Cotta - »Das gelobte Land der Dichter«

Briefe an die Verleger
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350 Jahre Verlagsgeschichte in Briefen

In der Geschichte der J.G. Cotta'schen Verlagsbuchhandlung, gegründet 1659 zu Tübingen, spiegelt sich die deutsche Geistesgeschichte wider. Zum 350-jährigen Jubiläum liegt hier nun ein Band mit Briefen vor, die Dichter und Denker an ihren jeweiligen Verleger geschrieben haben.

Mit Briefen von Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Jean Améry, Ernst Jünger, Golo Mann, Javier Marías u. a.

»Führen Sie doch, wertester Herr Cotta, Ihren Korrektoren die Sorgfalt zu Gemüte, mit der ein Schriftsteller, der etwas auf seine Sachen hält, ein Manuskript durchgeht, um die Darstellung des Sinnes ins Bessere und Klarere zu bringen.«
Johann Wolfgang von Goethe an Johann Friedrich Cotta, 7. Februar 1803

»Gott gebe, daß die Buchhändler Sie bezahlen.«
Jean Paul an Johann Friedrich Cotta

»Herr Baron! ... Damit Sie aber nicht glauben, ich sei in eine Tänzerin verliebt und bliebe deshalb hier und wäre recht börnisch faul, so habe ich den Anfang meines italienischen Tagebuchs ausgearbeitet, d.h. die starken Worte und Kapitel ausgemerzt, so daß das beikommende Mspt. im Morgenblatte (und zwar recht bald) abgedruckt werden kann.«
Heinrich Heine an Georg Cotta, Florenz, den 11. November 1828

»Um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich glaube an die Zukunft meiner Lebensanschauung, nicht aber an das Schicksal meiner Schriften. Deswegen schreibe ich auch so wenig.«
E. M. Cioran an Michael Klett, 17. September 1978

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung der Herausgeber
»... denn ich kenne Ihre schöne wagende Kraft.«
Vorwort von Brigitte Kronauer
»Wenn ein Mann wie Sie ...«
Freundschaft und Konflikte mit dem Verleger
»Ich fürchte, Goethe läßt seinen Faust ganz liegen ...«
Um die großen Werke
»... während das Fußvolk sich immens vermehrt«
Zeit und Gesellschaft
»Das Leben ist sehr teuer in Rom«
Geld und Honorar
»Ich wünsche, daß das Ganze heiter aussehen möge«
Handwerkliches und Druckfehler
»Kein Beileid, aber Respekt ...«
Krankheit, Klage und Tod
»... darf ich mich als Urteilender für zuständig halten«
Ein Gutachten im Rechtsstreit um den dritten Band der Tagebücher von Bismarck
Gründung des Verlages
Johann Georg Cotta an die Universität Tübingen, 1659
Verzeichnis der Briefe
Quellennachweis und Zeittafel

