Islam und Abendland

Geschichte eines Dauerkonflikts
Buchdeckel „978-3-608-96008-2

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Ein historischer Grundriss zum Kampf der Kulturen

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11. September und Irak-Krieg haben die Welt verändert, die Konflikte zwischen zwei Kulturen sind mit einer Heftigkeit ausgebrochen, wie sie niemand vorhersehen konnte. Doch dieser Konflikt hat eine lange Geschichte und beginnt schon vor den Kreuzzügen.

Der Kulturwissenschaftler Gerhard Schweizer zeigt anhand persönlicher Eindrücke sowie an zahlreichen Beispielen aus Geschichte und unmittelbarer Gegenwart, auf welch vielfältige Weise die islamische und die abendländische Welt kulturell miteinander verflochten sind; weshalb die Kulturmacht Islam während des Mittelalters Europa an Toleranz und Fortschrittlichkeit weit überlegen war; weshalb der Westen seit Beginn der Neuzeit den islamischen Orient in die Defensive drängte; weshalb der Fundamentalismus heute im islamischen Raum zu größeren Erschütterungen führen muß als in westlichen Industriegesellschaften.

Leseprobe
Inhalt

Einleitung
Ein Dauerkonflikt - für weitere Jahrhunderte?

Gegenseitige Vorurteile
Alltagsbeobachtungen im Orient-Tourismus · Einseitigkeit in der westlichen Presse und die Folgen · Entsprechende Affekte bei den Muslimen · Vom Konflikt zum Dialog?

Was Christen und Muslime gemeinsam haben
»Christliches« bei Mohammed? · Jerusalem: eine heilige Stadt auch für Muslime · Jesus und Johannes der Täufer im islamischen Damaskus · Weshalb manche Moscheen für Andersgläubige gesperrt bleiben

Zweiteilung der Menschheit in Gläubige und Ungläubige
Die Ursprünge der Zweiteilung bei Moses, Echnaton und Zarathustra · Inwieweit »Heiden« toleranter sind als Christen · Das revolutionär Neue an Jesus · Wie tolerant war Jesus? · Wo islamische Toleranz ihre Grenzen findet

Als der Islam über das Christentum triumphierte
Die weltoffenen Muslime des Mittelalters: Saladin als Symbol · Was den kulturellen Vorsprung des Islam bedingte · Verstärkte Abgrenzung gegenüber den Christen · Der »Kaffer« und der »Heide«: Aufschlußreiche Wortwurzeln

Die moderne Toleranz und ihre Vorläufer
Die Ringparabel in Lessings »Nathan der Weise« · Ursprünge der Ringparabel im jüdischen und islamischen Mittelalter · Intoleranz bei Christen im Mittelalter - und die großen Ausnahmen · Die Abwehrfront gegen den Islam weicht auf · Wie die moderne Toleranz erst möglich wurde · Wo die Widerstände gegen Lessings »Nathan« bis heute liegen · Gegen die Moderne: »Unfehlbarkeit« des Papstes · Religionsfreiheit wurde nicht von den Kirchen begründet

Fortschritt und Rückschritt im Islam
Überraschendes Gespräch mit einem muslimischen Theologen · Islamische Mystiker als die großen geistigen Revolutionäre · »Aufklärung« kannten die Muslime lange vor den Christen · Der Westen wird moderner als der Orient · Erste Probleme mit einer säkularen Moderne: Atatürk und seine Reformen · »Arabischer Sozialismus« und Islam: Die zwiespältige Moderne der Baath-Sozialisten und Nasseristen

Krieg der Konfessionen
Sunniten und Schiiten · Moderne Konfessionsstreitigkeiten im Islam · Politische und soziale Spannungen überlagern den Konfessionskonflikt · Spaltungen im frühen Christentum · Katholizismus und Protestantismus · Der Nordirland-Konflikt und andere späte Ausläufer des christlichen Konfessionshaders

»Abtrünnige« und »Ketzer« im Islam
Wenn Muslime zu einem anderen Glauben übertreten · Die »Ketzerei« der Alawiten und Aleviten · Das »Unislamische« an den Drusen · Die »Gottlosigkeit« der Bahai · Salman Rushdie, der moderne »Gotteslästerer«

Religiöse Minderheiten als Prüfstein der Toleranz
Die Vertreibung der Muslime aus dem christlichen Spanien · Christen immer geduldet? Das Beispiel Saudi-Arabien · Griechen und Armenier unter den muslimischen Türken · Muslime und Christen im Libanon · Christen in Ägypten · Christen im Sudan

Die Juden als »Problem«
Juden unter muslimischer Herrschaft · Juden und Christen im mittelalterlichen Europa · Vom Antijudaismus zum Antisemitismus · Jenseits der traditionellen Affekte

