Julian

Kaiser, Gott und Christenhasser

Das könnte Sie interessieren

Arminius und der Untergang des Varus

Warum die Germanen keine Römer wurden

Justinian

Das christliche Experiment

Konstantin der Große

Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion
Dieses Buch erwerben
gebunden mit Schutzumschlag
leider vergriffen
Versandkostenfrei nach D, CH, A; hier inkl. Mwst. - >> Lieferinformationen - Einzelheiten zu Ihrem Widerrufsrecht finden Sie in den >> AGBs. - >> Akzeptierte Zahlungsmittel

Wie der römische Kaiser Julian versuchte, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

Genannt wurde er »Apostata« - der Abtrünnige, und er bleibt bis heute einer der umstrittensten römischen Herrscher: Kaiser Julian (331-363 n. Chr.). Klaus Rosen fesselt mit Hintergründen zu Julian, der die heidnischen Kulte erneuern wollte und um den Bestand des Römischen Reiches kämpfte. Er stellte mit seinem Toleranzgesetz die Religionsfreiheit wieder her, verbot aber gleichzeitig Christen das Unterrichten. Als er in einer Schlacht getötet wurde, bedeutete dies das Ende der antiken Götterkulte.

In seiner meisterhaften, mit Verve geschriebenen Biographie zeichnet Klaus Rosen, einer der besten Kenner der Völkerwanderungszeit, das Lebensbild einer der großen, stets kontrovers beurteilten Gestalten der Antike. Julian, Neffe und Nachfolger Konstantins des Großen, versuchte als Philosoph dem gerade erst erstarkten Christentum ein erneuertes Heidentum entgegenzusetzen.

Rosens Darstellung des römischen Kaisertums, des kulturellen und religiösen Lebens sowie die eindrucksvolle Schilderung der Kriegszüge des Kaisers fügen sich zu einem facettenreichen Bild einer ganzen Epoche.

Zugleich zeigt der Autor, wie Julians Persönlichkeit im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine andere Beurteilung fand: Für die Christen war er der Abtrünnige, der nach seinem überraschenden Tod im Krieg gegen die Perser in die Hölle kam. Für die Heiden war er ein Heiliger, der durch seinen Versuch, das Christentum zu vernichten, unter die Götter aufgenommen wurde. Sein Name wurde Legende, und seine Nachgeschichte inspirierte Historiker, Filmemacher, Romanciers, Komponisten und Dichter (u. a. Goethe, Eichendorff, Durs Grünbein). Ein packendes Leseerlebnis.

