Körperschemastörungen erkennen und behandeln

Der KörperReich-Ansatz und seine Übungen

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Die Körperskulptur als modulare Methodik in Diagnostik und Therapie - Alter Preis 35,- EUR
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Ohne positives Körpergefühl keine psychische Gesundheit

Bei manchen psychischen Erkrankungen wie Essstörungen, Psychosen oder Traumafolgeerkrankungen verlieren die Betroffenen den Kontakt zu ihrem Körper. Die Körperschemastörung entsteht. Die Autorin stellt die Zusammenhänge dar und legt ein Ensemble von erprobten und wirkungsvollen Übungen vor. Mit Audio-CD für Therapeut und Patient.

Viele, die psychotherapeutische Hilfe aufsuchen, drücken sich und ihr Leiden über den Körper aus. »Ich spüre gar nichts, ich bin wie tot«, so oder ähnlich schildern z. B. Traumaopfer häufig ihr Körpergefühl. Auch bei Essstörungen, Psychosen und psychosomatischen Erkrankungen stehen der Körper und die Störung der Körperwahrnehmung im Vordergrund. Um hier wirksam zu behandeln, ist ein körperorientierter psychotherapeutischer Zugang unumgänglich. In der Praxis gut bewährt hat sich das von der Autorin entwickelte, langjährig erprobte und hier erstmals dargestellte Ensemble von Übungen: die KörperReich-Übungen. Der Ansatz versteht sich nicht als eigene Therapierichtung, sondern als wirksame körperbezogene Ergänzung für Psychotherapeuten aller Schulen.

Sie finden hier
- eine anschauliche Einführung in die verschiedenen Äußerungsformen von Körperschemastörungen
- eine genaue Anleitung zum Einsatz der KörperReich-Übungen
- eine Hör-CD, die alle Übungen anwendungsfertig enthält.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
I. Theoretische Hintergründe
1. Der Körper in der ambulanten Psychotherapie
2. Körpererleben und Identität
3. Körperschema
3.1 Die drei Bereiche des Körperschemas
Die Wahrnehmung des Körperäußeren
Die Wahrnehmung der Körpergrenzen
Die Wahrnehmung des Körperinneren
3.2 Die Beteiligung der Sinne an der Wahrnehmung
des Körperschemas
Der taktile Sinn
Die Bewegungssinne
Der optische Sinn
4. Die Entstehung des Körperschemas
Die Sinne als Basis des Körperschemas
Gefühle entstehen durch Bewegungen und
Körperempfindungen
Einfluss der Eltern durch Empathie und Abbildung
4.1 Übersichtsgrafik: Die Entstehung des Körperschemas
5. Das Körpergedächtnis
6. Die Entstehung der Körperdissoziation
Gesellschaftliche Bedingungen
Fehlerhafte Repräsentationen
Außenorientierung und Übernahme von
fremden Selbstanteilen
Veränderung der Körperbewegungen
Veränderung im Bereich der Emotionen
6.1 Übersichtstabelle: Diagnostik der
Körperdissoziation
Körperbewegungen allgemein
Körperbewegungen störungsspezifisch
Gefühle dem Körper gegenüber
Übersichtsgrafik: Entstehung der Körperdissoziation
Traumatische Erfahrungen
7. Die Bedeutung von Symbolen für die Körperarbeit
Symbol und Bedeutungsüberschuss
Das Unbewusste
Symbole sind die Sprache des Unbewussten
Welche Symbole verwendet das Unbewusste?
Die Entstehung von Symbolen
Symbole in der körperorientierten Psychotherapie
II. Umsetzung in die Praxis
1. Wie gelingt eine Veränderung des Körperschemas?
1.1 Übersichtsgrafik: Ansatzpunkte in der Therapie
Körperebene: spüren
Was geschieht bei dieser Übung?
Emotionsebene: ausdrücken
Hinweis zu den Formulierungen und Begriffen
Erkenntnisebene: strukturieren
2. Die Rolle der Therapeutin bei diesen Übungen
2.1 Übersichtsgrafik: Die KörperReich-Theorie
des gesunden Körperschemas
2.2 Übersichtstabelle: Behandlungsschwerpunkte
bei einzelnen Störungsbildern
III. Übungen
1. Die KörperReich-Übungen
Die Durchführung
2. Wirkung und Einsatzmöglichkeiten der Übungen
3. Übungen
Innenraum
Unklarer Gefühlszustand
Ein Gefühl verstärken, klarer spüren wollen
Entspannung durch Bewegung
Der sichere Raum
Körper ausschütteln
Körper ausstreichen
Steinübung
Achtung!
Anhang
Zwei Körperfragebögen
Dank
Literatur

