Kinderschutz

Risiken erkennen, Spannungsverhältnisse gestalten
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Hilfen für Kinder optimieren

Wie können Vernachlässigung und Misshandlungen von Kindern verhindert und das Risiko dafür frühzeitig erkannt werden? Die Autoren diskutieren im Sinne eines besseren Kinderschutzes die scheinbar unversöhnlichen Spannungsverhältnisse zwischen Elternrecht und Kindeswohl, frühzeitiger Hilfe und Kontrolle, Prävention und Intervention.

Medienberichte über spektakuläre Fälle von Kindesmisshandlung häufen sich. Kinderschutz hat deshalb eine hohe Priorität im politischen und fachlichen Handeln bekommen. Von fachlicher Seite aus geht es darum, Vernachlässigung und Misshandlungen zu verhindern und das Risiko dafür frühzeitig zu erkennen. Die Autoren machen Vorschläge, wie das erreicht werden kann. Dabei diskutieren sie die scheinbar unversöhnlichen Spannungsverhältnisse zwischen

- Elternrecht und Kindeswohl,
- Frühzeitiger Hilfe und Kontrolle,
- Prävention und Intervention.

Der Leser erhält grundlegende Hilfestellungen, diese Spannungsverhältnisse in Politik und Verwaltung, in Fachtheorie und Praxis im Interesse eines besseren Kinderschutzes zu gestalten.

Mit Beiträgen von Martin Dornes, Martha F. Erickson, Jörg Fegert, Hans-Peter Hartmann, Marianne Leuzinger- Bohleber, Günther Opp, Gerhard J. Suess, Ute Thyen, Haci-Halil Uslucan, Ute Ziegenhain, Holger Ziegler u.a.

Zielgruppen:
- in Kinder- und Jugendhilfe Tätige
- Kinderärzte
- Kinder- und Jugendlichen
- Psychologen und Psychiater

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 7
WOLFGANG HAMMER
Kinderschutz - Spannungsverhältnisse gestalten 13
MARTHA F. ERICKSON UND HANS-PETER HARTMANN
Was Familien brauchen und was wir ihnen geben können 25
MARTIN DORNES
Ambivalenzen moderner Kindheit: Kinder zwischen Freiheit und Verletzlichkeit 46
GÜNTHER OPP
Kinder stärken Kinder - Positive Peerkultur in der Praxis 63
HOLGER ZIEGLER
Wirkungsorientierung und Wirkungsmessung in der Kinder- und Jugendhilfe 89
JÖRG M. FEGERT, UTE ZIEGENHAIN, CAROLIN C. KNORR UND ANNE K. KÜNSTER
Kinderschutz im Spannungsfeld von Gesundheits- und Jugendhilfe: Bedeutung evidenzbasierter Strategien 103
UTE THYEN, THOMAS MEYSEN UND ANDREA DÖRRIES
Kinderschutz im Spannungsfeld ärztlichen Handelns 126
HACI-HALIL USLUCAN
Kinderschutz im Spannungsfeld unterschiedlicher kultureller Kontexte 150
MARIANNE LEUZINGER-BOHLEBER
Frühe Kindheit als Schicksal? Psychoanalytische und bindungstheoretische Überlegungen zum Konzept der Resilienz . . 166
MARTINE BUCHWALD UND JUTTA LEDERER-CHARRIER
STEEP: Frühe Hilfen im Spannungsfeld von Prävention und Intervention - ein Praxisbericht 193
GERHARD J. SUESS
Kinderschutz im Spannungsfeld von Praxis und Wissenschaft - eine entwicklungspsychologische Perspektive 212
HEINZ KINDLER
Empirisch begründete Strategien zur Verbesserung des deutschen Kinderschutzsystems 234
Die Autorinnen und Autoren 261

Leseprobe

Vorwort
Als wir im Sommer 2009 in Frankfurt in den Räumen der BHF -Bank-Stiftung und in Hamburg in den Räumen der HAW zwei Tagungen zum Thema »Kinderschutz« ausrichteten, wurden wir von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach den Beiträgen gefragt. Wir haben mit Klett-Cotta einen Verlag gefunden, der die Vorträge publiziert, und können nun einem größeren Publikum die Ergebnisse dieser Tagungen präsentieren.
Der Beitrag von Wolfgang Hammer führt mit einer Beschreibung des Kinderschutzsystems in Deutschland in das Thema ein und benennt die besonderen Spannungsverhältnisse, die den Kinderschutz prägen wie keinen anderen Bereich der Jugendhilfe und sich nicht auflösen, sondern allenfalls gestalten lassen - so der Grundtenor seines Beitrages. Abschließend formuliert er Eckpunkte für eine Weiterentwicklung des Kindesschutzes, der insbesondere einer besseren Verknüpfung von individuellen Hilfen zur Erziehung und von allgemeinen Unterstützungsangeboten für Eltern und Kindern bedarf. Ein so verstandener Kinderschutz ist nicht allein auf Annahmen gegründet, wonach Eltern individuell versagen, sondern widmet sich ebenso der zunehmenden Überforderung von Eltern in der Erziehung ihrer Kinder und der Frage, wie sie von Anfang an bei dieser Aufgabe besser unterstützt werden können. Kindesvernachlässigung und -misshandlung können demnach nur auf dem Hintergrund allgemeiner kindlicher Bedürfnisse und der ganz normalen Anforderungen an Eltern sowie der Art ihrer gesellschaftlichen Unterstützung verstanden werden.
Martha F. Erickson und Hans-Peter Hartmann nennen als zentrale Entwicklungsaufgaben für Kinder das Entstehen eines Gefühls der Verbundenheit, der Kompetenz in Bereichen, in denen sie sich gut fühlen und zufrieden damit sind, sowie der Möglichkeit, einen positiven Beitrag für die zunächst kleine Welt, in der sie leben, zu leisten. Wie gerade mehrfach belastete Eltern dabei unterstützt werden können, diese Entwicklung ihrer Kinder zu fördern, wird anhand eines konkreten Falles aus einer STEEP -Intervention erläutert. Da eine Depression für Eltern ein zunehmendes Problem darstellt, wird darauf von beiden Autoren besonders ausführlich eingegangen.
Das Thema der Bindungsentwicklung wird in mehreren Beiträgen aufgegriffen, so in dem Beitrag von Martin Dornes, der auf das besondere Bedürfnis des menschlichen Säuglings eingeht, sich in einer dauerhaften Beziehung zu einem erwachsenen Gefährten emotional angesprochen und sich ihm verbunden fühlen zu können. In seiner sozialhistorischen Abhandlung zeigt er auf, dass Kinder noch vor nicht allzu langer Zeit in erster Linie materiell wichtig waren, während sie heute emotional wichtig sind, und dass vor allem die Schutzbedürftigkeit dieser Lebensphase nun anerkannt wird. Obschon dies einen unbestreitbaren Fortschritt darstellt, birgt diese Entwicklung jedoch auch Risiken, die - gerade wenn Kinder emotional gleichsam belagert werden - zu einer neuen Verletzlichkeit beim Kind führen können.
