Verlangen nach Musik und Gebirge

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Sommer 2002. Die Erzählerin: sie kommt als Touristin, für ein Wochenende und eine Verabredung nur, und sie quartiert sich ein im »Malibu« nahe der Seepromenade von Oostende. Schnell hat sich ein kleiner Kreis gebildet, europäischen Zuschnitts, und man ist gewillt, die Zeit zu nutzen: de Rouckl, dauergekränkter Künstlertyp; Willaert, Antwerpener Parfümerist und undurchschaubarer Führer durch das belgische Städtchen; und Roy, der unglücklich Verliebte, der mit seiner Großmutter da ist.

Im Zentrum: die von ihrem Lover begleitete Italienerin Sonja, eine hellblonde Schönheit, die »Schneeantilope«. Bald sind wir mittendrin in Kabale und Liebe.
Daß die Welt nur als Begleitumstand einer Liebe zu ertragen ist, ist nur eine der Erkenntnisse dieses Romans. Ein Maskenball wird hier inszeniert, ein schnelldrehendes Schattenspiel zwischen den Geschlechtern vor dem Hintergrund zeitgenössischer Anblicke: Ferienburgen, Vergnügungs-Gigantomanie und Postkolonialismus. Das Wochenende führt die Gruppe in die Nachtcafés, das Ensor- Haus und zur Baustelle eines maritimen Luxusrestaurants. Wohl nie hat Brigitte Kronauer ihre Sprachmagie aufregender und raffinierter eingesetzt als hier. Von der Sehnsucht in allen und in allem handelt dieser große Roman, der uns mit tausend Verlockungen in seinen Bann zieht. 

Leseprobe
Abteil

Durch und durch rechtwinklig gebaut, der junge Mann, zu allem Übel auch noch rücksichtslos mitteilsam: "Außer Mut und schnellem Geist zu reagieren im Moment von irgendeiner Schwierigkeit..."

Was?

Aber da, ein Weg, der sich um ein rabenschwarzes Waldstück biegt. Da werden wohl Messer gewetzt, Felder, wo es graugrün wächst, weht und sich wellt. Schauplätze, die Färbung und Fäden von früher aufnehmen. Man gerät deshalb nicht aus dem Häuschen.

"... mußt du auch eine einwandfreie technische Vorbereitung haben, die das Wissen umfaßt um die Normen der Sicherheitsbestimmungen für jede einzelne Darbietung und einen unerschöpflichen Wunsch, zu erobern und zu besiegen die eigenen Unschlüssigkeiten."

Unglückswurm!

Da, aufgetaucht und vorübergekreiselt, aus den gekachelten Ställen bäuerlicher Viehhaltung herausgebläht das Reich der Rinder, schönäugige Riesenköpfe, träumerisch kauend über der Gräserwildnis. Badewannen in der Wiesenmitte, Hügel, bedeckt mit Autoreifen. Ein Gemütszustand auf dem Acker in Gestalt einer Katze. Der Zug rast viril davon. Es will nichts besagen, will nichts sagen. Nach Oostende geht die Fahrt. Das könnte man nicht nur bequemer, sondern auch schneller haben.

Man will aber nicht.

"Auf diese Art den Gemeinplatz widerlegend, der die Stuntleute als Verzweifelte sieht, auf der Suche nach adrenalinischen Erregungen, immer schärfer disponiert, das Leben für eine Handvoll Dollars zu verkaufen."

Junger Mensch, finanziert das Runzelmenschlein neben dir deinen Sprachunterricht? Sehr junger Mann, willst du deiner Großmutter beweisen, daß sich die Investition gelohnt hat? Die Großmutter legt ihm begütigend eine gebrechliche Hand aufs Knie. Er merkt nichts.