Leseprobe

Einleitung
KörperReich ist ein therapeutischer Ansatz, der sich aus meiner langjährigen Erfahrung entwickelt hat.
In meinem ersten Beruf als Erzieherin, den ich sieben Jahre ausübte, habe ich mit Kindern aller Altersstufen gearbeitet: im Kinderhort (mit Babys ab drei Monaten), mit Kindergartenkindern und verhaltensauffälligen Jugendlichen (im Heim). Es waren vor allem die Kinder, die mich dazu inspirierten, mich mit Körpersprache und Körperausdruck zu befassen. Kinder erklären und begründen nicht, warum sie schlagen, beißen, weinen, herumhüpfen und juchzen, sie tun es einfach. Genauso wenig reagieren sie auf Schimpfen, Erklärungen und Appelle an die Vernunft so, wie Eltern und Pädagogen es gerne hätten, sie antworten vielmehr auf die Körpersprache der Erwachsenen.
Mein erster »Klient« war der zehnjährige Miro 1 , ein Junge im Heim. Die Heimlehrer beklagten sich darüber, dass er völlig unleserlich schreibe, und er fiel in der Gruppe auf, weil er immer mit eingezogenem Kopf herumlief. Ich begann daraufhin in Absprache mit dem Behandlungsteam, ein- bis zweimal pro Woche mit ihm körperlich-rhythmische Spiele und Übungen zu machen. Wir legten mit Seilen einfache Muster auf den Boden und tasteten sie mit geschlossenen Augen ab, malten großflächige Bilder mit Fingerfarben, kneteten mit Salzteig und bauten Kletterparcours aus Tischen und Stühlen, die wir vorwärts, rückwärts und mit geschlossenen Augen durchquerten. Diese und viele andere Spiele, an denen sich mit der Zeit die ganze Gruppe beteiligte, führten nach nur wenigen Monaten dazu, dass Miros Schrift leserlich und seine Haltung aufrechter wurde. Dabei hatten wir niemals ausdrücklich Schönschreiben oder Aufrechtgehen geübt.
1989 begann ich mein Psychologiestudium in Trier. Bei aller Begeisterung für das Lernen fehlte mir jedoch der Bezug zur Praxis und zum Alltag. Als Ausgleich verordnete ich mir einen Workshop bei der Tanztherapeutin Gisela Weiland in Waiblingen. Es kostete einige Überwindung teilzunehmen, weil ich mich in meinem Körper unwohl fühlte. Manchmal hatte ich den Eindruck, ich könne, wenn mich jemand beobachtete, kaum ohne zu stolpern geradeaus laufen.
Die Überwindung hat sich für mich gelohnt. Gisela führte uns mit spielerischen Übungen einfühlsam und kompetent zur Körperwahrnehmung hin. Für kurze Momente spürte ich eine neue Verbindung zu meinem Körper, konnte mich freier, sicherer und vor allem freudiger bewegen. Damit hatte ich Feuer gefangen und wollte mich noch intensiver mit meinem Körper auseinandersetzen, mich in ihm mehr zu Hause fühlen.
Die Tanztherapieausbildung am Frankfurter Zentrum für Tanztherapie, bei Fe Reichelt, bot mir eine ideale Ergänzung, da ich hier meine neu entdeckte Freude am Tanzen und der Bewegung mit einer the rapeutischen Ausbildung verbinden konnte. Sie dauerte, studiums- und berufsbegleitend, sechs Jahre und beinhaltete viele Stunden eigenes intensives Tanztraining, Lehrtherapie und Praxiserfahrung. Jahrelang hatte ich das Gefühl, zwischen zwei Welten hin und her zu wechseln, die kaum miteinander in Verbindung standen: Einerseits die universitäre Ausbildung, die vor allem meinen Geist schulte und mein psychologisches Wissen mehrte, anderseits die eigene Tanztherapie und Tanztherapieausbildung, die mich mit Erfahrungen und Gefühlen in Kontakt brachten, die unmittelbar mit dem Körper zu tun hatten.
