Sämtliche Werke in 18 Bänden, Band 10/11

Dante – Die göttliche Komödie
Buchdeckel „978-3-608-95116-5
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»Soviel ist gewiss dass jezt ein toter schatz vom grössten reichtum gehoben ist.«
Stefan George an Gundolf

Die Beschäftigung mit der italienischen Sprache und Literatur geht bis in die Jugendzeit Georges zurück; Abschriften zweier Sonette Petrarcas schon aus der Schulzeit sind überliefert. Doch erst 1900 beginnt George, ausgewählte Stellen aus dem Weltgedicht Dantes ins Deutsche zu bringen.

George hat aus fünfzig der hundert Gesänge kürzere oder längere Stellen ausgewählt; es sind, in seiner Auffassung, die dichterischen Höhepunkt. Georges von innerer Verwandtschaft und Verbundenheit geleitete Arbeit an Dante hat des Dichters eigenes Werk nachhaltig beeinflusst. Im Anhang des Bandes findet sich ein Verzeichnis aller Lesarten der bis heute bekannten schriftlichen und gedruckten Überlieferung, das den Nachvollzug der Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte ermöglicht.

Alle Bücher von Stefan George - mit den Sämtlichen Werken

Leseprobe
ODYSSEUS LEZTE FAHRT

Nachdem die flamme angelangt war dorten
Wo es ihm gut erschien nach ort und stande
Hört ich den führer reden mit DEN worten:

Ihr die ihr beide seid in Einem brande
Wenn ichs um euch verdient wie ihr auch richtet ·
Wenn ichs um euch verdient im erdenlande

Als ich die hohen verse einst gedichtet:
Geht nicht hinweg.. einer von euch entdecke
Wie er zum tode kam durch sich vernichtet!..

Der alten doppelflamme grössre ecke
Zuerst mit murmeln auf- und niederragte
Wie eine die der windeshauch erschrecke ·

Dann mit der spitze hier und dorthin jagte ..
Als wäre zunge sie die ihn entsandte
So schnellte sie den laut hervor und sagte:

Ich trennte mich von Kirke die mich wandte
Ein jahr schon bei Gaëta ab vom wege
Bevor Aeneas so den platz benannte.

Nicht zärtlichkeit des sohnes · nicht die pflege
Des greisen vaters · nicht die schuldige liebe
Die in Penelope die freude rege:

Vermochte dass mein drängen unterbliebe
Wie ich mich über alle welt belehre ·
Der menschen tüchtigkeit und eitle triebe.

Ich steuerte hinaus zum offnen meere
Mit Einem fahrzeug und den paar genossen
Die mich erwählt zum ständigen verkehre.

Die beiden ufer hatten wir erschlossen
Bis nach Marokko bis zu den Hispanen
Und andrem land vom gleichen meer umflossen.

Wir alt und müd schon ich und die kumpanen
Gelangten dann zu jenem engen rachen
Wo uns die pfosten Herkules' gemahnen

Von hier ab weiter keinen schritt zu machen.
Rechts liess ich schon die küste der Iberer
Links hatte Ceuta hinter sich der nachen.

O brüder · sprach ich · durch die unzahl schwerer
Gefahren seid ihr nun gelangt zum westen.
Zeigt euch an hohem sinne nun nicht leerer

In eures lebens nur noch kargen resten:
Dass ihr jezt die erforschung wolltet missen
Der sonn-rückwärtigen unbewohnten festen.

Ich ruf euch eure abkunft ins gewissen:
Ihr seid nicht da zu leben gleich den kühen
Doch zum verfolg von tüchtigkeit und wissen.

Ich machte für die weiterfahrt erglühen
Mit dieser kurzen rede mein geleite –
Nun hätt ich sie nur abgebracht mit mühen.

Den morgen hinter sich zur tollen weite
Beflügelten sie ihre ruder gerne
Sich immer haltend nach der linken seite.

Schon sahen in der nacht wir alle sterne
Des andern pols · die unsren so in tiefen
Dass sie nicht tauchten aus der meeresferne.

Fünfmal erhellten sich und es entschliefen
Sovielmal über uns des mondes strahlen
Seit wir zum hohen unternehmen liefen:

Als ich dann einen durch entfernung fahlen
Bergzug von einer solchen höh entdecke
Wie ich bis dahin schaute noch niemalen.

Uns kam die freude · doch sie ward zum schrecke:
Vom neuen land her eines wirbels wehen
Zerschmetterte des fahrzeugs nächste ecke ·

Dreimal liess ers mit allen wassern drehen ·
Das hinterschiff stand hoch · beim vierten zug
Das vordre abwärts – so musst es geschehen –

Bis über uns das meer zusammenschlug.

Hölle · XXVI. Gesang · 76–142.
»Die in der neueren Forschung aus philologischen und weltanschaulichen Gründen wohl unterschätzte Teilübertragung der Commedia darf als einzige wirklich dichterisch gelten, wie man auch im Detail über sie denken mag.«
Buchjournal, März 1988

»Noch heute bestechen diese Nachdichtungen durch ihre ebenso hochkünstlerische wie ganz und gar eigenständige Sprache. Im Anhang der hervorragend edierten Neuausgabe finden sich ausführliche Anmerkungen … sowie eindrucksvolle Wiedergaben von Stefan Georges beinahe wie kleine Kunstwerke wirkenden Originalmanuskripten.«
Brückenbauer, 9.11.1989
Klett-Cotta Bearb. von Georg Peter Landmann
2. Aufl. 2013, 199 Seiten, Leinen
ISBN: 978-3-608-95116-5
autor_portrait

Stefan George

Stefan George, 1868 im hessischen Büdesheim als Sohn eines wohlhabenden Gastwirts geboren, wohnte ab 1873 in Bingen. Nach dem Abitur reiste er ...

Georg Peter Landmann

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