Die Reinheit des Augenblicks

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Die Schnecke

Überwiegend neurotische Geschichten
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Neue Geschichten vom Autor des Buchs »Die Schnecke«

Eine kleine Galerie unserer Jahre: Freaks und Verliebte, verkrachte Existenzen und Beziehungsgeschädigte, Ehebrecherinnen und Globalisierungsgegner. Sieben literarische Momentaufnahmen der zeitgenössischen Bewusstseinslage.

In »Blue Mussels« gerät das feine Beziehungsgeflecht zweier junger Paare, die sich den Wunsch einer Kanadareise im Camping- Pickup erfüllen, so in die Schieflage, dass es keinen Ausweg gibt. »Die Reinheit des Augenblicks« endet mit der kaum anständig zu lösenden Frage, wie man sich nach einem wunderschönen Liebeswochenende trennt ohne falsche Versprechungen. »Isch guet« erzählt sehr nachvollziehbar einen Fall von sexueller Konkurrenz in einem Davoser Tagungshotel. Und in »Jeter un œil sur Paris« will Volker, der Saufbold, genannt »der Pinguin«, 500 Remittenden eines alten Bildbandes über Paris loswerden - in Paris.

Mit Ironie, mit Zärtlichkeit und mit einem kräftigen Schuss Pessimismus erzählt Schömel vom deutschen Alltag, vom gelassen hingenommenen Verfehlen des Glücks und von fälligen Abschieden - die wir aber selten hinkriegen: In einer dieser Geschichten reist jemand bis nach Ouagadougou in die Sahelzone, nur um wochenlang an einem epochalen Brief zu basteln, für die ungnädige Yvonne in Köln.

Leseprobe
Jeter un oeil sur Paris.
Volker Genrath hat sich mit dem linken Arm auf den Rand der Doppelspüle aufgestützt. Nach vorne gebeugt, über den Geschirrberg hinweg, der den oberen Rand der Spülen weit überragt, schaut er durchs Küchenfenster nach draußen auf die Straße, wo der kleine Wohnwagen geparkt ist. Seit einigen Tagen herrscht ruhiges Hochdruckwetter, wie so oft gegen Mitte Oktober. Der Him mel hat das kühle klare Blau des Herbstes. Es ist später Nachmittag. Nur wenige Minuten, nachdem der Sonnenball hinter der Dachkante des Wohnwagens verschwunden ist, wird er durch dessen sich gegenüber liegende und stark verkratzte Kunststofffenster hindurch langsam wieder sichtbar. Eine rege Phantasie könnte sich ausmalen, dass das Licht, das nun die Küche in ein schönes warmes Rotgelb taucht, aus dem Inneren einer wohnwagenförmigen Statue herausströmt, um zu zeigen, dass alles nicht nur gut, sondern sogar heilig wird. Volker entfährt eine Art Grunzen, vermutlich ein Hinweis auf Optimismus und dafür, dass er die Botschaft verstanden hat, wie sie ihm wohl nicht nur aus der Sonne, sondern auch aus der geöffneten Bierflasche zugeflossen ist, die er in der rechten Hand hält.
Einerseits sind es die stets zahlreich vorhandenen Geschäftsideen, die ihn, der eigentlich seit Jahren in absolut aussichtsloser Lage ist, immer weiter durchs Leben ziehen. Zum Beispiel wird er das baufällige Haus auf dem schönen Grundstück am Waldrand dem nächst sehr billig erwerben und mit spektakulärem Gewinn weiterverkaufen. Das hierfür benötigte Kapital kann er sich doch kurzfristig bei Freunden borgen ! Er trägt diese und andere Ideen, die in eine Zukunft voller Wohlstand, Reisen und Sexualität führen werden, wortreich vor, wenn er betrunken ist, wobei die Wörter derart schnell aus ihm herausfließen, dass sie sich gegenseitig überholen. Dann kommt zum Beispiel das Objekt vor dem Verb ins Ziel - oder auch der Punkt ist plötzlich da, und der Satz endet, ehe überhaupt das Verb gefunden ist. Auch überlagern sich die Wörter und löschen sich gegenseitig aus. An diesen Stellen schnappt Volker nach Luft. Oft ist er überhaupt nicht mehr zu verstehen, was aber egal ist, weil ihn sowieso niemand sehr ernst nimmt. Allerdings: Unterhaltsam sind sie schon, diese Darbietungen, vorausgesetzt, man ist den Schrägheiten des Lebens sehr konsequent und hingebungsvoll zugewandt. Im Übrigen ist es manchmal auch anrührend, wie so jemand einfach nicht aufgeben will, ganz egal, welchen Irrsinn er dabei produziert. Das ist ein Lebenskampf, wie er härter kaum sein kann, und Volker führt ihn sehr tapfer, mit allen untauglichen und selbstzerstörerischen Mitteln. Sogar die Unverschämtheiten, die er sich im Rausch der eigenen Worte erlaubt, werden ihm des wegen von seinen wenigen Freunden und Bekannten immer wieder verziehen.
[...]
»Solitude ist nicht alles, erst recht nicht in einer Zeit, die das Wahrhafte vergeblich sucht, um nur das Romantische zu finden, und in der Illusion und Desillusion so dicht beieinander liegen. Wolfgang Schömel hat es sich in seinen Geschichten zur Aufgabe gemacht, den noch verbleibenden winzigen Abstand zu vermessen, ...«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.11.2007

»Bei Schömel überzeugt vor allem die bis in die poetischsten Höhen hinein absolut präzise Sprache, die macht diesem Autor hierzulande so schnell keiner nach.«
Rheinischer Merkur, Literaturbeilage, 22.3.2007

»Schömel buchstabiert die Besessenheit jener durch, die sich für etwas Besseres halten. Er wahrt einen - auf den ersten Blick kaum zu seinem derben Genre passenden - Stil voll Eleganz, er erzählt hermetisch, lässt die Welt nicht rein in seine Storys, Schömel will das pure Konzentrat. Er will die Verstiegenheiten der Männlichkeit und all Ihrer überhitzten Spielarten, er will sie unverdünnt. Und umreißt sie mit Bravour.«
Die Märkische Allgemeine, 06.05.2007
Klett-Cotta
1. Aufl. 2007, 222 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93665-0
autor_portrait

Wolfgang Schömel

Wolfgang Schömel, geboren 1952 in Bad Kreuznach, studierte Literatur und Philosophie in Mainz und Bremen. Er veröffentlichte Arbeiten u. a. über den ...

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