Der Wille zum Dialog - und die Barrieren
Ökumene und Zweites Vatikanisches Konzil · Der Dialog mit dem Islam beginnt · Widerstände bei den Protestanten · Widerstände bei den Katholiken · Die politischen Hintergründe für den »Dialog«

Moderne Krise: der Fundamentalismus
Die Entstehung eines vieldeutigen Begriffs · Im Namen der Bibel gegen die Moderne · Amerikanische Fundamentalisten werden politisch aktiv · Jüdische Theokraten und das »säkulare« Israel · Zurück zum Sakralrecht des Koran und der Scharia · Vom Wahhabismus zu einem »modernen« Islamismus

Modellfälle des Islamismus
Eine aufschlußreiche Begegnung mit einem Islamisten · Modellfall Algerien · Modellfall Iran · Modellfall Afghanistan · Modellfall Türkei · Islamisten auf dem Vormarsch auch in Ostasien? Modellfall Indonesien

Terrorismus, die andere Art von Krieg
»Dschihad« gleich »Heiliger Krieg«? · Terrorismus und Märtyrerkult im Nahen Osten · Der 11. September 2001: »Märtyrer« gegen den »Satan Amerika« · Osama Bin Laden und Al Qaida: Eine neue Dimension des Terrorismus · Ein Kampf der Kulturen?

Muslimische Zuwanderer in Europa - eine Gefahr?
Angst vor »Überfremdung« · Was den Islam zur besonderen Zielscheibe macht · »Bürgerproteste« gegen den Bau von Moscheen · Unsere Fremdenfeindlichkeit stärkt den radikalen Islam · Weiterhin Barrieren gegen eine multikulturelle Gesellschaft?

ANHANG
Anmerkungen
Zeittafel
Literaturhinweise * * *

Einleitung

Ein Dauerkonflikt - für weitere Jahrhunderte?

Dieses Bild ist zu einer Ikone des »Bösen« geworden: die schwarzen, geballten Rauchsäulen über den zusammenstürzenden Zwillingstürmen des World Trade Center in New York. Seit dem schrecklichen Terroranschlag vom 11. September 2001, der nahezu dreitausend Menschen das Leben kostete, läßt uns die Frage nicht mehr los: Bedeutet dieses Ereignis einen tiefgehenden negativen Einschnitt in der Beziehung zwischen islamischer und abendländischer Welt - oder nur eine beklemmende Episode?

Alles deutet vorerst darauf hin, als hätten wir es mit einer Zäsur zu tun, deren Folgen noch nicht absehbar sind. Seit jenem 11. September 2001 zitieren unsere Medien das Schlagwort »Dschihad« im Sinn von »Heiliger Krieg« mit bisher nicht gekannter Häufigkeit. Immer mehr Anhänger gewinnt seither auch die These, daß eine neue Art von Krieg begonnen habe, die für das 21. Jahrhundert zunehmend die Auseinandersetzung zwischen islamischer und abendländischer Welt bestimmen werde. Muslimische Organisationen, von religiösem Fanatismus angetrieben, würden während der kommenden Jahrzehnte vor allem durch gezielte Terrorakte versuchen, unsere westliche Gesellschaft zu destabilisieren. Fernsehbilder, die in der Tat erschreckend sind - aber nur selten kritisch hinterfragt werden -, illustrieren das Szenario dieser Bedrohung: vermummte Männer, die vor der Kamera ihre Bereitschaft ankündigen, Selbstmordattentäter zu werden und als »Märtyrer« im Kampf gegen den »Satan Amerika« und dessen »Lakaien« zu sterben. Dazu in weiteren Bildern Volksmassen auf den Straßen verschiedener islamischer Städte, mit hoch erhobenen Fäusten Parolen gegen den »Westen« skandierend.

In den zwei Jahren nach dem 11. September 2001 haben sich die Spannungen zwischen abendländischer und islamischer Welt noch verschärft. Westliche Truppen in Afghanistan, westliche Truppen im Irak. Hier wie dort wurde nach offizieller Verlautbarung ein Krieg geführt, der die Ausbreitung eines weiteren »islamischen Terrorismus« vorbeugend verhindern sollte. Daß hierbei die Parole vom »Kampf gegen den islamischen Terrorismus« oft mißverständlich, ja manchmal absichtsvoll zu einem »Kampf gegen den Islam« umformuliert wurde, heizte den Konflikt zusätzlich auf. Es sind aber Kriege, die - wie es inzwischen selbst dem naiven Beobachter deutlich werden kann - noch mehr Probleme schaffen, als sie zu beseitigen vorgeben. Zu komplex ist die Situation in den dortigen Ländern, zu komplex im gesamten islamischen Kulturraum.