Diesen Wandel und die Risiken einer hoch ambitionierten Erziehung, die zu einer zunehmenden Belastung von Eltern bei gleichzeitigem Wegfall von traditionell verankerten Erziehungsleitlinien führen können, beschreibt auch Günther Opp, der die Angst vor dem Prekariat längst in der Mittelschicht angekommen sieht - eine der vielen Ursachen der beschriebenen erhöhten Drucksituation in der Erziehung. Dieser Nährboden aus Überforderung und Wegfall von Unterstützung dürfte nicht nur zu steigenden Zahlen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung - der berühmten Spitze des Eisbergs - führen, die Folgen lassen sich schon jetzt in einer neuen Epidemiologie mit Zunahmen von psychosozialen und chronischen Krankheiten in Kindergesundheitssurveys ablesen. Die Resilienzforschung bietet hier Erkenntnisse, die nach Opp für einen Ausbau ressourcengestützter Lebenswelten sprechen und die sich auch auf Institutionen wie Kindergarten und Schule übertragen lassen, wie er am Beispiel der Praxis von »Positive Peer Culture« aufzeigt.
Schon in den bisherigen Beiträgen wurde deutlich, dass in der frühen Kindheit die Übergänge zwischen Normalität und Gefährdungslagen fließend sind, woraus sich nicht nur für die Identifizierung einer Kindeswohlgefährdung, sondern auch für Interventionen zum Schutz von Kindern Spannungsfelder ergeben. Diese zeigen sich beispielsweise in den Forderungen nach generellen oder selektiven Präventionsprogrammen, in der Forderung nach valider Diagnostik und schließlich auch in der nach intersdisziplinärer Ausrichtung des Kindesschutzes - alles Themen weiterer Beiträge des vorliegenden Buches. Holger Ziegler widmet sich in seinem Beitrag darüber hinausgehend mit seiner kritischen Analyse der immer stärker geforderten wirkungsorientierten Steuerung einem weiteren Spannungsfeld, das die Diskussion um den Kindesschutz prägt und in weiteren Beiträgen (Fegert et al.; Suess; Kindler) wieder aufgegriffen wird, und zwar durchaus kontrovers. Mit Hinweis auf die Besonderheiten und die kontextabhängige Komplexität des Einzelfalles setzt sich Ziegler kritisch mit den Gefahren eines rigorosen experimentellen Ansatzes der Wirkungsmessung auseinander, Gefahren, die für ihn insbesondere mit einem technizistisch ausgerichteten »Managerialismus« verbunden sind. Die Ergebnisse seien künstlich und nur schwer in die Praxis übertragbar. Trotz dieser Kritik an der vorherrschenden Wirkungsmessung hält er die Auseinandersetzung darüber für dringend notwendig und nimmt damit eine innovative Position innerhalb der Sozialen Arbeit ein. Der von ihm aufgezeigte Weg, sich auf die Identifizierung zugrunde liegender Prozesse und Mechanismen, die Kausalbeziehungen erklären können, zu konzentrieren, kann durchaus befruchtend für die Soziale Arbeit und den Diskurs mit anderen, vorwiegend empirisch ausgerichteten Disziplinen - wie z. B. der Medizin und der Psychologie - sein.
Unterschiedliche Denkweisen und Handlungsstrategien - nicht nur bezogen auf eine empirische Ausrichtung - sind unter den im Gesundheitswesen und der Jugendhilfe tätigen Professionen auszumachen, die nach Untersuchungen von Jörg M. Fegert, Ute Ziegenhain, Carolin C. Knorr und Anne K. Künster immer wieder zu Reibungsverlusten in der Kooperation führen. Damit die unbestrittene Notwendigkeit von Vernetzung im Bereich des Kinderschutzes, die sich allein schon aufgrund entwicklungsbiologischer und -psychologischer Erkenntnisse ergibt, nicht ein reines Schlagwort bleibt, haben sie sich in ihren empirischen Studien diesem wichtigen Bereich gewidmet. Denn Vernetzung an sich bedeutet noch keinen Erfolg, wie der Fall Kevin, in den sehr viel investiert und bei dem aufgrund von fehlerhafter Vernetzung nichts erreicht wurde, zeigt. Fegert und sein Team an der Universität Ulm können aufgrund ihrer Untersuchungen in ihrem Beitrag empirisch gestützte und praxisrelevante Informationen für eine planvolle und zielgerichtete Vernetzung anbieten. Sie plädieren für eine stärkere Evidenzbasierung im Kindesschutz und insbesondere für empirisch abgesicherte Standards und Risiko-Inventare. Zusätzlich zu ihren Netzwerkanalysen entwickeln sie Instrumente (»Anhaltsbogen für ein vertiefendes Gespräch« bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung), die wichtige Schritte für die Weiterentwicklung des Kindesschutzes markieren.
Ute Thyen, Thomas Meysen und Andrea Dörries sehen in dem vorgestellten Anhaltsbogen für ein vertiefendes Gespräch ebenfalls eine Verbesserung des ärztlichen Beitrages zum Kinderschutz, betonen jedoch, dass allgemeine Screeningverfahren in der vorliegenden Form - schon aufgrund ihrer hohen »Fehlalarme« - für eine Risiko-Abschätzung im Einzelfall und als Grundlage für eine Meldung an das Jugendamt ungeeignet sind. Darüber hinaus können sie dem Ziel des »Brückenbauens« zwischen Arzt und Eltern entgegenwirken. Die dem Kinderschutz innewohnende Konflikthaftigkeit und der Prozess des Abwägens unterschiedlicher Rechtsgüter ziehen sich als roter Faden durch ihren Beitrag, der die zentrale Stellung gerade von Kinderärzten für den Kinderschutz betont, da sie das Kind in den Entwicklungsphasen regelmäßig sehen, in denen Kindesmisshandlung am häufigsten zu beobachten ist. 50 % der Todesfälle aufgrund von Kindesmisshandlung passieren im ersten Lebensjahr von Kindern und 90 % in deren ersten drei Lebensjahren. Die AutorInnen zeigen die Gefahren einer Nutzung dieser zentralen Stellung von Ärzten durch eine Vorverlagerung des staatlichen Kontrollauftrages in die Kinderarztpraxen auf, indem sie auf die aktuell diskutierte Früherkennungsuntersuchung als Instrument des Kindesschutzes, auf die Meldepflicht und die Erstellung einer gemeinsamen Datenbank (z. B. »Risk-Kids« in NRW ) eingehen. Wie Fegert und sein Ulmer Team sehen auch sie einen modernen Kinderschutz in multidisziplinärer Kooperation verankert, die neben der Früherkennung auch die frühzeitige Unterstützung von Erwachsenen im Übergang zur Elternschaft durch Frühe Hilfen umfasst.