"Jamie hat sich sofort über unsere physische Ähnlichkeit amüsiert. Sie hat sich nie davon getroffen gefühlt, nicht einmal als Kinder ihr Autogramm von mir verlangten, wie es beim set von ‚True lies' passiert ist. Als wir die Szene drehen mußten, in der Jamie von einer Brücke auf die Limousine fliegt, bereitete ich mich vor, indem ich mein Mantra der Selbstüberzeugung - oder besser Selbstüberwindung? - rezitierte, um eine perfekte Ruhe und Sicherheit zu erlangen. Es geschah mir, daß ich nach unten sah, in den Fluß, wo das Rettungsschiff war mit den Sauerstoffgeräten und einem Arzt, bereit für den Notfall und ich fühlte, wie ein tröstliches Sicherheitsgefühl in mich eindrang. Aber ich wußte noch nicht..."

Man fragt das Großmütterchen, ob sie einen Enkel möchte, der nicht nur tolpatschig Artikel aus italienischen Illustrierten übersetzt, sondern einen, der selbst auch Stuntman wird. Controfigura, nicht wahr, so heißt es doch? Nur, um ihr neckisch sich gruselndes, "Ahaha!" zu hören.

"An diesem Abend schickte sie mir eine Flasche Champagner ins Zimmer, einen Glückwunsch und das Foto, das sie geschossen hatte während meiner Rettung mit dem Helikopter. Ihre Worte zitterten vor Stolz wie die einer Schwester oder Mamma. Dies hier ist für mich die Art des Gefühls, für die sich auch die Mühe lohnt, weil du dich geschätzt fühlst für das, was du wirklich bist."
»Poetisch, göttlich, zart - man könnte Hymnen anstimmen auf Kronauers Sprache und Stil
... Hier sind die Wahrnehmungen durch Reflexion und Empfinden hindurchgegangen und gewinnen in der unvergleichlichen Sprache Brigitte Kronauers eine neue Gestalt. In ihr erkennt man die Dinge nicht wieder, sondern sieht sie neu - und das macht schließlich große Literatur aus.«
Annette Garbrecht (Financial Times Deutschland, 14.1.2005)

»... ein hinreißend inszeniertes Spiel über die großen emotionalen Aufschwünge und ihr komisches Scheitern.«
Holger Schlodder (Darmstädter Echo, 10.1.2005)

»... Brigitte Kronauer, die "helle Schwester" Elfriede Jelineks, wie Reinhard Baumgart einmal formulierte, hat einen hochartistischen, ganz und gar europäischen Künstlerroman auf der (Gebirgs-)Höhe der Zeit geschrieben. Beim wiederholten Lesen gewinnt er die Leichtigkeit, die ihm gebührt.«
Ina Hartwig (Frankfurter Rundschau, 8.12.2004)

»... Brigitte Kronauers glasklar-präziser und zugleich feierlich-beschwingter Stil zeichnet die vielfältigen Erregungen minutiös nach. Diese Sprache ist selber schon Erregungsprosa, Worte überrumpeln, poetisieren und dramatisieren, erzeugen dabei auch durchaus absurden Witz und analysieren dann wieder kühl ironisch. ...«
Maja Rettig (die tageszeitung, 27.11.2004)

Eine »großartige deutschsprachige Autorin ...
"Verlangen nach Musik und Gebirge" bietet eine extreme, eine extrem schöne Leseerfahrung. ...«
»Was zufällig scheint, ist von der Autorin präzise geplant und mit Witz, aber Strenge in Szene gesetzt ...«
(ARD, druckfrisch, mit Denis Scheck, 7.11.2004)

»... In einer mal jubilierenden, mal scharfzüngig-mokanten Prosa werden die Topoi der Anziehung spielerisch durchdekliniert. Ein Buch über die Macht der Verführung, im Leben wie in der Kunst - und eine Herzklopfen verursachende Lektüre.«
Andrea Köhler (Focus, Literatur-Tipp, 11.10.2004)

»... Die Erzählerin läßt die Figuren unter den Masken agieren, die sie ihnen niemals abnimmt. Wieder liegt alle Kunst Brigitte Kronauers darin, wie das Äußerste an spielender und anspielender Konstruktion zusammenfällt mit einer Evidenz des Wiedererkennens, die "ich" rufen möchte, wo "man" steht. ...«
Patrick Bahners (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004)

