Der Untergang des Römischen Weltreichs

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Ein Meisterwerk erzählender Geschichtsschreibung

Der geheimnisvolle Tod der Westhälfte des Imperiums zählte zu den grundlegenden Revolutionen der Geschichte, zu einer Folge von Ereignissen, die die Welt profund veränderten. Peter Heather fordert die herkömmliche Ansicht von einem korrupten, überfeinerten, christianisierten Reich heraus, dessen Tage gezählt waren. Mit Einbeziehung jüngster archäologischer Entdeckungen und einer radikalen Neulektüre klassischer Texte hat er eine aufsehenerregende, neue Geschichtserzählung über diese Zeit verfasst.

Sich auf seine unvergleichlichen Kenntnisse der Barbarenvölker stützend, unter umfassender Zuhilfenahme der Ergebnisse jüngster archäologischer Entdeckungen und einer radikalen Neulektüre klassischer Texte hat Heather eine spannende, Aufsehen erregende und neue Geschichtserzählung über diese Zeit verfasst.

Zum einen ist dies eine unterhaltende und provozierende Reise durch die Welt des vierten und fünften Jahrhunderts; es handelt sich aber auch um einen epischen Bericht über Zivilisationen (Germanen, Hunnen und Parther), die um ihr Überleben kämpfen. Rom stürzte, so legt Heather dar, nicht wegen seiner Schwäche, sondern durch die Summe der Kräfte, die durch seinen gigantischen Erfolg freigesetzt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Danksagung
Einleitung
TEIL I: PAX ROMANA
1. Römer
2. Barbaren
3. Grenzen der Weltherrschaft
TEIL II: KRISE
4. Krieg an der Donau
5. Der Gottesstaat
6. Jenseits von Afrika
7. Attila der Hunnenkönig
TEIL III: UNTERGANG DER IMPERIEN
8. Die Katastrophe des Hunnenreichs
9. Das Ende des Reiches
10. Roms Untergang
ANHANG
Abkürzungen.
Anmerkungen
Dramatis Personae
Zeittafel
Glossar
Bibliographie
Register