Dass sich Kinderschutz zudem stärker der kulturellen und sozialen Heterogenität von Familien widmen muss, ist Thema des Beitrages Haci-Halil Uslucan . Bereits jetzt hat jedes dritte Kind unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund - eine Zahl, die sich bisher nicht in den Inanspruchnahmestatistiken von Beratungsstellen widerspiegelt. Indem er auf die besondere Situation dieser Familien zwischen unterschiedlichen Kulturen und die Herausforderung hinweist, die eine Öffnung gegenüber einer neuen Kultur und die Bewahrung eigener kultureller Identität bedeuten, werden die riskanten Bedingungen des Aufwachsens von Kindern aus diesen Gruppen deutlich. Entwicklungsrisiken folgen oftmals kulturspezifischen Mustern: So ist, wie empirische Studien zeigten, der berühmte Klaps auf den Po in euroamerikanischen Kulturen als eine riskante Erziehungspraxis zu werten, nicht allerdings in afro-amerikanisch geprägten Familien. Die Evidenz, dass Eltern und Kinder aus Migrationsfamilien gehäuften Risiken ausgesetzt sind, muss zu einer Neuausrichtung von Hilfen führen.
Einen besonderen Einblick in das von allen Beiträgen mehr oder weniger explizit angesprochene Resilienzphänomen bietet Marianne Leuzinger-Bohleber mit der Beschreibung des Falles »Pete«. Pete ist einer der Jugendlichen der High Valley Resilience Study, die aufgrund ihrer Drogenprobleme und Gewalttätigkeit in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht waren und sich oftmals trotz gegenteiliger Prognose zu normalen Erwachsenen entwickelt haben. Die Autorin beschreibt die zugrunde liegenden Prozesse der Resilienzentwicklung als ein gelungenes Zusammenspiel von inneren Kräften und einer Unterstützung durch Bezugspersonen, die korrigierende Erfahrungen ermöglichen. Die Entwicklung von Pete zeigt, dass eine frühe Kindheit mit vielfachen frühen Traumatisierungen kein Schicksal ist. Jedoch war Pete's Entwicklung hin zu Resilienz von großem persönlichem Leid begleitet und auch in Bezug auf die Hilfe, die er erfahren hat, in hohem Maße aufwendig. Frühzeitige Intervention oder Prävention hätten ihm viel Leid erspart - und der Gesellschaft viele Kosten. Leuzinger-Bohleber geht über den Einzelfall hinaus auch auf die theoretischen Grundlagen der Resilienzforschung ein und beschreibt neben den Gemeinsamkeiten auch die feinen Unterschiede zwischen psychoanalytischen, bindungstheoretischen und entwicklungspsychologischen Herangehensweisen. In ihrem Beitrag findet sich auch eine ausführlichere Beschreibung der unterschiedlichen Bindungsqualitäten und ihrer Bestimmung.
Die Förderung der Eltern-Kind-Bindung ist oberstes Ziel des von Martine Buchwald und Jutta Lederer-Charrier beschriebenen Frankfurter Praxisprojekts »Schritt für Schritt - Hand in Hand«, in dessen Darstellung sie, angereichert mit zahlreichen Fall-Vignetten, die zentralen Elemente des STEEP -Programms und seiner Umsetzung in die Praxis Früher Hilfen zeigen. Insgesamt wurden während der zweijährigen Laufzeit dieses Modellprojekts 15 Familien mit insgesamt 16 Kindern betreut. Wie eine Unterstützung der Eltern durch Einsatz von Videotechnik, durch die Gestaltung der beraterischen Beziehung, Gruppenangebote und Familienfreizeiten in der Praxis konkret aussehen kann, erfährt der Leser in diesem Beitrag auf anschauliche Weise.
Während die zentrale gesellschaftliche Bedeutung von Kinderschutz unumstritten ist, sind traditionelle Ansätze gerade in den letzten Jahren in eine Legitimierungskrise geraten, was eine vehemente Diskussion um die Art seiner wissenschaftlichen Fundierung ausgelöst hat. Wie Gerhard J. Suess in seinem Beitrag erläutert, ist Kinderschutz traditionell, wie die Soziale Arbeit generell, geisteswissenschaftlich ausgerichtet, wohingegen eine stärkere Wirkungsorientierung mehr und mehr naturwissenschaftliche Paradigmen einfordert. Diese orientieren sich an empirisch überprüfbaren und validen Theorien, wie dies am ökologisch-transaktionalen Modell von Kindesmisshandlung dargestellt wird. Empirisch gewonnene Erkenntnisse über die Ursachen von Kindesmisshandlung und ihre Auswirkung auf die Kindesentwicklung werden gemäß diesem Ansatz in Praxishandeln übersetzt und dieses wiederum auf seine Wirkung hin überprüft. Ein enges Zusammenspiel zwischen Praxis und Forschung kann die von geisteswissenschaftlich ausgerichteten Vertretern des Kindesschutzes befürchtete technokratische Verkürzung vermeiden helfen.
Heinz Kindler gibt in seinem Beitrag ein Resümee zum gegenwärtigen Kinderschutz, der in den letzten Jahren, angestoßen durch gesetzgeberische Aktivitäten, einen Entwicklungsschub erfahren hat, jedoch in weiten Teilen durch eine für die notwendige Planung unzureichende Datenlage gekennzeichnet ist. Nach einer Beschreibung des Ist-Zustandes stellt er zentrale Forderungen für empirisch begründbare Strategien zur Verbesserung des deutschen Kinderschutzsystems auf, die sich neben einer verstärkten Fortbildung und dem Aufbau Früher Hilfen auch auf intensivere Vernetzung, vermehrte Forschung zu Diagnostik und Intervention sowie die Ausweitung von Personalressourcen und eine Förderung von Partizipation beziehen. Jede der genannten Strategien wird danach beurteilt, inwieweit sie aufgrund der Datenlage als empirisch gut begründet, möglicherweise/teilweise erfolgversprechend, empirisch kontrovers oder empirisch nicht abgesichert einzustufen ist.
Abschließend möchten wir uns bei all den Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge bedanken. Unser Dank gilt auch dem Verlag, hier besonders Herrn Beyer für die gute Betreuung und Herrn Reichert für die überaus sorgsame redaktionelle Überarbeitung der Manuskripte.
