Gefährliche Launen

Ausgewählte Gedichte
Buchdeckel „978-3-608-93708-4
Dieses Buch erwerben
broschiert
leider vergriffen
Versandkostenfrei nach D, CH, A; hier inkl. Mwst. - >> Lieferinformationen - Einzelheiten zu Ihrem Widerrufsrecht finden Sie in den >> AGBs. - >> Akzeptierte Zahlungsmittel

Zum ersten Mal versammelt der Band in deutscher Sprache eine von der Autorin zusammengestellte Auswahl aus ihrem lyrischen Lebenswerk.
»Ich schreibe, damit ich nicht denke. Schreibe, um nicht zu weinen. Schreibe, damit es nicht weh tut.«
Nora Iugas Lyrik ist von einer zeitlosen Frische, weil sie sich immer ganz dicht an den Menschen heftet: an seine Körperlichkeit, seine Begierden. Wie kaum eine Autorin stellt sie sich in ihren Texten auch dem eigenen Altern und ihren erotischen Sehnsüchten.

In ihrem umfangreichen Lebenswerk finden sich staccatohaft, fast auf einen Sinnspruch zusammengeschnurrte Kurzgedichte ebenso wie ausgreifende Prosadichtungen. Treu geblieben ist sie sich vom ersten Gedichtband »Ist nicht meine Schuld« von 1968 in der Unmittelbarkeit ihrer Sprache und der Eindrücklichkeit ihrer Bilder. In aller Klarheit feiert sie das Krumme, das Unangepasste; eine »grande dame« der europäischen Poesie und gleichzeitig eine verschmitzte Rebellin, in einem Wort: eine Entdeckung, nicht nur für Lyrikleser.

Der Übersetzer
Ernest Wichner wurde 1952 in Guttenbrunn (Rumänien) geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Nach seinem Studium an der Universität Temeswar übersiedelte er nach Deutschland. Seit 2003 leitet er das Berliner Literaturhaus. Seine Übersetzungen und eigenen Lyrikbände wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Leseprobe

WAS FÜR EIN ABENTEUER ABENDSaus deinem glas zu trinkenund deine gedanken zu erraten
was für ein abenteuer morgens
mit geschlossenen augen die fingernägel zu schneiden
samt den fingern und mit allem drum und dran

WAS GÄBE ICH NICHT ALLES DAMIT HERR ERWIN WIEDERKOMMT
damit er die pension öffnet
damit ich in dem bett mit den gemalten engeln aufwache
und der gescheckte kater zu meinen füßen schnurrt
wie auf einer holländischen postkarte
was gäbe ich nicht alles könnte ich den bären sehen
wie er aus dem winterschlaf erwacht
und rot mein finger
der auf den klingelknopf drückt in rotterdam
als mutter und vater noch jung
und noch niemand gestorben war

DU KANNST DICH IN EINEN MENSCHEN VERLIEBEN
allein weil er wie du zu einer minderheit gehört
kannst deinen instinkt entzwei schneiden
wie eine große grüne melone
zwischen dir und ihm
ist das messer
vorausgeahntes blut
tropft dir auf die hand
süß und klebrig

ICH WEISS NICHT WIE
er kam wie ein klempner
und hat die verstopfung behoben
so daß die wörter fließen
es gibt einfach so zyklen
alle drei jahre
werden die armaturen gewechselt
im oktober vielleicht oder im mai
kommt er wieder vorbei

LASS MEINEN KOPF UNTERM KISSEN
damit ich nicht höre
wenn du sprichst im schlaf
laß mich in meiner finsternis
an meiner haltestelle
wo zwei züge ineinander fahren
ohne zusammenstoß
»Wollte man diese Gedichte auf ein Thema festschreiben, so wäre es die Verquickung von Liebe und Vergänglichkeit. Dabei ist die Poetessa auf der langen Strecke genauso zu Hause wie in der erzählenden Skizze oder im Kurzgedicht. Manchmal genügt ein einziger Satz - und die Zeiten gleiten ineinander ... Es ist eine Lyrik, die nichts Verschlossenes hat, sondern die ihre Ärmel nach außen wendet, die den Leser einlädt, in ihren Bildwelten auf Entdeckungsreise zu gehen ...«
Nico Bleutge, Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2007

»So wie Glück in Unglück umschlägt, Unglück in Glück, so das Nichts in Sprache, Sprache in Poesie. Dieses Wunder geschieht in Nora Iugas ununterbrochener, ja ununterbrechbarer Poesie. ...«
Harald Hartung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2007

»Und nicht zuletzt die Gedichte über Liebe und Erotik sind es, in denen sich immer wieder Wendungen finden, die so unverkrampft körperbetont wie originell sind. ... Derbes und Zärtliches, Banales und Exquisites zu einer Einheit werden lassen ... Iugas Gedichte bringen das fremdartige Bild mit dem Gewohnten auf eine ganz selbstverständliche, nie elitäre und oft hochkomische Art zueinander.«
Frankfurter Rundschau, 25.04.2007

»Bildkräftige Objektivationen und die Kombination gegensätzlicher Formelemente ziehen sich durch Nora Iugas Oeuvre, halten etwa ein lyrisches Ich als "Mädchen mit den tausend Falten" so frappierend frisch und elastisch. Aber auch ein albtraumhafter Schrecken bleibt.«
Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel, 23.9.2007

»Bei aller Leichtigkeit und Wirklichkeitsflucht können Nora Iugas Verse die Schwere der Welt nicht abschütteln. Sie wollen es auch gar nicht. Zutiefst bleiben sie dem Irdischen und Leibhaften verbunden, sind nie geschlechts- oder körperlos, nie süßlich oder sentimental, sondern von großer Sinnlichkeit...«
Die Welt, 21.04.2007

»Es sind lyrisch konzentrierte Mitschriften von Tagträumen, nächtlichen Phantasmagorien, kleinen alltäglichen Snapshots und jäh aufleuchtenden Visionen des Begehrens, die Nora Iuga zu Gedichten organisiert. Und es gibt tatsächlich auch einen äußerst lebendigen "Erotismus" in den Texten, der aber nicht fragwürdig "morbide" ist, wie einst die Alarmisten der rumänischen Kulturpolitik behaupteten, sondern immer wieder überrascht mit großer skurriler Frische und origineller Drastik. Je älter diese Dichterin wird, desto kühnere Bildfindungen zum Drama von Liebe und Schmerz, Eros und Tod scheinen ihr zu gelingen.«
Michael Braun, Der Freitag, Messebeilage, 23.3.2007
Klett-Cotta Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner mit einem Nachwort von Mircea Cartarescu
3. Aufl. 2009, 137 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-93708-4

Nora Iuga

Nora Iuga wurde 1931 in Bukarest geboren, wo sie auch heute lebt. Sie studierte Germanistik und arbeitete seit ihrem Studium u. a. als Übersetzerin ...



Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de