Leseprobe

KAPITEL 1: RÖMER
Früher Winter des Jahres 54 v. Chr.: Im Osten der Gallia Belgica herrscht ein typischer naßgrauer Novembertag. In einem römischen Militärlager auf dem Gebiet der heutigen Stadt Tongern, nahe der Stelle, wo heute Belgien, die Niederlande und Deutschland zusammentreffen, tagt ein Kriegsrat. Eine vollständige Legion - zehn Kohorten, die theoretisch je 500 Mann umfaßten, und fünf zusätzliche Kohorten waren hier, ein wenig westlich des Rheins auf dem Gebiet eines kleinen, germanischsprachigen Stammes, der Eburonen, in Winterquartieren zusammengefaßt worden. Am Ende jeder Kriegssaison pflegte Julius Caesar seine Legionen auf befestigte Lager zu verteilen. Die Legionäre errichteten sie nach einem Standardmuster selbst: außen Graben, Erdwall, Brustwehr und Verteidigungstürme, innen die Kasernenblöcke. Die Länge der Wälle war durch eine uralte Faustregel bestimmt, sie betrug das 200fache der Quadratwurzel aus der Zahl der Kohorten, die unterzubringen waren. Unterjochte Stämme in der unmittelbaren Nachbarschaft mußten die Truppen über den Winter versorgen, bis wieder neues Gras wuchs, um die Lasttiere zu ernähren. Dann konnte der Feldzug von neuem beginnen.
Zuerst war alles gutgegangen. Die römische Streitmacht wurde durch die Eburonenkönige Ambiorix und den erheblich älteren Catuvolcus zu ihrem Feldlager geleitet. Das Fort wurde rechtzeitig errichtet, und die Eburonen schafften die ersten Nahrungsmittelvorräte heran. Aber etwa drei Wochen später begann alles schiefzugehen. Ermutigt durch aufkeimenden Aufruhr andernorts und ermuntert durch Indutiomarus, den Anführer der weit zahlreicheren Treverer, einem Nachbarstamm aus dem Moseltal, lauerten einige Eburonen einer kleinen Gruppe Römer auf, die sich auf Proviantsuche befand, und machte sie nieder. Dann stürmten sie auf die römischen Schutzwälle zu, mußten sich aber bald unter einem Hagel von Wurfgeschossen zurückziehen. Im Römerlager verbreitete sich plötzlich ein Unbehagen, das rasch zunahm. Ambiorix und Catuvolcus bemühten sich erfolgreich um eine Unterredung; beide behaupteten, eine Schar von Hitzköpfen sei für den Angriff verantwortlich. Insbesondere Ambiorix war darauf aus, sich als engagierten Verbündeten der Römer hinzustellen. Er behauptete, ein größerer Aufstand sei mit Sicherheit zu erwarten. Aus Gebieten östlich des Rheins seien gewaltige Massen angeheuerter Germanen im Begriff, über Gallien herzufallen. Es sei nicht seine Sache, den römischen Befehlshabern Ratschläge zu erteilen, führte er aus, aber wenn sie ihre Kräfte gegen den Angriff zusammenfassen würden, so könne er der Brigade eine sichere Passage zu einem der beiden Legionärslager zusichern, die sich etwa 80 Kilometer entfernt befänden, das eine im Südosten, das andere im Südwesten.
Die Dinge hätten nicht besser laufen können, hätte Ambiorix das Drehbuch selbst geschrieben. Die römischen Streitkräfte unterstanden den beiden Legaten Quintus Titurius Sabinus und Lucius Aurunculeius Cotta. Ihr Kriegsrat zog sich lange hin, ohne daß eine Einigung erzielt wurde. Cotta und einige seiner Unterführer waren entschlossen, an Ort und Stelle zu bleiben. Sie hatten ausreichend Nahrungsmittel, und das Lager war rundum befestigt; Caesar werde Verstärkung schicken, sobald er von der Revolte erfahre - und Gallien war berühmt für die Geschwindigkeit, mit der sich Gerüchte hier verbreiten konnten. Sabinus jedoch argumentierte, die ansässige Bevölkerung würde keinen Aufstand wagen, wäre Caesar nicht schon nach Italien zurückmarschiert. Nur der Himmel könne wissen, wann ihn die Nachrichten über die Revolte erreiche, und da die Legionen auf die verschiedenen Winterquartiere verteilt seien, müßten sie sich mit der trüben Aussicht auseinandersetzen, eine nach der anderen vernichtet zu werden. Für Sabinus war also klar: Das Angebot eines sicheren Durchmarschs mußte akzeptiert werden. Man dürfe keine Zeit verlieren. Außerdem war ihm wohlbewußt, daß sich in der Festung die am wenigsten erfahrenen Legionen Caesars befanden. Ihre Soldaten waren erst im letzten Frühjahr ausgehoben und in den großen Schlachten der letzten Feldzugssaison zur Bewachung des Trosses eingesetzt worden. Die Beratung ging weiter, die Stimmung wurde gereizt, die Stimmen lauter. In voller Absicht ließ Sabinus die Soldaten wissen, ein Plan, der darauf abzielte, sie schnell in Sicherheit zu bringen, sei verworfen worden. Gegen Mitternacht gab Cotta nach. Der wichtigste Faktor für die Wahrung der Kampfmoral sei, eine geeinte Front unter den Of. zieren aufrechtzuerhalten. Schnell bereiteten sich die Legionäre auf den Abmarsch vor, und bei Tagesanbruch waren sie schon unterwegs. In der Annahme, Ambiorix habe als Freund gesprochen, zogen die Römer in Marsch- und nicht in Schlachtordnung davon. Eine auseinandergezogene Kolonne beförderte den größten Teil des schweren Gepäcks.