Hamburg, im Mai 2010 Gerhard J. Suess und Wolfgang Hammer
WOLFGANG HAMMER
Kinderschutz - Spannungsverhältnisse gestalten
1. Gesellschaftliche Ausgangslagen des Kinderschutzes in Deutschland
Die erzieherische Überforderung von Familien, meist einhergehend mit Armutskreisläufen, in denen die betreffenden Familien »stecken«, und Bildungsferne, hat so zugenommen, dass nach Angaben der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Jahr 2007 in Deutschland für 810 000 Kinder und Jugendliche eine Hilfe zur Erziehung geleistet wurde. Wenn dies aber so ist, dann muss die Zielrichtung des gesamten auf Erziehungsunterstützung ausgerichteten Hilfesystems sich aus der Fokussierung auf individuelle Versagensbetrachtung und damit auch aus der Fokussierung auf Einzelhilfen lösen; sie muss stattdessen vorrangig auf Angebote im sozialen Nahraum setzen, die infrastrukturell insbesondere in sozial belasteten Stadtteilen niedrigschwellige Zugänge zur Alltagsentlastung und Kompetenzstärkung von Familien zur Verfügung stellen.
Es gibt große Übereinstimmungen in den Problemlagen der Familien in spezifischen Schlüsselsituationen der Erziehung, angefangen bei der Grundversorgung von Säuglingen und Kleinkindern, über Bindungsstörungen, Schulprobleme und bis hin zu Dissozialität, Delinquenz und damit einhergehenden spezifischen Belastungserscheinungen (siehe Ki GGS -Studie, Ravens-Sieberer et al. 2007) wie psychische Erkrankungen, Suchtabhängigkeit. Dies zeigt klar auf, dass bei einer Belastungsquote allein schon bei den förmlichen Erziehungshilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz in 2007 von 5 % aller Kinder und Jugendlichen mit steigender Tendenz - gegenüber 1 % bei der Verabschiedung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes im Jahr 1990 - gesellschaftliche Verursachungen wesentlicher sind als individuell erklärbares Versagen.
Für vergleichbare Lebenslagen, die zudem noch durch Isolierung und mangelnde Unterstützung in Alltagsfragen von Seiten sozialer Netzwerke gekennzeichnet sind, muss es im sozialen Nahraum Unterstützungsangebote geben, die sowohl entlastend im Hinblick auf erzieherische Überforderungen wirken als auch den Schutz von Kindern und Jugendlichen zum Ziel haben. Dies setzt voraus, dass eine leistungsfähige, leicht zugängliche Infrastruktur mit dem System der Einzelhilfen wirksam kommunal verknüpft wird.
Gerade die Isolierung in der Lebenssituation versperrt Zugänge, auch wenn das Hilfesystem noch so gut entwickelt ist, und reduziert zugleich die Chancen individuell ausgerichteter Hilfen; denn wenn zu wenig Erziehungsverantwortung übernommen wird, so ist dies gerade bei Menschen aus sozial belasteten Lebenslagen nicht primär als Folge eines moralischen oder bildungsmäßigen Defizits zu verstehen, sondern durch den mangelnden Zugang zu Alltagskompetenzen und Alltagsentlastung. Letzteres kann nur durch den Kontakt mit anderen Menschen und regelhaftes Nutzen institutioneller Hilfen erreicht werden.
Die bisherige Fokussierung auf Einzelhilfen, die bundesweit in den letzten Jahren parallel zu den Fällen von Inobhutnahme und Sorgerechtsentzug drastisch anstiegen, ist bereits jetzt zum Teil eine Fehlallokation bzw. im Hinblick auf die mit den Hilfen angestrebten Ziele dysfunktional. Diese Fehlallokation bezieht sich weniger auf Ressourcen, d. h. den Einsatz von Geld und Menschen, sondern besteht vor allem im Hinblick auf das Ziel, die Angst vor Versagen und die Hoffnungslosigkeit von Eltern in spezifischen Situationen aufzulösen und deren Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit zu stärken. Es fehlen die Erfahrung der Gemeinsamkeit mit anderen Betroffenen und die daraus erwachsende Kraft und Bereitschaft, mehr Erziehungsverantwortung zu übernehmen. Häufig geht es weniger um Pädagogik, sondern vielmehr um die Nutzung von Infrastruktur, Alltagsentlastung, den Erwerb von Alltagskompetenzen, die Aufhebung von Isolierung und die Schaffung von nachbarschaftlichen und professionellen Netzwerken. Auch beim pädagogischen Hilfebedarf geht es häufig nicht um das Kontingent an Besprechungsstunden und die Face-to-face-Kontakte zu Familien, sondern um gezielte Hilfen für Eltern und für Kinder und Jugendliche. Bei der Passgenauigkeit von Einzelhilfen in Verbindung mit der Handlungskompetenz im infrastrukturellen Feld geht es um die Geeignetheit von Hilfen, nicht um die Menge des Hilfeumfangs.
Ein Hilfesystem, das zu stark auf Einzelhilfen setzt, ist nicht nur teuer, sondern wirkt auch entmutigend und entwürdigend. Dies ist keine Kritik an den Leistungen der Erziehungshilfen, sondern eine Kritik der inflationären Nutzung dieser Hilfen durch die Kommunen ohne Verknüpfung mit leistungsfähigen infrastrukturellen Angeboten. Einzelhilfen sind nur dann gesellschaftspolitisch und humanitär zu begründen, wenn sie als zusätzliches Hilfesystem auf einem gut entwickelten, leicht zugänglichen System der alltagsentlastenden Infrastruktur aufsetzen.
Die Architektur des Kinder- und Jugendhilferechts aus dem Jahr 1990 begünstigt jedoch eine Einzelfallorientierung, weil die Hilfen zur Erziehung als individuell einklagbares Recht ausgestaltet sind, während die Schaffung alltagsentlastender präventiver Infrastrukturen und Angebote als in Bezug auf Umfang und Qualität nicht festgelegter Gestaltungsauftrag formuliert wurde, der haushaltspolitisch oft als freiwillige Leistung »übersetzt« wird (Münder et al. 2009). Unter solchen Entwicklungen hatten in den letzten Jahren sowohl die Familienförderung als auch die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit zu leiden, während die Ausgaben für die Hilfen zur Erziehung ständig angestiegen sind.
Der Anstieg im Bereich »Hilfen zur Erziehung« ist ein Reflex des Hilfesystems auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung und begründet sich daher nicht fachlich. Er erfolgt in dem System, in dem die besten Voraussetzungen bestehen, die zusätzlichen Mittel für eine Ausweitung der Hilfeangebote realisieren zu können. Neben der Kindertagesbetreuung ist dies - innerhalb des Leistungsspektrums der Jugendhilfe - nur das System der Einzelhilfen, auf die ein individueller Rechtsanspruch besteht und die insofern als gesetzliche Pflichtleistungen finanziert werden müssen.