Leseprobe

Vorbemerkung der Herausgeber
Der vorliegende Band versammelt Briefe aus 350 Jahren Cotta'scher Verlagsgeschichte. Er ist eine Collage, die sich weder durch chronologische Ordnung noch durch Vollständigkeit auszeichnet. Bei aller Eigenart von Auswahl und Anordnung kommt hier aber doch sehr deutlich zum Ausdruck, dass dieser Verlag, über die Jahrhunderte seines Bestehens, seine Autoren immer als höchstes Gut betrachtet hat.
Die Auswahl ist eine Hommage an die Verlegerpersönlichkeiten, wie sie in den an sie gerichteten Briefen durchscheinen, und selbstverständlich auch an die Verfasser der Briefe. Und ganz en passant zeichnet er ein paar Momente unserer Kulturgeschichte nach.
Wir danken dem Verleger Michael Klett für seinen Zuspruch, Herrn Dr. Helmuth Mojem vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach und Herrn Volker Dietrich vom Verlagsarchiv der Ernst Klett AG für ihren Rat und ihre Unterstützung.
Die These, die uns gelegentlich in den Sinn kam, dass ohne den Cotta Verlag und seine Autoren ein Studium der deutschen Literatur höchstens zwei oder drei Semester dauern würde, wird hoffentlich nie zu erproben sein. [...]
Friedrich Schiller an Johann Friedrich Cotta, 24 .03 .1800
Weimar 24.März 1800
Ich kann endlich einmal wieder die Feder ergreifen, teurer Freund, um Ihnen für Ihren herzlichen Anteil an meiner Krankheit zu danken, und die Nachricht von meiner Besserung selbst zu geben. Es geht zwar sehr langsam mit der Erholung, ich kann nur mit Mühe die Treppen steigen, und der Husten dauert noch anhaltend fort; leider war ich sehr hart angegriffen, denn die lange traurige Krankheit meiner Frau hatte meine Gesundheit sehr untergraben. Dieser Winter wird uns lange im Andenken bleiben fürchte ich. Mit Sehnsucht erwarte ich den Frühling ...
Nun noch einen guten Rat. Ich fürchte, Goethe läßt seinen Faust, an dem schon so viel gemacht ist, ganz liegen, wenn er nicht von außen und durch anlockende Offerten veranlaßt wird, sich noch einmal an diese große Arbeit zu machen und sie zu vollenden. Der Faust wird, wie er mir sagte, wenn er vollendet ist zwei beträchtliche Bände, über 2 Alphabete betragen. Er rechnet freilich auf einen großen Profit, weil er weiß, daß man in Deutschland auf dieses Werk sehr gespannt ist. Sie können ihn, das bin ich überzeugt, durch glänzende Anerbietungen dahin bringen, dieses Werk in diesem Sommer auszuarbeiten. Berechnen Sie sich nun mit sich selbst, wieviel Sie glauben an so eine Unternehmung wagen zu können und schreiben alsdann an ihn. Er fordert nicht gern und läßt sich lieber Vorschläge tun, auch akkordiert er lieber ins Ganze als bogenweis ...

Heinrich Heine an Johann Friedrich Cotta, 11 .11 .1828
Florenz den 11. November 1828
Herr Baron! Ich hoffe, dieser Brief findet Sie ohne Schnupfen, Husten und ähnlichen Freuden, die jetzt in dem Lande, wo die Zitronen blühen, ebenfalls ganz besonders gedeihen und noch wohlfeiler zu haben sind. Ich armer Schelm bin jetzt in der Blüte eines Katarrhs, der es nicht ratsam macht jetzt über die Alpen zu gehen, ich muß wohl hier überwintern und Ihnen schreiben statt Ihnen persönlich aufzuwarten.
Damit Sie aber nicht glauben, ich sei in eine Tänzerin verliebt und bliebe deshalb hier und wäre recht börnisch faul, so habe ich den Anfang meines italienischen Tagebuchs ausgearbeitet, d. h. die starken Worte und Kapitel ausgemerzt, so daß das beikommende Mspt. im Morgenblatte (und zwar recht bald) abgedruckt werden kann.
Ich habe seither in den Bädern von Lukka sehr angenehme Tage verlebt, sowie auch in Livorno. Hier bin ich seit sechs Wochen, warte auf Briefe und studiere schöne Künste, wozu auch das Ballett gehört. Ich mache Sie aber nochmals darauf aufmerksam, daß ich in keine Tänzerin verliebt bin, obgleich sich eine solche Liebe sehr gut mit Schnupfen und Husten verträgt, und ein ebenso großes Unglück ist. Im Gegenteil, ich bin fleißig, schreibe sogar ein Buch, lese Malthus und Bentham, ersinne Strafrechtstheorien usw. Was die Fortsetzung der Annalen betrifft, so weiß ich nicht was ich Ihnen Bestimmtes darüber sagen soll. Wenn Sie den Wunsch hegen sie nicht fallen zu lassen, so habe ich mir gedacht, es sei gut den Titel einiger maßen beizubehalten und nur bequemer zu machen. »Neue Annalen, eine Zeitschrift für Politik, Literatur und Sittenkunde.« Dies wäre ein Titel, der dem Redakteur die größte Freiheit ließe, ein Titel, der ihm auch gestattet das belletristische Publikum ins Interesse zu ziehn und diejenigen Materialien, die das Ausland nicht brauchen kann, vollauf zu benutzen. Was die Redaktion betrifft, so gestehe ich Ihnen, daß weder meine politischen Kenntnisse oder vielmehr meine Kenntnis von der Tagespolitik, noch meine Schreibart, mich zum Redakteur eines solchen Journals geeignet machen. Sollten Sie aber dennoch, Herr Baron, ganz besonders wünschen meinen Namen als Redakteur auf den Titel der Annalen zu setzen, so will ich Ihnen darüber meine Gedanken, soweit ich sie selbst kenne, offen mitteilen:
I. Werden immer Ihre Wünsche, wenn ich sie, wie hier der Fall ist, erfüllen kann, mir mehr gelten als Privatrücksichten, und wenn Sie darauf bestehen, so will [ich] gern meinen Namen als Redakteur geben, mit der billigen Bedingung, daß auch Sie etwas für das Journal tun, d. h. ein | 51 anständiges Honorar für die Arbeiter aussetzen. (...)
Hoffentlich hat mich Dr. Lindner schon bei Frau v. Cotta hinlänglich entschuldigt, warum ich ihren freundlichen Anforderungen in Betreffdes Damenalmanachs nicht Folge geleistet. Ich habe nicht die Courage gehabt dieses direkt zu sagen, gab lieber an Lindner den verdrießlichen Auftrag, und lief fort nach Italien. Mir fehlte wirklich die Zeit, etwas für den Almanach zu schreiben, wenn ich nicht die Badesaison versäumen wollte.
Indem ich mich Ihrer Gewogenheit nochmals empfehle,
verharre ich Herr Baron Ihr ergebener
H. Heine