Leseprobe
LESEPRPOBE
2
Konstantinopel 337 N. Chr.
Kaiser Constantin ist tot!«
Reiter galoppierten über die Küstenstraße von Nikomedia zum Bosporus, setzten auf einem Schnellsegler nach Konstantinopel über und verkündeten die Nachricht, die sich mit Windeseile in der Stadt verbreitete. Adlige Senatoren und einfache Bürger legten Trauergewänder an, Bäder und Märkte schlossen, Theaterauf führungen und Spiele wurden abgesagt. Konstantinopel, »die Stadt Constantins«, verstummte. Das Neue Rom, das vor sieben Jahren aus dem alten Byzanz entstanden war, dort, wo sich Europa und Asien bis auf wenige tausend Schritte nähern, hatte seinen Schöpfer verloren. Es war der Abend des Pfi ngstfestes, der 22. Mai 337. (1)
Um die Mittagszeit war Constantin in seinem Palast bei Nikomedia, dem heutigen Izmit, gestorben. Einige Wochen zuvor hatte er zu kränkeln begonnen. Die heißen Quellen südwestlich der Stadt brachten keine Besserung. Trotzdem setzte er die Vorbereitungen für den schon lange geplanten Feldzug gegen Persien fort, mit dem er sein politisches Lebenswerk krönen wollte. Immer wieder versammelte er seine Offi ziere um das Krankenlager. Erst als es überraschend zum Sterbelager wurde, machte das hohe Militär der hohen Geistlichkeit Platz. Der Todkranke empfi ng die Taufe und schloß wenig später für immer die Augen. Zum ersten Mal starb ein römischer Kaiser als Christ. 65 Jahre alt war Constantin geworden, und fast die Hälfte seines Lebens, 31 Jahre lang, hatte er regiert, die letzten dreizehn Jahre als Alleinherrscher des Römischen Reiches. Wer ihn verehrte, wer ihn hinnahm, wer ihn haßte - jeder spürte: Eine Epoche ging zu Ende. Wenige Tage zuvor war am Himmel ein Komet von ungewöhnlicher Größe erschienen, und alle, die in Kometen göttliche Boten bedeutender Ereignisse sahen, fühlten sich bestätigt, als sie vom Tod des Kaisers erfuhren. (2)
In den kaiserlichen Residenzen von Nikomedia und Konstantinopel war im Augenblick für Trauer keine Zeit. Die hohen Reichsbeamten gaben ihre Anweisungen. Hastig stellten Schreiber in den Kanzleien Depeschen aus, und kaiserliche Kuriere, die agentes in rebus, machten sich für die Reise fertig. Das Reich mußte umgehend vom Tod seines Kaisers unterrichtet werden. Das Reich: das waren an erster Stelle die drei im Purpur geborenen Söhne Constantins und zwei ihrer Vettern. Der Verstorbene hatte sie vor zwei Jahren in einer vorläufi gen Nachfolgeregelung an die Spitze einzelner Reichsteile berufen. Der älteste, der wie der Vater Constantin hieß und im Jahr 337 knapp über 20 Jahre alt war, hatte seinen Sitz in Trier. Zu seiner Herrschaft gehörten Gallien, Spanien und Britannien, deren Provinzen zu Diözesen zusammen gefaßt waren. Im Jahr 317 hatte Constantin ihm, der noch in der Wiege lag, den Titel Caesar verliehen, den seit über eineinhalb Jahrhunderten die Kronprinzen trugen. Nobilissimus, Vornehmster, lautete ihr Rang. Der Superlativ hob sie über alle Adligen des Reiches, die nobiles, empor. (3)
Noch im Jahr 317 wurde Constantin ein weiterer Sohn geboren. Constantius nannte er ihn nach dem Großvater Constantius, den man nach seinem Tod durch den Beinamen Chlorus von anderen Trägern des Namens unterschied. Den Zweitgeborenen erhob Constantin 324 ebenfalls zum nobilissimus Caesar und übertrug ihm 335 den Osten des Reiches, die aus neun Provinzen bestehende Diözese Asia und die Diözese Oriens mit Libyen, Ägypten und Syrien. In seiner Residenz Antiochia war Constantius II. seitdem damit beschäftigt, die Kriegsrüstung gegen Persien voranzu treiben. Als ihm gemeldet wurde, daß sich der Zustand seines Vaters verschlechtere, unterbrach er sofort seine Vorkehrungen und machte sich auf den Weg nach Nikomedia. Doch traf er dort nur noch den Toten an. Der jüngste Sohn Constans, 320 geboren und 333 zum nobilissimus Caesar erhoben, residierte in Norditalien, in Aquileia oder Mailand. Seine Herrschaft umfaßte die zwei italischen Diözesen sowie die Diözesen Illyricum und Africa.
Im Jahr 335 hatte Constantin auch die beiden Söhne seines Stiefbruders Flavius Dalmatius bedacht, Dalmatius den Jüngeren und Hannibalianus. Offensichtlich wollte er sie in die endgültige Nachfolgeregelung einbeziehen. Dalmatius verlieh er gleichfalls den Titel Caesar und setzte ihn über die drei Diözesen Thrakien, Dakien und Makedonien. Dem jüngeren Neffen Hannibalianus unterstellte er das abhängige Königreich Armenien und die angrenzenden Gebiete am Schwarzen Meer. Er ehrte ihn außerdem durch den Titel »König der Könige«, den einst die Perserkönige getragen hatten, und verheiratete ihn mit seiner Tochter Constantina, die er zur Kaiserin, zur Augusta, erhob. (4)