Anders als beim Ausbau der Kindertagesbetreuung hat bei den Hilfen zur Erziehung die Schaffung von Rechtsansprüchen allerdings nicht zu einer zukunftsorientierten Stärkung und Unterstützung der Infrastruktur bzw. zu ihrem Ausbau geführt. Die häufig sehr spezialisierten Angebote im Bereich »Hilfen zur Erziehung« bieten bundesweit häufig Hilfen nicht im Verbund mit anderen infra strukturellen Leistungen der Familienförderung oder der Jugendarbeit an. Auf ihr hochspezialisiertes Hilfeangebot wird von den Jugendämtern zunehmend mehr zurückgegriffen, um sicherzustellen, dass überforderte Eltern und gefährdete Kinder schnell eine Hilfe bekommen, in Bezug auf welche die Jugendämter zumindest theoretisch die Möglichkeit haben, sie regelhaft zu überprüfen. Dies dient zugleich der Absicherung in befürchteten Strafverfahren.
Nur wenige Städte in Deutschland - wie beispielsweise Hamburg - haben die Dynamik dieses Kreislaufs auch haushalterisch durchbrochen und haben parallel zum Ausbau der Hilfen zur Erziehung auch die Infrastruktur im Bereich der unterstützenden Angebote im sozialen Umfeld etwa durch Frühe Hilfen, Kinder- und Familienhilfezentren flächendeckend ausgebaut, gerade in sozial belasteten Stadtteilen. Bisher hat jedoch keine Stadt in Deutschland einen grundsätzlichen Systemwechsel eingeleitet, weil die Rechtssystematik des Kinder- und Jungendhilferechtes traditionell interpretiert wird.
Deshalb gilt es - nicht nur im Interesse des Kinderschutzes -, flächendeckend einen Paradigmenwechsel einzuleiten, der unter der Leitlinie steht: Erzieherische Unterstützung wird regelhaft durch eine wohnortnahe, alltagsentlastende unterstützende Infrastruktur geleistet. Familien sollen Unterstützungsangebote erhalten, die ihre Alltags- und Erziehungskompetenz nachhaltig stärken. Der Rechtsanspruch auf eine geeignete Hilfe zur Erziehung wird im Regelfall am wirkungsvollsten - und mit der stärkeren Beachtung der Menschenwürde - durch entsprechende Angebote der Infrastruktur erfüllt, die eine große Einzelwirkung entfalten. Darauf aufsetzend sind auch die Erziehungshilfen gesellschaftspolitisch und fachlich sinnvoll.
Nur so wird es gelingen, den präventiven Kinderschutz in Deutschland und die Ausrichtung des gesamten Kinder- und Jugendhilfesystem zukunftsfähig zu machen und in das nächste Jahrzehnt zu führen.
2. Politische und mediale Ausgangslage des Kinderschutzes
Seit 2004 werden Kindesvernachlässigungen um ein Vielfaches aufmerksamer von den Medien und der Politik wahrgenommen als zuvor. Dies zeigt insbesondere der geschärfte Blick für die Zahl der infolge von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung gestorbenen Kinder. Diese Zahl war auch in den 1970er und 80er Jahren ähnlich hoch wie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts, die Medien und die Politik haben dieses Phänomen jedoch über viele Jahrzehnte nur peripher wahrgenommen. Seit 2004 sind einige Namen der Opfer von Kindesvernachlässigung mit Todesfolge bekannter als die von vielen Bundesministern, Schauspielern und Sportlern. Tote Kinder wie Jessica, Kevin und Lea-Sophie schrieben so in Deutschland Kinderschutzgeschichte.
Das Anwachsen der öffentlichen Aufmerksamkeit hat gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung des gesamten Hilfesystems, insbesondere des Kinderschutzes gehabt. Zum einen hat die große Aufmerksamkeit die öffentliche Wahrnehmung erhöht, die Bereitschaft von Institutionen und der Bevölkerung gesteigert, genauer auf die Notlagen von Kindern zu schauen und gegebenenfalls Meldungen an die Jugendämter zu geben. Die von der Politik zur Verfügung gestellten Mittel wurden aufgestockt, um die seit Jahren zum Teil problematische Personalsituation in den sozialen Diensten der Jugendämter zu verbessern. Damit, dass der Kinderschutz mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, sind zugleich starke Einflüsse auf das fachliche Handeln verbunden. Insbesondere wird der Kontrollaspekt höher bewertet, nicht nur aus fachlichen Gründen, sondern auch weil die Tendenz zugenommen hat, insbesondere bei Todesfällen auch gegen sozialpädagogische Fachkräfte Freier Träger oder Jugendämter zu ermitteln.
Auch der Gesetzgeber hat reagiert: mit einer Konkretisierung der Schutzvorschriften in § 8a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes und mit dem Versuch, ein Bundeskinderschutzgesetz zu verabschieden, der zwar in der Wahlkampfphase der letzten Legislaturperiode gescheitert ist, aber im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zu einem vorrangigen Vorhaben erklärt worden ist.
Der Grad an öffentlicher Aufmerksamkeit scheint auch mittelfristig nicht nachzulassen. Bestehende Spannungsverhältnisse zwischen Hilfe und Kontrolle, Elternrecht und Kindeswohl haben damit an Dynamik gewonnen. Es bedarf einer klaren, fachlichen und fachpolitischen Orientierung insbesondere der Leitungskräfte, deren Aufgabe es ist, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Handlungsspielräume für fachliches Handeln zu erweitern, aber auch einen effektiven Kinderschutz sicherzustellen. Sie werden auch daran gemessen werden, inwieweit sie auf politische und administrative Rahmenbedingungen Einfluss nehmen können, die die fachlichen Handlungsmöglichkeiten des Kinderschutzes prägen.
3. Spannungsverhältnisse gestalten
Kein anderer Jugendhilfebereich ist so stark durch Spannungsverhältnisse geprägt wie der Kinderschutz. Dies ist kein Zufall. Die Umsetzung des staatlichen Wächteramts als Auswirkung von Artikel 6, Grundgesetz, nach dem die staatliche Gemeinschaft darüber wacht, dass die Eltern die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht der Erziehung ihrer Kinder wahrnehmen, gehört zu den schwersten Aufgaben in pädagogischen Handlungsfeldern. Deswegen sollen im Folgenden die zentralen Spannungsverhältnisse aufgezeigt werden, mit dem Ziel, einen Orientierungsrahmen für fachliches Handeln zu setzen. Der Anspruch muss darin bestehen, diese Spannungsverhältnisse zu gestalten, und nicht darin, eine Entscheidung für oder gegen einen der Spannungspole zu treffen oder die Spannung aufzulösen.
