt, alle waren draußen und demonstrierten - ich hab noch nie so viele Menschen auf der Straße erlebt! Die hatten alle rote Binden am Arm und pinselten Losungen oder klebten Wandzeitungen an die Mauern, alles ist vollgekleistert damit. Inzwischen pappen viele Wandzeitungen übereinander, und die vielen Papierschichten an den Mauern entlang der großen Straßen bauchen sich richtig - irgendwie erinnert mich das an unsere gesteppten Wattejacken für den Winter. Den Kreisvorsteher habe ich auch gesehen, du weißt schon: der Dicke aus Shandong. Der markierte ja früher hier den großen Chef, und man kannte ihn nur, wie er mit dem Teebecher in der Hand auf irgendeiner Sitzung hockte. Jetzt trommelt er auf einer alten Waschschüssel herum und beschimpft sich selbst: Ein Hundsfott sei er ...”

Xu Sanguan sagte: ”Weißt du, warum unsere Fabrik zugemacht hat und die Geschäfte geschlossen sind? Warum die Jungs keine Schule mehr haben und du keine Striezel mehr auszubacken brauchst? Weißt du, warum manche an die Bäume gehängt oder im Rinderstall eingesperrt oder totgeprügelt werden? Warum jedes Wort des Vorsitzenden Mao, kaum hat er´s gesagt, schon zu einem Lied verarbeitet oder auf Hausmauern, Busse, Bettlaken, Handtücher, Teetassen und Kochtöpfe gepinselt wird? Sogar auf Klowänden und Spucknäpfen kannst du seine Aussprüche finden! Weißt du, warum der Vorsitzende Mao so einen langen Namen hat? ‚Der Große Führer, der Große Lehrer, der Große Oberbefehlshaber, der Große Steuermann - der Vorsitzende Mao lebe hoch, hoch, hoch!´ Alle neunzehn Wörter mußt du in einem Atemzug sagen, wehe, du holst zwischendurch Luft! Weißt du, warum das alles so ist? Weil wir jetzt die Große Kulturrevolution haben!...”

Xu Sangun sagte: ”Inzwischen sehe ich ein bißchen klarer, was die Große Kulturrevolution angeht. Das ist in Wirklichkeit ein privater Rachefeld! Wenn dir irgendwann jemand mal eins ausgewischt hat, schreibst du einfach eine Wandzeitung über ihn und klebst sie an die Hausmauer, sagst, er ist ein Gutsbesitzer, der bei der Bodenreform durch die Maschen geschlüpft ist. Oder ein konterrevolutionäres Element. Was auch immer! Gerichte gibt´s ja jetzt sowieso nicht mehr, Polizei auch nicht. Was es heutzutage reichlich gibt, sind Anschuldigungen gegen Leute. Du suchst dir ein passendes Verbrechen aus, schreibst eine Wandzeitung darüber und klebst sie an. Sonst brauchst du gar nichts zu machen, dafür sorgen die anderen: die jagen den Betreffenden bis in den Tod! ... Wenn ich abends im Bett liege, überlege ich mir auch schon mal, ob ich nicht einen Feind habe, den ich auf ‚ne Wandzeitung bringen könnte - so ‚ne kleine Rache tut bestimmt gut! Bloß, He Xiaoyong wäre der einzige, der halbwegs in Frage kommt, und der Hurensohn ist ja schon vor vier Jahren krepiert, nach seinem Unfall damals. Nur gut, daß ich selber niemandem etwas zuleide getan habe, nie! Da habe ich natürlich auch keine Feinde. Ein Glück auch: So kann keiner eine Wandzeitung über mich -”
Klett-Cotta Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz (Original: Xu Sanguan mai xue ji. Zeitschrift Shouhuo, 1995)
250 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93494-6
autor_portrait

Yu Hua

Yu Hua ist in Hangzhou (Provinz Zhejiang) geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Zentralchina auf, »in der es nicht einmal Fahrräder gab«. ...

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