Drei Kilometer außerhalb des Lagers führte der Weg durch dichte Wälder in ein tiefes Tal hinab. Ehe die Vorhut den Aufstieg an der Gegenseite geschafft hatte und während der Hauptteil der Kolonne sich noch am Talboden lang hinzog, schnappte die Falle zu. Zu beiden Seiten des Tales tauchten oben die Eburonen auf und überschütteten die Römer mit Wurfgeschossen. Der Kampf zog sich in die Länge, aber die Eburonen trugen einen vollständigen Sieg davon. Am nächsten Morgen lebten nur noch wenige versprengte Römer, die sich im Chaos hatten verstecken können und so verschont geblieben waren. Die breite Mehrheit der über 7000 Soldaten, die gerade ein paar Wochen zu - vor ihr Lager errichtet hatten, war tot. Die Abfolge der Ereignissen war brutal und, da unerwartet, zutiefst bestürzend, auch nicht gerade das Schicksal, von dem man erwartete, daß es Soldaten im Heer Julius Caesars ereile, des Feldherrn, der für die bombastischste aller Prahlereien berühmt war: veni vidi vici - »Ich kam, ich sah und ich siegte.«
Das Geschehen verdient eine genauere Untersuchung. Während diese bestimmte römische Streitmacht überwältigt wurde, zeigen die Einzelheiten der Auseinandersetzung doch anschaulich die erstaunliche Kampffähigkeit der römischen Legionäre, die die Grundlage des römischen Reiches bildete. Sabinus reagierte kopflos, als der Angriff aus dem Hinterhalt begann, und das kann bei einem Befehlshaber nicht überraschen, der sogleich gemerkt haben muß, daß er seine Leute in eine tödliche Falle geführt hatte. Cotta war in einer besseren Lage. Er hatte die ganze Zeit Lunte gerochen und ergriff alle ihm möglichen Vorsichtsmaßnahmen. Als der Geschoßhagel einsetzte, gruppierten er und seine erfahrenen Zenturionen die langgezogene Kolonne rasch in ein Quadrat um. Den Troß gaben sie dabei auf. Nun konnten Befehle ausgegeben werden, und die Kohorten bewegten sich als Einheit, wenn auch die taktische Lage ganz und gar gegen sie sprach. Ambiorix hatte den Vorteil, von der Höhe aus zu operieren, und er hatte genug Kontrolle über seine Gefolgsleute, um daraus Nutzen zu ziehen. Die Eburonen vermieden einige Stunden lang den direkten Kampf Mann gegen Mann und schütteten einfach Geschosse von oben herab: Speere, Pfeile, Schleudergeschosse. Die Verluste auf römischer Seite nahmen rasch zu; wenn eine Kohorte einen geordneten Ausfall nach links oder rechts unternahm, um ihrer Peiniger Herr zu werden, setzte sie sich jedesmal einem Geschoßhagel von hinten aus. In der Falle, schmolz ihre Truppenstärke dahin, dennoch hielten die Römer erstaunlicherweise acht Stunden durch. Dann bemühte sich Sabinus, mit Ambiorix ins Gespräch zu kommen. Ein wahrer Römer verhandele mit einem bewaffneten Gegner nicht über Bedingungen, knurrte Cotta, obwohl ein Schleudergeschoß ihn mitten ins Gesicht getroffen hatte. Sabinus wurde, während er noch sprach, niedergeschlagen, und dies war für die Eburonen das Signal, von oben anzugreifen, um den Gegner endgültig zur Strecke zu bringen. Viele Legionäre kämpften und starben mit Cotta auf der Talsohle, aber einige blieben in geordneter Formation und schafften den Rückweg zum gut drei Kilometer entfernten Lager. Von dort hielten die Überlebenden die Eburonen bis zum Einbruch der Nacht fern. Dann entschieden sie, daß es eines Mannes würdiger sei, sich zu töten, als in die Hände des Feindes zu fallen. Falls der Gepäcktroß den ganzen Tag über ohne Hoffnung auf Erfolg kämpfte und den Massenselbstmord der Kapitulation vorzog, dann hatten Roms Feinde ernsthafte Schwierigkeiten zu erwarten. [...]
»Die Wissenschaft dürfte nach der Lektüre von Heathers profundem Werk ebenso zufrieden sein wie das breite Publikum. Deutlich wird, dass die Barbaren weder wild noch destruktiv noch blöd waren, wie es die reichsrömische Propaganda so gern verbreitete. In der Regel überzeugend räumt der Autor mit so manchen Mythen auf. ...«
Christian Ruf, Dresdner Neueste Nachrichten, 27.05.2008
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Klaus Kochmann (Orig.: The Fall of the Roman Empire)
4. Aufl. 2009, 640 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen, 16 Karten im Text, Vorsatzkarte, farbiger Tafelteil
ISBN: 978-3-608-94082-4

Peter Heather

Peter Heather wurde 1960 in Nordirland geboren. Er studierte Geschichte am New College Oxford. Lehrtätigkeit am University College, London und der...

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