3.1 Das Spannungsverhältnis zwischen Elternrecht und Kinderrecht
Das Spannungsverhältnis zwischen Elternrecht einerseits und Kindesrecht bzw. Kindeswohl andererseits ist verfassungsrechtlich unauflösbar in Artikel 6 des Grundgesetzes vorgegeben. Nähert man sich bei der Suche nach einer Orientierung dem Thema, so empfiehlt es sich, das Spannungsverhältnis aus Sicht eines Kindes zu betrachten und »aufzuhellen«:
Jedes Kind hat das Recht und erwartet auch, dass seine leiblichen Eltern es liebevoll umsorgen und ihm die nötige Hilfestellung beim Aufwachsen geben. Dieses besondere Verhältnis zwischen Eltern und Kindern muss auch aus Sicht der Kinder, nicht nur aus Sicht der Eltern, jede mögliche Unterstützung der staatlichen Gemeinschaft erfahren. Das heißt, jedes Kind muss darauf vertrauen können, dass die staatliche Gemeinschaft - und insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe - dazu beiträgt, überforderte Eltern darin zu stärken, den berechtigten Ansprüchen ihrer Kinder gerecht zu werden.
Gleichzeitig muss jedes Kind aber sicher sein, dass es nicht alleine bleibt, wenn Eltern dieser Anforderung trotz Unterstützung nicht gewachsen sind und ihr Kind aufgrund mangelnder Bereitschaft oder Fähigkeit gefährden. In diesem Moment braucht jedes Kind den starken Staat, der als staatliche Gemeinschaft sein Wächteramt ausübt und dem Kind dabei hilft, sein Leben menschenwürdig führen zu können. Eine Stärkung der Kinderrechte im Alltag und in der rechtlichen Ausgestaltung ist damit der zentrale Orientierungsrahmen für das Spannungsverhältnis von Elternrecht und Kindeswohl. Handlungsbedarf besteht hier u. a. im einfachen Recht, insbesondere darin, dass im Kinder- und Jugendhilferecht die Hilfen zur Erziehung als individueller Rechtsanspruch nur den Eltern zur Verfügung stehen, nicht aber den Kindern, die nicht einmal ein eigenes Antragsrecht haben. Lediglich die Inobhutnahme ist das bescheidene Zugeständnis des riesigen Leistungskataloges des SGB VIII , der eine unmittelbare Jugendhilfeleistung ermöglicht, die durch Minderjährige eingefordert werden kann.
Ich teile die Einschätzung vieler Fachorganisationen, dass die Erweiterung des Grundgesetzes um eigenständige Kinderrechte Folgen für das einfache Recht hätte. Denkbar wäre eine Orientierung an Artikel 24 der EU -Grund-rechts-Charta, in der das Recht des Kindes nicht nur gegenüber seinen Eltern, sondern vor allem auch gegenüber der staatlichen Gemeinschaft fixiert wurde. Da Deutschland es geschafft hat, dieser Charta mit breiter Mehrheit im Bundestag und Bundesrat zuzustimmen, ist es für mich nur noch schwer nachvollziehbar, wieso es nicht möglich ist, eine analoge Erweiterung des Grundgesetzes für die Kinderrechte vorzunehmen.
Abschließend möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass ein wirkungsvoller Kinderschutz und das Wahrnehmen von Kinderrechten nicht etwa davon abhängig gemacht werden können, dass eine solche Grundgesetzänderung eintritt. Sie ist auch nicht die zwingende Voraussetzung für eine Verbesserung der Rechtssituation der Kinder. Wer verantwortungsvoll für Kinder handeln will, kann dies heute schon tun - dies gilt sowohl für Jugendämter wie für Familiengerichte als dem Teil der staatlichen Gemeinschaft, dem das Grundgesetz den Auftrag gegeben hat, über das Kindeswohl zu wachen.
3.2 Das Spannungsverhältnis zwischen Infrastruktur und Einzelhilfen
Das Spannungsverhältnis zwischen Infrastruktur und Einzelhilfen ist bereits vorne im ersten Abschnitt dieses Beitrags beschrieben worden. Deutschland braucht eine kommunal gut ausgestattete Infrastruktur von Hilfen - beginnend mit der Schwangerschaft und der Geburt - als Regelangebot von Jugendhilfe und Gesundheitshilfe. Genauso muss die Zusammenarbeit von Schulen und Jugendhilfe zur Regel werden. Darauf aufsetzend sind die Einzelhilfen notwendig und sinnvoll, mit einem höheren Maß an individueller Diagnostik und individueller Hilfeplanung, weil bei aller Gemeinsamkeit von Lebenslagen und Problemen in bestimmten Konstellationen individuelle Hilfeangebote genauso zwingend sind wie individuelle Förderangebote im Bildungsprozess.
3.3 Das Spannungsverhältnis zwischen Prävention und Intervention
Eine Intervention bedeutet, meist in Form der Inobhutnahme, das unmittelbare Handeln bei einer drohenden Kindeswohlgefährdung, um Leib und Leben eines Kindes zu schützen. Deshalb werden eine Inobhutnahme und Anrufung der Familiengerichte immer dann unverzichtbar sein, wenn es kurzfristig oder auf Dauer nicht gelingt, das notwendige Mitwirken von Eltern zu erreichen, bzw. Zeit benötigt wird, um Eltern wieder in die Lage zu versetzen, ihre Erziehungsaufgabe zu erfüllen. Eine solche Intervention begründet sich sowohl kinderrechtlich als auch verfassungsrechtlich aus Artikel 6, gesellschaftspolitisch legitimiert sie sich aber nur, wenn zuvor die Möglichkeit bestanden hat, präventive Hilfeangebote zu vermitteln, und diese durch die Eltern nicht angenommen werden konnten.
3.4 Das Spannungsverhältnis zwischen Hilfe und Kontrolle
Das Spannungsverhältnis zwischen Hilfe und Kontrolle ist in der Geschichte häufig dazu benutzt worden, um ausschließlich auf angebotsorientierte Hilfen zu setzen und damit den Fachkräften der Jugendhilfe das unerfreuliche Thema der Kontrolle zu ersparen. Diese Aufspaltung von Hilfe und Kontrolle entspricht der Aufteilung des Personals aus schlechten Krimis in good guys und bad guys . Ein professionelles Hilfeverständnis macht Kontrolle zu einem professionellen Instrument der systematischen Hilfe für einen Menschen, so wie das beispielsweise in der Medizin völlig unumstritten ist. Eine solche Kontrolle ist kein isoliertes, auf grundsätzlichem Misstrauen basierendes Instrument, sondern ein integraler Bestandteil von Fachlichkeit, so wie Schone (2008) dies formuliert hat. Vor diesem Hintergrund ist die Gemeinsamkeit von Hilfe und Kontrolle auch ein Aspekt professioneller Rollenklarheit, die im Kontakt zwischen Hilfesystem und Familie - und zwar unabhängig davon, ob dieser Kontakt über einen Freien Träger oder das Jugendamt erfolgt - unabdingbar ist.