Anmerkungen
1 Eusebios, Leben Constantins 4,69 schildert so die Trauer in Rom, als dort die Todesnachricht eintraf. Die Trauer in Konstantinopel war noch größer.
2 Constantins letzte Tage und Taufe: Eusebios, Leben Constantins 4,61-64 mit dem Kommentar von Cameron-Hall. Zur christlichen und nichtchristlichen Überlieferung: Fowden, The Last Days 153-168. Der Komet: Aurelius Victor 41,16; Eutropius 10,8,3.
3 Die Kuriere: Eusebios, Leben Constantins 4,68,1.
4 Die Reichsordnung von 335: Epitome de Caesaribus 41,20; Origo Constantini 1,35; Chantraine, Die Nachfolgeordnung. Dalmatius: Nebenform Delmatius.

10
Der Umstrittene
[...] Im Jahrzehnt zwischen 1922 und 1932 erwarb sich der Belgier Joseph Bidez unbestritten den ersten Rang unter den Julianforschern. Seine Textausgaben trugen dazu ebenso bei wie seine Julianbiographie »La vie de l’empereur Julien«, die 1930 erschien. Bis heute hat sie sich ihren Ruf bewahrt, ein Klassiker der biographischen Geschichtsschreibung zu sein. Bidez war ein ausgezeichneter Kenner der Religions- und Geistesgeschichte des 3. und 4. Jahrhunderts. Als Rahmen für Julian war sie ihm wichtiger als die militärischen und politischen Verhältnisse, die er aber keineswegs vernachlässigte. Schon 1914 hatte er in einem Aufsatz die Religionspolitik des Kaisers untersucht und aufgrund einer revidierten Chronologie der Briefe drei Stufen herausgearbeitet: Von der Restauration habe sie sich über die Reform zum Krieg gegen die Christen entwickelt. Das Ergebnis wiederholte er wörtlich in der Biographie und erweiterte die dritte Stufe: Julian habe eine Theokratie errichten wollen, und der Kampf gegen das Christentum sei deren notwendige Folge gewesen. In der Theokratie, die er nach christlichen Vorbildern ausgestaltete, habe er zugleich das Mittel gesehen, ein morsch gewordenes Heidentum wiederzubeleben. Das neue Ziel sei erstmals beim Rhetorengesetz deutlich geworden, das die bisherige Toleranz beendet habe. Julian zu idealisieren lag Bidez scheinbar fern. Bereits auf der ersten Seite seines Aufsatzes über die Religionspolitik Julians entdeckte er in ihm »eine einzigartige Mischung von Der Bibliothekar der Reichskanzlei versäumte 1943 nicht, die deutsche Ausgabe von Bidez’ Biographie anzuschaffen. Denn wer Alfred Rosenbergs Buch »Der Mythus des 20. Jahrhunderts« gelesen hatte, wußte, daß Julian in der Parteiführung gut ankommen werde. Der Apostat hatte es dem späteren »Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP« deswegen angetan, »weil er sich nicht gescheut hatte, gerade aufgrund frommer Gesinnung gegen die Lehrer der »Stellvertretung Gottes« zu kämpfen«. Nach einem populären Julian-Essay Theodor Birts zitierte Rosenberg aus dem Brief des Kaisers an den Statthalter Atarbios: »Durch die Dummheit dieser Galiläer ging unser Staat fast zugrunde, durch der Götter Gnade kommt nun die Rettung.« War der Satz nicht eine vorweggenommene Antwort »An die Dunkelmänner unserer Zeit« im Vatikan, denen Rosenberg mit einem Pamphlet dieses Titels die Meinung sagte, weil sie die Rettung Deutschlands durch die neuen Götter nicht wahrhaben wollten und seinen »Mythus« 1934 auf den Index setzten? Auch für die »Neue Zeit«, die den Kampf gegen das Christentum auf ihre Fahnen schrieb, eignete sich Julian als historischer Vorläufer. »Du bist besiegt, Galilaeer«, schmetterte der Franzose Henry de Montherlant, der mit seiner katholischen Herkunft gebrochen hatte und ausgerechnet während Frankreichs Niederlage im Nationalsozialismus seine große Liebe fand. Mit dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 sah der »Ritter des Nichts« und Führer der »neuheidnischen Eliten« Julian endlich gerächt. Sein berühmter, aber unhistorischer Todesschrei hatte sich ins Gegenteil verkehrt. (72)
Hitler bekannte bei einem mittäglichen Tischgespräch am 21. Oktober 1941: »Ich habe gar nicht gewußt, wie klar ein Mann wie Julian die Christen und das Christentum beurteilte.« Man müsse das einmal lesen, forderte er seine Gäste auf. Die Empfehlung habe dem Buch »Der Scheiterhaufen« gegolten, notierte in einem Gedächtnisprotokoll Martin Bormann, der »Leiter der Parteikanzlei«, der an diesen Tag als Protokollant für seinen Adjutanten Heinrich Heim eingesprungen war. Der ungenannte Verfasser des Buches war der nationalsozialistische Schriftsteller Kurt Eggers, in der SS zuständig für »Feiergestaltung«. »Worte großer Ketzer« lautete der Untertitel seiner Sammlung von Zitaten gegen Kirche und Christentum, die gerade erschienen war. Unter den zahlreichen Autoren waren jedoch Goethe, Nietzsche und allen voran der Preußenkönig Friedrich II. sehr viel stärker vertreten als Julian. Hinterließen also die wenigen Ausfälle, die Eggers von ihm aufgenommen hatte, einen so nachhaltigen Eindruck bei Hitler, daß er vier Tage später erneut auf den Kaiser zurückkam? Denn bei einem Nachtessen am 25. Oktober, an dem Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich teilnahmen, machte er zunächst die Juden für den Ersten und den Zweiten Weltkrieg verantwortlich und begann dann überraschend zu schwärmen: »Das Buch mit den Aussprüchen des Kaisers Julian müßte man in Millionen verbreiten:
Eine wunderbare Einsicht, antike Weisheit, ein Erkennen, es ist phantastisch!« Die überschwenglichen Worte verrieten: Das Werk, das Hitler so bewegte, war nicht »Der Scheiterhaufen«, sondern wie bereits am 21. Oktober Julians Streitschrift »Gegen die Galilaeer«, deren Übersetzung Eggers ebenfalls in diesem Jahr herausgebracht hatte. Sie trug jetzt den parteigefälligen Titel »Der Kaiser der Römer gegen den König der Juden«. Schon im ausführlichen Vorwort machte der Übersetzer deutlich, an wen er dachte, wenn er Julian als Retter in höchster Not gegen die »fanatisierten christlichen Massen« pries, als den Feldherrn, an dem seine Krieger »mit leidenschaftlichem Vertrauen« hingen und den sie »im Kampf gegen den feige versagenden Kaiser« auf den Thron hoben. Eggers sah in Hitler den wiedergeborenen Julian, der gegen eine feige versagende Republik zum Retter Deutschlands geworden war. Weiter geißelte er im Vorwort »das unheilvolle Wirken des jüdischen Rabbi Paulus«, von dem Julian gesagt hatte, er habe »alle Gaukler und Betrüger zu allen Orten und allen Zeiten« übertroffen. Eggers Tirade und seine Übersetzung von Julians Paulus-Schelte hatten Hitler am 21. Oktober zusätzlich zu einem Monolog über den Apostel inspiriert. Paulus sei es gewesen, der Jesu Lehre und seinen Kampf gegen den jüdischen Kapitalismus verfälscht habe. Geschickt fügte Eggers der Übersetzung einige weitere Äußerungen Julians hinzu, bei denen er wie zuvor auf genaue Quellenangaben verzichtete. Das vorletzte Zitat galt dem idealen Feldherrn, den Julian in der Zweiten Rede auf Constantius gezeichnet hatte. Im dritten Kriegsjahr wurde diese Charakteristik zum Loblied auf den »Größten Feldherrn aller Zeiten«, der die genannten Eigenschaften in noch höherem Maße verkörperte: »Für den kämpfenden Soldaten bleibt der erhabendste Anblick ein weiser Führer, der selbst alles mitanpackt, der ermutigt, der aufruft, der überall dort, wo das Grauen aufsteigt, heiter und gefaßt, dort wo die anderen zagen, ruhig und fest bleibt.« Julians Rhetorik, die in der Übersetzung durch entsprechende Wortwahl noch verstärkt wurde, war ganz nach dem Geschmack des Dichters Eggers, der unermüdlich Lieder, Dramen und Weihespiele für nationalsozialistische Feiern komponierte. Das folgende Schlußzitat, das auch in Julians Rede an das Feldherrnporträt anschloß, wählte Eggers zu Ehren des Gesetzgebers Hitler, der unerbittlich für die ›Reinheit des deutschen Blutes‹ kämpfte: »Durch nichts wird der Führer bewogen, ein falsches, unechtes und zweideutiges Gesetz zu den schon vorhandenen zu erlassen. Er läßt ja auch keine Bankerte aus dem Blut von Sklaven und Unedlen neben seine Kinder treten. Er achtet Recht und Gesetz, und weder Eltern noch Verwandte noch Freunde können ihn veranlassen, ihnen zuliebe das Recht zu beugen. Er weiß ja, daß das Vaterland aller Land und Mutter ist!« Beim Mittagessen in der Wolfsschanze am 27. Januar 1942 kam Hitler ein weiteres Mal auf Julian zu sprechen: Man sollte besser von Constantin dem Verräter und von Julian dem Treuen sprechen, statt den einen den Großen und den anderen den Abtrünnigen zu nennen. Nach der historischen Umwertung durfte der aktuelle Bezug nicht fehlen: »Was das Christentum gegen Julian geschrieben hat, ist dasselbe Wortgeblödel, welches das jüdische Schrifttum über uns ergossen hat, während die Schriften des Julian die reine Wahrheit sind.« Wieder stand Eggers Pate, der sein Vorwort mit einem Ausblick auf Julians Nachleben schloß: »Wie nicht anders zu erwarten war, hat sich die Meute der christlichen »Geschichtsschreiber« auf das Andenken dieses überragenden Staatsmannes gestürzt und nicht eher geruht, als bis dieser große Kaiser als »Ketzer« zum Zerrbild und Popanz wilder Kanzeleiferer wurde«. Solche »Kanzeleiferer« hatten den neuen Ketzer Eggers 1932 aus dem evangelischen Pfarramt entlassen, und nun erinnerte er seine ehemaligen Amtsbrüder daran, was der alte Ketzer Julian schon erkannt und gewollt habe: »Weil er im Christentum eine staatszerstörende und alle nationalen Bindungen lösende politisch-nihilistische Macht sah, mußte ihm besonders viel daran gelegen sein, den Einfl uß der immer übermütiger und anspruchsvoller werdenden christlichen Staatskirche zu dämmen«. In seiner Kampfschrift »Gegen die Galilaeer« habe Julian »das befreiende und treffende Wort gesprochen, das sich vor allem die kämpfende Jugend des Imperiums zu eigen machte. Es wurde zum Rüstzeug der freiheitsliebenden und ehrbewußten Partei gegen die anmaßenden und durch nichts gerechtfertigten Ansprüche der angeblich die Welt verachtenden, aber ihre Macht und Reichtümer so sehr liebenden Christenheit.« (73)