Ernst Jünger an Ernst Klett, 04 .08 .1970
7941 Wilflingen über Riedlingen
4. 8. 1970
Lieber Ernst Klett, Albert Hofmann sendet mir das anliegende Photo: »LSD=Kristalle, von mir im polarisierten Licht photographiert«.
Ich lege es als Anregung bei. Vielleicht hilft die Materie weiter, dann ist das Angemessene die Photographie. Auch einer der angedeuteten Übergänge zum Insektenstand. Schließlich lebt alles aus dem Ungesonderten.
Hofmann schreibt ferner: »Ich bin auf ›Annäherungen‹ außerordentlich gespannt.« Und ferner: »Kürzlich war Gordon Wasson bei uns zu Gast. Letztes Jahr erschien sein neuestes Buch Soma: Divine Mushroom of Immortality, ein Band in Großformat, Preis $ 200, in dem er gute Gründe beibringt, daß der Wundertrank ›Soma‹, der in den Hymnen der Rigveda besungen wird, nichts anderes war als der Press-Saft von Amanita muscaria.«
Es scheint sich also hinsichtlich der Drogen-Erkundung eine Art von Generalstab herauszubilden, während das Fußvolk sich immens vermehrt.
Daß ich bei der Kapiteleinteilung bleiben muß, wie sie
in den Fahnen steht, schrieb ich gestern bereits. Mit herzlichstem Gruß Dein Ernst Jünger
PS. Auch noch von Hofmann: »Vieles, was man von wissenschaftlichen Instrumenten abgebildet sieht, schneidet im Vergleich zu gewissen Produktionen der modernen Kunst nicht schlecht ab.«
Das kann ich nur unterschreiben.
Klett-Cotta Mit einem Vorwort von Brigitte Kronauer
1. Aufl. 2009, 168 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-93904-0

Stephan Askani

Stephan Askani geboren 1960, Studium der Neueren deutschen Literatur, Philosophie und Allgemeinen Rhetorik in Tübingen und Paris, Verlagslektor.

autor_portrait

Frank Wegner

Frank Wegner, geboren 1971, Studium der Literatur und Philosophie in Freiburg, Paris und Cambridge, Verlagslektor und Fotograf.



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