Studierte ich an der Universität, hielt ich meist vergeblich nach Themen, die mit Körper und Bewegung in Zusammenhang standen, Ausschau. In der tanztherapeutischen Ausbildung wiederum fehlten mir befriedigende theoretische Hintergründe und Erklärungen für das Erlebte und die zunehmenden Veränderungen in meinen Bewegungsmustern. Ich suchte also selbstständig nach Verbindungen und Übertragungsmöglichkeiten, damit die Erkenntnisse und Erfahrungen meiner beider Ausbildungen nicht mehr lose nebeneinander standen. Durch diesen Prozess entstand eine Einheit, die mein therapeutisches Arbeiten heute wesentlich ausmacht.
Seit 2001 habe ich mich in einer eigenen Praxis niedergelassen.
Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit besteht in der Verbindung von Ge spräch und Körperarbeit. Frauen und Mädchen ab 15 Jahren sind der über wiegende Teil meiner Klientinnen, und es liegt vermutlich u. a. an der Körperarbeit, dass der Anteil an männlichen Klienten gering ist. Deshalb habe ich mich auch für die weibliche Schreibweise »KlientIn« entschie den, außer wenn im Text eine bestimmte Klientin gemeint ist. Ebenso habe ich die Schreibweise »TherapeutIn« gewählt, da zu den von mir angebotenen Fortbildungen vorrangig Kolleginnen kommen. Ich habe mich auf die Behandlung von Essstörungen spezialisiert, biete dazu Einzel- und Gruppentherapien sowie Elternberatung an. Hinzu kommen monatliche tanztherapeutische Abende, die von allen weiblichen Klientinnen wahrgenommen werden können. Ein weiterer Schwerpunkt stellt die Therapie von Frauen mit sexualisierter Gewalterfahrung dar. Diese beiden Klientinnengruppen erfahren durch einen körperpsychotherapeutischen Ansatz eine besonders geeignete Un terstützung; dies gilt auch für Menschen mit Angststörungen, psychosomatischen Störungen und Psychosen ebenso wie für depressive KlientInnen.
Die unmittelbare Erfahrung, dass Gedanken und Worte in engster Verbindung mit Gefühlen und Körpererleben stehen, ist ein wesentliches Element meiner Vorgehensweise, die ich KörperReich nenne. Mit diesem Buch und mit den beschriebenen Methoden möchte ich keine neue Therapieform begründen, sondern ambulant arbeitenden, gesprächsorientierten PsychotherapeutInnen einen Zugang ermöglichen, zum Reich des Körpers und den Möglichkeiten, die darin stecken, wenn wir ihn in der psychotherapeutischen Praxis mitberücksichtigen.
Über die Arbeit mit dem Körper und dem Körpererleben kann in der ambulanten Therapie Zugang zu Problembereichen geschaffen werden, die rein gesprächsorientierten Verfahren verschlossen bleiben:
- Symptome werden über das direkte körperliche Erleben verstanden.
- Unbewusste, komplexe, emotionale (frühe) Erfahrungen können mithilfe des Körpers ausgedrückt werden.
- Körpererinnerungen werden symbolisiert und verbalisiert und können dadurch verändert werden.
- Ein emotionales Containment 2 wird über den Körper aufgebaut.
- Der Körper wird als Ressource, als hilfreiche Quelle, erlebt.
- Tiefgreifende Veränderungen und Heilungen werden angeregt.