Anmerkungen
72 Julian in der Bibliothek der Reichskanzlei: Ph. Gassert - D. S. Mattern, The Hitler Library. A Bibliography, Westport, Conn. / London 2001, 473: 1943 Anschaffung der Ausgabe 1942. A. Rosenberg, Der Mythus des 20. Jahrhunderts, zitiert nach der 167.-170. Auflage, München 1940, 73; in der Einleitung 18 Verweis auf die Dunkelmännerschrift. Indizierung: D. Burkard, Frankfurter Allgemeine Zeitung 27. 3. 2003. Th. Birt, Julian, in: ders., Charakterbilder Spätroms und die Entstehung des modernen Europa, Leipzig 19202, 252. Julian an Atarbios: Brief 83; vgl. S. 303-304; 311. H. de Montherlant: Le solstice de juin, Paris 1941, 293; H. Dietz, Rechts am Christentum vorbei? Von Georges Sorel bis Alain de Benoist, in: G.-K. Kaltenbrunner (Hrsg.), Antichristliche Konservative Religionskritik von rechts, Herderbücherei Initiative 49, 1982, 160-162.
73 Julian in Hitlers Tischgesprächen: W. Jochmann (Hrsg.), Adolf Hitler. Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944. Aufgezeichnet von Heinrich Heim, Hamburg 1980, Nachdruck München 2000, 96-97; 106; 236. K. Eggers, Der Scheiterhaufen, Dortmund 1941; ders., Der Kaiser der Römer gegen den König der Juden. Aus den Schriften Julians des »Abtrünnigen«, Berlin 1941. Zu Eggers: H. Weiß (Hrsg.), Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 1998, 105-106.
[...]
»... Das Leben wie die Genauigkeit wohnen im Detail, und ebendas ist die Brücke, die Rosen zwischen sich als einem Gelehrten mit intimer Quellenkenntnis und dem Leser errichtet ... «
Prof. Dr. Uwe Walter (Damals, August 2006)