»... Dass die Luft auf den Gipfeln der Kunst naturgemäß dünn wird, ist das Risiko dabei. Brigitte Kronauer ist es, das darf man bei dieser Ausnahmeschriftstellerin annehmen, bewusst eingegangen. Wer bereit ist, sie zu begleiten, wird reich belohnt: mit dem besten Ausblick weit und breit. ...«
Meike Fessmann (Tagesspiegel, 6.10.2004)

»... Ihre Sprache ist von der Gischt der Formexperimente des 20.Jahrhunderts durchtränkt. Wie Schaumkronen tanzen die Fragen über ihrer Prosa, in Klammern gesetzte Alternativen, Parenthesen und Interjektionen wirbeln die Sätze auf wie Sand. «
Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung, Literaturbeilage, Oktober 2004)

»... Schon der Titel von Brigitte Kronauers Roman "Verlangen nach Musik und Gebirge" klingt fremdartig. Doch wer ihre "Weltentzündung" verfolgt, wird reich belohnt. ...
Der Titel ist ein Nietzsche-Zitat aus den Aphorismen seiner Morgenröte. Es seien die "Erdichtungen", so führt Nietzsche das aus, die diesem Verlangen "Spielraum und Entladung" geben. Beides erfüllt Brigitte Kronauers Roman in einer für die gegenwärtige deutsche Literatur ganz einzigartige Weise. «
Anke Dürr (Spiegel Special, 4/2004)

»...Wir reiben uns die Augen, sind uns letztlich aber sicher, ein Naschwerk von hohen Graden genossen zuhaben, luftig, locker und so lustvoll, dass man am liebsten sofort wieder von vorn lesen würde.«
Tilman Krause (Die Welt, 2.10.2004)

»... Brigitte Kronauer ist eine Liebhaberin der Ambivalenzen, eine Meisterin der Polarisierung, eine vertrackte Dialektikerin: ganz dicht will sie der Realität sein - und zugleich sehr fern. ...
Die sprachliche Erfindungsgabe Brigitte Kronauers ist bei all diesen Irrungen und Wirrungen kaum zu bremsen. ...«
Claus-Ulrich Bielefeld (Tages-Anzeiger, 14.09.2004)

»... Denn nichts an den Stereotypen der erotischen Verwicklung klingt bei dieser Autorin, als hätte man´s schon gelesen. Bei ihr ist jeder Satz wie der Paukenschlag des ersten Blicks, der die Liebe entfacht: die Liebe zu einer Literatur, deren funkelnde und zugleich deftig mokante, die Steilwände der Verzückung mühelos stürmende Formulierungskunst in der deutschsprachigen Literatur nichts Vergleichbares hat. Und die auch den "dunkelböse" nagenden Zweifel mit intoniert. ...
Und so ist dieses Buch kein Roman über das Meer, die Musik, die Liebe, sondern ihre buchstäbliche Verkörperung: Rhythmus, Gesang, Ebbe und Flut. Und seine Lektüre ein lustvolles Gewogenwerden im Auf und Ab, im Schwipp-Schwapp erotischer Turbulenzen. ...«
Andrea Köhler (Neue Zürcher Zeitung, 11.9.2004)

»... Es ist mit Händen zu greifen: "Verlangen nach Musik und Gebirge" ist ein irritierend reicher Roman, der von Liebe, Kunst und Meereswellen so spricht wie am ersten Tag - eine Kunst, die nur große Autoren beherrschen. ...«
Rainer Moritz (Die Presse.Com/ Spectrum, 11.09.2004)

»Der Reichtum und die Weite ihrer Sprache ist unerschöpflich ...«
Ursula März, Frankfurter Rundschau

»Man kann süchtig werden nach dieser locker komponierten, hoch konzentrierten Sprachmusik.«
Joachim Scholl, Financial Times Deutschland
Klett-Cotta Roman
2004, 389 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag, Fadenheftung
ISBN: 978-3-608-93571-4
autor_portrait

Brigitte Kronauer

Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Hamburg. Ihr schriftstellerisches Werk wurde unter anderem mit dem...

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