Die geheime Schrift

Buchdeckel „978-3-608-93512-7
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Die Geschichte Persiens, gespiegelt in einem kleinen Dorf in den Bergen

Esmail hat ein Manuskript mit ins Exil genommen. Geschrieben hat es sein taubstummer Vater, in einer seltsamen, selbst erfundenen Schrift. So, wie er früher seinen Vater verstehen wollte, versucht Esmail, das Geschriebene zu entziffern. Es schildert das Leben in einem kleinen Dorf an der Grenze: »Südlich der Grenze lag der Iran, und nördlich, dort, wo immer tiefer Schnee lag, Rußland.«

Dieser eindrucksvolle, manchmal märchenhafte Roman spannt einen Bogen zwischen Amsterdam und Persien. Er erzählt von Vater und Sohn, von Analphabetismus und der Leidenschaft für Geschichten, erzählt von Armut, Abhängigkeit und erwachendem politischen Mut. Esmail schließt sich dem studentischen Kampf gegen den Schah an, später der Regime-Kritik gegen Chomeni. Er flieht - und aus dem Sohn eines armen Teppichflickers wird ein westlicher Intellektueller, der seiner Herkunft jedoch alles verdankt.

Die »Notizen des Agha Akbar«, so der Untertitel des Buches, gehören zu den eindrucksvollsten Beispiele jener Literatur, die heute, durch die weltweiten ethnischen Verwerfungen, ihre Wurzeln in mehreren Kulturen hat. In schöner, sicherer Klarheit geschrieben, enthält es zu gleichen Teilen die bittere Realität und die magische Phantastik der persischen Heimat.
Leseprobe
Mehrere Stunden hockte ich vor den Mappen und suchte. Dies ist, was ich gefunden habe:

Mossadegh: Von 1921 bis 1925 Justizminister beziehungsweise Finanz- und Außenminister. 1944 ins Parlament gewählt. 1950 gründete er die Nationale Front, wurde 1951 Premierminister und nationalisierte die Anglo Iranian Oil Company, was damals zu einem Konflikt mit Großbritannien führte. 1952 mußte er zurücktreten, aber drei Monate später kam er durch einen Aufruhr wieder an die Macht. Mossadegh schränkte die Macht des Schahs, des Sohns von Resa Chan, ein und schien sich in steigendem Maße auf linke Kräfte zu stützen. Der Schah mußte das Land verlassen, aus dem Land fliehen. Doch mit Hilfe der Vereinigten Staaten kam er zurück, die Regierung fiel und Mossadegh wurde verhaftet.

Als Churchill hörte, daß Mossadegh lebenslangen Hausarrest bekommen hatte, hob er das Glas und sagte: "He was mad... a dangerous man."

Mossadegh war überhaupt nicht dangerous, er war unser Stolz.

Tausende seiner Anhänger wurden verhaftet, viele wurden hingerichtet und hunderte ergriffen die Flucht. Die meisten Flüchtlinge waren Mitglieder der an Rußland orientierten linken Partei des Landes. Diese Partei war gegen den Schah und absolut gegen die Einmischung der Amerikaner.

Die Linken waren stark, so stark, daß sie dachten, sie würden bald an die Macht kommen. Ihnen war sogar Mossadeghs Politik nicht radikal genug, sie fanden, daß er dem Imperialismus zu viele Zugeständnisse machte. Deshalb konnten sie ihn bei der Rückkehr des Schahs nicht rechtzeitig unterstützen. Jetzt, da Mossadegh gestürzt worden war, zerfiel auch ihre Partei. Ein Teil ihrer Anhängerschaft wurde hingerichtet, ein Teil ging in den Untergrund, und ein Teil entkam.

Die Anhänger der Partei flohen auf den Safranberg, sie hofften, die Grenze zur Sowjetunion zu erreichen. Doch so einfach war das nicht. Die Militärpolizei jagte sie mit amerikanischen Jeeps von Berg zu Berg. Ausgehungert und hoffnungslos suchten sie Zuflucht bei den Dorfbewohnern.
»Abdolahs zweiter Roman "Die geheime Schrift" ist ein Stück, das einen nicht losläßt. Eine Familiensage, ein postmoderner Roman über die geistige Unbehaustheit des Exils, ein Buch über die Höllen der Diktatur. Vor allem aber ist es ein Buch über mystische und heilende Kraft der Sprache. Die Gestalt des taubstummen Teppichflickers, der sich über sein Schicksal hinwegsetzt, wird zur Metapher des persischen Volkes, das in seiner Dichtung rebelliert.«
Sabine Berking, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.2.2004

»Dieses ist ein so wunderbares Buch, dass man sich nach der Lektüre nicht mehr vorstellen kann, wie das Leben weitergegangen wäre, wenn man es aus Versehen nicht gelesen hätte und die vielen Geschichten, die darin erzählt werden, nicht kennte.«
Iris Hanika, Berliner Zeitung, 28.4.03

»Rätselhaft ist aber nicht nur die Schrift, sondern auch die Leichtigkeit, mit der Kader Abdolah einen raffiniert verschachtelten Text so ineinander zu fügen weiß, dass es nicht die gerningste Anstrengung bedeutet, ihm über alle Wechsel von Zeiten, Schauplätzen, Tonlagen, Sprachebenen zu folgen. «
Karl-Markus Gauss, Die Zeit, Literaturbeilage, 20.03.2003

»Der im Iran geborene Schriftsteller Kader Abdolah, 1988 aus politischen Gründen nach Holland geflohen, lässt seine Geschichte um drohenden Identitätsverlusst zwischen Orient und Okzident, zwischen dem Heimatdorf des Teppichflicker-Sohnes und der europäischen Metropole in melancholischen Farben einer Zeit schimmern, von denen nicht sicher ist, ob sie Aufbruch oder Untergang bedeuten.«
Berliner Morgenpost, 22.3.2003

»Kader Abdolah legt einen Roman vor, in dem die Schärfe und Klarsicht des Intellektuellen ebenso Platz findet wie die Fabulierlust des orinetalischen Erzählers.«
Salzburger Nachrichten, 28.6.2003
Klett-Cotta Roman Aus d. Niederl. von Christiane Kuby 2003, geb. mit Schutzumschlag (Spijkerschrift, de Geus, Breda 2002)
368 Seiten,
ISBN: 978-3-608-93512-7

Kader Abdolah

Kader Abdolah, 1954 im Iran geboren, studierte Physik in Teheran und war aktiv in der Studentenbewegung. 1988 floh er aus politischen Gründen mit ...



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