»... Klaus Rosens gelehrte Biographie "Julian, Kaiser, Gott und Christenhasser" führt detailreich durch das 32 Jahre kurze Leben des nichtchristlichen römischen Kaisers und fasst außerdem in einer Art Sammelrezension das wandlungsreiche literarisch-geistesgeschichtliche Nachleben des christlich erzogenen Christenhassers zusammen ...«
Michael Brückner (Der Tagesspiegel, 09.07.2006)

»... In einem überbordenden Alterswerk beschreibt der Bonner Emeritus Klaus Rosen die Welt Julians, die Rhetorenschulen in den Metropolen des Ostens ebenso wie die Kommandostrukturen an der Rheinfront. Hinzu kommt, daß von kaum einem antiken Menschen derart viele authentische Zeugnisse auf uns gekommen sind. Sie zeigen einen vielfach gebrochenen Herrscher, dessen Heidentum immer fanatischere Züge annahm. ... »
(Die Welt, 1.7.2006)

»... Rosen betont, dass Julians anti-christliche Religionspolitik keineswegs als tolerant bezeichnet werden könne. Aber dass sie von Beginn an zum Scheitern verurteilt war, sieht er auch. Und so liest sich seine Biografie von der ersten Seite an als Tragödie eines zunehmend fanatisierten Einzelkämpfers, den schließlich, auf dem Rückzug aus dem feindlichen Persien, ein verirrter Speer traf und allzu früh hinwegraffte.«
Mischa Meier (Süddeutsche Zeitung, 9.5.2006)

»... Doch Rosen gelingt es, die dramatischen Wendungen in Julians Leben, das nicht länger währte als das Alexanders des Großen, den langen Weg der philosophisch-religiösen Suche sowie die Fülle der Selbst- und Fremddeutungen in einer vielschichtigen Erzählung zu verflüssigen und sich so auch mit dem Kontingenten ins Benehmen zu setzen. ...
Rosen zieht die reich überlieferten Selbstzeugnisse Julians - Briefe, Reden, Traktate - mit Recht ausgiebig heran, denn diese waren nicht bloß Masken oder Medien der Stilisierungen, sondern ... authentischer Ausdruck einer Persönlichkeit ...«
Uwe Walter (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.3.2006)
Klett-Cotta
1. Aufl. 2006, 569 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen, 62 s/w-Abbildungen und Karten, Vorsatzkarten
ISBN: 978-3-608-94296-5
autor_portrait

Klaus Rosen

Klaus Rosen lehrte Alte Geschichte an der University of South Africa in Pretoria und an den Universitäten Freiburg i. Br. und Eichstätt. Seit 1988 ...

Weitere Bücher von Klaus Rosen

Konstantin der Große

Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion


Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de