Nicht zu begründen ist jedoch die Entwicklung von sogenannten Frühwarnsystemen, die über die Auflistung von Merkmalen infrastruktureller und individueller Art hinausgehen und Ansätze von Rasterfahndungen entwickeln, wie sie in einigen Modellen von Frühwarnsystemen in Deutschland vorgesehen sind. Jede Form systematischer Überprüfung von Eltern als grundsätzlich Verdächtige ist eine fachlich nicht legitimierte Datensammlung. Jede verdeckte Datensammlung im Rahmen eines Hausbesuches, der angeblich nur dem Erstkontakt dient, ist fachlich unredlich und im Hinblick auf den Kinderschutz entwürdigend und dysfunktional.
4. Wirksamer Kinderschutz braucht »selbstbewusste« Jugendämter
Gerade Jugendämter stehen im Rahmen der Kinderschutzdebatte in Deutschland von Seiten der Politik wie der Medien unter Dauerbeobachtung. Diese Situation bringt sowohl Chancen wie auch Risiken für den Kinderschutz in Deutschland mit sich. Um bei hilfebedürftigen Familien dem erneuten Aufkommen von Angst vor dem Jugendamt vorzubeugen und insbesondere keine neue Angst der Fachkräfte in den Jugendämtern auszulösen, brauchen wir Jugendämter in Deutschland, die auf der Grundlage verfügbaren Wissens handeln und dieses Handeln kritisch reflektieren.
»Selbstbewusste« Jugendämter stehen zur Ambivalenz von Hilfe und Kontrolle, von Frühen Hilfen und Eingriffen in das Elternrecht, weil beide Komponenten Ausdruck eines verfassungsrechtlich gewollten Spannungsverhältnisses sind und im Interesse des Kindeswohls liegen. Gefährdete und misshandelte Minderjährige brauchen starke Jugendämter, die ihre Leistungen und Hilfeangebote in belasteten Situationen frühzeitig zur Verfügung stellen, aber auch Jugendämter, die in Erfüllung des Wächteramtes für die staatliche Gemeinschaft darüber wachen, dass das Kindeswohl nicht durch die eigene Familie gefährdet wird. »Selbstbewusste« Jugendämter lassen sich weder in die Rolle des »Kinderklauers« drängen, noch sind sie bereit, die Rolle der naiven »Gutmenschen« zu spielen, die selbst bei einer hohen Gefährdung von Kindern und Jugendlichen nur auf eine Angebotsorientierung setzen.
»Selbstbewusste« Jugendämter setzen auf eine große Handlungssicherheit ihrer Fachkräfte, die durch berufsbegleitende Fortbildung, Alltagsberatung und Fallsupervision gestützt werden, um auch in schwierigen Situationen mit Hilfe kollegialer Beratung und der Nutzung von Fachverstand sachgerechte Risikoeinschätzungen vornehmen, um notwendige Hilfen sicherstellen zu können. »Selbstbewusste« Jugendämter verfügen auf der Leitungsebene über kommunikationsfähige Führungspersönlichkeiten, die mit öffentlichem Druck angemessen umgehen, aus Fehlern lernen können und Einfluss auf die finanziellen, organisatorischen und politischen Rahmenbedingungen haben. Solche Jugendämter stärken selbstbewussten Fachkräften und kooperierenden Träger den Rücken und machen Mut zur professionellen Autonomie. Sie suchen nicht zuerst nach einem Schuldigen, wenn eine fachlich verantwortete Risikoeinschätzung sich als nicht tragfähig erwiesen hat. »Selbstbewusste« Jugendämter stehen zu Fehlern, aber auch zu ihren Mitarbeitern. Sie setzen sich offensiv mit diskriminierenden Angriffen auseinander und erzwingen differenzierende Diskurse über Belastungssituationen von Kindern und Familien und Ansätze zu ihrer Verbesserung. Solche Jugendämter kooperieren mit Polizei, Schulen und Einrichtungen der Gesundheitshilfe regelhaft und sachgerecht. Sie lassen sich durch diese Kooperation nicht in ihrem gesetzlichen Auftrag verbiegen, sie stehen immer auf der Seite des Kindeswohls.
Verantwortungsvolle Jugendämter wissen, dass die Entwicklung fachlicher Standards und die Herstellung der Verbindlichkeit von Kommunikation im Innen- und Außenverhältnis Qualitätsmerkmale eines professionellen Kinderschutzes sind. Sie lassen sich aber nicht missbrauchen, um im Namen des Kinderschutzes Wegbereiter für einen Überwachungsstaat zu werden. Selbstbewusste Jugendämter stellen die Themen Kindesvernachlässigung und Kinderschutz in den gesellschaftlichen Zusammenhang von Armutsentwicklung und ihren Folgen, verstecken sich aber nicht hinter Gesellschaftskritik, sondern handeln verantwortlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten - sowohl im Hinblick auf die Ausgestaltung des Hilfesystems als auch in Verantwortung gegenüber jedem gefährdeten Kind.
5. Eckpunkte zur Weiterentwicklung des Kinderschutzes in Deutschland
Kinderschutz ist ein Brückenbauen: Brücken zwischen Elternrecht und Kindeswohl, zwischen Hilfe und Kontrolle, zwischen Einzelhilfe und Infrastruktur, zwischen Intervention und Prävention.
Kinderschutz ist Teil einer Gesamtpolitik für Kinder: Eine fachlich verantwortliche Weiterentwicklung des Kinderschutzes ist nur im Gesamtzusammenhang der Weiterentwicklung des gesamten auf Kinder bezogenen Hilfe- und Schutzsystems möglich. Deshalb müssen wir den Kinderschutz von Anfang an als integralen Bestandteil eines Prozesses der Weiterentwicklung der gesamten Jugendhilfe und der angrenzenden Politikfelder ausrichten.
Veränderte Lebenslagen machen veränderte Hilfe- und Schutzsysteme erforderlich: Die Lebenslagen von Familien haben sich gegenüber der gesellschaftlichen Ausgangslage bei der Verabschiedung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes im Jahr 1990 erheblich verändert. Viele Fälle sind nicht nur Beispiele dafür, dass Familien mit der Aufgabe der Erziehung allgemein überfordert sind, sondern hier liegen bereits das Kindeswohl gefährdende Risiken vor, die im Sinne des Kinderschutzes Handlungsbedarfe auslösen. Die Schnittmenge von quantitativ erheblich zunehmenden Erziehungsüberforderungen und Kindeswohlgefährdung sind Lebens- und Risikolagen, die durch Isolierung, Überforderung, mangelnde Unterstützung im Alltag und große persönliche Verunsicherung im Erziehungsverhalten geprägt sind. Dies bedeutet nicht nur für den Kinderschutz die Herausforderung, sich auf diese Lebenslagen präventiv und unterstützend auszurichten, sondern auch, dass wir mehr brauchen als das Instrumentarium der klassischen Einzelhilfen.