Es ist auch ein Krieg der Worte, der immer weiter zu eskalieren droht. Schon Khomeini, der Führer der »Islamischen Revolution« von 1979, hatte vom »Reich des Bösen« gesprochen, wenn er den »Westen« meinte, und keiner hatte häufiger als er die USA »Satan« genannt. Der religiös-politische Extremist gebrauchte religiös aufgeladene Metaphern, wie sie erst seit dem politischen Erstarken des islamischen Fundamentalismus breitenwirksam bei den Muslimen in Umlauf gekommen sind. Wir selber haben aber keinerlei Anlaß, mit bloßer Verachtung auf solche religiös-mittelalterliche »Rückständigkeit« herabzusehen, gebrauchen doch bei uns selbst einige führende Politiker, allen voran US-Präsident George W. Bush, nahezu gleiche Metaphern. Bush sprach und spricht vom »Reich des Bösen« oder der »Achse des Bösen«, wenn er feindliche und hier besonders islamische Staaten im Visier hat. Er bedient sich eines Wortschatzes, der den Traditionen eines aufgeklärten Westens schroff widerspricht - und auf einen Fundamentalismus christlicher Prägung hinweist.

Unmittelbar nach dem Terroranschlag des 11. September 2001 hatte Präsident Bush gar zum »Kreuzzug« gegen die »Mächte der Finsternis« aufgerufen und damit Schlagworte benutzt, die den Muslimen die Erinnerung an eine sehr düstere Zeit des »christlichen Glaubenskrieges gegen den Islam« weckte. Entsprechend antwortete die islamische Propaganda, man werde auch in Zukunft die »christlichen Kreuzzügler« vom »geheiligten islamischen Boden« zu vertreiben wissen. Es klingt so, als sei seit dem Zeitalter der Kreuzzüge keine Veränderung in den Gehirnen der Menschen - der Muslime wie der Christen - eingetreten. Dies scheint auf fatale Weise zu bestätigen, wie hartnäckig sich die Fronten zwischen islamischer und abendländischer Welt - allen aufklärerischen Idealen und Verständigungsbemühungen zum Trotz - erhalten haben. Und das ist eine bedrohliche Perspektive für die Zukunft.

Solche Sachverhalte gewinnen noch an Brisanz, je mehr Muslime nun auch in Europa selbst wohnen. Es sind Menschen, die ursprünglich meist nur »Gastarbeiter« waren, inzwischen aber schon in der zweiten oder dritten Generation bei uns leben. Hat es um 1950 erst rund 900 000 muslimische Zuwanderer in Europa gegeben, sie überwiegend in Frankreich und Großbritannien ansässig, so sind es zu Beginn des 21. Jahrhunderts bereits rund 17 Millionen. In Frankreich machen sie jetzt rund fünf Prozent der Bevölkerung aus, wobei die meisten aus Nordafrika stammen, in Großbritannien sind die Zahlen ähnlich, die Zuwanderer dort kommen überwiegend aus Pakistan, Bangla Desh und dem indischen Raum. In Deutschland und Österreich sind inzwischen zwei bis drei Prozent der Bevölkerung Muslime, die meisten davon Türken. Seither macht bei uns - wieder einmal - das angsteinflößende Schlagwort von der »Überfremdung« die Runde. Und um so mehr müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, ob dem »Abendland« oder dem »Westen« tatsächlich Gefahr durch die fremde Kultur des Islam droht, die - wie es oft gesagt wird - nicht zu der unseren paßt. Dieser Logik entsprechend könnte es zunehmend zu Unruhen auch in Europa kommen, weil eben die Muslime nicht bereit sind, nicht bereit sein können, sich in unsere »westliche Wertegemeinschaft« zu integrieren.
»... Auch wenn das Buch fast ohne gelehrte Anmerkungen für eine breite Leserschaft geschrieben ist, simplifiziert es nicht, sondern zeigt, wie kompliziert die Beziehungen zwischen dem Islam und dem Abendland waren und sind. Hier wird Aufklärung nicht durch Vereinfachung betrieben, sondern durch den Nachweis von Differenzen und Ähnlichkeiten. Nur wenn diese gesehen werden, kann der viel beschriebene "Kampf der Kulturen" ersetzt werden durch einen Dialog zwischen den Kulturen.«
Friedrich Niewöhner (Süddeutsche Zeitung, 11.12.2003)

»... Schweizer listet viele historische Details und erhellende Zusammenhänge der Gegenwart auf. Und warnt: Durch Fremdenfeindlichkeit und verschärfte Antiterror-Gesetze untergrabe der Westen die eigene pluralistische Kultur.«
Christian Pichler (Oberösterreichische Nachrichten, 14.11.2003)
Klett-Cotta
2., erweiterte und aktualisierte Aufl. 2003, 381 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-96008-2
autor_portrait

Gerhard Schweizer

Gerhard Schweizer, 1940 in Stuttgart geboren, promovierte an der Universität Tübingen in Empirischer Kulturwissenschaft.Heute lebt er als freier ...

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