Die Einheit von Intellekt, Emotionen und Körper macht das Menschsein aus, und wir fühlen uns erst wohl, wenn diese drei Bereiche in Harmonie sind. Ich möchte dazu anregen, in der Psychotherapie Intellekt, Emotionen und Körper gleichermaßen anzusprechen, und vor allem Möglichkeiten aufzeigen, wie der, immer noch sehr vernachlässigte, Körper in eine Gesprächspsychotherapie integriert werden kann.
Die eingefügten Zeichnungen stammen von meinen Klientinnen, aber auch von Seminar- und Fortbildungsteilnehmerinnen. Ich nenne sie »Kritzelbilder«, da sie ohne künstlerischen Anspruch nach einer Körperübung gekritzelt werden, sie sollen zeigen, wie die Energie im Körper fließend (siehe auch S. 95) wahrgenommen wird.
Während der Arbeit am Buch fragte ich zwei meiner Klientinnen, ob sie über ihre Erfahrungen und Entwicklungen bezüglich ihres Körpererlebens schreiben wollten. Beide sagten mir, dass sie im Laufe der Therapie bereits viel geschrieben und beschrieben hätten, was sie erlebten und empfanden. Sie waren bereit, mir ihre Texte und Zeichnungen zur Ver öffentlichung zu überlassen. Es ist sehr beeindruckend und anrührend zu lesen, wie meine Arbeitsweise auf sie wirkte und wie sie ihre inneren Vorgänge beschrieben. Es ist vielleicht für andere Betroffene hilfreich, dass sie uns daran Anteil nehmen lassen.
Hanna kam mit 16 Jahren zu mir, sie hatte eine starke Bulimia nervosa. Die Gruppen- und Einzeltherapie mit monatlicher Tanztherapie dauerte drei Jahre. Heute ist sie 22 Jahre alt und gesund. Sylvia (30 Jahre) leidet unter einer Psychose. Mithilfe von Neuroleptika ist sie in der Lage, ihren Beruf als Bibliothekarin in Leitungsfunktion auszuführen. Sie war eineinhalb Jahre bei mir in Einzeltherapie.
In die Gestaltung des Buches ist das Wissen um die drei Bereiche, die das Menschsein ausmachen, eingegangen: Die Texte der Betroffenen sprechen den Intellekt an, die emotionale Ebene wird durch die Bilder und Symbole erreicht, die Körperebene durch die praktischen Übungen. Dieses Buch vermittelt TherapeutInnen, die mit körperpsychotherapeutischen Interventionen in der ambulanten Psychotherapie arbeiten wollen, theoretisches und praktisches Wissen.
Es eignet sich ferner für Betroffene, denn es beinhaltet einfache Übungen, die auch zu Hause ausgeführt werden können. Der erste Teil erläutert die theoretischen Zusammenhänge und verbindet entwicklungspsychologisches und psychotherapeutisches mit tanz- und bewegungstherapeutischem Wissen. Der zweite Teil beschreibt die mögliche Umsetzung der Theorie in die therapeutische Arbeit. Im dritten Teil zeige ich die praktische Durchführung der KörperReich-Methode anhand von speziellen Übungen, die ich entwickelt habe.
Die beigefügte CD mit von den von mir gesprochenen Übungstexten gibt einen Einblick, wie die Übungen durchgeführt werden können, erleichtert das Erlernen und soll zum regelmäßigen Üben motivieren.
Klett-Cotta Leben lernen Leben Lernen 209
1. Aufl. 2008, 141 Seiten, broschiert, mit Hör-CD mit Übungen und Musik
ISBN: 978-3-608-89070-9
autor_portrait

Elke Weigel

Elke Weigel, Diplom-Psychologin, ist ausgebildete Tanztherapeutin. Nach ihrer Tätigkeit in ambulanter Rehabilitation, Beratungsstelle und Klinik ist ...



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