Das Zusammenwirken von Infrastruktur und Einzelhilfen ist unabdingbar: Ein zeitgemäßer Kinderschutz macht es dringend erforderlich, dass gerade in sozial belasteten Stadtteilen das Zusammenwirken von entlastender Infrastruktur einerseits und den notwendigen Einzelhilfen andererseits neu konzipiert wird. Nunmehr geht es darum, die Verknüpfung dieser Infrastruktur mit den klassischen Instrumentarien der Einzelhilfen - insbesondere bei der Ausgestaltung ambulanter Erziehungshilfen für Familien - so auszurichten, dass die wesentlichen Ausgangslagen für erzieherische Überforderung und Kindeswohlgefährdung in den Fokus genommen werden. Eine Überwindung der Isolierung und die Nutzung vorhandener infrastruktureller Angebote sowie eine stärkere Fokussierung vor allem auf die alltagsstützenden - und weniger auf die pädagogischen - Kompetenzen bei der Grundversorgung von Säuglingen und Kleinkindern oder bei der schulbegleitenden Stützung von Familien setzen eine verbindliche wohnortnahe Ausrichtung aller ambulanten sozialpädagogischen Einzelhilfen voraus.
Die Sozialen Dienste sollen zur zentralen Vermittlungsinstanz aller städtischen Leistungen werden: Die Rolle der Sozialen Dienste muss angesichts der großen Zahl der gesellschaftlichen Problemsituationen mit überforderten Familien darin bestehen, Einzelhilfen und die soziale Infrastruktur zu verknüpfen. Vor diesem Hintergrund ist die Weiterentwicklung der Sozialen Dienste in Deutschland mit einer starken professionellen Ausprägung der Funktionsbereiche Eingangsmanagement, Netzwerkmanagement und Fallmanagement ebenso die unabdingbare Voraussetzung für die Weiterentwicklung eines wirkungsvollen präventiven Jugendhilfesystems wie für die Weiterentwicklung eines im Einzelfall wirksamen Kinderschutzes. Der dazu notwendige Prozess der Neuausrichtung der Sozialen Dienste setzt auf die Stärkung der professionellen Kompetenz und auf die Unterstützung des pädagogischen Handlungsspielraums der Fachkräfte, um vielfältige Angebote im Bereich der Hilfen zur Erziehung und der übrigen Angebote von Jugendhilfe und Gesundheitswesen nutzbringend sowohl infrastrukturell als auch im Einzelfall einsetzen zu können.
Diese Neuausrichtung der Sozialen Dienste bedeutet zugleich auch den Abschied von einem Berufsbild, in dem die soziale Betreuung einzelner Familien im Zentrum stand. Diese Entwicklung ist jedoch nicht - wie manche Kritiker befürchten - eine Veränderung des Berufsbildes hin zu einer Technokratisierung der Steuerung von Hilfeprozessen, sie bedeutet vielmehr die Entlastung von Bürokratie und die Festschreibung fachlicher Verfahrensstandards, die sich in den fachlich erwünschten Prozessabläufen widerspiegeln. Der fachliche Freiheitsgrad des professionellen Handelns wird dadurch erhöht und nicht verringert. Die Sozialen Dienste werden durch diese Neuausrichtung zur zentralen gesellschaftlichen Vermittlungsinstanz insbesondere für sozial benachteiligte Familien, um für diese das gesamte Hilfe- und Unterstützungspotenzial der staatlichen Gemeinschaft zu erschließen.
Die regelhafte Kooperation zwischen Jugendhilfe, Gesundheitshilfe und dem Schulwesen wird zum Qualitätsmerkmal eines ganzheitlichen Kinderschutzes, ja sie ist dessen unabdingbare Voraussetzung. Gerade der Ausbau der Frühen Hilfen und die Sicherung der Grundversorgung von Säuglingen und Kleinkindern in erzieherisch überforderten Familien zeigen, welch große Bedeutung die regelhafte Verknüpfung zwischen Gesundheitshilfe und Jugendhilfe beim Kinderschutz hat. Weder bei der infrastrukturellen Ausgestaltung der Hilfen noch in jedem Einzelfall kann eine ausschließlich aus pädagogischer oder gesundheitlicher Sicht orientierte Hilfe wirksam werden. Wirksam ist nur die Verknüpfung beider Systeme.
Im Hinblick auf die Schule ergibt sich bei zunehmendem Ausbau des Ganztagsunterrichts für alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen zudem die Notwendigkeit, dass das Gesamtangebot an ambulanten Erziehungshilfen sich auch auf diese neuen Zeitstrukturen einrichten muss. Gleichzeitig muss von beiden Systemen früher auf Störungen im Entwicklungsprozess reagiert werden. Das regelhafte Zusammenwirken von Schulen - gerade im Einzugsbereich sozial belasteter Stadtteile - und Jugendhilfe, sowohl auf infrastruktureller Ebene wie auch im Einzelfall, muss damit zu einem Qualitätsmerkmal der Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe werden. Dies dient nicht nur dem Kinderschutz, sondern vor allem auch dem Ziel einer höheren Chancengerechtigkeit und dem Ausgleich sozialer Bildungsgefälle.
Literatur
Münder, J., Meysen, T., Trenczek, T. (Hrsg.) (2009): Frankfurter Kommentar zum SGB
VIII: Kinder- und Jugendhilfe . 6., vollst. überarb. Aufl. Weinheim: Juventa.
Ravens-Sieberer, U., Wille, N. et al. (2007): Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse aus der BELLA -Studie im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (Ki GGS ). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz , 50 (5 - 6), S. 871 - 878.
Schone, R. (2008): Kontrolle als Element von Fachlichkeit in den sozialpädagogischen Diensten der Kinder- und Jugendhilfe . Berlin: Eigenverlag der Arbeitsgemeinschaft für Kinder-und Jugendhilfe - AGJ .
Wiesner, J. (2006): SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe . 3. Aufl. München: C. H. Beck.
»Das Buch … ist all denjenigen, die mit Kinderschutzfragen in der Praxis, der Politik und der Wissenschaft beschäftigt sind, als Lektüre anzuraten, da es auch zur Reflexion des eigenen Standpunktes und der eigenen Haltung einlädt. Neben der Thematisierung der Spannungsfelder werden aber auch perspektivisch Lösungswege für einen konstruktiven Umgang aufgezeigt.«
Martina Huxoll, Socialnet, Juli 2011

Klett-Cotta Fachbuch
1. Aufl. 2010, 262 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94663-5
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Gerhard J. Suess, Dr. phil. habil., Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Familientherapeut...

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